EISHOCKEY NLA
Lions in Lausanne ohne Energie
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Einen Tag nach der 7:1-Gala gegen den EVZ blieben die ZSC Lions in Lausanne blass. Energie, Tempo und Konzentration fehlten von Anfang an, was den Waadtländern zum bereits achten Sieg in Serie verhalf. Ihr Wochenende ist optimal verlaufen: Am Freitag hatten sie dem EHC Kloten eine 4:6-Heimniederlage zugefügt, damals hatte Yannick Herren mit drei Toren geglänzt. Dasselbe Kunststück gelang diesmal dem Kanadier Dustin Jeffrey.
Die ZSC Lions aber konnten in keiner Weise an ihre überzeugende Leistung vom Vorabend anknüpfen. Bei ihnen stand wieder Lukas Flüeler im Tor, der derzeit unter besonderer Beobachtung steht. Einerseits sind seine eigenen Leistungen noch nicht berauschend gut gewesen in dieser Saison, andererseits konnte die Nummer 2, Niklas Schlegel, bisher regelmässig überzeugen. Flüelers Status als Stammgoalie stehe nicht zur Diskussion, heisst es vonseiten des Klubs – trotzdem wirft der 28-Jährige Fragen auf. In der Regel hält er, was er halten muss, seine Statistiken bieten kaum Angriffsfläche. Aber als Matchwinner ist er schon seit langem nicht mehr aufgefallen – und genau dies ist der Anspruch, den die Zürcher an ihn haben. Flüeler ist zweifacher Meister, womit seine Wettkampftauglichkeit an sich bewiesen ist, für eine Weltmeisterschaft wurde er gleichwohl noch nie aufgeboten.
Wie dem ganzen Team steht auch ihm die Nagelprobe in den Play-offs noch bevor. Die Leistung in Lausanne war allerdings nicht dazu angetan, jene zu beruhigen, die ihm mit gewissen Zweifeln begegnen. Bei zwei Gegentoren hinterliess er einen schlechten Eindruck. Beim 0:1 war das Tor weit offen, weil er früh zu Boden gegangen war, beim 1:3 flog der Puck an der Fanghand vorbei ins Netz. Lob hatte sich der Zürcher Goalie lediglich nach einer Viertelstunde verdient, als er den allein auf ihn zufahrenden Lausanner Kneubühler stoppte.
Das konnten die Lausanner aber verschmerzen. Sie waren die bessere Mannschaft und hatten genug andere Gelegenheiten, die sie sich nicht entgehen liessen. Am Ende hatten sie den Lions eine Lektion in Sachen Effizienz erteilt: Zwei Tore fielen im Powerplay und eines sogar in Unterzahl. Aus Lausanner Sicht könnten die Play-offs jetzt beginnen, das Team ist in jener konstant guten Form, die bei den Zürchern vermisst wird. Das Team des neuen Trainers Dan Ratushny belegt zwölf Runden vor Ende der Qualifikation mit viel Vorsprung den vierten Platz, der Heimrecht im Viertelfinal garantiert. Im Herbst hatten die Lausanner vorübergehend sogar die Tabelle angeführt, vor grösseren Rückschlägen sind sie stets verschont geblieben.
Das gilt zwar auch für die Zürcher, doch dass sie in der Tabelle weit vorne liegen, kommt nicht überraschend. Mit 80 Punkten nach 40 Spielen sind die Lions im Soll. Dennoch befinden sie sich noch immer auf der Suche nach ihrer spielerischen Mitte. Es gibt noch zahlreiche Baustellen, so etwa das Box- wie das Powerplay. Und aus dem Spiel in Lausanne konnten sie vor allem eine Lektion nach Hause nehmen: Brav mitspielen allein reicht nicht.
Ulrich Pickel
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