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Davos hat Belfast. Ein bisschen neidisch. Nur ein bisschen 🙂
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Freu mi uf de FC Winti! Us de NZZ:
«I’ll be fine tonight»: Der FC Winterthur ist nach 37 Jahren zurück in der Super League, der Aufstieg ist das Produkt eines kunstvollen Spagats zwischen Punk und Moderne
Der FC Winterthur bereichert ab der neuen Saison die Super League, womöglich ohne den Trainer Alex Frei, der vor dem Abschied stehen soll. Eine Annäherung an einen faszinierend subversiven Fussballklub – und die Menschen, die ihn dazu gemacht haben.
Hasu Langhart sitzt an einem Freitag im Mai auf der Schützenwiese, im Stadion des FC Winterthur. Hinter ihm die Libero-Bar, sein Reich. Es erklingt Punkrock, ein Hit der Bouncing Souls. Langhart vernichtet eine American-Spirit-Zigarette nach der anderen und sagt: «Früher haben wir oft verloren. War auch cool, es hat irgendwie zu Winti gepasst.»
Langhart ist der Sänger der Peacocks, einer Schweizer Punk-Institution. Und als Wirt der Libero-Bar ist er eines der Originale, die den FC Winterthur zu dem machen, was er ist: ein schützenswertes Kulturgut, das sich im modernen Fussball eine bemerkenswerte Eigenständigkeit bewahrt hat, eine Oase der Stehrampenromantik quasi. Wenn der FC Winterthur zu Hause spielt, kocht Langhart für das Team. Später gibt er Shots, Jameson und Jägermeister heraus – und manchmal ein Gratisbier für die Stammkundschaft.
Es ist kein Vergleich mit den anderen Stadien im bezahlten Fussball, in denen man als Besucher schon beim ersten Schluck schlechte Laune bekommt, weil einem für acht Franken abgestandener Schund verkauft wird. Der FC Winterthur bewegt sich weit weg von Systemgastronomie und anderen Schrecklichkeiten, die einem auf jeden Rappen Profit getrimmte Fussballklubs antun. Die Authentizität des FCW wird ab dem Sommer in der Super League zu bewundern sein; am vergangenen Samstag schaffte der Klub nach 37 Jahren die Rückkehr in die höchste Spielklasse.
Das Engagement der Familie Keller
Der Aufstieg hat viele Väter. Aber er wäre ohne die Familie Keller nicht möglich gewesen. Der Patron Hannes W. Keller begann den Klub einst zu sponsern, weil er in der Stadt Verbündete für den Kampf gegen eine Antenne des Mobilfunkanbieters Orange suchte, die auf dem Areal seiner Firma für Druckmesstechnik hätte aufgestellt werden sollen. Keller dachte: Sponsor des lokalen Fussballteams werden, das könnte helfen.
Den Rechtsstreit um die Antenne gewann er – und nebenbei verliebte er sich in diesen Klub, in das Stadion und die Menschen. Er bewahrte den FCW 2001 vor dem Konkurs und wurde Alleinbesitzer. Sein Unternehmen schiesst seither jährlich eine Million Franken ein. Es tritt als Trikotsponsor auf, obwohl Mike Keller, einer der Söhne Hannes Kellers und seit 2019 Präsident des FC Winterthur, sagt: «Wir verkaufen deswegen kein einziges zusätzliches Produkt, unser Geschäft besteht aus 95 Prozent Export. Es ist ein soziales Engagement.»
Als der Vater sich 2015 aus gesundheitlichen Gründen zurückzog, gab er seinen Söhnen Mike und Tobias den Auftrag, neue Klubeigentümer zu finden – auch, weil das Familienoberhaupt es ihnen nicht recht zutraute, sein Vermächtnis weiterzuführen. Die Brüder führten zwei Jahre lang Gespräche, sie empfingen Investoren aus den USA, aus Asien – und kamen zum Schluss, dass sie den Verein nicht abgeben werden. «Wir gelangten zur Überzeugung, dass wir nicht nur den Klub verkaufen würden. Sondern auch seine Seele und in gewisser Weise unsere Ideale», sagt Mike Keller. Gerade er brachte das nicht übers Herz. Er ist mit dem FCW seit vielen Jahren verbunden und erlebte in den 1980er Jahren noch die goldene Zeit in der Nationalliga A.
