Beiträge von Ouimet

    Bleiben ja noch 51 Vorbereitungsspiele… ob man erster oder sechster in der Quali wird ist egal und das wissen auch die Spieler. Die Saison beginnt im März. Bitter für die Allesfahrer die sich an einem Dienstag Lugano, Genf oder Ajoie antun wo es um faktisch nichts geht.

    Aus der NZZ:

    Ein französischer Künstler und ein Goalie, der für einen guten Zweck hext: Die ZSC Lions haben interessante Spieler verpflichtet

    Der Abgang von Denis Malgin in die NHL schmerzt den ZSC. Doch der Sportchef Sven Leuenberger hat vier aufregende Ausländer verpflichten können. Auch dank ihnen gehören die Zürcher abermals zu den Titelfavoriten.

    Wenn die ZSC Lions am Mittwoch in Rapperswil-Jona gegen die Lakers in die Saison starten, ist das für sie ein Vorgeschmack auf die kommenden Wochen. Weil in der neuen Swiss-Life-Arena in Altstetten noch nicht alle Arbeiten abgeschlossen sind, bestreitet der ZSC die ersten acht Partien allesamt auswärts. Die Heimpremiere findet am 18. Oktober gegen Gottéron statt.

    Auch am Kader wurde fleissig gewerkelt. Der ZSC steigt mit einem neuen Schweizer Abwehrchef aus der NHL (Dean Kukan) und vier neuen Ausländern in die Saison. Das Quartett besteht aus dem tschechischen Torhüter Simon Hrubec, dem finnischen Verteidiger Mikko Lehtonen, dem schwedischen Stürmer Lucas Wallmark sowie dem französischen Angreifer Alexandre Texier.

    Die Ende August finalisierte Verpflichtung von Texier, 23, ist ein Coup. Der Franzose hat sich in den letzten drei Jahren bei Columbus etabliert (123 Spiele / 49 Skorerpunkte) und wäre dort auch weiterhin als Stammkraft eingeplant gewesen. Doch nach zwei Todesfällen in der Familie drängte der läuferisch starke Flügelstürmer auf einen leihweisen Wechsel nach Europa; die Heimatstadt Grenoble ist von Zürich aus in knapp viereinhalb Autostunden zu erreichen.

    Die neue Nummer 1 des ZSC stoppt Pucks für einen guten Zweck

    Bei den übrigen Zuzügen handelt es sich um Spieler, die aufgrund des russischen Angriffskriegs ihre Verträge in der KHL auflösten. Der Goalie Hrubec ersetzt die aus familiären Gründen in die Heimat zurückgekehrte Nummer 1 Jakub Kovar. Hrubec, 31, gewann 2021 mit Omsk den Titel, er gilt als sehr fleissig und hat seine Bestleistungen oft in den Play-offs abgerufen. Hrubec unterschrieb mit dem ZSC einen Zweijahresvertrag.

    Die erste Torhüterausrüstung hatte sich Hrubec als Knirps finanziert, indem er die geliebte Playstation verkaufte. Sein Vater Stanislav hatte ihm diese einst unter ungeklärten Umständen von der Arbeit mitgebracht – er war zu diesem Zeitpunkt als Grenzbeamter tätig. Weil sich niemand anderes als Goalietrainer fand, nahm sich der Vater der Aufgabe an. Heute ist er Torhütertrainer beim tschechischen Erstligisten Ceske Budejovice. Sein Sohn hat derweil die Organisation «Saves help» ins Leben gerufen, bei welcher Eishockey- und Fussballgoalies für jede Parade einen fixen Betrag für einen guten Zweck spenden. Im Fussballbereich wird Hrubec dabei unter anderem vom früheren Weltklassegoalie Petr Cech unterstützt.

    Operationen bei Sven Andrighetto

    Das ausländische Personal ist von allererster Güte, auch deshalb gehört der ZSC trotz dem Abgang des wichtigsten Einzelspielers, Denis Malgin, zum NHL-Klub Toronto Maple Leafs zu den Titelfavoriten. Ohne Malgin dürfte es in der Offensive mehr Varianz geben – und zudem dürfte wieder mehr Verantwortung auf den Schultern von Sven Andrighetto liegen.

    Andrighetto, 29, war 2020/21 der beste Schweizer Stürmer der Liga. Im letzten Winter war der Zürcher noch immer produktiv, doch ihn handicapierten Verletzungen. Er musste sich an der Hüfte und der Nase operieren lassen. Die Nase brach in der Play-off-Halbfinalserie gegen Gottéron, zum dritten Mal in den letzten vier Jahren. Andrighetto sagt: «Der verlorene Final war bitter. Aber ich habe die Enttäuschung als Motivation genommen und im Sommer sehr hart gearbeitet.»

    In der Vorbereitung gewann der ZSC acht von neun Partien, die einzige Niederlage kassierte er in der Champions Hockey League in Katowice (1:2 nach Verlängerung). Die Qualifikation für die K.-o.-Phase schaffte das Team trotzdem souverän. Die Rapperswil-Jona Lakers dagegen, das Überraschungsteam der letzten Saison, scheiterten vorzeitig. Vor dem Saisonauftakt spiegelt das die Stärkeverhältnisse durchaus präzise.

    Sehe ich auch so was die CHL anbelangt. Zug überzeugt in Finnland, der ZSC blamiert sich. Mit 52 Vorbereitungsspielen bin ich nicht einverstanden, genau mit dieser Einstellung kommt der Schlendrian ins Spiel! Auch hier letzte Saison: Zug überzeugte, der ZSC mühte sich ab.

    Stinkt mir irgendwann hier immer die gleichen Entschuldigungen/Ausreden und das ewige "Saison beginnt im April" zu lesen.

