Es wird ja immer geklagt, es fehle an Härte in der geschützten Werkstatt "National League" - und natürlich ist es ein schmaler Grat zwischen Härte und gesundheitsgefährdenden Attacken. Trotzdem stelle ich hier mal eine kurze Passage aus einem Interview mit dem (mittlerweile doch etwas geläuterten) Scherwey hin, wo ein paar durchaus bekannte Themen bzw. Unsitten zur Sprache kommen...:
Wie hat es Jalonen geschafft, dass Sie sich besser unter Kontrolle haben, kaum noch Sperren riskieren?
Kontrolliert spielen, mit Köpfchen spielen: Das hat er mir auf den Weg gegeben. In Jalonens System gehst du nicht blind ins Forechecking und fährst einen über den Haufen. Sonst kriegst du vom Trainer oder von den Mitspielern auf der Bank mit Sicherheit etwas zu hören.
Aber manchmal wünschten Sie sich eine aggressivere Taktik.
Ich versuche, wann immer möglich, mit Checks und Emotionen Akzente zu setzen. Aber in der National League wurde das Bussensystem angepasst. Wenn du bei jedem Check eine Sperre und zusätzlich eine Busse von 10 000 Franken riskierst, überlegst du zweimal, ob du ihn durchziehen willst. Die Liga-Verantwortlichen haben sich für diesen Weg entschieden. Ob es der richtige ist? An Härte werden wir jedenfalls kaum zulegen. Die Quittung folgt bei internationalen Vergleichen. Und: In der Schweiz wird mittlerweile bei jedem Check ein Riesentheater gemacht. Das stört mich.
Die Zahl der Hirnerschütterungen ist unverändert hoch.
Einige Spieler wenden sich an der Bande absichtlich ab, kehren dem Gegner den Rücken zu, nur damit er sie nicht regelkonform checken kann. Zieht er durch, wird er gesperrt, weil der Gecheckte in die Bande fliegt.
Sie denken allen Ernstes, dass sich einige Spieler absichtlich so verhalten? Immerhin riskieren sie damit ihre Gesundheit.
Es gibt in der Schweiz mehr als genug solche Spieler. Sie nehmen den Check nicht an oder manövrieren sich absichtlich in eine dumme Position. Ich sehe auch viele, die in der Mittelzone den Puck übernehmen und denken, dort lasse es sich gemütlich dribbeln. Also sorry: So läufst in den Hammer. Ich habe früh gelernt: In der Mittelzone hältst du den Kopf oben. Wenn einer vom Kaliber eines Roland Gerber von Langnau auf dem Eis steht, kurve ich sicher nicht mit gesenktem Kopf umher. Andere tun das. Dieses Verhalten schadet der ganzen Liga – nicht nur wegen der fehlenden Härte im internationalen Vergleich.
Sondern auch?
Es gibt weniger Spektakel. Die Zuschauer sagen dann: «Es fehlt an Unterhaltung… es ‹chlepft› nicht mehr … weshalb gibt es kaum noch Schlägereien?» Selbst nach der harmlosesten Schlägerei werden Bussen verteilt, um gewisse Kassen zu füllen. Das geht nicht spurlos an den Spielern vorbei.