Triffts ziemlich gut! Hauptsache gewonnen. Aber da ist sehr viel Luft nach oben!
Mit Goaliewechsel zum Glück
Der ZSC setzt für Spiel 3 auf Niklas Schlegel, besiegt Lugano 1:0 und liegt in der Serie wieder vorn. Ausser im Tor klappt wenig.
Philipp MuschgZürich
Erlösung. Nichts weniger war es, was zwanzig Sekunden vor Ende des zweiten Drittels die Gesichter der ZSC-Akteure ergriff. Endlich, endlich hatten sie ein Tor geschossen, das torlose Patt aufgelöst. Strahlend sprintete Herzog auf Geering los, dessen Schuss von der blauen Linie an Freund und Feind vorbei den Weg ins Netz gefunden hatte. Geering machte einen kurzen Schlenker und tat für einen Moment so, als sei das alles normal. Dann verschwand er in einer rotblauen Spielertraube.
Aber normal war dieses 1:0 natürlich keineswegs. 40 Schüsse hatten die beiden Teams zuvor aufs gegnerische Tor gebracht. Manche aus Verlegenheit, einige waren schwach geschossen, viele aus dem Powerplay heraus, das diesen Namen auf beiden Seiten - einmal mehr - nicht verdiente. Und alle waren sie Beute der beiden überragenden Torhüter Elvis Merzlikins und Niklas Schlegel.
Noch am Mittwoch hatte sich Trainer Hans Wallson nicht festlegen wollen, ob er für Spiel 3 einen Torhüterwechsel in Betracht ziehe. Dass er sich schliesslich für den Wechsel entschied, war entscheidend für den Sieg. Und doch sagte Wallson nach dem 1:0 nicht viel mehr als: «Niklas hatte es verdient zu spielen, aber wir haben zwei gute Goalies - das beste Tandem der Liga.» Das jüngere der zwei Räder dieses Tandems war verantwortlich für die Rückeroberung der Führung in dieser Serie, die spätestens seit gestern zum Abnützungskampf mutierte.
Schlegel machte bei den wenigen zwingenden Luganeser Chancen einen bestechenden Eindruck, hatte bei den Gehäusetreffern von Sannitz (34.), Bürgler (54.) sowie Hofmann (58.) das nötige Glück und war dafür besorgt, dass die erschreckende Rezeptlosigkeit seiner Teamkollegen nicht bestraft wurde. Dass der ZSC morgen nicht in Rücklage ins Tessin reisen muss.
Der Held musste schweigen
Denn was die Feldspieler des ZSC nach ein paar passablen Startminuten zu bieten hatten, war dürftig. Den Ton setzte Herzog, als er nach 47 Sekunden einen Penalty verschoss. Danach rannten die Zürcher willig, aber ohne allzu viel Dringlichkeit an. «Wir wollten mit viel mehr Energie starten», beklagte Wallson, «aber die Spieler spürten offenbar den Druck.» Bei den Luganesi sah es nicht besser aus, doch das dürfte ihnen recht gewesen sein: Immerhin reichte eine solide Defensivleistung gegen den Favoriten für ein völlig offenes Spiel.
Was heisst offen: Ohne einen Goalie wie Schlegel oder mit einem funktionierenden Powerplay hätte die Partie gut auf die Seite der Gäste kippen können - sie spielten im Mitteldrittel während 2:59 Minuten in doppelter Überzahl und schafften es kaum einmal, sich im Angriffsdrittel festzusetzen. «Danach rissen wir das Spiel an uns», so Wallson reichlich schönfärberisch.
Auch das Überzahlspiel des ZSC war schlecht, einmal mehr - bis zu dem Moment eben, als Luganos Furrer auf der Strafbank sass und Geering von der blauen Linie schoss. Bis zu jenem Moment, der diesen Abend zu einem erfreulichen Abend für die Zürcher machte. Bis zu jenem Moment auch, der das Momentum dieser Serie neuerlich drehte und morgen die Tessiner wieder unter Zugzwang setzt.
Ob auch dann wieder der 22-Jährige im Tor steht, verriet Wallson nicht. Und Schlegel selbst durfte nach seinem zweiten Saison-Shutout nicht sprechen. Ein «Bauchentscheid» sei das gewesen, kommentierte Sportchef Salis diese für den ZSC sehr untypische Massnahme.