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    Krebserkrankung beim Trainer - Biel versucht, nach dem Schock Normalität einkehren zu lassen

    Krebserkrankung beim Trainer – Biel versucht, nach dem Schock Normalität einkehren zu lassen
    Am Donnerstag beginnt der Playoff-Halbfinal zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions. Nun ist Antti Törmänen wieder schwer erkrankt. Was macht das mit einem…
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    Biel versucht, nach dem Schock Normalität einkehren zu lassen

    Am Donnerstag beginnt der Playoff-Halbfinal zwischen dem EHC Biel und den ZSC Lions. Nun ist Antti Törmänen wieder schwer erkrankt. Was macht das mit einem Team?

    Der Trainer gibt Anweisungen, die Spieler hören aufmerksam zu. Und hinterher gibt es in der Garderobe Kuchen, selbst gebacken von Toni Rajala, dem Geburtstagskind. So will es die Tradition beim EHC Biel. Business as usual also einen Tag vor dem Auftakt zum Playoff-Halbfinal gegen die ZSC Lions. Nein.

    Denn am Dienstagabend hat der Club verkündet, dass Trainer Antti Törmänen zum zweiten Mal nach 2020 an Krebs erkrankt ist. Bei einer Routineuntersuchung haben die Ärzte einen Tumor entdeckt, der 52-jährige Finne wird sich bald einer sechsmonatigen Therapie unterziehen müssen. Vorher will er mit Biel aber noch das Playoff bestreiten.

    Zu seiner Erkrankung wird sich Törmänen in dieser Zeit ebenso wenig äussern wie alle anderen Protagonisten des EHCB. Die Bad News sind draussen, so wollte das der Club, damit sie nicht über den Latrinenweg an die Öffentlichkeit gelangen. Aber die Privatsphäre Törmänens und seiner Familie soll um jeden Preis geschützt werden.

    Die emotionale Ansprache ans Team

    «Wenn du so etwas vernimmst, relativiert das einiges», sagt Sportchef Martin Steinegger, der nun temporär in den Trainerstab rückt, sollte Törmänen doch während des Playoff ausfallen. «Sehr emotional» sei es gewesen, als der Trainer das Team über seine neuerliche Erkrankung informiert habe, hält derweil Captain Gaëtan Haas fest.

    Törmänen coacht den EHC Biel seit November 2017, nur Ambris Luca Cereda ist in der National League noch länger im Amt. Entsprechend sind die Bande zwischen Trainer und Team in Biel enger als anderswo. Und so ist es für viele auch ein Déjà-vu der schwierigen Art, weil sie schon vor drei Jahren in der Garderobe sassen, als Törmänen erstmals an Krebs erkrankte.

    «Das Wellental der Emotionen gehört zum EHC Biel, bei uns läuft es selten linear», sagt Steinegger. Vor dem Viertelfinalsieg über den SCB sind die Bieler mehrmals in aussichtsreicher Situation gescheitert, so auch im Vorjahr gegen die ZSC Lions, als sie in der ersten Playoff-Runde eine 2:0- und eine 3:2-Führung verspielt hatten.

    Und doch ist es nun mit Törmänen eine ganz andere Geschichte. Aber die Bieler sind bemüht, am Tag nach der Hiobsbotschaft wieder zur Normalität überzugehen. «Auch wenn das hart tönt, gerade jetzt ist es wichtig, dass wieder gewisse Gewohnheiten einkehren», sagt Steinegger. Das gilt auch für den Trainer, der sich in der Übungseinheit fokussiert zeigt, aber auch mal lacht.

    Biels Höhenflug ist eng mit ihm verbunden

    Törmänen ist im Schweizer Eishockey hoch angesehen. Natürlich wegen seiner fachlichen Kompetenz – aber auch wegen seiner menschlichen Qualitäten. Es gibt viele ehemalige Spieler, die seinen Namen nennen, wenn es darum geht, die Trainer aufzuzählen, welche sie am meisten geprägt haben.

    Törmänen bezieht die Spieler in seine Ideen mit ein, gewährt ihnen Freiheiten und überträgt ihnen Verantwortung. Deshalb hoffen die Bieler, dass das Team die Situation nun einigermassen handeln kann. «Unsere Spieler sind keine Befehlsempfänger, wir haben sie so erzogen, dass sie selbstständig handeln und denken», sagt Steinegger.

