Die Regeln der Regeländerung
Schon über 100 Regeländerungen wurden in der Geschichte des Eishockeys vorgenommen. Die jüngste Anpassung ist, dass die fünfminütige Verlängerung mit drei gegen drei Feldspielern gespielt wird.
Hermann Pedergnana 12.09.2016, 09.00 Uhr
Seit dieser Saison dürfen im Schweizer Eishockey in der Verlängerung nur je drei Feldspieler eingesetzt werden. Die Änderung hatte ihren Ursprung in den Köpfen nordamerikanischer Sportmanager. Einmal ausgeheckt, folgte die Testphase, erst in Vorbereitungsspielen, dann eine Saison lang in der American Hockey League. Und als sie ins NHL-Regelbuch aufgenommen wurde, zog der Internationale Eishockeyverband nach. So war der Ablauf in der Vergangenheit fast immer.
Zwei Faktoren bestimmten viele der Regeländerungen: die Beschränkung der Ausgaben und der Wunsch, das Spiel schneller und attraktiver zu machen. Auf die Kostenbremse traten die NHL-Klubbesitzer 1912, als sie die Spielerzahl auf dem Eis von sieben auf sechs reduzierten. Nur missfiel dies den Professionals im Westen, so dass sich das Kuriosum ergab, dass die Finalserien im Osten mit sechs und jene im Westen mit sieben Mann ausgetragen wurden – der Siebente war ein Rover oder Libero.
Am Kaderbestand wurde laufend herumgedoktert, ebenso an der Funktion der blauen Linien. Lange waren Steilpässe nicht oder nur innerhalb der Abwehrzone und des neutralen Drittels erlaubt. Hatte der Puck die Verteidigungszone verlassen, durften nur zwei oder drei Feldspieler zurückbleiben. Bis 1917 durfte der Torhüter nicht zu Boden gehen, auch hatte er anfänglich Strafen selbst abzusitzen.
Oft drängten sich Änderungen aufgrund von Ausnahmeleistungen auf. Dass der Goalie George Hainsworth 1929 in 44 Partien 22 Shutouts verzeichnete, zeigte auf, dass offensivere Spielweise angezeigt war. Die Torproduktion stieg, nachdem Steilpässe in die neutrale Zone erlaubt worden waren. Als einschneidendste Massnahme wurde 1943 die das Eisfeld teilende rote Linie eingeführt. Die Europäer widersetzten sich energisch, auch die damals nebst den Tschechen massgebenden Schweizer.
Der grosse Bibi Torriani war einer der vehementesten Kritiker. Zur Demonstration wurde 1947 auf dem Dolder ein Testspiel gegen ein kanadisches Militärteam ausgetragen – die Schweizer verloren klar. In den 1970er Jahren drohte Kanada mit dem Austritt aus dem Weltverband, sollten Bodychecks in Europa nicht auch ausserhalb der Abwehrzone erlaubt werden. Eine Dekade später öffnete die Abschaffung des Red-Line-Offsides das Spiel noch mehr. Pässe bis an die gegnerische blaue Linie wurden zur Norm. Auch wenn die Regeländerungen meist denselben Verlauf nehmen, bleibt gelegentlich etwas im Dunkeln: Wer ausgeheckt hat, dass in Europa die Rinkbreite 30 statt 26 Meter beträgt, lässt sich nicht mehr eruieren.
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