Schubiger
Bauchwehbatzen für die Flyers
Familie Schubiger hatte an diesem Nachmittag einen Ausflug gewagt. Hinaus aus der Stadt. Hinein in die unendlich grosse Eishockey-Provinz des Zürcher Unterlands. Jetzt turnten der kleine und der kleinste Schubiger auf der Tribüne des Bülacher Eisstadions herum. Daneben fühlte sich Schubiger nicht ganz wohl. Das lag nicht an der Kälte, sondern an der Vergangenheit, die ihn mit diesem Ort verband. Schubiger erinnerte sich ungern daran zurück, dass er schon einmal hier gestanden hatte. Vor ungefähr 20 Jahren. Bülach gegen den ZSC. Es war ein Nationalliga-B-Abend der traurigeren Sorte gewesen. Vor seinem geistigen Auge sah Schubiger noch immer diese tanzenden Bülacher Zuschauer. Wer war damals eigentlich das Loch gewesen im ZSC-Tor? Roland Scheibli? André Mürner? (ich bin dört gsi, wer no?)Klar bini au det gsi....Jetzt war Schubiger hier, um den Sohn von Schwester Schubiger bei einem Spiel zu sehen. Er hätte gar nichts einzuwenden gehabt gegen diesen jungen Mann, hätte er nicht beunruhigende Charakterschwächen gezeigt mit seiner Zuneigung für GC und Kloten. Und wäre nicht dieser Nachmittag gekommen.
Schubiger hatte an der Kasse einen Franken Eintritt bezahlt, was er schon ziemlich frech fand für einen Juniorenmatch. Und als er dann in der Pause am Kuchenstand zur Verpflegung aufkreuzte, sah er diesen Zettel dort liegen. «Partnerschaft EHC Bülach – Kloten Flyers» stand darauf.
Schubiger fragte sich, ob dieser Kauf moralisch noch vertretbar oder schon eine Straftat war. Er überlegte sich, ob er mit seinem Geld gerade den nächsten Playoff-Ausländer der Flyers mitfinanzierte. Er stellte sich vor, wie dieser neue Wunderstürmer in der Verlängerung des siebten PlayoffViertelfinals gegen den ZSC allein auf Sulander zufuhr. Dann allerdings ärgerte er sich über seine lächerliche Fantasie. Er bestellte Kuchen, bezahlte und sagte: «Ist für neue Ausländer. Oder Bauchwehtabletten.» Die Frau am Stand sah in fragend an, Schubiger lief wortlos und zufrieden davon. Er wusste: Vor einem Zürcher Derby im Viertelfinal hatte nur eine Seite Angst.