    Des Schlendrian ist ein ZSC Gen… ohne die Treffer von Hollenstein wäre im Viertelfinal fertig gewesen… Der Z hat zuviel Klasse und wird in dieser Liga auch ohne Sondereffort unter die ersten vier kommen. Auch ganz ganz viele Spiele die man gegen Ajoie, Langnau, Ambri gewinnt, gewinnt man ohne viel Anstrengung. Das Einzige was helfen würde wäre eine 10er Liga mit 36 Spielen dann wäre das Niveau höher und es ginge in jedem Spiel um etwas.

    Die Schweizer Spieler, Medien, Funktionäre, Fans, Zuscgauer, Sponsoren erzählen ja immer wieder “von der besten Liga ausserhalb der NHL” das mag auf die Spielerlöhne stimmen aber nicht auf das Niveau der Liga. Solange Schweizer Clubs Spiele in Polen, Wales und Österreich verlieren.. sollte man etwas vom hohen Ross herunter kommen.

    “Ich sehe dies etwas zwiegespalten.

    Einerseits darf man (meiner Meinung nach) ein CHL-Gruppenphasenspiel nicht Gleichwerten wie ein Qualifikations- oder gar Playoffsspiel in der NLA”

    Mit dieser Einstellung muss man gar nicht mehr an der Champions League teilnehmen. Entweder man nimmt die ernst und will gewinnen oder man kann es gleich sein lassen. Wenn man gegen Teams wie Katowice verliert oder gegen Wien rausfliegt… Es folgen ja ab mitte September noch 52 Vorbereitungsspiele bis zum Saisonbeginn. In der CHL zählt hingegen jedes Spiel.

    Usem Tagi:

    Der kleine Löwe will unbekümmert sein

    Am Samstag beginnt das Abenteuer für den Club, der 37 Jahre zweitklassig war und der grosse Aussenseiter in der Super League ist. Ausgerechnet Alex Frei kommt mit Basel zu Besuch.

    Der Moment hat schon fast etwas Ergriffenes, als Andreas Mösli das Wort ergreift. Im kleinen Presseraum, den es auf der Schützenwiese zwar schon lange gibt, der aber nie wirklich benutzt worden ist, steht er da und sagt in die Runde: «Das ist historisch. Es ist die erste Pressekonferenz, seit ich hier bin.»

    Zwanzig Jahre ist Mösli jetzt beim FC Winterthur, der frühere Punkrocker und Journalist. In dieser Zeit hat er dem Club ein Gesicht gegeben (Stichwort: «Friede. Freiheit. Fussball») und ist selbst zum Gesicht geworden. Die Haare des 57-Jährigen sind kürzer und grauer geworden, er will kürzertreten und sich nur noch um die Kommunikation des Vereins kümmern. Ganz so wenig ist das nicht, weil vieles neu ist. Statt der gewünschten 60 arbeitet er weiterhin 100 Prozent.

    «Wir sind dann mal oben!» hat der Club zum Motto gemacht, nachdem er sich am 21. Mai mit einem Sieg in Kriens den Aufstieg gesichert hatte. Und weil er mal oben ist, feiert er an diesem Mittwochnachmittag eine Premiere und richtet eine Pressekonferenz aus. Mösli hat dafür Sportchef Oliver Kaiser aufgeboten, den neuen Trainer Bruno Berner und Captain Granit Lekaj.

    Das Stadion mit einer Seele

    Auf einem Nebenplatz trainieren Junioren, Handwerker sind im Stadion unterwegs, um es den Bedürfnissen der Super League anzupassen. Zwei hohe Türme stehen neu neben der Haupttribüne, damit die Kameras für den VAR ihren Platz haben. Sie sind klobig, passen nicht zum Bild der Schützenwiese und behindern zum Teil die Sicht der Zuschauer auf den Platz.

    Wenigstens ist alles andere noch da, die Bierkurve, die Sirupkurve, der Salon Erika, Gagarin, die alte Matchuhr, die Stehplätze, die Libero-Bar – all das eben, was diesen Ort ausmacht. Als Mösli beim FCW als Geschäftsführer einstieg, hiess es noch: «Ach, die Schützi! So eine Katastrophe! Alles fällt auseinander!» Inzwischen sagt er: «Solche alten Stadien haben eine Seele.»

    Wenn der FCW am Samstag gegen den FC Basel in die neue Saison geht, sind die 8400 verfügbaren Plätze ausverkauft. Die 8400 reichen für einen stimmungsvollen Rahmen, weil hier alles kompakt ist. Oder wie es Bruno Berner sagt: «Das Stadion hat fast einen englischen Touch.»

    Mösli geht davon aus, dass die Heimspiele bis in den Winter ausverkauft sein werden. Die Leute wollen halt einmal auch andere Gegner sehen, nicht immer nur Thun, Wil oder Stade Lausanne-Ouchy. Mit dem Reiz des Neuen ist auch die Herausforderung verbunden, sich auf ungewohntem Gelände zu behaupten. Der FCW ist kein Spitzenclub mehr, sondern der erste Anwärter auf Platz 10.

    Oliver Kaiser, der Sportchef, mag mit solchen Prognosen nichts anfangen, er sei kein Fan davon, sagt er. Lieber will er darauf setzen, dass sie alle ihre Arbeit richtig machen. Damit sie am Ende vielleicht sagen können, die Experten oder Journalisten hätten sich geirrt. Kaiser gibt den Optimisten: «Ich bin felsenfest überzeugt, dass wir eine gute Rolle spielen.»

    Berner tut sich weniger schwer mit den düsteren Erwartungen, was die sportliche Zukunft bringen wird. «Letzte Saison war der FCW national die Nummer elf», hält er fest, «jetzt fangen wir auf Platz 10 an.» Nur heisst das lange nicht, dass sie gleich die weisse Fahne schwenken. Sie wollen sich Spieltag für Spieltag «ufechräsme», so sagt er das, langsam nach oben klettern.