Statt den Klub abzustossen, modernisierten die Söhne ihn. Sie verpassten ihm neue Strukturen und führten etwas ein, was es unter dem Vater nicht gegeben hatte: eine Leistungskultur. Hannes W. Keller hatte das Credo «Erstklassig zweitklassig» geprägt und gelebt. Einem Aufstieg stand er skeptisch gegenüber, Loyalität gegenüber Menschen, die er mochte, war ihm wichtiger als Resultate; an Trainern hielt er tendenziell zu lange fest. Er verzichtete auf einen Sportchef und liess den befreundeten Spielervermittler Wolfgang Vöge über Transfers entscheiden. Mike Keller sagt: «Für die Zeit hat das alles seine Berechtigung gehabt. Aber wir wollten nicht mehr eine geschützte Werkstatt sein, sondern Ambitionen haben.»Einer, der den Wandel mitgemacht hat, ist Davide Callà. Callà, 37, war während Jahren einer der besseren Fussballer der Super League, er spielte für den FC Basel und GC, ehe er die Karriere im FCW ausklingen liess, in seiner Stadt, heute ist er Assistenztrainer. Callà sagt: «Ich hatte teilweise das Gefühl, dass das F in FCW für Fun und nicht für Fussball steht.»
Sinnbildlich für den Wandel steht der Entscheid vom letzten Dezember, als der Klub auf Platz 2 den Trainer Ralf Loose entliess und ihn durch Alex Frei ersetzte. Der Präsident Keller sagt: «Unser Vater hätte das nie getan. Aber für uns war es der richtige Entscheid, wir brauchten neue Impulse.» Doch was geschieht, wenn Alex Frei den Verein nun nach nur einem halben Jahr verlässt? Laut Medienberichten steht er kurz vor der Rückkehr zum FC Basel.
Eine Fussballstadt erwacht
Über das Potenzial des FC Winterthur herrschte eigentlich seit langem Konsens. Er hat auffallend viele hervorragende Fussballer hervorgebracht, alleine in den letzten Jahren die Nationalspieler Manuel Akanji, Remo Freuler, Admir Mehmedi und Steven Zuber.
Der Winterthurer René Weiler, ein weit gereister Coach, der inzwischen den japanischen Rekordmeister Kashima Antlers betreut, arbeitete kurz nach der Jahrtausendwende als Sportchef im FCW. Er sagt: «Winterthur hatte immer alle Ansätze zur Fussballstadt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Klub erwacht.»
Das Erweckungserlebnis liess auf sich warten, das macht jetzt den rauschhaften Frühling noch intensiver. Die Zuschauerzahlen in den letzten Monaten waren hoch, manchmal kamen 9000 Menschen, der Klub ist inzwischen der grösste Abnehmer der lokalen Haldengut-Brauerei.
Die Stimmung hat oft etwas von einem Volksfest, aber nicht auf diese tumbe Ballermann-Art, sondern im sehr eigenen Winti-Groove. Vor dem Salon Erika, der Kunstgalerie innerhalb der Fankurve, spielen in der Halbzeit manchmal Bands. Es passt zur Attitüde dieser Stadt, zu ihrem rauen Charme. Sie war schon immer ein Rückzugsort für jene, die sich im mondänen Zürich nicht zurechtfanden.
Winterthur ist davon geprägt, jahrzehntelang ein Industriestandort gewesen zu sein. Ein Wahrzeichen der Stadt ist das ehemalige Sulzer-Hochhaus direkt neben dem Stadion, das lange leer stand und temporär von linken Gruppierungen besetzt wurde. Inzwischen aber ist Winterthur eine Kultur- und Studentenstadt – und ein Ort, von dem Andreas Mösli sagt, dass er seine Identität suche. Mösli ist seit zwei Jahrzehnten der Geschäftsführer des FCW. «Winterthur ist die sechstgrösste Stadt der Schweiz, wird aber immer noch als Provinz verkannt. Die Stadt wartet auf etwas, das sie selbstbewusst sein lässt.» Der FCW, das ist seine Hoffnung, soll dieses Vehikel sein.