    Nicht überall hatte Törmänen mit seiner Philosophie Erfolg. 2013 wurde er beim SCB nach einem Fehlstart in die Saison und nur wenige Monate nach dem Titelgewinn entlassen. Zu lieb sei er gewesen, weswegen er die Kabine verloren habe, so lautete damals das Urteil.

    Der Begriff «Spielerversteher» haftete fortan wie ein Makel an ihm. In Biel aber funktioniert es. Er hat das Team peu à peu an die Spitze und nun zum dritten Mal in einen Playoff-Halbfinal geführt. Es gibt in dieser Mannschaft einige Charakterköpfe, die anderswo angeeckt oder gar gescheitert sind. Doch Törmänen gelang es, diese zu integrieren.

    Erst Corona, dann Krebs – wie 2020 Törmänens Leben veränderte

    Bald also muss sich der Finne wieder ganz dem Kampf gegen diese heimtückische Krankheit widmen. So wie im Sommer 2020, als er ausgerechnet am 21. Hochzeitstag die Diagnose Gallenblasenkrebs erhielt. Es war der negative Höhepunkt eines schrecklichen Jahres für die Familie Törmänen. Der Trainer war im Frühjahr der erste Corona-Fall im Schweizer Eishockey gewesen. Wobei seine Frau Minna das Virus weitaus härter traf, sie als Long-Covid-Patientin selbst nach Aufenthalten in Spital und Rehabilitationsklinik nicht über den Berg war. Auch deshalb liess Törmänen damals seine Magenprobleme und die Schwellung im Bauchbereich erst spät untersuchen.

    Ihm wurden dann Gallenblase, Teile der Leber und vierzehn Lymphknoten entfernt. Sechs Monate lang taktete die Chemotherapie sein Leben und brachte ihn mit den Nebenwirkungen an die Grenzen der Belastbarkeit. Als er dieses Kapitel im Februar 2021 endlich abschliessen konnte, sagte er gegenüber dieser Zeitung: «Ich werde erst in fünf Jahren diesen Stempel in meinen Pass kriegen: Zack, du bist gesund! Das ist ein langer Weg.» Aber er machte auch klar, dass er an die Bande zurückkehren würde, sofern es sein Gesundheitszustand zulassen würde. Und das tat er nur ein Jahr nach seinem Ausfall.

    Nun ist er wieder am Nullpunkt angelangt. Vorerst soll der Sport jedoch noch mal im Zentrum stehen. So will es der Trainer, so will es die Mannschaft. Captain Haas sagt: «Wir haben eine gute Gruppe, das schweisst uns noch mehr zusammen und kann uns einen Boost geben.»

    SL reagiert hier aber schon sehr dünnhäutig. Und wenn wir nicht das höchste Budget der Liga haben (gem SL) weshalb ist der ZSC dann als einziges von 14 Teams gegen den Salary Cup und mehr Transparenz?

    Es wird auch getestet, ob man anstatt 5 besser 4 Tage in der Woche arbeiten soll. Will heissen, getestet wird noch Vieles.

    Und die NHL ist in ....... Trommelwirbel ......... den USA! Nicht Europa, nicht EU, nicht Schweiz. Kann gut sein dass die Lohntransparenz

    irgendeinmal kommt. Bis dann bin ich jedoch pensioniert. Und das geht noch mehr als 10 Jahre. Jede Wette!

    Aber das der Lohn eine heilige Kuh ist wo man nicht darüber spricht ist zumindest vorbei. Im Kollegenkreis wird da auch mal darüber gesprochen und auch im Büro.

    Und eben mit Glassdoor, Kununu oder https://www.lohntransparenz.ch weiss man ja eh wieviel man etwa fordern kann. Und bei börsenkotierten Firma weiss man von der GL auch den kompletten Lohn. Das ganze wird jetzt der CS noch zum Verhängnis 🤣🤪😜🤟😝 und darum kann das auch im Sport kommen.

    War gerade auf der Homepage der Swisscom, keine der ausgeschriebenen Stellen hat eine Lohnangabe. Bist du dir da sicher, dass Swisscom die Löhne offenlegt?

    Je nach Stelle testen sie es. https://www.netzwoche.ch/news/2022-10-2…telleninseraten

    Und Portale wie Glassdoor oder Kununu helfen hier auch. Die NHL Löhne sind ja auch offen gelegt und sonst übernehmen wir ja auch unsinniges von dort. Also könnten wir die Lohntransparenz im Hockey auch übernehmen.

