Interessanter Artikel in der SZ mit Rüfenacht:
...
Ihr Image war lange von den vielen Strafminuten geprägt, die Sie sammelten. Ist es schwieriger, sich selbst zu ändern - oder die Meinungder Leute?
Ich spiele durchaus aggressiv, aber fair. Das mit den Strafminuten erzählt nicht die ganze Geschichte. Ich musste mich immer überall zuerst beweisen. Für mich war es logisch, dass ich gute Eiszeit nie geschenkt bekomme. Bei der heutigen Generation ist das vielleicht weniger so. Die Mentalität ist oft: Du musst mir die Eiszeit geben, dann bekommst du von mir die Leistung. Meine Mentalität war dagegen: Ich probiere mich zu beweisen und hochzukämpfen - von der vierten Linie in die dritte, von der dritten in die zweite, von der zweiten in die erste. In Zug hatte ich eine andere Rolle, in Lugano anfangs auch - das änderte erst, als sich Domenichelli und Murray verletzt hatten.
......
Das Theater gehört also zum Eishockey?
Klar. Wenn mich einer berührt und ich zurückweiche und hässig aussehe, bin ich gar nicht so hässig. Aber so gebe ich ihm das Gefühl, dass ich aus dem Konzept bin. Dabei lenkt mich das gar nicht ab. Es ist wie ein Spiel, aber das begreifen viele Leute nicht: dass ich diese Emotionen sehr gut unterscheiden kann und im Griff habe. Wir sind auch Entertainer, und die Leute wollen das sehen. Ich finde es ausserdem lustig, es macht Spass, einander anzuzünden. Die Leute zahlen, um uns zu sehen, da sollten wir ihnen eine Show bieten. Aber ich will diese Show auch gewinnen.
Dann trägt man solche Szenen dem Gegner auch nicht nach?
Nein. Lapierre hat einfach seinen Job gemacht, ich meinen. Wäre es 1:5 gewesen, hätte ich vielleicht zurückgeschlagen.
Ist solches Verhalten Schweizern fremd?
Schwierig zu sagen. Ich habe das einfach in mir drin. In der Schweiz kennt jeder jeden, ist fast miteinander aufgewachsen, hat Freunde in anderen Teams. Ich habe hier keine Freundschaften, die in die Kindheit zurückreichen. Ich rede auch nicht mit Gegnern vor dem Spiel, wie man das in der NLA immer wieder sieht. Bei mir kommt das wohl aus den USA, wo von klein auf starker Konkurrenzkampf herrscht. Wo es vor jeder Saison Tryouts gibt, in denen man sich fürs Team qualifizieren muss. Nach dem Spiel ist das anders, aber vorher will ich nicht der Freund eines Gegners sein. Ich weiss nicht, ob alle das unterscheiden können.
.....
Ist diese Rücksichtslosigkeit im Sport unschweizerisch?
Hier gibt es einfach viel weniger Konkurrenz. Wenn du mal in der Liga bist und ein schlechtes Jahr hast, bekommst du in der nächsten Saison wieder die Chance, dich zu beweisen. Wenn du in Amerika eine schlechte Saison hast, bist du schnell weg vom Fenster. Aber es ist wohl auch eine Charaktersache: Ich wollte immer der Beste sein, schon in der Familie. Wenn ich gewonnen habe, habe ich das meine Brüder immer wissen lassen, weiter Öl ins Feuer gegossen. Ich war stets ein Schlitzohr und Wettkampftyp. Du willst dich ja immer verbessern, und spätestens wenn du Kinder hast, geht es auch ums Geldverdienen. Darum, für die Familie zu schauen. Vielleicht habe ich das einfach darum mehr im Blut, weil ich mir alles erkämpfen musste.