Der schiefe Vergleich mit dem FC St. Pauli
Es ist schwierig, einen Klub stärker zu prägen, als Mösli das getan hat. Vieles, was den FC Winterthur heute ausmacht, sein subversiver Geist, ist ihm zu verdanken, dem ehemaligen Punk und früheren Journalisten. Der FCW wird gerne als der «FC St. Pauli der Schweiz» bezeichnet, auch der Assistenzcoach Callà bemüht diesen Vergleich.
Und natürlich gibt es Parallelen: die betont linke, antifaschistische Fan-Szene. Der Umstand, dass der Klub soziale Verantwortung übernimmt, regelmässig Spendenaktionen veranstaltet und an Spieltagen auch Menschen am Rand der Gesellschaft beschäftigt. Die Töne von Hell's Bells vor dem Anpfiff, so wie am Millerntor, dem Stadion von St. Pauli.
Aber die Klubs trennen Welten. Der FC St. Pauli setzt pro Jahr mehr als 50 Millionen Euro um und taugt längst nicht mehr zum Hort für verklärte Fussballromantik, er ist Teil einer Millionenmaschinerie geworden. Im FCW beträgt das Budget knapp sechs Millionen Franken. Und anders als in St. Pauli ist in Winterthur noch niemand auf die Idee gekommen, Duschmittel mit dem Klublogo zu verkaufen.
Die Frage wird sein, wie viel von seiner Magie sich der FCW wird erhalten können, in der Super League, der Liga des Establishments, mit ihren Regeln, Konventionen und ihrer ausgeprägten Humorlosigkeit. Der FCW muss sein Budget um einige Millionen erhöhen und sein Stadion nachrüsten, es gibt einen wahnsinnig langen Katalog mit Auflagen.
Mittelfristig müsste dort, wo heute die Sirup- und die Bierkurve stehen, die Herzkammer dieses Klubs, eine Tribüne in den Himmel gezogen werden. Die Alleinstellungsmerkmale wie der Salon Erika und die noch immer von Hand betriebene, entzückende Stadionuhr müssten dann weichen – obwohl beide Institutionen eigentlich von der Unesco als Weltkulturerbe unter Denkmalschutz gestellt gehörten. Andreas Mösli sagt: «Natürlich wird es weniger romantisch. Dafür realistischer. Romantik ist vor allem Kopfsache, jetzt passiert aber wirklich etwas.»
Vielleicht ist es auch unnötig, sich darum zu sorgen, ob der FC Winterthur seinen rebellischen Geist konservieren kann. Denn in letzter Konsequenz sind es immer noch die Menschen, die diesen Verein zu dem machen, was er ist. Der Sänger und Stadionwirt Langhart sagt, es werde den Klub bereichern, dass «jetzt mal etwas passiert». Frischer Wind sei eine gute Sache. «Wir machen das hier jetzt seit 20 Jahren. Es ist nicht gut, wenn man immer nur von der Nostalgie lebt.»
Mit den Peacocks hat er einmal den Song «Gimme More» geschrieben, es ist ihr wahrscheinlich grösster Hit. «Gimme more, more, more / Yeah I want more / And I'll be fine tonight», singt Langhart dort. Die Liedzeilen passen gut zum FC Winterthur im Mai 2022. Nach Jahren im Dornröschenschlaf darf es jetzt gerne ein bisschen mehr sein, ein neues Abenteuer. Es wird schon alles gut.
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Zu Fuss nach Hause: FCW-Fans lösen Wettschuld ein
Zwei Fans des FC Winterthur hatten geschworen, im Fall des Aufstiegs von Kriens 73 Kilometer nach Winterthur zu laufen. Sie hielten Wort – zumindest fast.
Es ist das Fussballwunder des Wochenendes. In der letzten Runde springt der FC Winterthur durch ein 5:0 in Kriens noch auf Platz 1 der Challenge League und steigt in die Super League auf. Die FCW-Fans und Radio-Stadtfilter-Fussballkommentatoren Toni Gassmann und Roland Hofmann hatten im Vorfeld geschworen, im Fall eines Aufstiegs ihrer Mannschaft von Kriens nach Winterthur zu laufen – 73 Kilometer.
