«Der beste Torhüter der Welt kann die Scheibe nicht halten, wenn er sie nicht sieht»: Der ZSC-Stürmer Simon Bodenmann und seine Erfolgsrezepte vor dem grossen Kräftemessen mit dem EV Zug
Am Montagabend beginnt der Play-off-Final zwischen den ZSC Lions und dem Titelhalter EV Zug. Der Zürcher Stürmer Simon Bodenmann erklärt den Steigerungslauf des ZSC - und verrät ein Rezept, wie der überragende EVZ-Goalie Leonardo Genoni geknackt werden kann.
Nicola Berger (NZZ)
Neue Dynamik: Die ZSC-Stürmer Dominik Diem (links) und Simon Bodenmann.
Ennio Leanza / KEYSTONE
Am 31. März unterlagen die ZSC Lions dem EHC Biel zu Hause 1:3. Eine Niederlage trennte sie vom Saisonende, von einer neuerlichen, jähen Enttäuschung. Seither hat der ZSC sechs Spiele in Folge gewonnen, den Halbfinal gegen Gottéron schloss er mit einer Galavorstellung und einem 6:2-Sieg ab. Nun greift das Team nach dem zehnten Titel der Klubhistorie und könnte für einen geschichtsträchtigen Zürcher Sportfrühling sorgen, sollten der ZSC und der FCZ der Stadt rauschende Freinächte bescheren. Der FC Zürich marschiert unaufhaltsam in Richtung Meisterschaft. Und der ZSC will es ihm ab Montagabend (20 Uhr) im in der Bossard-Arena beginnenden Play-off-Final gegen den EV Zug gleichtun.
Der Wachstumsprozess des ZSC
Was ist passiert mit diesem Kollektiv seit dem verlorenen Spiel 5 in der Play-off-Viertelfinalserie gegen Biel? Simon Bodenmann sitzt auf der Treppe der Kebo in Oerlikon wo der ZSC seine Trainings austrägt, er überlegt und sagt: «Biel hat uns das Leben ziemlich schwer gemacht, die waren sehr, sehr gut auf uns eingestellt. Und wir mussten uns erst finden. Die Niederlagen haben dazu geführt, dass wirklich jeder begriffen hat, dass von allen mehr kommen muss. Das war heilsam. Die Play-offs sind wie eine Reise, manchmal ist es nicht so einfach, eine Dynamik zu erklären. Wir sind sicher als Team zusammengewachsen.» Bodenmann weiss etwas über die Eigenheiten des Play-off: 2016 und 2017 holte er mit dem SC Bern den Titel.
Den zweiten Meistertitel bewerkstelligte Bodenmann gemeinsam mit jenem Akteur, der ab Montag die wichtigste Figur beim Gegner Zug ist: Der Torhüter Leonardo Genoni. Genoni, 34, kann mit dem EVZ zum siebten Mal Meister werden, es hat etwas Absurdes, wie vollgestopft sein Palmarès ist. Im laufenden Play-off weist der Nationalgoalie mit einer Abwehrquote von 95,58 Prozent schon wieder die beste Statistik aus, er zeichnet hauptverantwortlich dafür, dass Zug noch kein einziges Spiel verloren hat. Wie geht man als Gegenspieler damit um, wenn auf der Gegenseite ein Torhüter steht, dem der Nimbus des Unüberwindbaren anhaftet? Bodenmann sagt: «Da muss man nicht zu viel nachdenken. Genoni ist sehr, sehr gut. Aber das ist unser Goalie auch. Und sowieso: Ich habe ihm auch schon ein paar Pucks reingehauen. Der Schlüssel ist, ihm die Sicht zu nehmen. Der beste Torhüter der Welt kann die Scheibe nicht halten, wenn er sie nicht sie sieht.»
Der ZSC-Goalie Jakub Kovar wartet noch auf den ersten Titel
Genonis Antipode im ZSC-Tor heisst Jakub Kovar, ein Tscheche, der schon an Weltmeisterschaften und den Olympischen Spielen teilnahm. Aber noch in keiner Liga Meister wurde. Ohnehin ist der Titelhalter EVZ Favorit, aber die Zuger bilden sich darauf nicht zu viel ein. Der Trainer Dan Tangnes sagt: «Ich halte es für einen würdigen Final, weil sich die beiden besten Teams der Saison gegenüberstehen. Wir bereiten uns auf eine lange, intensive Serie vor.»
Eine solche hat der EVZ im Gegensatz zum ZSC in diesem Play-off noch nicht überstehen müssen. Bodenmann sagt: «Vielleicht war das rückblickend ganz gut, dass wir gegen Biel so beissen mussten.» Die Reiseerfahrung könnte noch von Nutzen sein.

