Beiträge von The Fan

    Wir waren wie versteinert»

    Severin Blindenbacher kritisiert, beim 0:5 des ZSC gegen Biel hätten die Emotionen gefehlt.

    Mit Severin Blindenbacher sprach Simon Graf

    Sechs Monate lang hatten die ZSC Lions Heimstärke demonstriert. 24-mal hatten sie im Hallenstadion nicht nach 60 Minuten verloren. Jetzt war zum Playoff-Auftakt alles anders. Der ZSC wurde von Aussenseiter Biel blamiert und erntete zornige Proteste der Zuschauer. Für die Zürcher lief alles falsch, was falsch laufen konnte. Sie liessen die Seeländer vor ihrem Tor gewähren, waren im Abschluss harmlos, leisteten sich erstaunliche Fehler. Alle fünf Treffer wurden durch grobe Schnitzer verursacht. Auch Lukas Flüeler, der bei zwei Toren nicht gut aussah und nach dem 0:4 ausgewechselt wurde, fügte sich in die schwache Teamleistung ein. Viel erinnerte an den verpatzten Viertelfinalstart gegen Lausanne (1:4) von 2014. Nur war die Leistung diesmal noch schlechter. Das findet auch Verteidiger Severin Blindenbacher.

    Was lief falsch?

    Wir verschliefen den Start, waren am Anfang nicht richtig da. Dann schoss Biel zwei, drei Tore, und danach waren wir völlig von der Rolle.

    Wie kann es sein, dass das Team zum Playoff-Start nicht bereit ist?

    Keine Ahnung. Es war ein kollektives Versagen. Wie waren wie versteinert. Vielleicht spürten wir zu viel Druck. Aber das darf nicht passieren. Vor allem nicht in einer solch wichtigen Phase der Saison.

    Wann hakten Sie den Match ab? Nach dem 0:3 zur ersten Pause, dem 0:5 zur Spielmitte?

    Wir versuchten auch danach noch, ein Rezept gegen Biel zu finden. Aber das gelang uns nicht. Wir hatten viel zu wenig Emotionen im Spiel, liessen die Bieler einfach gewähren. Das ist sicher nicht das richtige Rezept gegen eine solche Stimmungsmannschaft. Wenn wir ein bisschen Emotionen reinbrachten, setzte das dem einen oder anderen Bieler zu. Da müssten wir anknüpfen. Wir müssen Biel wehtun.

    Wie kann die Mannschaft diese Emotionen finden?

    Es ist Playoff! Da sollten die Emotionen doch da sein! Aber im Verlauf des Spiels ist es schwierig umzustellen. Vor allem wenn das Resultat schon relativ früh deutlich ist. Die Bieler spielten gut, waren bereit. Sie kämpften um ihr Leben. Und wenn wir nicht um unser Leben kämpfen, ist diese Serie bald vorbei.

    Dieser Fehlstart war noch drastischer als derjenige letztes Jahr gegen Lausanne.

    Ja, irgendwie schon. Wir kamen nie aus uns heraus. Aber vielleicht war es gut, dass wir gleich so blamiert wurden, damit der Hinterste und Letzte begriffen hat, dass Playoff ist. Dass es um etwas geht. Es ist noch nicht zu spät.

    Wozu ist der freie Sonntag da?

    Um den Kopf zu lüften und für aktive Erholung. Jeder muss nun mit sich selber ins Gericht gehen, muss zu Hause analysieren, was er besser machen muss. Und dann wird uns der Coach sicher noch den Kopf waschen, uns nochmals sagen, wie schlecht wir waren. Dann brauchen wir ein gutes Training, und am Dienstag geht es in Biel weiter. Aber jetzt muss sich wirklich jeder hinterfragen. Denn in Biel wird es den gleichen Kampf geben, wenn nicht noch den härteren. Biel wird das Publikum im Rücken haben, und man weiss ja, welchen Einfluss das auf die Schiedsrichter hat. Wir müssen einfach unseren Job machen. Jetzt haben wir den letzten Zwick an der Geissel. Aber ich freue mich aufs Spiel vom Dienstag.