«Wir wünschen ihnen gute Schuhsohlen», hatten ihnen die Kolleginnen und Kollegen von der Radio-Stadtfilter-Redaktion am Samstagabend noch mit auf den Weg gegeben.
Herr Gassmann, haben Sie bis Winterthur durchgehalten?
Leider nicht ganz. Wir mussten nach gut 45 Kilometer und 11 Stunden Marsch aufgeben – schweren Herzens. Um zehn Uhr am Sonntag haben wir in Adliswil die Sihltalbahn genommen.
Was ist passiert?
Wir waren am Ende unserer Kräfte. Den Albis hinunter musste ich rückwärts gehen, meine Hüfte und das Aussenband am Knie schmerzten zu fest. Es ging nicht mehr. Vor uns wären noch knapp 30 Kilometer gelegen, zuerst durch Zürich hindurch, dann den Rosengarten hinauf Richtung Schwamendingen. Wir wären auf insgesamt 19 Stunden Marschzeit gekommen. Da musst du aufpassen, weil die Konzentration nachlässt und du vor lauter Erschöpfung umkippen und dich verletzen könntest. Da haben wir gesagt: Das wars.
Wie sind Sie auf die Idee für diesen Monster-Marsch gekommen?
Nach dem 1:1 des FCW in Wil war uns klar geworden: Jetzt müssen wir etwas unternehmen. Falls der Aufstieg doch noch zustande kommt, zahlen wir dem Universum oder wem auch immer etwas zurück.
Alles sprach für Aarau. Haben Sie persönlich an den Direktaufstieg des FCW geglaubt?
Ja. Immerhin hat Aarau in dieser Saison schon einmal gegen Vaduz verloren. Und im Fussball bin ich stets ein bisschen abergläubisch. Ich dachte an meine erste Fussballsaison 1968. Damals wurde der FC Zürich Meister wie jetzt. Und Lugano wurde Cupsieger wie jetzt. Und der FCW stieg damals in die Nationalliga A auf. Ich dachte: Es kann wieder passieren.
Und dann schafft es der FCW tatsächlich, die Fans sind im Freudentaumel. Sie aber müssen sich auf einen 73-Kilometer-Marsch aufmachen. Haben Sie die Wette nicht bereut?
Nein. Es war ja eine Art Versprechen. Wir wollten etwas zurückzahlen, auch aus Respekt gegenüber der Mannschaft. Der FCW hat alles gegeben, jetzt waren wir als Fussballkommentatoren mal an der Reihe. Roland Hofmann hat es so gesagt: Zuerst muss man liefern, bevor man Spieler kritisiert, etwa wegen fehlender Laufbereitschaft. Das hat mir der Marsch auch gezeigt: Es braucht etwas mehr Demut vor der Leistung der Spieler, denn wir haben ja nicht bis Winterthur durchgehalten.
Wo sind Sie durchgewandert?
Wir nahmen wo immer möglich die Direttissima, teils auf Wanderwegen, teils der Strasse nach. Wir rechneten mit einer Marschzeit von rund 17 Stunden. Zuerst ging es durch Luzern hindurch, dann Richtung Cham, weiter über Rifferswil und schliesslich über den Albis. Die Sicht von dort auf den Zürichsee war eindrücklich. Dann ging es – eben nicht mehr so locker – hinunter nach Adliswil.
Gabs auf der Strecke Durchhänger?
Ich hatte schon kurz nach Luzern, bei Gisikon, zu beissen. Doch danach ging es erstaunlich gut weiter. Wir marschierten ohne grössere Pausen, zuerst mit 5 Kilometern pro Stunde, später noch mit 3. Vor dem Spiel hatten wir in weiser Voraussicht viel Teigwaren gegessen und Getränke eingekauft. Unterwegs füllten wir unsere Wasserflaschen an Brunnen wieder auf.
Was bleibt Ihnen vom Marsch durch die Nacht?
