Erfolgsserie des ZSC
Die ZSC Lions können Quarantäne
Wie das ganze Team hat sich auch Lukas Flüeler gesteigert. Der Goalie spricht über seinen schwierigen Saisonstart und Erinnerungen an seinen verstorbenen Mentor Simon Schenk.
Marco Keller (TA)
Er fährt den Schoner aus, er pariert mit der Fanghand, einmal sogar mirakulös auf der Linie auf der Stockhandseite. Kurzum: Lukas Flüeler präsentiert sich gegen die SCL Tigers in der Form seiner besten Tage und ist hauptverantwortlich, dass die ZSC Lions am Schluss das Punktemaximum holen, trotz eines klaren Nachlassens im letzten Drittel. Die letzten Minuten haben ihm aber nicht gefallen: «Die letzten zehn Minuten sind aktuell immer ein Challenge, da machen wir uns das Leben selber schwer. Schade, die ersten 50 Minuten haben wir super ZSC-Hockey gezeigt.»
In den zwei ersten Abschnitten war er nur punktuell gefordert worden, meist dann, wenn seine Vorderleute durch einen Fehler die Gäste ins Spiel gebracht hatten. Die Konzentration auch in diesen Phasen hochzuhalten, das habe er in seiner langen Zeit in Zürich-Nord gelernt, sagt er: «Als Goalie der ZSC Lions wirst du selten mit 40 oder 50 Schüssen eingedeckt. Da musst du immer bereit sein. Die zwei, drei Konter in der Anfangsphase haben mir Selbstvertrauen gegeben.»
Die Diskussionen um den Stammplatz im Tor
Anfang Saison hatte er dieses nicht gehabt. Zwei Spiele unter den Erwartungen liessen sogar kurzzeitig Diskussionen über den Stammplatz aufflammen, vor allem auch, weil der von Fribourg-Gottéron verpflichtete Ludovic Waeber zu grosser Form auflief. «Auch in jenen beiden Spielen, die ich verloren habe, hatte ich eigentlich 40 Minuten gut gespielt. Aber ich habe den Anspruch, dem Team in den schwierigen Momenten helfen zu können, aber da konnte ich jeweils den Sieg nicht heimbringen.»
Auch für den Routinier ist die Situation ohne Zuschauer speziell. Er versucht, mehr mit seinen Mitspielern zu reden, «sie hören mich jetzt besser». An die Geisterspiel-Atmosphäre hat er sich mittlerweile einigermassen gewöhnt: «Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Es geht einfacher als in den ersten ein, zwei Spielen ohne Fans. Aber natürlich hoffe ich, dass wir bald wieder vor Zuschauern spielen können.»
Das Sahnehäubchen fehlte letztlich gegen die Tigers, Jules Sturny vermieste Flüeler den Shutout drei Minuten vor Schluss. Der dreifache Meistergoalie und Architekt vieler ZSC-Erfolge trugs mit Fassung, in diesem Stadium seiner Karriere definiert er sich längst nicht mehr über einen Sieg ohne Gegentor: «Es war viel wichtiger, dass wir den Sieg geholt haben und eine Serie aufrechterhalten können.»
Vier Partien haben die Zürcher zuletzt gewonnen, nach Pluspunkten sind sie jetzt sogar Leader. Dies, nachdem sie vorher drei Partien mit total 19 Gegentoren verloren hatten. Drei dieser Siege holten sie nach der zehntägigen Quarantäne. Es ist ein Umstand, der Flüeler besonders freut: «Ich bin recht stolz auf das Team. Nach zehn Tagen ohne Training auf dem Eis haben wir einen Super-Charaktertest abgeliefert.» Er vergisst aber nicht, den ganzen Staff zu loben: «Sie haben einen tollen Job gemacht, haben jedem Velos oder Gewichte nach Hause gebracht, im Schnitt 20 bis 40 Kilo. Da hatte dann schon der eine oder andere Muskelkater.»
Ein besonderer Moment hatte sich vor Spielbeginn ereignet, mit der Schweigeminute für die Lions- und Tigers-Legende Simon Schenk. Flüeler war bewegt: «Es kamen viele Erinnerungen hoch. Ohne Simon wäre ich nicht im Hallenstadion gelandet, er hat mich nach Zürich geholt. Er rief mich an, als ich in Kanada war, und sagte, dass er wieder einen jungen Goalie wolle, um Leonardo Genoni und Reto Berra zu ersetzen, die nach Davos gingen. Er legte mir einen Dreijahresplan vor und hat mich in diesem auch voll unterstützt. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken.»