    Lekaj endlich am Ziel

    Die Euphorie ist gross um den Verein, seit er im Frühjahr angefangen hat, an der Rückkehr in die höchste Liga zu arbeiten. 37 Jahre war er weg von der Spitze gewesen, lange 37 Jahre für den Club aus einer Stadt, die zwar im Schatten von Zürich steht, aber immerhin die sechstgrösste des Landes ist. Jetzt sagt Captain Lekaj: «Ein Traum ist in Erfüllung gegangen.» Das gilt gerade für ihn, weil ihm dieser Club so viel bedeutet und gar zu einer Heimat geworden ist.

    32 ist der stämmige Innenverteidiger inzwischen. 337 Spiele hat er in der Challenge League bestritten, was die zweithöchste Zahl in dieser Liga ist. Am Samstag kann er endlich in die Super League eintauchen. Und das erst noch gegen den Trainer, dem er das zu einem wesentlichen Teil zu verdanken hat. Alex Frei kehrt mit Basel auf die Schützi zurück, wo er ein halbes Jahr der Trainer war, der mit seiner Siegermentalität und Geradlinigkeit voranging.

    «Mir ist egal, wer auf der anderen Seite Trainer ist», wirft Lekaj ein. Grösser scheint seine Vorfreude auf das Wiedersehen mit Davide Callà zu sein, Callà sei ein Captain gewesen, wie er nie einen sonst gehabt habe, sagt er, «er war komplett. Schade, dass er ging.» Callà folgte Frei im Sommer als Assistent nach Basel.

    Den Wunschkandidaten für die Nachfolge Freis hatte Kaiser schnell auserkoren. Berner ist für ihn gar der «perfekte Trainer». Was der 44-jährige Glattbrugger mitbringt, ist recht viel. Da ist die fachliche Expertise, seine auch als TV-Analytiker gezeigten kommunikativen Stärken, seine Erfahrungen als Spieler in der Bundesliga und der Premier League wie auch als Trainer beim SC Kriens. Dass er als bodenständig gilt, hilft in einem Umfeld wie in Winterthur, um Akzeptanz zu gewinnen.

    Vier Jahre trainierte er die Krienser, bis 2021. Zuerst stieg er mit ihnen auf, dann hielt er sie drei Saisons lang trotz sehr bescheidener Mittel in der Challenge League. Beim FCW ist nun alles ein, zwei Nummern grösser, das ändert jedoch nichts daran, dass er finanziell der Kleine ist in der Super League.

    Mit einem Budget von 11 Millionen Franken liegt er weit hinter der Konkurrenz, die 1. Mannschaft kostet weniger als die Hälfte davon. Neun Spieler sind abgegeben worden, unter ihnen Roberto Alves, der feine Spielmacher, und Sayfallah Ltaief, als Flügelstürmer die Entdeckung der letzten Rückrunde. Alves zog es in die polnische Provinz, Ltaief nach Basel. Fünf Spieler sind neu, zum Beispiel der weit gereiste Florian Kamberi für den Sturm und von Sion Timothy Fayulu fürs Tor. Kaiser selbst ist zufrieden mit seiner Arbeit. «Wir haben uns verstärkt», sagt er, «da bin ich sicher.»

    24 Stunden überlegte sich Berner, ob er die Arbeit als U-19-Trainer beim Schweizer Verband aufgeben und nach Winterthur wechseln will. So lange? Seine Frau habe schon noch etwas dazu zu sagen gehabt, sagt er mit einem breiten Lachen. Was ihn am neuen Arbeitsplatz reizt, ist die «Gesamtkonstellation». Ein Punkt sticht dabei heraus: «Ich kann so richtig unbekümmert an die Aufgabe herangehen.»

    Das Versprechen Berners

    Die Erwartungen sind an anderen Standorten zum Teil viel grösser, gerade in Basel, Bern und Zürich, auch in Lugano, Genf oder St. Gallen. Das kann dem FCW helfen, mit der Enttäuschung von Niederlagen umzugehen, der Rückhalt bei den Fans kann dabei ebenso ein entscheidender Faktor sein. Der Trainer will Niederlagen vorbeugen, indem er von seinen Spielern fordert, dass sie «nicht mit gebückter Haltung» auftreten: «Wir gehen raus und getrauen uns etwas. Wir wollen etwas wagen.»

    Das vertikale Spiel hat es ihm angetan, der schnelle Pass in die Tiefe. Gleichzeitig weiss er, dass seine Mannschaft Druckphasen aushalten und überstehen muss, mehr als in der Vergangenheit. Mit Blick auf Lekaj, der zwei Stühle neben ihm sitzt, sagt er darum: «Granit, als Verteidiger kannst du dich freuen. Da kannst du dich so richtig, richtig auszeichnen.»

    Der Löwe ist das Wappentier des FCW. Im Gang, der von den Kabinen auf den Platz hinausführt, ist das Licht düster. An die Wände sind zwei grosse Köpfe von Löwen gesprüht. Sie blecken ihre Zähne. Als wollten sie den Gegner das Fürchten lehren und die Schützenwiese zu einer kleinen Festung machen.

    Usem Tagi;

    «Ich bedaure nichts»

    Die spektakuläre Niederlage im Playoff-Final gegen Zug beschäftigt den Schweden noch immer. Er blickt aber zuversichtlich in die Zukunft – erst recht dank des neuen Stadions.

    Es ist bald zwei Monate her, dass der Playoff-Final mit dem Meistertitel des EV Zug geendet hat. Tut das immer noch weh?

    Nicht mehr so sehr wie gleich danach. Wenn du in diesem Sport arbeitest, musst du akzeptieren können, dass der Unterschied zwischen Gold und Silber manchmal nur minim ist. Ich stand als schwedischer Nationalcoach zweimal auf der anderen Seite, 2017 und 2018 gewannen wir den WM-Final im Penaltyschiessen. Ich bin trotzdem stolz auf meine Jungs bei den ZSC Lions, auf den Effort, den sie in der zweiten Saisonhälfte geleistet haben. Leider konnten wir das letzte Spiel nicht gewinnen.

    Sie führten im Final 3:0 und gaben die Serie noch aus der Hand. Was fehlte?