Es tat zuerst einmal gut, die Dramatik dieses Fussballabends zu verarbeiten. Wir redeten viel, gingen das Spiel nochmals durch, das hatte etwas Reinigendes. Ein spezielles Erlebnis gab es am Stadtrand von Luzern. Dort hatten Verkehrskadetten die Autos gestoppt, damit der Konvoi mit den FCW-Fanbussen durchfahren konnte. Die Fans erkannten uns und winkten uns aus den Cars zu.
Und wie erholen Sie sich jetzt?
Duschen, Magnesiumtabletten nehmen, Muskeln mit Massageöl einreiben. Geschlafen habe ich bisher nicht, ich bin am Sonntagnachmittag noch im Letzigrund als Kommentator im Einsatz. Am Abend gehe ich früh ins Bett. Am Montagmorgen stehe ich wieder vor den Schülerinnen und Schülern.
Toni Gassmann (63) ist Lehrer für technisches Gestalten an einer Sekundarschule in Winterthur und kommentiert in der Freizeit Fussballspiele für Radio Stadtfilter.
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Wenn Alex Frei den Fussball-Gott anruft
Mit dem FCW kehrt ein spezieller Club in die Super League zurück – Baumeister für diesen Erfolg gibt es einige, angefangen beim Trainer. Das Problem ist nur, dass er nun nach Basel wechselt.
Alex Frei tigert herum. Er ist angespannt, wohl bis in die letzte Faser. Mit dem Spiel seines FC Winterthur in Kriens hat das nichts zu tun. Das ist längst entschieden, der FCW führt inzwischen 5:0. Der Barrageplatz ist damit gesichert, «damit haben wir vor diesem Match auch gerechnet», sagt Präsident Mike Keller tief in der Nacht, als er im Fanzug zurück nach Winterthur sitzt, «und alles andere haben wir dem Schicksal überlassen». Alles andere, das ist das Spiel des FC Aarau gegen Vaduz. Wenn er nicht verliert, ist er der Aufsteiger. Aber er liegt 1:2 zurück gegen edelmütig kämpfende Vaduzer, für die Tunahan Cicek zweimal getroffen hat, Cicek, der frühere Winterthurer. Dem FCA spielen die Nerven den ganzen Abend über einen Streich, er verliert schliesslich, und weil Schaffhausen gleichzeitig in Lausanne gewinnt, fällt er vom 1. auf den 3. Platz zurück. Sein Scheitern ist total. Als in Aarau das Spiel fertig ist, kurz nach 22 Uhr, braucht Frei nicht mehr herumzutigern. Der FCW hat Aarau dank der besseren Tordifferenz noch am letzten Abend einer spannungsgeladenen Challenge-League-Saison abgefangen, das Ergebnis heisst: Aufstieg, zurück in der höchsten Liga nach 37 Jahren Absenz. Weil das so ist und er einen so grossen Anteil daran hat, brechen die Gefühle aus Frei heraus. Er beginnt zu weinen und jeden zu umarmen, der ihm über den Weg läuft. Bald einmal ist Keller an der Reihe, und auch Keller hat Tränen in den Augen. Es sind starke Bilder, gerade von Frei, der mit solchen Emotionen sonst sparsam umgeht. Im ersten Interview sagt Frei: «Ich habe den Spielern immer gesagt: Der Fussball ist zu 95 Prozent gerecht und zu 5 Prozent ungerecht. Heute haben wir die 95 Prozent erlebt. Heute haben wir den Fussball-Gott erlebt. Das ist kein Glück. Der FCW ist verdient aufgestiegen.» Der entscheidende Wandel Im Winter erst ist der 42-jährige Frei als Trainer nach Winterthur gekommen, als Nachfolger des eher genügsamen Ralf Loose. Die Lager unter den Fans sind in dem Moment geteilt: Passt das überhaupt, Frei und der FCW, der Ehrgeizige und dieser Club, der seine Wohligkeit schon fast kultiviert hat? Die einen sagen Ja, das tue dem Club gut, die anderen sehen seine Zielstrebigkeit als Hindernis. Dass Frei polarisiert, überrascht nicht weiter. Das hat er als Spieler immer getan. Aber Winterthur und Frei passen zusammen, und Frei, noch immer und für sehr lange Rekordtorschütze der Nationalmannschaft, sorgt für das, was auf der Schützenwiese so lange in letzter Konsequenz gefehlt hat. Das bedingungslose Erfolgsdenken hält Einzug, «von der Wohlfühloase zur Leistungskultur», beschreibt Keller den Wandel.