    Was passiert nach einem solchen Match in der Kabine?

    Wir müssen schon klare Worte finden. Es kann nicht sein, dass wir zum PlayoffAuftakt 0:5 gegen Biel untergehen. Jeder hat miserabel gespielt, von A bis Z. Da gibt es nichts schönzureden. Man hatte nie das Gefühl, dass da die ZSC Lions spielen.

    Hilft es, dass die Mannschaft eine ähnliche Erfahrung letztes Jahr gegen Lausanne schon gemacht hat?

    Das bringt uns jetzt nicht viel. Okay, wir wissen, dass wir es schon einmal geschafft haben. Aber darauf können wir uns nicht verlassen. Jeder muss nun aufstehen und seine Leistung abrufen. Dann kommt es gut.

    Lovely! Gut geschrieben!


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    Blindis Interview war wirklich speziell! Komplette Ratlosigkeit. Traue dem Team zu, eine passende Antwort zu geben, am Dienstag.

    Aber schon erstaunlich, dass wir erneut so starten. Chered die Serie!


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    Zitat von Blackstar

    Solche Abende soll es geben. Lieber in Spiel 1 als in Spiel 7.
    Was mir schon etwas Stirnrunzeln bereitet ist die Ueberlegenheit von Biel. In ALLEN Belangen überlegen.

    Mir chömed zrugg wie immer


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    Zitat von Der Weise

    Die Schiris haben uns geschlagen, nicht Lugano. Die Strafe gegen Schäppi war eine absolute Frechheit. Wenn die Zebras so in den Playoffs pfeiffen dann gute Nacht....

    E riese Schwalbe gsi. Na ja, am Samschtig gahts los! Mission Titelverteidigung!!!! Auf jetzt


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    Das ertse Spiel wird wichtig sein, um ein Zeichen zu setzen, wie schon erwähnt sollten wir es vermeiden, den Gegner wie letztes Jahr Lausanne aufkommen zu lassen.

    Das wir das bessere Team sind, steht ausser Frage, Tippe auf 5 Spiele

    «Der ZSC hat ein schweres Los»

    Biels Kevin Schläpfer (45) bezeichnet die dritte Playoff-Qualifikation als schönste, weil sie dem ganzen Team zuzuschreiben sei. Obschon er die ZSC Lions als stärksten Gegner einstuft, verspricht er einen harten Kampf.

    Mit Kevin Schläpfer sprach Simon Graf

    Wie haben Sie den Basler Morgestraich erlebt?

    Es war wunderschön, noch trocken und nicht zu kalt. Und ich hatte einen guten Platz, konnte es voll auskosten.

    War er besonders süss nach der Playoff-Qualifikation?

    Ja, das war er. Der Druck ist weg, alles ist positiv. Viele gratulierten, riefen mir zu. Das gibt Energie. Wenn es nicht läuft, wollen alle mit mir diskutieren. Nun spürte ich einfach, dass sie sich für mich freuen. Man kennt mich. Ich habe keinen Morgestraich verpasst, seit ich 16 bin.

    Keinen?

    Nein, auch nicht, als ich in Lugano spielte. Damals fuhr ich danach direkt zurück ins Training ins Tessin. Viele haben eine falsche Vorstellung vom Morgestraich. Man geht nicht, um Alkohol zu trinken, sondern um zuzuschauen. Ich geniesse diese Atmosphäre. Und jetzt gerade bin ich unterwegs mit meinen Kindern zum grossen Umzug.

    Zum dritten Mal nach 2012 und 2013 schafften Sie mit Aussenseiter Biel das Playoff. Wie stufen Sie die diesjährige Teilnahme ein?

    Für mich ist sie die schönste, weil sie der ganzen Mannschaft zuzuschreiben ist. Vor drei Jahren redeten alle von Berra, vor zwei von Kane und Seguin. Diesmal war es kein einzelner Superstar, sondern wirklich das Team, das sich ins Playoff kämpfte. Die Leaderrollen wechselten sich ab. Wenn der eine schlechter spielte, sprang ein anderer in die Bresche. Deshalb fielen wir nie in ein Loch.

