In fünf Jahren hätten die ZSC Lions und Volero Zürich ihr gemeinsames Stadion beim Bahnhof Altstetten einweihen wollen. Dort, wo heute Hobbygärtner Zucchetti ziehen, planen sie ein Eishockeystadion und eine Volleyballarena für 12'000 respektive 3000 Zuschauer. Namhafte Architekten wollten sie bauen, David Chipperfield etwa oder die Zürcher EM2N, im Wettbewerb haben sich schliesslich die Londoner Caruso St. John Architects durchgesetzt.
Nun aber wurde das Projekt vorläufig gestoppt, wie Peter Zahner, der CEO der ZSC Lions, bestätigt. Grund ist die Kulturlandinitiative, welche das Volk im Sommer überraschend angenommen hat. Diese sieht vor, dass die verbliebenen 1000 Hektaren Fruchtfolgeflächen im Kanton Zürich nicht überbaut werden dürfen. ZSC Lions und Volero können nicht ausschliessen, dass auch das Schrebergartenareal mitten in der Stadt Zürich darunterfällt.
Sicher sind sie nicht: «Niemand konnte uns bis heute sagen, ob wir bauen können», sagt Peter Zahner. 2 bis 3 Millionen Franken hätten sie bereits in das Projekt investiert, mehr wollten sie nicht hineinstecken, wenn sie nicht sicher sein können, dass das 190-Millionen-Projekt zustande kommt.
Stadt plant weiter wie bisher
Die Sportarena ist nicht das einzige Bauvorhaben in der Stadt, dessen Zukunft wegen der Kulturlandinitiative ungewiss ist. Aus Abklärungen des Hochbaudepartements ist eine ganze Liste mit zum Teil prominenten Projekten hervorgegangen. Darauf finden sich das Fifa-Museum beim Zoo, vier Schulhäuser oder die städtische Wohnsiedlung Hornbach im Seefeld.
Im Gegensatz zu den ZSC Lions und Volero stoppt die Stadt ihre Projekte nicht, wie Urs Spinner, Sprecher des Hochbaudepartements, sagt. «Wir gehen davon aus, dass sie nicht von der Initiative betroffen sind. Das wäre wohl kaum im Sinne der Erfinder.» Die Stadt hat dies dem Kanton klar signalisiert, aber noch keine Signale vom Kanton erhalten. Für die Stadt wäre es fatal, könnte sie die Schulhäuser nicht wie geplant bauen. Die Zahl der Schülerinnen und Schüler steigt stetig, und an vielen Orten mussten sie behelfsmässig in Containern untergebracht werden. Land für ein Schulhaus zu finden, ist äusserst schwierig, denn die Stadt muss zwingend dort bauen, wo die Schüler wohnen. Die Fifa hat «kein weiteres Statement abzugeben», wie sie mit ihrem Museum weiterfährt.
Die Projekte sind in der Schwebe, weil der kantonale Baudirektor Markus Kägi (SVP) die Gemeinden im Juni angewiesen hat, kein Land mehr ein- oder umzuzonen, bis klar geregelt ist, welche Flächen von der Initiative betroffen sind und welche nicht. Spätestens Mitte 2014 wird der Kantonsrat über die entsprechende Umsetzungsvorlage der Regierung beschliessen. «Die Baudirektion will mit dem Sofortstopp verhindern, dass die Gemeinden bis dahin Land einzonen und man im Nachhinein bemerkt, dass dies nicht in allen Fällen im Sinne der Initiative war», erklärt Markus Pfanner, Sprecher der Baudirektion. Der Regierungsrat werde die Weisung vom Juni aber demnächst dahin gehend überprüfen, ob er Ausnahmen gewähren könne.
«Übervorsichtige» Reaktion
Der Baustopp der Regierung kommt bei den Initianten unterschiedlich an: Die einen glauben, sie wolle so die Bevölkerung gegen die Initiative aufbringen. Andere, wie Kantonsrat Robert Brunner (Grüne), begrüssen ihn. Er glaubt, dass die Stadt Zürich mit ihrer Liste übervorsichtig ist. Mit Ausnahme des Projekts Schulhaus Letzi-Mitte seien alle Flächen entweder teilweise versiegelt oder – bei den Schrebergärten – mit Schadstoffen belastet und kämen deshalb als Kulturland nicht infrage. Nach Brunners Meinung ist es nicht tragisch, wenn sich einige Projekte etwas verzögerten. Schliesslich sei der Richtplan über Jahre missachtet und Kulturland unzulässig verbaut worden – die Kulturlandinitiative sei die Quittung dafür.
Und wie geht es mit der Sportarena weiter? Im besten Fall verzögert sie sich laut ZSC-CEO um ein bis zwei Jahre. Im schlechtesten Fall, wenn die Ungewissheit zu lange andauern sollte, wird das Projekt begraben.