Die Zeugnisse der ZSC-Spieler
Von Andrighetto bis Weber: Das Starensemble strotzt vor Mittelmass
Als Titelfavorit gestartet, sind die ZSC Lions vieles schuldig geblieben. Das schlägt sich auch in der Beurteilung der einzelnen Spieler zur Saisonmitte nieder.


Simon Graf, Kristian Kapp

Hängende Köpfe: Die ZSC Lions am Dienstag nach dem 5:6 in Rapperswil-Jona.
Foto: Patrick B. Kraemer (Keystone)
Mit dem Engagement von Denis Malgin sorgten die ZSC Lions zum Saisonstart für Aufsehen, das Starensemble ging als Titelfavorit in die Meisterschaft und hat bisher auf der ganzen Linie enttäuscht. Nur Rang 6 und neun Punkte hinter dem angestrebten Schnitt von zwei Punkten pro Spiel – kein Team ist bisher so unter seinen Möglichkeiten geblieben. Das spiegelt sich auch in den Zwischenzeugnissen der ZSC-Spieler nach etwas mehr als der Hälfte der Qualifikation.
Goalies
Lukas Flüeler, Note 4-5
Der Altmeister, der Ende Saison abtritt, arbeitet mit einem Fitnesscoach, um nochmals alles aus sich herauszuholen. Er spielt weniger oft als Waeber, hat aber die etwas besseren Statistiken. Reicht es für ein Happyend im Playoff?
Ludovic Waeber, Note 4-5

Er kann seine überzeugende erste ZSC-Saison noch nicht bestätigen: Ludovic Waeber.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)
Es lag selten an ihm, wenn die ZSC Lions verloren. Doch seine Bilanz mit nur 7 Siegen aus 19 Spielen ist nicht gut. Es ist ihm noch nicht gelungen, seine starke erste Zürcher Saison zu bestätigen. Athletisch gut, aber noch zu inkonstant.
Verteidiger
Phil Baltisberger, Note 4
An guten Abenden ein dankbarer Spieler für das dritte Backpaar, wenn es schnell geht, zuweilen aber überfordert. Phasenweise spielte er kaum mehr, zuletzt etablierte er sich wieder in den Top 6. Keiner, der das Vertrauen des Coaches spürt.
Patrick Geering, Note 5

Der Captain schreitet meist voran: Patrick Geering ist einer der wenigen Lichtblicke.
Foto: Urs Lindt (Freshfocus)
Der Captain ist der Marathonmann des Teams mit über 23 Minuten Eiszeit, trotzdem begeht er kaum Fehler. Zweikampfstark, immer bemüht, auch das Spiel nach vorne anzukurbeln. An ihm sollten sich die anderen orientieren.
Enzo Guebey, Note 3-4
Mit nur sechs Minuten Eiszeit nicht mehr als ein Ergänzungsspieler. Eigentlich mit guten Voraussetzungen, ihm unterlaufen aber ab und zu haarsträubende Fehler. Er ist nun 22-jährig. Geht da noch mehr?
Christian Marti, Note 4-5
Er setzt ab und zu mit einem harten Check eine Duftmarke, spielt sachlich und meist ziemlich solide. Mit seinem harten Schuss könnte er auch offensiv etwas bewirken. Bislang gelingt ihm das aber nur selten.
Maxim Noreau, Note 3-4

Zu viele Fehler: Maxim Noreau (links) hat das Nachsehen, nachdem er das 4:6 der Lakers eingeleitet hat.
Foto: Thomas Oswald (Freshfocus)
Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass die vierte ZSC-Saison seine letzte ist. Am offensiven Output (20 Punkte) gibt es nichts auszusetzen, doch er begeht für einen Schlüsselspieler einfach viel zu viele Schnitzer.
Dario Trutmann, Note 4
Seit seiner guten ersten ZSC-Saison (2019/20) hat er sich nicht weiterentwickelt, im Gegenteil. Er tritt mit zu wenig Autorität auf, ist offensiv kein Faktor und auch hinten nicht mehr so solide.
Yannick Weber, Note 4
Die Erwartungen an den NHL-Rückkehrer waren hoch, vielleicht zu hoch. Bei ihm wechseln sich Licht und Schatten immer wieder ab. Vielleicht, weil er sich nicht mehr gewöhnt ist, ein Schlüsselspieler zu sein.
Stürmer
Sven Andrighetto, Note 4-5
Im vergangenen Winter der grosse Reisser und Goalgetter vom Dienst, nun tut er sich schwer. Extrem ehrgeizig versucht er, es phasenweise mit der Brechstange zu erzwingen. Zuletzt leichte Aufwärtstendenz.
Justin Azevedo, Note 4-5