Auch mit Frei gibt es kleine Rückschläge, zum Beispiel das 1:3 in Lausanne nach einem eher peinlichen Auftritt, zuletzt die vier Unentschieden in Serie. Alles in allem aber hat der FCW eine neue Stabilität. Er bricht nicht wirklich ein, als es ihm einmal nicht läuft, er schafft vielmehr die Bestätigung, dass er, anders als so oft in früheren Jahren, dem Druck standhalten kann. In der Rückrunde holt nur Schaffhausen mehr Punkte, und am Ende ist er bereit, das auszuschöpfen, was in ihm steckt.
Frei würdigt alle für ihre Arbeit: zuerst die Spieler («Sie haben den grössten Anteil»), dann Sportchef Oliver Kaiser («Er hat ein Gefühl, wie man eine Mannschaft zusammenstellt»), den Präsidenten («Er interessiert sich, aber nicht penetrant»). Nur zwei vergisst er in der Aufzählung: Andreas Mösli und sich selbst.
ZitatDer Vergleich mit St. Pauli ist leicht abgegriffen, falsch ist er dennoch nicht. Der FCW steht dank Andreas Mösli für eine genuss- und stimmungsvolle Heimat.
Im Fall von Mösli muss es an der Aufregung liegen, denn keiner verkörpert diesen Verein mehr als der frühere Journalist und Rock-Musiker. In zwanzig Jahren hat er es als Geschäftsführer geschafft, dem Club ein Gesicht zu geben, ihn sogar zu einer Marke zu machen. Der Vergleich mit St. Pauli ist leicht abgegriffen, falsch ist er dennoch nicht, weil der FCW für etwas steht, was vielerorts selten geworden ist: für eine genuss- und stimmungsvolle Heimat, in der man sich wohlfühlen kann. Die Zuschauerzahlen und der Aufmarsch vor der Libero-Bar für die dritte Halbzeit belegen das eindrücklich.
Mösli hat bei seiner Arbeit die Hilfe von Hannes W. Keller gehabt, das ist der Vater von Mike und Tobias, denen der Club heute gehört. HWK pflegte als Präsident genüsslich das Bild des Kauzes. Der Erfolg war ihm nicht das Wichtigste, damit trug ausgerechnet er, der als Unternehmer ein Erfolgsmensch war, zu der auf der Schützenwiese verbreiteten Genügsamkeit bei. Was ihm allerdings keiner absprechen konnte: Dank seines Geldes ist der FCW vom serbelnden zum höchst soliden Challenge-League-Club geworden. Den Triumph vom Samstag hat er nicht mitbekommen, er nimmt nicht mehr viel wahr vom Leben.
Und jetzt zum FCB
Der andere, den Frei in seiner Würdigung nicht erwähnt hat, das ist eben er selbst. «Fragen Sie die Spieler», sagt er gerne, wenn es um die eigene Beurteilung seines Anteils am Erfolg geht, das macht er auch im Moment des Triumphes. Er mag nicht über sich reden, dabei ist er einer, der in Winterthur mit seinem Arbeitsethos überzeugt hat. Dass er in diesem Frühjahr einmal sagt, das Prestige sei ihm nicht mehr so wichtig, ist wohl eher ein Satz für die Galerie. Der Ehrgeiz steckt tief in ihm drin.
Vom FC Basel, seinem wirklichen Herzensverein, liegt ihm seit ein paar Tagen ein Vertrag vor. Frage darum an Frei nach dem Spiel: Wie sieht die Zukunft aus? Antwort: «Die Zukunft ist das Stadthaus.» Da gibt es zwar keinen Balkon, aber eine ausladende Treppe, da stellen sich die Helden nach ihrer Rückkehr aus Kriens auf und lassen sich von einer riesigen Menge bejubeln. So wie Frei kann man ein Thema auch umdribbeln. Keller sagt: «Ich bin der tiefsten Überzeugung, dass dieser Wechsel für ihn zu früh wäre. Ein besseres Umfeld als bei uns kann er nicht haben.»