    Leuenberger kann schon noch gegen die Lohntransparenz stämpfele. Das geht jetzt noch 10 Jahre und dann ist die sowohl im Sport wie Privatwirtschaft Tatsache.

    Beim Kanton/Bund gibt es schon Lohnbänder. Viele Firmen schreiben schon bei der Stellenanzeige den Job mit Lohnangabe aus ua Swisscom.

    Find auch fair, va auch für die die zu wenig frech sind und zu wenig verlangen.

    Dazu haben schon einige Firmen intern die vollständige Lohntransparenz, Wiesner Gastro, Ergon, Alternative Bank, Liip.

    Transparenz beim Gehalt - Das Tabu um den Lohn fällt – auch in der Schweiz

    Transparenz beim Gehalt – Das Tabu um den Lohn fällt – auch in der Schweiz
    In Teilen der USA und in gewissen EU-Ländern ist die Angabe des Entgelts in den Stelleninseraten bereits Pflicht. Auch hierzulande legen immer mehr…
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    Wo ich bei Leuenberger bin: 12er Liga!

    «Als träfen die New York Rangers auf Huttwil»: Die Sportchefs der ZSC Lions und des EHC Biel im Streitgespräch vor dem Play-off-Duell

    ZSC Lions gegen Biel: Das Streitgespräch der Sportchefs
    Sven Leuenberger und Martin Steinegger waren im SC Bern acht Jahre lang Teamkollegen. Heute leiten sie mit den ZSC Lions und dem EHC Biel zwei Titelkandidaten,…
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    «Als träfen die New York Rangers auf Huttwil»: Die Sportchefs der ZSC Lions und des EHC Biel im Streitgespräch vor dem Play-off-Duell

    Sven Leuenberger und Martin Steinegger waren im SC Bern acht Jahre lang Teamkollegen. Heute leiten sie mit den ZSC Lions und dem EHC Biel zwei Titelkandidaten, die sich ab Donnerstag im Play-off-Halbfinal gegenüberstehen werden.

    Lange galt: Der EHC Biel darf gewinnen, der ZSC muss. Ist das heute anders? Immerhin hat Biel als Zweiter der Qualifikation Heimrecht.

    Martin Steinegger: Überhaupt nicht. Zürich ist haushoher Favorit. Es ist ein bisschen so, als träfen die New York Rangers auf Huttwil.

    Sven Leuenberger: Jetzt hat Stoney die Seite 10 im Verkaufshandbuch aufgeschlagen: «Wie stelle ich mich als Underdog dar?» Ich sehe zwei Teams auf Augenhöhe. Und durchsetzen wird sich, wer auf den Punkt die beste Leistung abrufen kann. Aus dieser Qualität sind Champions geschnitzt.

    Aber die eine Mannschaft kostet eindeutig mehr, jene des ZSC.

    Leuenberger: Das ist die einzige Platte, die ihr Journalisten auflegen könnt: Der ZSC hat Geld und alle anderen nicht. Ich bin sicher, dass wir nicht das höchste Budget der Liga haben. Wie viele Trainer stehen in Lausanne momentan auf der Lohnliste? Jedenfalls: Es wird zu wenig gewürdigt, was wir sonst alles machen. Wie viel wir in den Nachwuchs investieren, in unser Frauenteam und in den Breitensport.

    Steinegger: Lausanne ist sicher sehr teuer mit dem ganzen Ballyhoo dort. Aber wenn ich die Mannschaft von Sven anschaue, dann ist der ZSC nicht weit davon weg. Das ist kein Geheimnis.

    Der ZSC ist das einzige Team, das sich gegen einen Salary-Cap und die Veröffentlichung der Ausgaben für die Spielerlöhne stellt. Was ist das Problem mit der Transparenz?

    Leuenberger: Das braucht es nicht. Wir sind für Wirtschaftlichkeit. Und Sie legen Ihren Lohn ja auch nicht offen. Wieso sollten wir das tun? Man muss auch sehen, dass Geld nicht alles ist. Du kannst x Millionen mehr ausgeben als die Konkurrenz, das garantiert keinen Erfolg. Man sieht das überall auf der Welt. Leidenschaft kann man nicht kaufen.

    Steinegger: Ich bin klar dafür. Es wäre aufschlussreich, zu sehen, wer wie viel Geld ausgibt, wer gut arbeitet und wer nicht. Heute ist diese Beurteilung sehr schwierig.

