«Time-out»
07. Januar 2011 13:44; Akt: 07.01.2011 13:59
ZSC Lions: Ein absurder Transfer
von Klaus Zaugg - Jetzt kommt für nächste Saison auch noch Rumpelverteidiger Robin Breitbach (28) mit einem Zweijahresvertrag. Die ZSC Lions werden immer schwerer und langsamer.
Es ist die Gelegenheit, wieder einmal an eine uralte, ewige Hockeyweisheit zu erinnern: «Speed kills.» Will heissen: Tempo besiegt Härte, Grösse und Gewicht.
Die erfolgreichen Teams der NLA sind Tempoteams, ganz ausgeprägt Davos, Kloten und die SCL Tigers; in lichten Momenten auch Titelverteidiger SC Bern und Zug. Langsame, schwere und alte Mannschaften wie die ZSC Lions haben hingegen im Eishockey des 21. Jahrhunderts Schwierigkeiten.
Durch Transfers verlangsamt
Bereits auf diese Saison war ZSC-Sportchef Edgar Salis der einzige Sportmanager, der sein Team mit den Transfers von Thomas Ziegler (32), Thierry Paterlini (35) und Owen Nolan (38) langsamer, schwerer und älter gemacht hat. Dabei hat bereits Kultverteidiger und Captain Mathias Seger (33) Mühe mit dem Tempo. Dass Andres Ambühl nicht auf Touren kommt (erst 8 Tore/20 Punkte in 37 Partien) hat auch mit dem fehlenden Tempospiel der ZSC Lions zu tun. Er hat seine besten Werte (17 Tore/41 Punkte in 50 Spielen) beim «Speedteam» Davos erreicht. Die ZSC Lions haben ein enormes Potenzial und an einem guten Abend können sie mit dynamischem Hockey begeistern und jedes Team vom Eis arbeiten. Aber die Differenz zwischen den schnellsten und langsamsten Spielern ist zu gross, die Balance stimmt nicht und deshalb gibt es nach wie vor keine Konstanz und zu viele Blackouts.
Die ZSC Lions haben in ihrer Organisation drei der besten jungen Schweizer Verteidiger ab Jahrgang 1993. Der Transfer von Robin Breitbach mag konservative Herzen höher schlagen lassen (194 cm/102 kg). Aber spielerisch ist er eine Nullnummer und hat diese Saison in 32 Spielen ein einziges Tor und keinen Assist gebucht. Die ZSC Lions brauchen kreative, schnell denkende und handelnde, laufstarke Verteidiger. Breitbach ist das Gegenteil davon und mit ihm wird die Balance zwischen schnellen und langsamen Spielern noch mehr gestört. Servettes Manager und Trainer Chris McSorley weiss, warum er Breitbach nicht mehr will.
Der Transfer von Breitbach mag dem Hallenstadion ein paar Bandenrumpler bescheren – aber er macht sportlich keinen Sinn. Mit Blick auf die eigene, vorbildliche Nachwuchsorganisation ist er sogar absurd.