Peter Guggisberg (25) ist der begehrteste Spieler auf dem Transfermarkt. Wenn Guggisberg sein bestes Hockey spielt, ist der letztjährige HCD-Topskorer (20 Tore/22 Assists/44 Spiele) einer der schnellsten und spektakulärsten Stürmer ausserhalb der NHL.
Für wen stürmt er nächste Saison? Für den HC Davos oder für den SC Bern? Nur noch diese zwei Klubs sind im Rennen.
Der SCB hat viel Geld
HCD-Trainer Arno Del Curto hat heute Montag eine weitere Besprechung mit seinem Spektakelstürmer. Sein Ziel: Guggisberg davon überzeugen, dass es das Beste ist, ein weiteres Jahr beim HCD zu bleiben. Bis die Knieverletzung ganz ausgeheilt ist. Guggisberg hat diese Saison erst sieben Spiele bestritten (2 Tore/4 Assists).
Diese Vertragsverlängerung wäre kein Problem, wenn da nicht der SC Bern wäre. SCB-Sportchef Sven Leuenberger hat für nächste Saison unter anderem Christian Dubé und Simon Gamache nicht mehr auf der Lohnliste. Er kann mehr als eine Million auf dem Transfermarkt investieren ohne das Salärbudget zu erhöhen. Da kann er sich sowohl um Guggisberg wie auch um Nationalverteidiger Severin Blindenbacher bemühen und trotzdem sagen: «Wir werden das Budget für nächste Saison nicht erhöhen.»
Salärobergrenze beim HC Davos
Die Gewährsleute in Davos bestätigen, dass Berns Angebot im sechsstelligen Bereich (also um über 100 000 Franken) höher ist als die Verlängerungs-Offerte des HC Davos. Beim HCD gibt es eine Salärobergrenze: Es macht keinen Sinn, die über Jahre gut strukturierte Salärhierarchie nun durch ein Wahnsinnsangebot von über 650 000 Franken aus der Balance zu bringen und Guggisberg zum bestverdienenden HCD-Spieler aller Zeiten zu machen. Arno Del Curto sagt es ohne Zahlen zu nennen gegenüber 20 Minuten Online so: «Wir haben gewisse Limiten.»
Damit steht Guggisberg, bei den SCL Tigers gross geworden, vor der Wahl: HC Davos oder Heimkehr ins Bernbiet zum SC Bern. Geld oder Geist? Immerhin ist Guggisberg nach turbulenten Jahren auch dank der Geduld und der Loyalität des HC Davos das geworden, was er heute ist. Tendenz: Geist statt Geld. Er bleibt eine weitere Saison in Davos.
Welcher Ausländer muss weg?
Eine weitere, heikle Personalfrage, die den HCD-Trainer beschäftigt: Welcher der fünf aktuellen Ausländer - Petr Sykora (32), Josef Marha 34), Peter Sejna (31), Petr Taticek (27) und Jaroslav Bednar (34) muss den HC Davos Ende Saison verlassen?
Sejna ist erst daran, sich von seiner Verletzung zu erholen (bisher 5 Spiele/1 Tore/1 Assist) und mit den anderen vier ist der Trainer sehr, sehr zufrieden. Bednar ist Topskorer, Sykora bester Torschütze des Team.
Wird Josef Marha Schweizer?
Sejna hat einen Vertrag für nächste Saison, seine vier Kollegen haben alle auslaufende Verträge - und möchten in Davos bleiben. Zurzeit klären die Davoser ab, ob eine Chance besteht, dass Josef Marha (seit 2001 in Davos) den Schweizer Pass bekommen kann. Arno Del Curto gegenüber 20 Minuten Online «Dann wäre das Problem gelöst.» Doch die Chance auf eine Einbürgerung sind sehr gering. Einer muss wohl gehen. Die nächste Saison mit fünf Ausländern zu bestreiten, wird zumindest jetzt noch ausgeschlossen. Nicht nur aus finanziellen Gründen.
Arno Del Curto sagt, es sei auch sehr, sehr schwierig, fünf ausländische Spieler während einer ganzen Saison zufrieden zustellen, wenn nur vier spielen dürfen. Bisher hat sich das Problem wegen der Verletzung von Sejna noch gar nicht gegeben und.bis zu den Playoffs löst der HCD-Trainer den Fall auf seine Weise: «Ich gebe am nächsten Wochenende Bednar frei und er kann einen Heimaturlaub machen. Dann dürfen auch Taticek, Sykora und Marha ein paar Freitage einziehen. Nur Sejna muss nach seiner Verletzungspause immer spielen, damit er in Form kommt. Für die Playoffs werde ich dann entscheiden, wer auf die Tribune muss.»
Und wie gehts mit Del Curto weiter?
Offen ist auch noch die Zukunft von Arno Del Curto. Am letzten Samstag kam er erst über zwei Stunden nach Spiel gegen Servette aus dem Stadion - und noch immer wartete draussen ein…Lugano-Fan auf den HCD-Trainer, liess sich ein Autogramm geben und legte ihm ans Herz, ja nächste Saison nach Lugano zu kommen.
Der HC Davos hat vergeblich versucht, den Vertrag mit seinem Trainer bereits vor dem Spengler Cup um mehrere Jahre zu verlängern. Damit ist zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt (Sommer 1996) im Januar noch nicht sicher, ob er in Davos bleibt. Arno Del Curto lässt sich Zeit und sagte gegenüber 20 Minuten Online: «Zuerst will ich die Mannschaft für die nächste Saison fertig zusammenstellen.» Dazu gehören unter anderem die Vertragsverlängerungen mit Peter Guggisberg und Dino Wieser, die Del Curto vor dem nächsten Spiel unter Dach und Fach bringen möchte. «Wenn einmal die Mannschaft steht, ist die Zukunft des HC Davos gesichert und ich kann mir mit meiner Entscheidung Zeit lassen. Warum muss denn jetzt schon bekannt sein, wer den HC Davos nächste Saison trainiert?»