    Mit dem vierten Spiel war ich nicht happy. Aber danach haben wir alles reingeworfen und wurden einfach nicht belohnt. In Spiel 6 hatten wir im Mitteldrittel 17:1 Schüsse, aber der Puck ging nicht rein. Das Glück, das wir zu Beginn der Serie gehabt hatten, hatte uns verlassen. Aber der EV Zug ist ein würdiger Sieger, er gewann ja auch die Regular Season.

    Was würden Sie im Nachhinein anders machen nach der 3:0-Führung?

    Wir trafen unsere Entscheidungen mit den Informationen, die wir damals hatten. Darüber zu spekulieren, ob es anders herausgekommen wäre, wenn wir anders entschieden hätten, ist nicht meine Sache. Ich bedaure nichts. Wenn man als Coach zurückblickt und sich überlegt, was alles hätte sein können, führt man kein glückliches Leben. Aber natürlich müssen wir aus dem Final unsere Lehren ziehen. Das hätten wir aber auch getan, wenn wir gewonnen hätten.

    In den letzten vier Spielen schossen die ZSC Lions nur noch drei Tore. Wieso stockte die Offensive derart?

    Uns fehlten die Tore der hinteren Linien. Schon während des ganzen Playoffs. Aber wir dachten, dass wir dank der Magie zwischen Malgin, Andrighetto und Hollenstein trotzdem durchkommen könnten. Leider schafften wir es nicht ganz. Und zuletzt waren auch einige Schlüsselspieler stark angeschlagen.

    Es war eine turbulente Reise im Playoff. Fast wären die ZSC Lions im Viertelfinal gegen Biel gescheitert. Wären Sie dann jetzt noch ZSC-Trainer?

    Das müssen Sie das Management fragen, nicht mich. Es geht nicht um mich, sondern ums Team. Ich unternehme einfach alles, um den Erfolg zu ermöglichen.

    Im NHL-Playoff fielen viel mehr Tore als im Schweizer Playoff. Wie erklären Sie sich das?

    Sie haben in der NHL einen guten Job gemacht, alle Behinderungen zu eliminieren. Da sind sie konsequent. Und in der NHL spielen die weltbesten Stürmer, die haben schon noch mehr Power.

    «Die Schweizer spielten ein positives Eishockey. Schade, scheiterten sie im Viertelfinal. Das ist immer die grosse Hürde.»

    Verfolgten Sie die WM in Finnland?

    Ja, natürlich. Die Schweizer gefielen mir sehr gut, sie spielten ein positives Eishockey. Schade, scheiterten sie im Viertelfinal. Das ist immer die grosse Hürde an einer WM. Wenn du die übersprungen hast, fällt der Druck ab, dann spielst du um Medaillen. Und das ist für alle Nationen schon einmal ein Erfolg. Auch Schweden hat seit 2018 keinen Viertelfinal mehr gewonnen.

    Mit Dean Kukan, Mikko Lehtonen und Lucas Wallmark verpflichteten die ZSC Lions drei Spieler, die an der WM gute Rollen spielten. Dazu Goalie Simon Hrubec. Wie schätzen Sie das Team nächste Saison ein?

    Mit Hrubec haben wir Kovar ersetzt. Er ist ein sehr, sehr guter Goalie. Lehtonen ist der beste Offensivverteidiger ausserhalb der NHL. Kukan ist ein äusserst stabiler Verteidiger und kann ebenfalls punkten. Wallmark hat auf jeder Stufe geliefert, er ist ein sehr smarter Spieler. Wir haben sehr gute Puzzleteile hinzugefügt, keine Frage.

    Was passiert mit Denis Malgin? Hatten Sie gemischte Gefühle, als er gross aufspielte an der WM und so NHL-Interesse auf sich zog?

    Gemischte Gefühle? Überhaupt nicht! Ich finde es wunderbar, dass er so gut gespielt hat. Ich unterhielt mich nach der WM auch noch mit Patrick Fischer über ihn. Wenn Malgin den Schritt zurück in die NHL macht, freue ich mich für ihn. Er ist ein exzellenter Spieler.

    Ist das Team der ZSC Lions auf nächste Saison hin nominell noch besser geworden?

    Ich denke schon. Aber alle sind mit der Erhöhung auf sechs Ausländer besser geworden, nicht nur wir.

    «Ich verstehe, dass man die Schweizer gern schützen möchte. Aber sechs Ausländer – das könnte sie auch stimulieren.»

    Ist die Erhöhung von vier auf sechs Ausländer eine gute Idee?

    Ich verstehe, dass man Schweizer Spieler gern schützen möchte. Es gibt für sie weniger Plätze. Aber ich glaube, das könnte die Schweizer auch stimulieren. Ich bin es nicht, der diese Entscheidungen fällt. Aber für uns Coaches heisst das, dass wir mehr Wettbewerb um die Plätze haben.

    Was bedeuten wird, dass junge Schweizer Spieler noch weniger Eiszeit erhalten.

    Eiszeit erhält man nicht, man muss sie sich verdienen. Ein paar Junge haben bei uns den nächsten Schritt gemacht. Sigrist hat sich etabliert, Sopa und Noah Meier schaffen es hoffentlich auch. Und wir haben in den Jahrgängen 2003 bis 2005 einige grosse Talente. Aber sie müssen ihre Arbeit machen, sich zuerst in der Swiss League beweisen, bevor sie in die National League kommen. Einige haben diese Geduld nicht. In Zürich sind die Erwartungen hoch, wir müssen ein Topteam sein. Viele Spieler in der Liga stammen von uns, diese Organisation macht einen exzellenten Job in der Ausbildung der Jungen. Aber nicht alle können bei uns spielen.

    Welchen Effekt hat die neue Swiss-Life-Arena, in welche die ZSC Lions im Oktober einziehen?

