Er spricht über die Heim-WM, Rikard Grönborg, die Aufbruchstimmung und die tragische Geschichte um Robert Nilsson
ZSC-Stürmer Pius Suter im exklusiven Interview: "Es wird jedes Jahr schwieriger Tore zu erzielen"
Die letzte Saison war für die ZSC Lions alles andere als zufriedenstellend. Unter Rikard Grönborg soll nun der Weg zurück an die Spitze der Liga gefunden werden. Warum das nicht ganz einfach sein wird, erklärt ZSC-Stürmer Pius Suter im exklusiven Interview.
Wie läuft die Vorbereitung für dich und für das Team?
Pius Suter: Gut, wir sind hart am Arbeiten und trainieren viel. Die Taktik haben wir auch je länger je besser einstudiert.
Du sprichst es an: Neue Taktik, neuer Trainer - einmal mehr muss man bei den ZSC Lions sagen: "Alles ist neu". Was ist dein Eindruck von Rikard Grönborg?
Er hat eine klare Linie und er sagt deutlich, was er von einem erwartet. Jede Kleinigkeit wird korrigiert und das ist gut so.
Ist Rikard Grönborg mit einem der vorherigen Trainer vergleichbar?
Schwierig zu sagen, jeder Trainer hat seine Eigenheiten. Rein vom Trainingsaufbau her kommt er am ehesten an Mark Crawford heran, aber schlussendlich hat jeder seine eigenen Taktiken.
Kannst du etwas genauer erläutern, was du damit meinst, dass er am ehesten an Mark Crawford herankommt? Bedeutet das vor allem harte Trainings?
Es ist mehr wie man in die Trainings startet: Zuerst ein paar Auslösungen, danach Pass/Lauf/Schuss-Übungen in denen man schnell abschliessen muss und zum Schluss wird mit fünf gegen fünf gespielt und die Taktik geschult.
Herrscht in der Mannschaft eine Aufbruchstimmung oder gibt es noch immer ein wenig Nachwehen auf Grund der letzten Saison?
Nein, ich glaube die vergangenen Saison hat jeder so schnell wie möglich versucht zu vergessen. Es gilt nach vorne zu schauen, über die letzte Spielzeit wurde genug diskutiert. Jetzt müssen wir einfach schauen, dass wir gut starten können und gute Testspiele zeigen, damit wir ein gutes Gefühl bekommen. Zudem haben wir viele neue Spieler, welche sich aufdrängen.
Wie hast du die neuen Spieler bisher wahrgenommen? Konntest du bereits neue Freundschaften knüpfen?
Ja sicher, jene die mit uns ins Sommertraining gestartet sind, gehören mittlerweile rund 15 Wochen zur Mannschaft. Nur die Ausländer sind etwas später zu uns gestossen. Aber es geht schnell, nächste Woche sind wir im Trainingslager in Films und dann wird man sich noch ein bisschen mehr sehen.
Was stimmt dich zuversichtlich, dass es für die ZSC Lions eine richtig gute Saison gibt?
Wenn ich unseren Kader betrachte, dann haben wir Qualität, wir müssen sie einfach umsetzen, was uns im letzten Jahr nicht gelungen ist. Wir haben mit einem neuen Coach neue Ansätze. Schlussendlich liegt es an uns, was wir daraus machen.
Wo siehst du in der neuen Saison die grössten Schwierigkeiten?
Alle Teams sind taktisch und defensiv sehr gut aufgestellt. Es wird jedes Jahr schwieriger Tore zu erzielen. Trotzdem ist es schwer zu sagen, wo die Schwierigkeiten liegen werden. Wir hatten ja erst eine Partie gegen die GCK Lions (Anm. d. Red.: 6:1-Sieg).
NHL-Scout Thomas Roost schreibt bei uns wöchentlich eine Kolumne. Zuletzt schrieb er über die ZSC Lions und meinte dass die Mannschaft im Vergleich zur letzten Saison kampfstärker geworden ist, aber an Spielstärke eingebüsst hat. Siehst du das auch so?
Ich weiss es nicht. Ich glaube die Spieler, welche wir bekommen haben, sind Spielerisch sehr gut, aber ob dieser Vergleich zutrifft kann ich nicht sagen.
Du bist jetzt 23 Jahre alt, seit fünf Jahren in der ersten Mannschaft der Lions, wie siehst du deine Rolle?
Ich möchte einer der Spieler sein, welcher das Team führen kann. Dies will ich vor allem mit guten Leistungen tun. Wichtig ist, dass ich von Anfang an tun werde und die anderen dadurch mitreissen kann.
Könntest du dir vorstellen bis zum Ende deiner Karriere für die Lions zu spielen oder möchtest du irgendwann noch etwas anderes erleben?
Mir gefällt es in Zürich, bin hier aufgewachsen und seit meiner Kindheit beim ZSC. Zudem habe ich noch einen Vertrag über die nächsten vier Jahre. Es gefällt mir sehr in Zürich. Für mich gibt es im Moment nichts besseres.
Im Sommer findet die Heim-WM für dich im eigenen Stadion statt. Das ist mit Bestimmtheit ein Ziel für dich?
Ja, definitiv. Es wäre ein Traum vor der Haustüre eine WM spielen zu können. Es wird eine Riesenstimmung geben und die Spieler freuen sich alle auf das Ereignis. Sicher ist es ein grosses Ziel dabei sein zu können, aber dafür braucht es gute Leistungen mit Zürich und dann können wir weiterschauen. Der Quali-Alltag hat momentan Priorität.
Zum Schluss möchte ich noch auf die tragische Geschichte von Robert Nilsson kommen. Wie nimmt man diese als Teamkollege wahr?
Es ist nicht schön anzusehen. Manchmal sieht man ihn mehr, manchmal weniger. Es ist tragisch und sehr schade, ich meine, er ist ein unglaublich guter Eishockeyspieler. Wir hoffen natürlich alle, dass er in erster Linie im Alltag wieder ein normales Leben geniessen kann. Klar wäre er eine grosse Hilfe im Team, das ist aber sicherlich nicht die erste Priorität. Es zeigt eindrücklich auf, was passieren kann, wenn man eine Gehirnerschütterung hat und wie gefährlich Checks sein können. Aber wenn man spielt, denkt man nicht daran.