    Sie sind bekannt dafür, wie Sie Ihre Spieler unaufhörlich antreiben. Tun Sie das jeden Tag?

    Jeden Spieltag. Es sind alles Menschen. Wenn einer einmal schlechten Tag hat im Training, kann ich damit leben. Aber nicht am Matchtag. Da verlange ich, dass jeder seckelt. Ob einer Ausländer ist, jung oder alt, wenn er nicht sein Bestes gibt, bekommt er ein Problem. Ich erlebte Trainer, die hatten immer ihre drei, vier Spieler, auf denen sie rumhackten. Ich bin zu allen gleich. Das zog ich auch bei Seguin und Kane durch. Wenn das die Spieler merken, akzeptieren sie es auch.

    Sie wirken stets unter Strom.

    Woher nehmen Sie die Energie?

    Ich musste lernen, meine Kräfte einzuteilen. Ich nehme mir Zeit, mich zu erholen. Jeden Tag gönne ich mir einen 30-minütigen Powernap. Und einmal pro Woche gehe ich ins Wellness. Zudem kann ich abschalten, wenn meine drei Kinder bei mir sind. Das braucht zwar auch Energie, ist aber sehr gut für den Kopf.

    Sie sind nun seit vier Jahren Bieler Headcoach. Wie haben Sie sich in dieser Zeit entwickelt?

    Ich denke schon, dass ich einiges gelernt habe. Ich wurde ja dazu gezwungen, mich immer wieder anzupassen, weil ich jedes Jahr zwei, drei Topspieler verlor. Aber im Grundsatz bin ich der Gleiche geblieben. Ich fuhr ja gut mit meinem Stil, als ich das Team in der Ligaqualifikation übernahm.

    2012 war Biel froh, erstmals dabei zu sein im Playoff. 2013 zwangen Sie Fribourg über sieben Spiele. Wie ist es jetzt, gegen die ZSC Lions?

    Wir haben mit den Zürchern den schwerstmöglichen Gegner erhalten. Das sage ich nicht, weil sie Erste wurden. Sondern, weil sie sehr reif sind. Würden wir gegen den SCB spielen und das erste Spiel gewinnen, in Bern würde ein Feuerwerk losgehen. Die ZSC Lions werden nicht so schnell nervös.

    Wie schaffen Sie es, die Spannung im Team wieder aufzubauen, nachdem das grosse Ziel geschafft ist?

    Wir können nicht negieren, dass uns mit der Playoff-Qualifikation ein Stein vom Herzen gefallen ist. Und das sollten wir auch nicht. Die Freude darüber, was wir erreicht haben, müssen wir zwei, drei Tage zulassen. Am Mittwochabend oder Donnerstag beginnt dann die Vision Zürich. Dann muss ich die Spannung wieder aufbauen. Klar wollen wir gewinnen. Aber das Mindestziel ist für mich, dass die Leute nach dieser Serie sagen: Das war hart für Zürich. Wenn wir einfach so ausscheiden, wäre ich enttäuscht.

    Biel hat diese Saison gegen die ZSC Lions drei von vier Spielen gewonnen. Was ist das Rezept?

    Wir haben gut gespielt, auch taktisch. Aber man muss sehen: Jetzt werfen die grossen Teams noch ein Brikett rein. Ich bin gespannt, ob wir das auch können.

    Wen sehen Sie als Meister?

    Bern und Zürich sind die Favoriten. Der ZSC hat spielerisch mehr Potenzial, die Berner haben eine unglaubliche Kampfkraft. Mitte Saison favorisierte ich sie. Doch zuletzt schaffte Zürich die Steigerung, während es beim SCB bergab ging. Wenn ich heute setzen müsste, würde ich trotzdem die Berner wählen. Denn der ZSC hat ein schweres Los. (lacht)