Frei aber hat kein Gehör für den gut gemeinten Ratschlag. Noch während der Siegesfeier macht er gegenüber der Mannschaft deutlich, dass er bereits wieder weiterzieht. «Es ist recht klar geworden, dass er nicht bleibt», sagt Granit Lekaj, als Captain einer der Wortführer der Mannschaft. Er hat Verständnis, dass Frei nun das Angebot aus Basel annimmt. Wenn man diese Chance bekomme, müsse man sie auch annehmen, sagt er.
Der Abgang des Trainers mag die Freude in Winterthur trüben. Das ändert an einem nichts: an der Wahrnehmung von Keller, was dieser Erfolg für den FCW bedeutet: «Er macht uns stolz und extrem dankbar.»
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Transfercoup der ZSC Lions – Von Columbus nach Zürich – Dean Kukan kehrt zurückAn der WM in Helsinki ist er der Schweizer Marathonmann, nächste Saison läuft er für die ZSC Lions auf. Dean Kukan hat sich mit 28 für eine Rückkehr…www.tagesanzeiger.ch -
Wo werden wir die Champions League Heimspiele im September austragen?
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Aus der NZZ am Sonntag
Der Verteidiger will mit der Schweiz Grosses schaffen
Jonas Siegenthaler spielte in der NHL die beste Saison seiner Karriere – und ist an die WM gereist, obwohl er sich Anfang April die Hand gebrochen hatte. Von Nicola Berger, HelsinkiJonas Siegenthaler ist einer der besten Eishockey-Profis der Welt, er hat es in der NHL zum Stammspieler gebracht; die New Jersey Devils zahlten ihm in dieser Saison 1,2 Millionen Dollar, damit er für sie Tore verhindert. Aber wenn Siegenthaler im Sommer die Familie seiner Mutter in Thailand besucht, schlägt ihm vor allem Verwirrung entgegen. Siegenthaler, 25, ist in Zürich aufgewachsen und schweizerisch-thailändischer Doppelbürger.
Asien existiert auf der Eishockey-Landkarte eigentlich nicht, ebenso wenig wie Ozeanien, Afrika und Südamerika. Die Weltrangliste umfasst 55 Länder, Thailand findet sich auf Platz 47; unter den knapp 69 Millionen Einwohnern gibt es 63 lizenzierte Spieler. Siegenthaler zeigt den Verwandten manchmal Videos von seinen Einsätzen in der NHL, an Weltmeisterschaften. Aber er sagt: «Sie interessieren sich, glaube ich, nicht gross, was da läuft. Sie verstehen ja gar nicht, was passiert, es ist ziemlich lustig.» Im Sommer wird er den nächsten Anlauf unternehmen, nachdem er pandemiebedingt länger keine Visite mehr abstatten konnte. Das Dorf seiner Mutter liegt in einer ruralen Umgebung, an der Grenze zu Kambodscha.
In Südostasien mag man sich schwer damit tun, die Klasse Siegenthalers zu erfassen. Doch in den Eishockey-affinen Gefilden der Welt ist die Wertschätzung ihm gegenüber in den letzten eineinhalb Jahren fast explodiert. Eigentlich ist es noch nicht so lange her, da war seine NHL-Zukunft nicht gesichert. Bei den Washington Capitals war er im Winter 2020 überzählig, nachdem sich die Führung des Klubs einen Tag vor Silvester gesagt hatte: Komm, wir holen lieber Zdeno Chara, den ältesten Spieler der Liga, als auf Siegenthaler zu setzen. Der Schweizer musste auf die Tribüne weichen. Kurz darauf wechselte Siegenthaler in einem Tauschgeschäft nach New Jersey – und hat sich dort seither eine Nische als einer der besten Defensivverteidiger der Liga geschaffen.
Er ist kein offensiver Spektakelmacher wie Roman Josi, der beste Schweizer Abwehrspieler der Geschichte, aber sein Positionsspiel und die Zweikampfstärke in der eigenen Zone verdienen inzwischen nur noch ein Prädikat: Weltklasse. Aus Siegenthaler ist der Darling jener geworden, welche die Qualität eines Spielers vor allem festlegen, indem sie eine Unmenge von Statistiken sezieren. Fast alle lesen sich in seinem Fall freundlich, er war Liga-weit eine der Entdeckungen der Saison. Er sagt: «Der Trade war das Beste, was mir passieren konnte. Der Trainer hat mir viel Vertrauen geschenkt. Und ich konnte es zurückzahlen.»
