Beiträge von gringo

    Teenager ohne Lampenfieber

    Melvin Nyffeler brilliert im ZSC-Tor, obschon er nicht dem Prototyp des modernen Goalies entspricht.

    Von Simon Graf, Zürich «So, jetzt ist aber genug», knurrt Sportchef Edgar Salis, als der Fotograf im Gang der Kunsteisbahn Oerlikon nochmals die Blitzlampen umstellt, um Melvin Nyffeler ins beste Licht zu rücken. Man achtet bei den ZSC Lions darauf, dass nicht zu viel Rummel entsteht um den 18-Jährigen, der in diesen Tagen so wichtig geworden ist für sie. Dabei lässt sich der so leicht nicht aus der Ruhe bringen. Und wenn er redet, vergisst man sein junges Alter schnell. Etwa, wenn er Sätze sagt wie: «Eishockey ist ein Business, das in der Öffentlichkeit stattfindet. Da gehört es dazu, dass man sich Zeit nimmt für die Journalisten.»

    Als Nyffeler vor gut drei Wochen plötzlich das ZSC-Tor hütete, weil Lukas Flüeler eine Gehirnerschütterung erlitten hatte und Coach Marc Crawford kein Vertrauen in die designierte Nummer 2 Tim Wolf hat, wollten viele wissen, wer das nächste Zürcher Goalietalent ist. Umso mehr, nachdem Nyffeler mit zwei Shutouts gestartet war. Man lernte ihn kennen als einen, der genau weiss, was er kann und will. Die grosse Bühne verunsicherte ihn nicht, im Gegenteil. Ein, zwei, vielleicht drei gute Auftritte können vom Zufall begünstigt sein. Aber wenn man wie Nyffeler in sechs Spielen stets überzeugt und erst sechs Tore zugelassen hat, ist das ein Qualitätsbeweis.

    Seine Konstanz war, so hört man, schon bei den GCK Lions beeindruckend. Er selbst sagt: «Ich bin ein ruhiger Typ. Ich bleibe auch recht gelassen, wenn ich einen Fehler gemacht habe. Der Puck war ja drin, da bringt es nichts, gross rumzustudieren.» Dass er, der mit drei erstmals einen Stock in der Hand hielt, Goalie wurde, ist kein Zufall. Vater Mischa war Torhüter in der Nationalliga B und der 1. Liga und sein Idol, wie er sagt. Sein zwei Jahre älterer Bruder Dominic, der inzwischen in einer Juniorenliga in Kanada spielt, eiferte dem Vater nach, und für Melvin war klar, dass er folgen würde. Auch Mutter Claudia hat sich inspirieren lassen und hütet unter anderem das Tor, wenn in der Kebo über Mittag frühere ZSC-Cracks ihrer alten Leidenschaft frönen.

    Melvin ist der Talentierteste, obschon seine Begabung nicht auf Anhieb allen auffiel. Auf Moskito-Stufe wurde er bei den Kloten Flyers als zu wenig gut eingestuft, also wechselte er in die ZSC-Organisation. Fehlende Zentimeter wurden als sein Handicap gesehen. «Ich war immer der Kleinste», sagt der 1,77-MeterMann, «in den letzten Jahren bin ich aber recht gewachsen. Früher hiess es: ‹Du bist viel zu klein, um Goalie zu werden.› Umso schöner ist es nun, zu zeigen, dass dem nicht so ist», stellt er stolz fest. In einem seiner ersten Interviews sagte er: «Was ist wichtiger für einen Eishockey-Goalie? Dass er zwei Meter gross ist oder dass er die Pucks hält?»

    «Ich muss also schneller sein»

    Und Nyffeler hält die Pucks, obschon er nicht dem Prototyp des Goaliehünen entspricht, der vor allem in der NHL gefragt ist, der Liga, von der auch er träumt. «Die grossen Goalies kann ihre Länge manchmal noch retten, wenn sie schlecht positioniert sind», sagt er. «Ich muss also schneller sein als sie.» Das ist er auch. Die Athletik ist nebst seiner Ruhe und der Fähigkeit, das Spiel gut zu lesen, eine seiner Stärken. Viel verdanke er Markus Peter, dem Goaliecoach beim ZSC-Nachwuchs, betont er. «Alle Jungen, die rausgekommen sind, Genoni, Berra, Flüeler, Wolf, Meili, wurden von ihm trainiert. Berra ist jetzt in der NHL, doch dass ihn Peter so gut vorbereitet hat auf den nächsten Schritt, sehen nur wenige.»

    Seit Nyffeler im Frühling das KV abgeschlossen hat, ist er Hockeyprofi. Die vergangene Saison mit Lehre und Einsätzen bei GCK, den Elitejunioren und der U-20-WM war für ihn eine turbulente. «Ich pendelte zwischen Training, Schule und Match. Jetzt musste ich meinen Tagesablauf als Profi finden. Wenn man am Nachmittag nichts zu tun hat, hängt man nur herum.» Er hilft deshalb beim Treuhandbüro des Vaters aus, widmet sich vermehrt der Regeneration und achtet darauf, sich zu ernähren wie ein Profi. Auch die Frage nach seiner Zukunft, die zwangsweise kommt, beantwortet er wie ein solcher. Sein Agent sortiere das Interesse an ihm, er konzentriere sich auf seine Kernaufgabe.

    «Die Zukunft sieht nicht schlecht aus, egal, wo sie ist», fügt er selbstbewusst an. Heute gegen die Lakers und wohl morgen gegen Davos steht er nochmals im ZSC-Tor, dann dürfte Flüeler zurück sein. «Der ZSC ist angewiesen auf ihn», sagt Nyffeler. Das stimmt. Aber dass man in ihm, dem Teenager, der aus Kyburg stammt, eine so gute Alternative hat, hatten bis vor kurzem die wenigsten gedacht.

    Quelle: Print-Tagi

    Zitat von Benny

    Eigentlich war ja auch gestern plus/minus alles so, wie oft in dieser Saison.

    Aber wie haben wir doch unlängst - nach dem SCB zu null Heimsieg - herausgefunden? Nämlich dass "es" doch geht, wenn alle wollen.

    Jetzt muss man halt einfach diese lästige Pflicht, die Quali, möglichst schnell hinter sich bringen, ohne die Fans zu stark zu verärgern. Aber erst dann geht's ja eigentlich richtig los!


    Aber man könnte auch mal das "Schalter umlegen" testen :wink:

    Zitat von 007

    Mehr als die Art der Verletzung würde mich jeweils die Ausfalldauer interessieren. Gehe mal davon aus, dass Bärtschi morgen nicht spielt. Weiss jemand, wann Latendresse wieder dabei ist?


    g'seht nöd guet uus...