    Es erstaunt, dass der Salary-Cap nicht eingeführt werden kann, wenn 13 Teams dafür sind und nur eines dagegen.

    Steinegger: Das ist eher eine Frage für unsere Chefs. Aber ja, ich finde das auch seltsam.

    Der EHC Biel hat seit dem Einzug in die Tissot-Arena von 2015 finanziell grosse Fortschritte gemacht. Ist das Umfeld in Biel mit der Halbfinalqualifikation immer noch zufrieden?

    Steinegger: Natürlich gibt es Leute, die vom Final träumen, von einem Titel. Wir haben gerade unseren Punkterekord aufgestellt, da ist das normal. Aber wir wissen schon, woher wir kommen und wo wir stehen. Es war sehr wichtig, dass wir die Viertelfinalserie gegen Bern gewinnen konnten. Bern gegen Biel, das ist eine emotionale Geschichte. Ich glaube, wir hätten das nicht mehr aus den Kleidern gebracht, wenn wir verloren hätten. Was das Finanzielle angeht, haben wir Fortschritte gemacht. Ich muss jetzt nicht mehr überlegen, ob ich irgendwo einen Tresor aufschweissen muss, um einen Transfer zu realisieren. Aber es ist jedem klar, dass wir uns mit dem ZSC nicht auf Augenhöhe befinden. Wenn Sven zum Beispiel einem Spieler wie Dean Kukan ein Angebot macht, dann weiss ich, dass ich das Telefon nicht mehr in die Hand nehmen muss.

    Leuenberger: Ja, weil ich in den Verhandlungen so gute Argumente bringe. (Lacht.)

    Steinegger: Eher, weil meiner Tastatur ein paar Dezimalstellen fehlen. (Lacht.)

    Dafür ist in Zürich der Druck grösser.

    Leuenberger: Alle reden davon, wie ausgeglichen die Liga sei. Aber bei uns heisst es, dass wir in fünf Jahren zwei Mal Meister werden müssen. Ich war nie besonders gut in Mathematik, aber ich frage mich schon, wie das aufgehen soll.

    Die Trainer, der strenge Marc Crawford im ZSC und der feinfühlige Antti Törmänen bei Biel, wirken wie ultimative Gegensätze.

    Leuenberger: Törmänen war Coach in Bern, als ich dort Sportchef war. Die beiden sind nicht so verschieden, wie viele vielleicht denken. Beide geben eine klare Linie vor.

    Aber man kann sich nur schwer vorstellen, dass Törmänen in der Kabine so laut wird, dass er sich am nächsten Tag bei der Mannschaft entschuldigen muss.

    Steinegger: Das vielleicht nicht. Der Ton bei Törmänen ist am Ausgangspunkt wahrscheinlich ein bisschen sanfter. Aber er kann schon sehr bestimmt werden. Ich kenne Crawford nicht, ich habe nie mit ihm gearbeitet. Aber auch er hat sich ja offensichtlich entwickelt, sonst wäre er nicht mehr im Geschäft. Man kann heute nicht wie vor 20, 30 Jahren einem Spieler in den Hintern treten.

    Stimmt der Eindruck, dass die Verhältnisse in Biel etwas harmonischer und familiärer sind?

    Steinegger: Wir sind ein eingespieltes Team, es gibt im Umfeld recht wenig Veränderungen – sei das auf der Geschäftsstelle oder im Verwaltungsrat. Mit dem CEO Daniel Villard arbeite ich mehr als zehn Jahre zusammen. In dieser Zeit haben wir uns immer wieder einmal gezankt, so hart, dass im Büro fast die Scheren herumgeflogen wären. Inzwischen haben wir geschaut, dass sich unsere Büros ausserhalb der Wurfdistanz befinden. Im Ernst: Es gibt bei uns dieses Grundvertrauen untereinander, das ist sehr viel wert. Man lässt die Sportabteilung in Ruhe arbeiten. Es ist auch in Ordnung, wenn ein Transfer einmal nicht passt.

    Beide Teams verfügen über einen ausländischen Weltklassetorhüter: Simon Hrubec in Zürich, Harri Säteri in Biel. Inwiefern hat die Erhöhung des Ausländerkontingents auf diese Saison hin die Liga verändert?

