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Die ZSC Lions haben diese Saison noch nie nach 60 Minuten verloren und in jedem Spiel gepunktet. Sie sind sozusagen «im Felde unbesiegt». Aber sie verloren jede Verlängerung (1:2 in Bern) und alle drei Penaltyschiessen (gegen Biel, Servette und Kloten).
BildstreckenDie Milliardäre-Klubs der Eishockey-Saison 2013/14
Beim Derby gegen die Kloten Flyers (3:4 nach Penaltys) verpassten die Stadtzürcher den Sieg vor allem im letzten Drittel in der Offensive. Mit 13 Treffern sind die ZSC Lions zusammen mit Biel (hat ein Spiel mehr) das offensiv schwächste Team der Liga. Aber mit lediglich 12 Gegentoren haben sie auch die stabilste Abwehr. Und Meisterschaften werden bekanntlich in der Defensive entschieden. Womit wir beim Thema sind: Die ZSC Lions haben ein unvollendetes Meisterteam.
Die Stadtzürcher kontrollieren die eigene und die neutrale Zone recht gut. Das Defensivspiel funktioniert. Als Grundregel gilt: Mit drei Gegentoren muss gerechnet werden. Eines, weil der Gegner auch etwas kann, eines, weil immer ein Fehler passieren kann und eines, weil Eishockey ein unberechenbares Spiel ist. Drei Treffer kassierten die ZSC Lions in Kloten ungefähr nach diesem Muster. Das ärgerlichste Gegentor war das dritte (zum 3:3) nach einer unverzeihlich dummen Strafe in der gegnerischen Zone von Reto Schäppi. Im schnellen, intensiven Derby hielten die ZSC Lions die Kloten Flyers problemlos im Schach.
Dem ZSC fehlt der Knipser
Zur soliden ZSC-Defensive ein produktiver Sturm – und fertig ist das Meisterteam. Schon letzte Saison wäre mit vier guten Ausländern die Titelverteidigung möglich gewesen. Nun ist das Problem wieder das gleiche: Vorne fehlt ein produktiver, bullystarker Center. Ein «Knipser». Das Layout (zwei ausländische Verteidiger, zwei ausländische Stürmer) ist falsch. Marc-André Bergeron in der Abwehr reicht – die drei übrigen Ausländerlizenzen müsste Sportchef Edgar Salis dringend für Stürmer einsetzen. Mit Ryan Keller und Ryan Shannon hat er schon zwei.
Tatsächlich sucht der ZSC-Sportchef einen dritten ausländischen Stürmer. Nicht nur weil Verteidiger Steve McCarthy fünf Monate ausfällt. Er sucht einen hochkarätigen ausländischen Stürmer, der bis Saisonende bleibt, Stammspieler wird und McCarthy aus der Mannschaft verdrängt. Dieser ausländische Stürmer kann das letzte fehlende Teilchen zu einem Meisterpuzzle werden.
Kloten und ZSC als Playoff-Finalisten?
Wenn Robert Nilsson wieder fit ist und Trainer Marc Crawford drei gute ausländische Stürmer einsetzen kann – dann stehen die ZSC Lions mindestens auf Augenhöhe mit Davos, dem SC Bern und den Kloten Flyers und sind heisse Anwärter auf den Titel. Der neutrale Zuschauer fragt sich nach diesem intensiven, guten Zürcher Derby sogar: Könnte diese Partie nicht das Finale werden? Zum ersten Mal ZSC Lions gegen Kloten Flyers um den Titel?
Vor einer Antwort auf eine solche Frage sollte sich der Chronist hüten wie der Teufel vor dem geweihten Wasser. Zu oft schon hat sich die Wahrheit des Herbstes als der Irrtum des Frühjahres erwiesen. Aber eines wird klar: Diese Kloten Flyers haben mit ziemlicher Sicherheit in den letzten zwei Jahren durch interne Schwierigkeiten mindestens einen Final, wenn nicht gar den Titel verschenkt.
Es ist und bleibt für alle Zeiten unfassbar, dass diese Mannschaft im letzten Frühjahr die Playouts bestreiten musste. Im Rückblick wird klar: Für die Kloten Flyers der letzten Saison gilt das Gleiche wie für die kaiserliche österreichische Armee zu Zeiten Napoleons: Löwen, geführt von Eseln. Auf allen Führungsebenen.