Wie damals in Bern, als Lüthi Lääri Huras entliess, war auch der Wechsel von Aubin zu del Curto nicht vom Sportchef initiiert, sondern von weiter oben. Bekanntlich gab es nur wenige Stimmen (...ein paar davon auf diesem Board...) welche sich der damit einhergehenden riesigen Euphorie entziehen konnten. Eventuell hat Svenu ja der übernächsten Etage sogar mitgeteilt, dass Arno kein Sanitäter für lebensrettende Sofortmassnahmen ist, sondern eine Art "Arnolix der Druide", welcher das Team nicht über die "Turbo-Boost" Methode wieder in die Spur bringe, sondern mindestens eine, wenn nicht zwei ganze Saison benötige, um die Team-DNA zu verändern und seine Hockeyphilosophie einzuimpfen.
Vermutlich nicht gesagt, sondern nur gedacht, wird er haben, dass es insbesondere betreffend Team-DNA ein paar "Eingriffe" benötigen würde, welche möglicherweise dem Gentleman-Vorsitzenden Walter Frey gar nicht passen und wohl von ihm letztinstanzlich verhindert würden.
Was sonst könnte man Leuenberger noch anhängen? Die Ausländer? War der per Fanpetition zum Bleiben aufgeforderte Kevin Klein das Problem? Eigentlich nicht. Ausser man hätte unrealistische Erwartungen. Mit Noreau hat man geliefert bekommen, was man bestellt hatte: einen für CH-Verhältnisse guten Offensivverteidiger, welcher das Powerplay befeuern und schiessen kann. Seine defensiven Aussetzer sind - von Ambri bis Bern - ebenso bekannt wie legendär. Mit Cervenka holte er den vermissten spielstarken Center; dass der dann plötzlich Thrombosen-Probleme bekam war ebenso überraschend wie damals im Fall von Thomas Vrabec, der jedoch die Karriere gleich per sofort beenden musste. Was Petersson kann weiss man zur Genüge, bei ihm ist - wie bei so manchem anderen Hochkaräter - nicht ganz klar, warum er diese Saison blass blieb.
Und sonst? Es ist relativ schwierig, nach einem Titel ein "Housecleaning" durchzuführen, ganz abgesehen davon, dass ein solches sowieso nicht so funktionieren kann wie in der NHL. Der ZSC hätte, im Unterschied zum Rest der Hockeyschweiz, zumindest die finanziellen Mittel und mit der Nachwuchsabteilung auch personelle Ressourcen, um mehr zu bewegen als sonst möglich ist. Simple Gemüter können jetzt natürlich vorbringen, man hätte letzten Frühling die "Jungen", welche nun den Klub wechseln, längefristig binden müssen, und dafür arrivierte Kräfte entsorgen sollen. Abgesehen davon, dass man nachträglich natürlich immer klüger ist, wäre die Frage, ob ein Walter Frey eine solche Aktion nach einem Titelgewinn genehmigt hätte. Wohl eher nicht.
Wollte man in der Katzenjammer-Situation das Positive suchen kann man immerhin feststellen, dass der Sportchef nun vermutlich etwas mehr Gehör finden dürfte für ein paar Änderungen, welche im Vorjahr undenkbar waren. Nur der Vollständigkeit halber, aber nicht um einen Originalitätspreis zu gewinnen, kann man auch noch den Standardsatz dieser Stunden wiederholen, wonach der letzte Titelgewinn am Anfang der aktuellen Ernüchterung stand. Im Hinterkopf war immer die Überzeugung vorhanden, dass man es letztlich schon noch richten werde, und dann der Meistertitel auch nicht mehr weit sei. Objektiv gesehen stimmt diese Einschätzung sogar. Nur reiben sich Trainer + Sportchefs auf, wenn ein Team mit dieser Grundüberzeugung durch die Quali spaziert, und es entstehen Unruhe und böses Blut (...vermutlich nicht nur bei den Fans...) wenn die Quali-Enttäuschungen nicht durch den Titel geheilt werden können.
Zum Spiel von gestern: Die besseren Möglichkeiten hatte der ZSC. Aber die Genfer verstanden es sehr geschickt, viel Verkehr vor dem Zürcher-Tor zu veranstalten. In dem "Geheue" brachte man die Stöcke der Senfer und diese selber zu wenig unter Kontrolle. Oder hatte Pech beim Blocken, und es entstand ein unhaltbarer Ablenker. Oder ging - fast wie der SCB - nicht auf den Mann, sondern suchte irgendwo die Scheibe, welche man im Rückwärtsfahren unglücklicherweise gleich selbst vor's Tor trug... Und wie es in solchen Fällen so geht, so hatten die Servettiens das Glück, welches dem ZSC je länger je mehr abhanden kam. Höhepunkt der Pfostentreffer (Prassl od. Miranda) kurz vor Schluss.
Zum Schluss: Eine erneute Play-off Qualifikation auf den letzten Drücker und - nicht unrealistisch - womöglich gar ein weiterer Titel hätte die Mannschaft noch "uncoachbarer" gemacht. In der nächsten Saison hätte jeder Trainer bei seinen Vorträgen bestenfalls höfliches Desinteresse geerntet. Im Gegensatz zum Vorjahr sind nun aber die Vorzeichen besser, sowohl was die Aufmerksamkeit für die Lehren des Trainer anbelangt, als auch hinsichtlich von personellen Massnahmen des Sportchefs und des Trainers.