    Leuenberger: Unsere Organisation war gegen diese Erhöhung, wir finden auch, dass die Liga 12 und nicht 14 Teams umfassen sollte. Die zwei zusätzlichen Ausländer haben vor allem den kleineren Teams geholfen, weil sie nun mehr Kadertiefe haben. Nicht unterschätzen sollte man die Auswirkungen des Kriegs in der Ukraine: Da wurden viele interessante Spieler zu erschwinglichen Preisen auf den Markt geschwemmt.

    Steinegger: Wir haben sicher von der Erhöhung profitiert. Ich glaube nicht, dass wir ohne unseren Goalie den zweiten Platz erreicht hätten.

    Schon in der letzten Saison trafen Ihre Teams im Play-off aufeinander, damals im Viertelfinal, den Biel trotz 2:0- und 3:2-Führung verlor. In den letzten fünf Duellen gab es nur 14 Tore. Können wir in der Serie nun Ähnliches erwarten, angesichts der hohen Qualität der Torhüter?

    Steinegger: Das würde mich nicht überraschen.

    Leuenberger: Ich bin kein Freund davon, Statistiken zu rezitieren. Das ist passiert und ist somit Vergangenheit. Was zählt, ist die Gegenwart. Aber das Szenario halte ich für möglich. Unsere grösste Stärke ist die Defensive, wir hatten in dieser Saison keinen einzigen Spieler unter den Top-20-Skorern der Liga. Ich gehe davon aus, dass sich durchsetzen wird, wer am meisten Spieler aus den hinteren Reihen hat, die aufblühen. Leute, die man bisher in der Saison weniger gesehen hat.

    Sie waren im SCB während vieler Jahre Teamkollegen. Mit Christian Dubé, der heute Gottéron vorsteht, und Alex Chatelain, der bis 2020 SCB-Sportchef war, gibt es eine auffallende Häufung von Spielern, die später Schlüsselpositionen im Schweizer Eishockey bekleideten. Ist das Zufall?

    Leuenberger: Nicht unbedingt. Es gab in Bern eine Leistungskultur, die ansteckend und prägend war. Du musstest im Training jeden Tag alles geben. Bei Renato Tosio hat schon ein Blick gereicht, und du wusstest, was es geschlagen hat. Ich bildete mit Pietro Cunti eine Fahrgemeinschaft. Einmal hat er zu mir gesagt: Heute spielen wir gegen Ajoie. Entweder wirst du zum besten Spieler gewählt, oder du kannst nach Hause laufen. Zum Glück wurde ich tatsächlich Best Player. Was ich sagen will: Es war ein spezielles Umfeld, für das nicht alle geschaffen waren. Wer sich nicht anpassen konnte, war nach einer Saison weg. Heute würde man vielleicht von Mobbing sprechen.

    Steinegger: Man sieht rasch, ob einer dafür geschaffen ist, Trainer oder Sportchef zu werden. In Bern hatten wir viele dieser Typen. Wahrscheinlich hatten wir auch darum viel Erfolg. Aber na ja, vielleicht waren wir auch einfach nicht gescheit genug, um etwas anderes zu lernen.

    Da Sie sich so lange kennen: Sind Sie Freunde?

    Steinegger: Es gibt sicher ein Vertrauensverhältnis. Ich kann ihm Dinge erzählen, die ich sonst nicht erwähnen würde.

    Leuenberger: Das würde ich unterschreiben. Ihm stelle ich sicher eher im Vertrauen eine Frage als einem anderen Sportchef.

    Sie arbeiten beide seit mehr als zehn Jahren als Sportchef, waren kurzzeitig auch Trainer. Sind Sie Manager geblieben, weil die Jobsicherheit auf diesem Posten höher ist?

    Leuenberger: Wenn du einmal an der Bande gestanden bist, weisst du, was für einen Kick dir das geben kann. Als Sportchef kann es vorkommen, dass du dich irgendwann hilflos fühlst. Es ist deine Mannschaft, dein Coach, deine Organisation. Aber es gibt ziemlich wenig Leute, mit denen du deine Sorgen teilen kannst. Und am Spieltag liegt es nicht in deiner Hand. Das ist als Trainer anders. Ich würde nicht ausschliessen, dass ich das nochmals mache, auf welchem Niveau auch immer.

    Steinegger: Mich hat es immer gereizt, Trainer zu sein. Aber ich habe Familie und Kinder. Vor zehn Jahren wollte ich mir das nicht antun, mich auf einen Schleudersitz zu setzen. Wahrscheinlich ist das der Schweizer Bünzli in mir. Du hast wenig Kontrolle. Heute ist es anders, aber ich suche es nicht aktiv. Und die Uhr tickt, da mache ich mir keine Illusionen. Anderseits: Manchmal geht es schneller, als man denkt. Irgendeinisch fingt ds Glück eim.