Schnäppchen für den Arbeitgeber
Sein für NHL-Verhältnisse knapp dotierter, noch bis 2023 gültiger Vertrag ist für seinen Arbeitgeber New Jersey ein hochwillkommenes Schnäppchen – im Zeitalter der Gehaltsobergrenze kann jeder gesparte Dollar Gold wert sein.
Die Devils sind nicht das einzige Team, in dem sich Siegenthalers Brillanz gerade zeigt. In diesen Tagen ist er an der WM in Helsinki so etwas wie der Chef einer Abwehr, die vom Trainer Patrick Fischer neu formiert wurde – der langjährige Captain Raphael Diaz ist im April aussortiert worden. «Er ist für uns sehr wertvoll», sagt Fischer – und lobt explizit die Entwicklung seines Schützlings: «Das Talent war immer da, er war einer der besten U-20-Verteidiger überhaupt. In Washington fehlte ihm die Konstanz, aber jetzt hat er gezeigt, wie gut er ist.» Dass Siegenthaler sich so prächtig entwickelte, liegt auch an seinen körperlichen Fortschritten: Anders als früher ist er heute austrainiert. Und er hat sich läuferisch stark verbessert. In jungen Jahren war das nicht nötig, weil er so talentiert war, dass das schon genügte, um sich durchzusetzen.
Beim Turnierauftakt am Samstag, einem ungefährdeten 5:2 gegen Italien, war Siegenthaler mit drei Assists der beste Schweizer Skorer; es war ein willkommener Bonus für einen, der sonst nicht oft Punkte produziert, weil das nicht seine Aufgabe ist. Es ist bemerkenswert, dass Siegenthaler überhaupt in Helsinki auf dem Eis steht. Vor fünf Wochen brach er sich die Hand und konnte danach nicht mehr für die Devils auflaufen, für die auch der Captain der Nationalmannschaft, Nico Hischier, wirkt. Den Bruch verheilen lassen und sich in Ruhe auf die neue Saison vorbereiten: Das wäre der übliche Reflex für einen Spieler gewesen, der sich in der NHL schon etabliert hat – zumal eine WM-Teilnahme kaum finanzielle Anreize birgt.
Doch Siegenthaler sagt: «Als es passiert ist, habe ich als Erstes an die WM gedacht.» Er wollte nicht auf die Teilnahme verzichten, seine zweite nach dem Debüt in Riga vor Jahresfrist. Er eilte zu einem Spezialisten nach Ohio, der ihm half, so dass er statt sechs nur vier Wochen für die Genesung brauchte. In Helsinki spielt er mit einem speziellen Schutz an seinem rechten Handschuh. Er sagt: «Es macht Spass, hier zu sein. Mit vielen Spielern habe ich schon in Nachwuchs-Nationalmannschaften zusammengespielt. Die Stimmung im Team ist gut, für mich war es klar, dass ich einrücken will, wenn es irgendwie geht. Mein Sommer ist auch nach der WM noch lang genug.» Er pausiert kurz und sagt dann: «Wir haben hier Grosses vor.»
WM muss gelingen
Eine Medaille ist ja das erklärte Ziel dieser Mannschaft, sie ist nötig, nachdem dem Trainer Patrick Fischer zuletzt die Fortune abhandengekommen ist mit einem erneut verunglückten Olympia-Turnier und den vermeidbaren Niederlagen in den WM-Viertelfinals von 2019 und 2021 gegen Deutschland und Kanada, in denen die Schweiz jeweils in der Schlussminute den Ausgleich kassierte.
Für Siegenthaler wäre eine Medaille nicht nur die Krönung einer famosen Saison. Sondern bestimmt auch hilfreich, um in Thailand ein Bewusstsein dafür zu schaffen, wie gut er in diesem seltsamen Sport auf dieser eigenartigen, rutschigen Unterlage inzwischen geworden ist.
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Happy 13. Mai
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