    Es wird eine unglaubliche Arena, die beste in Europa, um Eishockey zu spielen. Uns erwartet ein hartes Programm mit zuerst eineinhalb Monaten nur Auswärtsspielen. Aber diese Challenge nehmen wir gern an für dieses wunderbare Stadion.

    Wie sehen Ihre persönlichen Ziele aus? Liebäugeln Sie noch mit der NHL?

    Mein Plan ist, das absolut Beste für die ZSC Lions zu tun, damit wir nächste Saison gewinnen können. Ich glaube, in diesen drei Jahren gezeigt zu haben, dass ich mit vollem Herzen hier bin. Inzwischen bin ich einer der dienstältesten Coaches in der Liga. Meine Familie liebt es hier, ich liebe es und nehme meine Aufgabe sehr ernst. Ich werde Part dieser Organisation sein, solange man mich hier möchte.

    Us de NZZ;

    Winterthur schwankt nach dem Aufstieg zwischen Euphorie und Wachstumsschmerz: «Es ist nicht alles super, nur weil die Liga so heisst»

    Mehr Polizisten und teure Kameras: was der Aufstieg des FC Winterthur in die Super League kostet.

    Als sich im Frühling so langsam abzuzeichnen begann, dass der FC Winterthur nach 37 Jahren wieder erstklassig sein könnte, begannen die Fans sich Sorgen zu machen. «Erstklassig, zweitklassig», lautete seit Jahren der Slogan des Klubs. Was sollte daraus werden? Die Super League, sie war den Winterthurern suspekt. Die Band Arsenal Stefanini sang:

    «Ich zeig de Mittelfinger allne Funktionär mit Stumpe

    Ich bruch kei riichi Seck und au kei gwaltbereiti Tschumpel

    Morddrohige und Füüscht, hey de Schiri isch min Kumpel


    Teilig i Sektore, . . . aber de Sekt isch schön perlig

    Ich will nöd id Superleague»

    Nun wollen die Fans offenbar doch sehen, was da passiert in dieser Super League: 4100 Saisonabonnemente hat der FC Winterthur schon verkauft. Und es hätten noch viel mehr sein können. Der Klub musste den Verkauf der Abos stoppen. Sonst hätte es keine Plätze mehr gehabt für Personen, die Einzeltickets für die Spiele haben möchten.

    Platz gibt es im Stadion künftig weniger als bisher. In der Challenge League durften 9400 Fans ins Stadion, in der Super League werden es wohl 1000 weniger sein. Grund dafür sind Sicherheitsvorschriften von Liga und Behörden. «Es ist nicht alles super, nur weil die Liga so heisst», schreibt der FC Winterthur auf seiner Website. Der Aufstieg bedeutet für den Klub Abschied von liebgewonnenen Traditionen und höhere Kosten.

    Der wohl grösste Kulturschock für die Fans des FC Winterthur dürfte die Sektorentrennung sein. Die Regeln der Super League schreiben vor, dass das Stadion in vier geschlossene Sektoren eingeteilt wird. Das heisst: Es braucht vier separate Eingänge, vier Catering-Ecken, vier Toilettenanlagen und unzählige Gitter. Und das wird teuer.

    Dazu kommen weitere Investitionen: Drehkreuze an den Eingängen, Kameras für die Videoüberwachung, stärkeres Flutlicht und zusätzliche Medienplätze.

    Vor allem die Installation der Kameras für den Video-Schiedsrichterassistenten ist in Winterthur eine Hürde: In anderen Stadien werden die Kameras ans Tribünendach gehängt, in Winterthur geht das nicht. Deshalb müssen eigens zwei Türme auf Strafraumhöhe gebaut werden.

    90 Prozent der Kosten für den Umbau trägt die Stadt. Denn ihr gehört das Stadion. Der Winterthurer Stadtrat und das Parlament haben kürzlich 1,5 Millionen Franken für den Umbau bewilligt. Und das ist noch längst nicht alles, was Winterthur im Zusammenhang mit dem Aufstieg ausgeben wird.

    Am Montag teilte die Stadt mit, dass das Polizeikorps im Hinblick auf die Heimspiele in der Super League ausgebaut wird. «Um sichere Spiele zu gewährleisten, braucht die Stadtpolizei mehr Personal und mehr Einsatzmittel», sagt Katrin Cometta, Vorsteherin Departement Sicherheit und Umwelt. 12,7 neue Stellen wurden bewilligt. Das kostet jedes Jahr 1,6 Millionen Franken – viel, bedenkt man, dass es lediglich um 18 Tage pro Jahr geht, an denen in Winterthur Super League gespielt wird.

    Cometta sagt dazu: «Die Polizisten sind länger als 90 Minuten im Einsatz.» Dazu gehören die Vorbereitung des Einsatzes, Arbeiten im Hintergrund und Ermittlungen, falls etwas passieren sollte. So habe etwa die Stadtpolizei Zürich nach Super-League-Spielen schon mehrfach ermitteln müssen, weil Fussballfans Pyrotechnik abgefeuert hätten.

    Und es wird noch teurer für die Stadt: Zu den Umbau- und den Personalkosten kommt eine einmalige Investition in polizeiliches Einsatzmaterial in der Höhe von 795 000 Franken. «Die Winterthurer Polizei muss in der Lage sein, Fans zu trennen und zu intervenieren, falls es einmal nicht friedlich ist. Dafür braucht sie unter anderem Ausrüstung und Absperrgitter», sagt Cometta. Grundsätzlich sei man in Winterthur aber zuversichtlich: «Wir haben eine friedliche Fankultur.»

    Auch auf den Klub kommen Mehrkosten zu. Sie sollen unter anderem durch mehr TV-Einnahmen und eine Erhöhung der Ticketpreise gedeckt werden. Ein Stehplatz auf der Schützenwiese kostete bisher 18 Franken. Jetzt sind es 25. Die Sorge der Band Arsenal Stefanini ist also nicht ganz unberechtigt, wenn sie singt:

    «Ou nei, s bewegt mich nüt me

    Tüüri Tickets und kei gueti Lüüt me»

    Um die guten Leute muss sich die Band aber kaum sorgen. Denn die Winterthurer wären nicht die Winterthurer, hätten sie nicht noch einen Weg gefunden, ein paar hundert Fans mehr ins Stadion zu bringen: Der Klub hat die Plätze im Gästesektor reduziert, um die Heimsektoren auszubauen.