    Schlucken Sie manchmal leer, wenn Sie heute Verträge verhandeln? In dem Wissen darum, wie wenig Sie im Vergleich dazu als gestandene Nationalspieler einst verdienten?

    Steinegger: Eigentlich nicht. Klar ist es ein grosser Unterschied von heute zu vor 20 Jahren. Aber noch einmal 20 Jahre zurück war es krasser, da haben die Spieler praktisch nichts verdient. Und man muss auch sagen: Die Anforderungen an die Spieler heute sind umfassender, als sie das bei uns waren, es wird eine ganz andere Verfügbarkeit und Professionalität verlangt. Du kannst dir wenig erlauben. Hätte es bei uns Social Media gegeben, wir wären gar nicht mehr aus den Schlagzeilen gekommen.

    Inwiefern unterscheidet sich die heutige Spielergeneration von jener aus den 1990er Jahren?

    Steinegger: Klar gibt es da Unterschiede. Aber Sven und ich sind wahrscheinlich auch darum so lange in diesem Geschäft, weil wir anpassungsfähig sind. Die Generation Y hat andere Treiber, als wir sie hatten. Geld ist wichtiger, das Denken vielleicht ein bisschen egoistischer. Das ist der Lauf der Zeit. Der Sport ist auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft. Manchmal habe ich Fragezeichen. Aber du kannst es nicht ändern. Du kannst nicht einfach in die Garderobe laufen und sagen: «Hey, früher war es im Fall so und so.» Da lachen dich die Spieler aus.


    Eine US-Amerikanerin in Zürich - Sie liebt das Abenteuer und träumt von Gleichberechtigung

    Eine US-Amerikanerin in Zürich – Sie liebt das Abenteuer und träumt von Gleichberechtigung
    Skylar Fontaine (24) entschied die Schweizer Eishockey-Meisterschaft für die ZSC Lions und bereiste daneben Europa. Nun steht sie vor einer grossen…
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    Sie liebt das Abenteuer und träumt von Gleichberechtigung

    Skylar Fontaine (24) entschied die Schweizer Eishockey-Meisterschaft für die ZSC Lions und bereiste daneben Europa. Nun steht sie vor einer grossen Entscheidung.

    Eine spontane Idee: Wie wäre es mit der kleinen Rundfahrt auf dem Zürichsee? «Hey, ich bin offen», sagt Skylar Fontaine am Bürkliplatz zum Reporter und zum Fotografen. «Was immer ihr wollt.» Doch dann hat das Schiff schon abgelegt, also sprechen wir bei einem Rundgang durch die Stadt über ihr aufregendes Jahr in der Schweiz, ihre Reise in der Eishockeywelt und ihre Pläne.

    Ein Mix aus Gefühlen durchströmt die 24-jährige Amerikanerin. Sie ist immer noch euphorisch über das hollywoodreife Saisonfinale mit den ZSC-Frauen, die sie im entscheidenden fünften Spiel gegen Bomo Thun in der Overtime mit dem 3:2 zum Titel schoss. Sie ist wehmütig, weil sie in zwei, drei Wochen Abschied nehmen muss von der Schweiz und ihren liebgewonnenen Teamkolleginnen. Dazu mischt sich die Ungewissheit über ihre Zukunft.

    «Ich freue mich sehr darauf, herauszufinden, was das Leben für mich bereithält», sagt sie. «Ich hätte mir nicht erträumen lassen, wie viel ich in diesem Jahr erleben würde. Wer weiss, was in einem Jahr ist.» Eishockey spielen, Europa und neue Menschen kennen lernen, diesen Traum erfüllte sich Fontaine bei den ZSC Lions nach Abschluss ihres College-Studiums an der Northeastern University in Boston. Und sie konnte ihre frühere Studien- und Teamkollegin Katie Cipra motivieren, mit ihr mitzukommen.

