Letztjährige Analyse
Evtl. sollte man sich auch die letztjährige Analyse nochmals in Erinnerung rufen. Aus meiner Sicht wurde damals die Verantwortung relativ schnell auf Crawford geschoben. Frei von Schuld war dieser natürlich nicht. Und möglicherweise wurden die Spieler intern stärker kritisiert, als man es von aussen wahrgenommen hatte. Fazit: Schwierig zu beurteilen - zumindest gegen aussen wurde die Verantwortung zu rasch dem Trainer zugeschoben.
Reaktion auf dem Transfermarkt
Auf dem Transfermarkt hat man dann aber reagiert und mit Pestoni, Marti und Kenins gemacht, was möglich war. Mit Pestoni konnte man die Basis an technisch starken Spielern verbreitern, Marti + Kenins stehen für Physis + Kampfgewicht. Guerra ist absichtlich nicht erwähnt. Insgesamt hat man eine Kaderverbreiterung erreicht, wie sie sonst kaum ein Klub hat. Wenn nun jemand Ausfälle verdauen kann, dann der ZSC. Fazit: Zum damaligen Zeitpunkt nachvollziehbare Transfers.
Pestoni, Cunti, Kenins - verlorenes & nicht abgerufenes Potential
Dass sich mit der Menge an qualitativ guten Spielern auch ein Gerangel in der internen Hierarchie ergibt, hat man bewusst in Kauf genommen - Stichwort Konkurrenzkampf. Ein kleiner Schocker war Edeltransfer Pestoni und seine Fitness - trotz nachträglichem Trainingslager konnte Ambris Sniper vom Dienst nie eine tragende Rolle übernehmen. Freigeist + Filigrantechniker Cunti und das neue Trainergespann konnten nicht miteinander, nachdem schon das Verhältnis zu Crawford nicht ungetrübt war. Da Cuntis Rolle im Team stetig ausfranste, hinterliess sein Abgang keine sofort erkennbare Lücke. Der als Vorkämpfer in Erinnerung gebliebene Kenins kam nach seiner Rückkehr nicht mehr auf seinen Level, für den man ihn eigentlich geholt hatte. Fazit: Durch die Fälle Pestoni + Cunti ging einiges an kreativem Potential verloren, mit dem man in der Planung gerechnet hatte. Der als Kämpfer engagierte Kenins blieb unter den Erwartungen.
Torhüter
Teilweise verletzungsbedingt ergab sich keine eindeutige Hierarchie - man gewann nicht den Eindruck, dass die Trainer eine "Nr. 1" hatten. Schlechte Leistungen bot keiner der beiden, Heldentaten aber auch nicht. Fazit: Man kommt auch in der Beurteilung nicht aus dem Lavieren heraus...
Goldhelm
Bei Nilsson grosses Pech und für die unter enormem Druck stehende Mannschaft letztlich eine zu grosse Hypothek. Aufgrund der Qualität des restlichen Kaders hätte man erwartet, dass der Einbruch in der Torproduktion weniger heftig ausfällt.
Sportchef
Steht nun natürlich im Kreuzfeuer - hat sich durch den Verzicht auf einen "Notnagel-Ausländer" angreifbar gemacht. Mit Thoresen einen Top-Ausländer geholt. Ansonsten fragt man sich als Aussenstehender, warum man sich bei den CH-Spielern eine AAA-Garnitur leistet, bei den Ausländern aber nicht. Was nicht heissen soll, dass die Fremdarbeiter neben Thoresen "schlecht" gewesen sind - aber Fragezeichen bei Shannon bleiben. Fazit: Aufgrund der letzten 3 Saisons kann man dem Sportchef den Vorwurf machen, er habe kein Gegensteuer geben können, bzw. der Versuch habe sich im Zukauf von noch mehr Talent erschöpft. Ob man aber (vor der Saison) radikalere Massnahmen goutiert hätte, um das Team grundlegend zu verändern? Zum Beispiel einen Transfer von Roman Wick im Tausch gegen einen "Leader"? Dies nur als provokatives Gedankenspiel, ohne juristisches blablabla, um auch solche "Optionen" anzusprechen.
Gestern sah ich das erste Play-off Spiel des ZSC in voller Länge - nach 5 Minuten war ich sicher, dass der ZSC die Luganesi in Grund und Boden stampfen würde. Dann nur noch die Frage, wie es sein kann, dass bei all den Möglichkeiten, Chancen, Schüssen etc. nicht ein 2er Puck für den ZSC reinfällt. Da wurden alle Wahrscheinlichkeitsrechnungen widerlegt.