    Vorbereitungsspiele:

    Datum / ZeitBegegnungSpielort
    FR 12.08.22 / 19:30ZSC Lions – GCK LionsReinach/AG
    FR 19.08.22 / 19:45ZSC Lions – Düsseldorfer EGKunsteisbahn Oerlikon
    DI 23.08.22 / 20:00ZSC Lions – KooKooYverdon-les-Bains
    DO 25.08.22 / 17:00Fischtown Pinguins Bremerhaven – ZSC LionsYverdon-les-Bains
    FR 26.08.22 / 17:00ZSC Lions – Grizzlys WolfsburgYverdon-les-Bains

    Was bringt das Playoff? Das sagen jene, die es ausprobiert haben

    Das Frauen-Team des FCZ holte auf dramatische Weise den Titel. Genau richtig so – oder schlicht unfair?

    Die einen hatten es befürchtet, die anderen genau darauf gehofft, am Schluss ist es tatsächlich so weit. Der Nachmittag vom Pfingstmontag ist langsam vorbei, der Abend bricht an – und der Playoff-Final zwischen Servette und dem FC Zürich geht ins Penaltyschiessen. Die Schweizer Meisterschaft, eine ganze Saison, muss also in einer Art Glücksspiel entschieden werden.

    «Irgendwie fühlt es sich an wie ein Cupsieg», sagt die spätere Gewinnerin Fabienne Humm, kurz nachdem sie vom Feiern mit den Fans zurückgekehrt ist. Die Medaille hängt um den Hals, sie ist golden, das Womens-Super-League-Logo erinnert daran, dass es doch um die Schweizer Meisterschaft ging. «Der heutige Tag war beste Werbung für den Modus», sagt hingegen Tatjana Haenni

    Die Direktorin des Ressorts Frauenfussball beim Schweizerischen Fussballverband meint damit nicht das Spiel an sich, das nach dem umstrittenen Platzverweis gegen Servettes Torschützin Michèle Schnider wild und ab dem noch umstritteneren Penalty für den FCZ in der 80. Minute richtig dramatisch wurde. Sie spricht von der medialen Abdeckung, schwärmt davon, dass noch nie so viele Medienschaffende bei einem Meisterschaftsspiel vor Ort waren.

    Hingegen ist es gut möglich, dass sie sich beim SFV mehr als 2642 Fans erhofft hatten. Der Austragungsort hat nicht geholfen, Lausanne gilt nicht als Epizentrum des Fussballs, bei den Frauen sowieso nicht. Lange hofften sie beim Verband, dass der St.-Jakob-Park zur Verfügung stehen würde, nach der Absage aus Basel wenige Wochen vor dem Final musste eine neue Spielstätte her. Zum Vorteil der Servettiennes, sie hatten eine Art Heimspiel. Beim FCZ jedoch kam nicht wie schon beim Cupfinal im Letzigrund die Südkurve – ein paar Mitglieder bildeten immerhin ein Südkürvli, das seine Schweizer Meisterinnen nach Marie-Therese Höbingers Siegtreffer frenetisch feierte.

    Auch für Grings war es skurril

    Zwar versteht Haenni den Genfer Frust, schliesslich war Servette Qualifikationssieger, führte im Final lange, wurde dann bei Entscheiden der Schiedsrichterin zumindest nicht bevorteilt. «Sie haben uns nicht gewinnen lassen», schimpfte Marta Peiró danach und fand auch zum Modus generell deutliche Worte: «Ich komme aus einem Fussballland wie Spanien, da wäre es undenkbar, die Liga in einem einzigen Finalspiel zu entscheiden. Die Liga sollte ein Wettbewerb der Beständigkeit sein.» Ihr Trainer Eric Sévérac kürt sein Team zum «Meister der Herzen», während sein Zürcher Pendant Inka Grings bei SRF zugibt: «Der Playoff-Modus kam uns klar zugute, das muss man ehrlicherweise sagen. Es ist skurril, in einem Final Meister zu werden.»

    Ein abschliessendes Urteil zum Modus habe sie aber noch nicht gefällt – im Gegensatz zu ihrem Chef. «Eine Meisterschaft im Penaltyschiessen zu entscheiden, ist schon nicht das, was man als sportlich erachten kann», sagt Ancillo Canepa. Trotz der goldenen Medaille um den Hals bleibt er bei seiner Haltung, die er schon bei den Männern vertritt. Für den FCZ-Präsidenten lag es auch am Alles-oder-nichts-Charakter dieser Partie, dass diese ungewohnt gehässig war.

    Die Titelentscheidung ist für Haenni aber nur ein Kapitel der ganzen Geschichte. Vier Spiele weniger müssen die Fussballerinnen austragen, die Mittwochspartien fallen weg, sofern nicht ein Spiel nachgeholt werden muss. Für all diejenigen, die am Donnerstag früh zur Arbeit, zur Schule oder zum Studium müssen, ist das zumindest kein Nachteil. Ausserdem ist da noch die Perspektivenfrage. Teams wie GC, Basel oder St. Gallen hatten in der Winterpause schon einen grossen Rückstand zur Tabellenspitze, aber auch ein ruhiges Polster zu den Abstiegsplätzen. «Was haben die dann noch für Aussichten fürs zweite halbe Jahr?», fragt Haenni rhetorisch. Sie findet: «Wer so viel Zeit und Energie investiert, sollte auch einen Anreiz erhalten.»