    «Wir fuhren zum Oktoberfest in München. Was für ein Spass!»
    Skylar Fontaine

    Die beiden wohnten in Bülach und fanden neben dem Eishockey noch Zeit, die Schweiz und Mitteleuropa zu bereisen. Am Mittwoch waren sie bei strahlendem Wetter am Rheinfall. «Wir fuhren zum Oktoberfest in München. Was für ein Spass!», schwärmt sie. «Wir waren ein paar Mal in Mailand, Paris, Amsterdam und Lissabon. Und bevor wir nach Hause gehen, wollen wir noch ans Meer, nach Mallorca oder Malta. Irgendwohin, wo es wärmer ist.»

    Am College hatte Fontaine mit Eishockey und Studium einen durchgetakteten Stundenplan mit Vorlesungen, Training und Hausaufgaben gehabt, von morgens früh bis abends spät. An Partymachen war nicht zu denken. «Wir hatten die 24-Stunden- und die 48-Stunden-Regel. 24 Stunden vor dem Training und 48 Stunden vor dem Spiel darf man keinen Alkohol trinken oder ausgehen.» In Zürich genoss sie nun ihre Freiheiten. Dreimal Training pro Woche, dazu ein oder zwei Spiele – da bleibt noch viel Raum für Freizeit.

    Auf die Schweiz hatte sie Alina Müller gebracht, am Northeastern College während drei Jahren ihre Zimmerkollegin und enge Freundin. «Ich telefoniere fast täglich mit ihr», sagt Fontaine. «Ihre Eltern wohnen hier nur 30 Minuten von mir entfernt. Ich wusste, wenn etwas passiert, kann ich mich an sie wenden.» Die Winterthurerin Müller, die bei Northeastern zahlreiche Rekorde brach, schliesst in diesem Frühjahr ihr Studium der Neurowissenschaften mit dem Master ab. Fontaine studierte internationale Beziehungen, Strafjustiz und Kriminologie. Dereinst möchte sie als Anwältin arbeiten.

    An einem US-College zu studieren und Eishockey zu spielen, ist wohl der Königsweg für talentierte Spielerinnen. Die Frage, die sich ihnen nach dem Abschluss aber stellt: Und jetzt? Denn grosses Geld gibt es im Frauen-Eishockey nicht zu verdienen. Das ändert sich allmählich. Die grösste Profiliga in Nordamerika, die Premier Hockey Federation, die zurzeit sieben Teams im Osten der USA und Kanadas umfasst, ist auf Wachstumskurs.

    «Inzwischen kann man da einen sechsstelligen Betrag im Jahr verdienen», sagt Fontaine. Das sind zwar keine Millionen wie in der NHL, aber es ist ein Anfang. Die Salärbeschränkung pro Team soll auf nächste Saison von 750’000 Dollar auf 1,5 Millionen Dollar erhöht werden, um den Clubs mehr finanziellen Spielraum zu gewähren.

    Auch für sie, die sich als kreative Offensivverteidigerin einen Namen gemacht hat, ist die nordamerikanische Profiliga eine Option. Möglich wäre auch, dass sie eine zweite Saison in der Schweiz bleibt und daneben mit einem Job in einer Anwaltskanzlei beginnt. Dass die ZSC-Frauen im Playoff in der Swiss-Life-Arena trainieren und spielen durften, sieht sie als ermutigendes Zeichen. Gegen 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer kamen für das entscheidende Spiel, und in der Pause des dritten Playoff-Spiels der Männer gegen Davos wurden die ZSC-Meisterinnen auf dem Eis gefeiert.

    «Es wäre toll, wenn Frauen im Eishockey auch das machen könnten, was Männer tun. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns.»
    Skylar Fontaine

    Ihre sechs Jahre ältere Schwester Alex begann in der Familie mit dem Eishockey, Skylar eiferte ihr nach, ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Gunnarwolfe spielt ebenfalls College-Hockey, wurde von Nashville gedraftet und hofft auf eine NHL-Karriere. «Es wäre toll, wenn Frauen im Eishockey auch das machen könnten, was Männer tun», sagt sie. «Die Löhne steigen, das kann man in allen Bereichen des Frauenhockeys sehen. Es liegt noch ein weiter Weg vor uns, aber es gibt definitiv Fortschritte zu verzeichnen.»

    Sie selbst ist jedenfalls bereit, das Leben mit beiden Händen zu packen. Was das Reisen betrifft: Irgendwann möchte sie unbedingt noch nach Thailand, dort das Lichterfest erleben und ein Elefantenreservat besuchen. Sie hat noch so viele Pläne und Träume. Wen alle nur Sky nennen, Himmel, richtet wohl automatisch seinen Blick nach oben.