Furchtlos, aber zu inkonstant: Justin Azevedo (rechts) beim Boxkampf mit Rapperswils Andrew Rowe.
Foto: Thomas Oswald (Freshfocus)
Von den Anlagen her könnte er ein Topausländer sein für die Schweiz, jüngst skorte er auch vermehrt. Und er ist trotz seiner Grösse zäh in den Zweikämpfen. Aber er begeht auch immer wieder kapitale Fehler.
Chris Baltisberger, Note 4
Nach seinem Schienbeinbruch vom Januar verspätet in die Saison gestartet, kämpft er um den Anschluss. Immer kämpferisch und unerschrocken, fehlt ihm momentan ein halber Schritt. Dabei bräuchten die ZSC Lions mehr Typen wie ihn.
Dominik Diem, Note 4
In Rapperswil-Jona sah man, dass er ein offensiv begabter Stürmer ist. Das hatte man in den letzten Monaten fast vergessen. Kein Goalgetter, aber eigentlich ein guter Spielmacher. Doch diese Rolle ist beim ZSC nicht frei.
Denis Hollenstein, Note 4-5
Nach einem exzellenten Saisonstart baute er stark ab, war offensiv kaum mehr ein Faktor. Er weicht keinem Zweikampf aus, doch punktemässig muss wieder mehr kommen. Vielleicht hilft seine Rolle im Malgin-Sturm.
Marcus Krüger, Note 5
Wenn er auf dem Eis steht, ist die Gefahr eines Gegentors am geringsten. Zudem ist er der beste Bullyspieler der Liga mit einer Erfolgsquote von über 65 Prozent. So unauffällig er meist ist, sein Wert fürs Team ist gross.
Denis Malgin, Note 5

Ein Auge für die Mitspieler: Denis Malgin ist der ZSC-Topskorer.
Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)
Mit fast einem Punkt pro Spiel der Zürcher Topskorer, mit dem Puck am Stock ein Spektakelmacher. Doch zuweilen führt er den Puck zu lange. Weniger wäre bei ihm manchmal mehr. Sein Potenzial ist noch nicht ausgeschöpft.
Marco Pedretti, Note 3-4
Der kräftige Flügel konnte in Zürich nie die Rolle spielen, die ihm ursprünglich zugedacht war. Vielleicht, weil ihm das Tempo fehlt und er für seine Physis zu wenig hart spielt. Die Rückkehr in seine Heimat zu Ajoie scheint vorgezeichnet.
John Quenneville, Note 4-5
Der Hüne ist in seiner ersten Saison in Europa verunsichert, wie stark er seinen Körper einsetzen darf. Wenn er skort, dann gleich haufenweise. Er schiesst gut, könnte ein physisch dominanter Stürmer sein. Aber er ist noch zu inkonstant.
Garrett Roe, Note 4-5
Er verhalf Pius Suter 2019/20 zum Topskorer-Titel, hat seitdem aber an Spielvolumen eingebüsst. Damals der unbestrittene Topcenter, ist seine Rolle kleiner geworden. Fünf Stürmer haben mehr Eiszeit als er. Aktuell mit einem Kieferbruch out.
Reto Schäppi, Note 4-5

Abklatschen mit den Kollegen nach einem Tor: Ein seltener Genuss für Reto Schäppi. Aber er erledigt seinen Job.
Foto: Michael Buholzer (Keystone)
Nachdem er die letzten Jahre stagniert hat, zeigt bei ihm die Tendenz wieder nach oben. Er wirkt wieder etwas explosiver und erfüllt seine undankbare Rolle im vierten Sturm gut. Wieso er nicht mehr Boxplay spielt, ist ein Rätsel.
Justin Sigrist, Note 4
Die Entdeckung der letzten Saison, er wurde mit einem Vertrag bis 2026 belohnt. Doch nach einem ansprechenden Start ist er abgetaucht. Ihm fehlt das Durchsetzungsvermögen, offensiv war er zuletzt kein Faktor mehr. Ruht er sich aus?
Kyen Sopa, Note 4
In Rapperswil-Jona schoss er sein erstes Tor, ansonsten zeigte er abgesehen von ein paar Dribblings noch nicht viel. Er bekommt indes auch nicht viel Eiszeit. Er hätte Skills, ist aber noch zu wenig konkret und zu wenig standfest.
Nicht bewertet
Noah Meier, Marc Aeschlimann, Victor Backman, Simon Bodenmann, Lionel Cédric Marchand.