    Die Chance auf Überraschungen

    Der Playoff-Modus sei auch für nominell schwächere Teams eine Chance, doch noch einen Überraschungserfolg erzielen zu können. Wie YB, das im Viertelfinal gegen den FCZ zumindest für eine kurze Zeit an der Sensation schnuppern durfte, zwischenzeitlich führte und das Hinspiel nur 1:2 verlor. Im Rückspiel gingen die Bernerinnen dann aber 0:7 unter. Sandra Betschart jedenfalls, General Manager bei den YB-Frauen, befürwortet das aktuelle Format: «Der Frauenfussball in der Schweiz benötigt derzeit ausserordentliche Massnahmen, damit die öffentliche Wahrnehmung weiter gestärkt und die Liga als Produkt besser verkauft werden kann.» Für die 67-fache Nationalspielerin war der Final der beste Beleg dafür: «Das Spiel war ein Highlight der beiden besten Teams der Saison.» Ähnlich tönt es bei Luzern-Captain Melanie Müller: «Ich finde den Modus grundsätzlich gut, aber er ist noch nicht so durchdacht.»

    Zwar meint sie damit, dass sie in den Platzierungsspielen gerne noch mehr Aussichten gehabt hätte, als mit YB um den 6. Rang zu spielen, doch da ist auch noch die Sache mit den Gelben Karten. Vor dem Playoff wurden diese nicht gelöscht, sodass Servettes Spielmacherin Sandy Maendly den Final wegen einer Gelbsperre verpasste. Auf kommende Saison werde das geändert, verspricht Haenni, ab dann müsste eine Spielerin schon in jedem Playoff-Spiel verwarnt werden, um im Final gesperrt zu sein. Für Maendly kommt diese Regelung zu spät – sie beendet nach der EM im Sommer ihre Karriere.

    3.03 million Finns 🇫🇮 watched the 2022 IIHF World Championship gold medal game on TV on Sunday, with and average viewership of 2.35 million in a country of 5.5 million.

    At its peak, over 90% of the televisions that were on in the country were tuned into the game.

    Aus der NZZ a/S

    Kann ein Fussballverein zu viel Erfolg haben?
    Der FC Winterthur, bisher Klub der sympathischen Verlierer, ist in die Super League aufgestiegen. Die Euphorie ist gross. Doch alte Fans fragen sich, ob es überhaupt noch schöner werden kann. Beobachtungen eines Zaungasts. Von Linus Schöpfer

    Als der Aufstieg feststand, die Stadt eine Freinacht ausrief und sich Tausende zur grossen Feier versammelten, brach für manchen alten Winti-Fan eine Welt zusammen. «Jetzt haben wir den Salat», mailte einer danach.

    Ich wohne erst seit kurzem in der Stadt. Wie man einen Winterthurer erschreckt, lernte ich allerdings schon früh: indem man ihm sagt, sein Verein steige bald in die Super League auf. Dann sah ich irritierte Augen und hörte stammelnde Ausreden. Das Restprogramm sei tückisch, ein wichtiger Spieler verletzt, solche Sachen.

    Der Klub war lange zweitklassig. Verständlich, dass die Einheimischen nicht zu früh hoffen wollten, dachte ich. Aber das war nur die halbe Wahrheit.

    Die Bilanz der Stadt Winterthur der letzten hundert Jahre: eher so mittel. Die Industrie zerfiel, derweil man mit dem Sulzer-Hochhaus den höchsten Sanierungsfall der Schweiz hochzog. Erst leerten sich die Fabriken der Unternehmer, dann die Kassen der Politiker. Die Nachbarstadt Zürich, mit der man sich einst hatte messen wollen, ist längst enteilt.

    Arroganz wäre da lächerlich – also versucht man es eben mit Freundlichkeit. Und so entstehen Soziotope wie die Schützenwiese gleich neben dem Sulzer-Hochhaus. Auf dem Gelände kicken Kindergärtler neben den Profis, Schülerinnen werfen sich Frisbees zu, und Rentner machen auf ihrem Spaziergang halt, um dem Training ein bisschen zuzuschauen. Irgendwo stürzt sich Torwarttrainer Stephan Lehmann – ehemaliger Nati-Goalie, 58 Jahre alt, der FC Winterthur hat ihn aus der Arbeitslosigkeit geholt – ins Gewühl und kickt mit.

    Die Rückrunde war lange ein purer Spass, die Mannschaft spielte famos nach vorne, ist gespickt mit Zauberfüsschen und Dribblern. Dazu kam ein sehr ambitionierter Coach, der selbst nach Siegen aussah, als sei ihm ein Konfi­brot auf den Fuss gefallen. Bald war klar: Es wäre eine Tragödie, würde diese Mannschaft nicht aufsteigen. Wann, wenn nicht jetzt?

    Als der Aufstieg näher rückte, begann es unter den Fans zu rumoren. Die lokale Band Arsenal Stefanini veröffentlichte einen Song. Titel: «Super League». Refrain: «Ich will nöd id Super League.»

    Dann geschah, was Hiesige erwartet hatten. Der Klub verfiel in eine Starre, schien von einem bösen ägyptischen Fluch befallen. Plötzlich konnte er nicht mehr gewinnen. Während des Spiels gegen Thun – ein weiteres quälendes Remis – fragte ich mich, wie man es hier aushalten soll. Wer war schlimmer dran: Der Winti-Fan, der seit Jahrzehnten durch diese Tortur ging? Oder der Sünder in Dantes siebtem Höllenkreis, der zu einem Strauch verdorrt und von Vögeln gepickt wird? So sei es immer schon gewesen, sagte man mir. Ich wunderte mich über den gelassenen Ton.

    Schliesslich klappte es doch. Die Mannschaft war schlicht zu gut, und Vaduz wehrte sich am letzten Spieltag gegen den Tabellenführer aus Aarau, als ginge es um den Thron des Fürsten.

    Also brach der Erfolg über Winterthur herein. Für viele wurde ein Traum, für andere aber ein Albtraum wahr. Denn auf der Schützenwiese tummelt sich eine Spezies, die der gängigen Vorstellung von Leistung und Erfolg misstrauisch gegenübersteht und Behaglichkeit aus Prinzip stärker gewichtet als Ambition. Charaktere, über die Sven Regener Romane schreiben könnte: mittelbekannte Künstler, findige Tüftlerinnen, angegraute Jeansjackenträger, störrische Altpunks, Philosophen an der Biertheke. Sie sind es, die aus dem grauen Nati-B-Klub mit Liebe, Zeit und Witz ein alternatives Projekt gemacht haben.

    So befindet sich in einer Stadionecke eine kleine Kunstgalerie, der «Salon Erika». Zu ihren Objekten zählen ein grossflächiges Heiligenbild, eigentümliche Porträts früherer Spieler oder auch künstliche Enten. Die gegenwärtige Ausstellung trägt den Titel «Fuck Tactics», zu sehen gibt es verbeulte Taktiktafeln. Manchmal möchte sich ein Fan hier bloss rasch einen Schnaps abholen – und bleibt dann verdutzt vor den Exponaten stehen. Hinter der Salonbar hängt das Cover von «Bicycle Race» von Queen: kein Loblied auf Gewinner wie das gerne gegrölte «We Are The Champions», sondern ein Song für Aussteiger.

    Im Salon sieht man den Aufstieg kritisch. Lieber hätte man, es bliebe wie bisher: bekannte Gesichter im Stadion, kurze Schlange vor dem Wurststand und ab und zu Gratis-Prosecco für alle – auch für die Gästefans. Das Team soll oben mitspielen, aber eben nicht ganz oben. «Ideal wäre es, wenn wir in der Challenge League blieben und den Schweizer Cup gewännen», meint einer.

    Ob das nicht unfair und auch ziemlich elitär sei, den FC Winterthur so für sich behalten zu wollen, frage ich. «Es ist unfair von den anderen, die jetzt auch hierherkommen und uns die Stimmung kaputt machen», sagt ein anderer und lacht. Zugegeben, fügt er an, seine Haltung sei etwas paradox. Aber er frage sich halt, ob das ständige Streben nach Erfolg und Wachstum tatsächlich sinnvoll sei. Sein Kollege gibt zu bedenken, ob die Kultur im Stadion noch dieselbe sei, wenn der FCW dann wieder runterkommen, wieder absteigen müsse. «Ich habe meine Zweifel.»

    Andreas Mösli war einmal Punk, Trotzkist und spielte in der Band Swinging Zombies. Heute gehört er zur Geschäftsleitung eines Super-League-Klubs. Mösli steht vor dem Salon Erika und diskutiert über die Frage, ob echte Zufriedenheit ohne Erfolg möglich ist. «Ich glaube nicht, dass das geht ... für einen Fussballklub jedenfalls geht das nicht. Da kommst du sofort in die Abwärtsspirale. Da bleiben dir die guten Spieler und die Sponsoren weg.»

    Mösli gehört zu den Hardcore-Fans, deren Ideen zur Rettung des Klubs vor zwanzig Jahren beitrugen. Er erfand den Kindersektor «Sirupkurve» und den Slogan «Erstklassig zweiklassig», der zum Leitspruch jener wurde, die sich auf der Schützi einrichteten. Ein Problem, das gebe er zu, sei die Sektorentrennung, die sein Klub nun vornehmen müsse. Dass man künftig nicht mehr frei durchs Stadion streunen könne. Dass Bereiche wie der Salon Erika, die Sirupkurve oder die Fanbar nicht mehr so leicht zugänglich seien. «Aber der Salon muss doch nicht weg deswegen!»

    Einer im Salon sagt, dass ihm der Erfolg auf dem Rasen egal sei: «Wichtig ist, was im Salon passiert.» Das sei eben eine andere Priorisierung, erwidert Mösli. «Damit habe ich kein Problem, auch wenn ich sie falsch finde. Unser Kerngeschäft ist der Fussball. Ansonsten sollen sich bei uns möglichst viele Leute zu Hause fühlen.»

    Dann holt Mösli aus: Wer die Werte des Vereins – Toleranz, Vielfalt, Rücksicht auf sozial Schwächere – akzeptiere, sei willkommen. Egal, welcher Art und welchen Alters man sei. Mösli deutet mit dem Zeigefinger von Sektor zu Sektor: Die Schützenwiese sei wie der Kreislauf des Lebens. «Als Kind bist du in der Sirupkurve, dann kommst du in die Bierkurve, dann bist du auf der grossen Tribüne, dann kannst du nicht mehr richtig stehen und wechselst hinüber zu den Sitzplätzen, und dann ...» – Möslis Zeigefinger deutet auf die Treppe, die zum Stadion hinausführt – «... dann machst du den Abgang.»

    Okay, interessant, aber was ist mit der Super League? «Die schauen wir uns jetzt mal an. Wir sind da ganz offen.»

    Möslis spezieller Klub steigt nun eine Stufe höher in der Geldpyramide. An deren Spitze stehen Milliardäre wie der Emir von Katar oder Roman Abramowitsch, die um jeden Preis die Champions League gewinnen, sich so Anerkennung und Teilhabe an einer Gemeinschaft kaufen wollen.

    Etwas, das sie auch billiger haben könnten. Ein Stehplatz auf der Schützenwiese kostete bisher 18 Franken. Und nächste Saison kostet er halt ein paar Franken mehr.

    Eishockey-WM 2026 findet in der Schweiz statt

    Heute, 12:37 Uhr

    • Die Schweiz erhält am IIHF-Kongress in Tampere den Zuschlag für die Eishockey-WM 2026.
    • Der einzige Mitwerber Kasachstan zog sich vor der Entscheidung zurück.
    • Damit sollen die Titelkämpfe erstmals wieder seit 2009 und zum insgesamt 11. Mal in der Schweiz stattfinden.
    • Schon im Mai 2020 wären Zürich und Lausanne Co-Gastgeber gewesen, damals musste das Turnier aber wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden.