Beiträge von Larry

    KOMMENTAR

    Jedem Fussballer in leeren Schweizer Stadien muss klar werden, dass Lohnverzichte unausweichlich sind

    Weil die geringen Fernseheinnahmen den Fussball in der Schweiz nicht am Leben erhalten können, sind in Zeiten fehlender Ticketeinnahmen andere Instrumente gefragt. Das Eishockey ist dabei einen Schritt weiter als der Fussball – und transparenter.

    Peter B. Birrer (NZZ)

    Der Bundesligist hat gute Argumente zur Hand. Oder auch der Fussballer, der Champions League spielt. Sie treten zwar neuerdings in leeren Arenen auf und können sich nur noch dem Fernsehpublikum präsentieren. Aber wenn in der Corona-Krise der Lohn zum Thema wird, dürfen sie auch beharrlich bleiben. Erstens arbeiten sie. Und zweitens wird der Bundesliga- und der Champions-League-Zirkus zu grossen Teilen über die TV-Vermarktung finanziert. Das real anwesende Publikum fehlt zwar als Lärm- und Farbenkulisse, ist aber sonst sekundär.

    Anders in der Schweiz. Da fliesst spärliches TV-Geld, zudem sind 2020/21 für 90 Prozent der obersten Fussballliga Europacup-Einnahmen Fremdwort. Die Ausnahme ist YB. Weil darüber hinaus wegen Corona Ticketerlöse fehlen, reduzieren sich die verbliebenen Einnahmequellen auf Transfers und Mäzene. Deshalb müsste das Gebot der Stunde sein: Gladiatoren, die nicht vor Publikum spielen, haben Einbussen in Kauf zu nehmen. Der ökonomische Hebel ist so einfach, weil in der Schweiz durchschnittlich ein Drittel der Einnahmen über die Zuschauer generiert wird. Das bricht weg.

    Dennoch sind die Signale aus den Fussballklubs in Bezug auf temporäre Lohnverzichte zurückhaltend und immer noch weitgehend intransparent – gerade im Vergleich zum Eishockey. Das steht mit der Tatsache in Verbindung, dass die Eishockey-Saison 2019/20 abgebrochen wurde, während die Fussball-Saison mit Ach und Krach über die Runden kam. Die Hockey-Sektion von Genf/Servette veröffentlichte im Juli ein Communiqué, wonach die Spieler in der Saison 2020/21 auf Lohn verzichten. Dem Vernehmen nach auf rund 20 Prozent, was etwa dem entspricht, was andere Eishockey-Klubs kommunizieren. In der Organisation des SC Bern treffen die 20 Prozent auf jene Angestellte zu, die mehr als 100 000 Franken pro Jahr verdienen. Unter dieser Grenze sind es deren 10 Prozent. Sowohl Abstufung als auch Transparenz sind bemerkenswert. Damit kann der Klub nur punkten, unabhängig von Stimmen, die den «Krisen-Beitrag» des Personals als zu gering einstufen.

    In der Genfer Fussballabteilung sind Verhandlungen mit den Spielern abermals gescheitert. Es sei «kompliziert und schwierig», sagt ein Insider, aber man wolle alle ins Boot holen. Wird weitergespielt, wird ein Verzicht von 10 bis 15 Prozent angestrebt. Stoppt die Meisterschaft, soll der Richtwert bei 20 bis 25 Prozent liegen. Der Fall Genf ist exemplarisch für die Fussballszene. Sie tut sich schwer mit dem Thema Lohneinbusse, was auch damit zusammenhängt, dass Fussballer kulturell und sozial aus sehr unterschiedlichen Schichten stammen, zum Teil auch von wirtschaftlich schwächeren Kontinenten, wo mehrere Familienmitglieder von einem Arbeitnehmer abhängen. Die westlich geprägten Eishockey-Teams sind ebenfalls heterogen, aber deren Bandbreite ist kleiner.

    Unter steigendem Corona-Druck kommen auch die Fussballklubs unter Zugzwang. Immerhin nennt Roland Heri, der Geschäftsführer des FC Basel, neuerdings konkrete Zahlen. Der Klub kann offenbar die Lohnsumme, die im vergangenen Jahr 50 Millionen Franken betrug, um nicht weniger als 20 Prozent senken. Generell mühen sich die Klubs in Verhandlungen ab, die nicht zuletzt von Spieleragenten beeinflusst werden. Trotzdem lässt Matthias Hüppi, der Präsident des FC St. Gallen, schon fast euphorisch verlauten, wie gut der Verein damit «gefahren» sei – «wer mehr verdient, verzichtet auf mehr, wer weniger verdient, verzichtet auf weniger». Was das auch immer in Prozenten heisst.

    Transparenz ist wenig vorhanden, was den Verdacht füttert, die Vereine hätten etwas zu verbergen. Der FC Luzern ringt sich zur Aussage durch, dass die Spieler schon vor Monaten einen partiellen Lohnverzicht angeboten hätten. Auch in Bern bei YB gab’s Lohnverzichte, aber Transparenz sei «nicht notwendig», heisst es in der Chefetage. Dem ist beizupflichten, solange nicht nach A-fonds-perdu-Beiträgen geschrien wird. Sonst muss mehr Offenheit her, unabhängig davon, ob Fussballerlöhne im Vergleich zu anderen Branchen als zu hoch oder als normal erachtet werden. Die Klubs sind Meister darin, ihre Löhne mit Raffinement kleinzureden. Doch wie viel ein Fussballer auch immer verdient, Fixlohn, Prämien und Vergütungen wie Wohnung, Auto oder Steuern inklusive: Ihm muss glasklar sein, dass sich die ökonomische Problematik verschärft, je länger er in leere Stadien einläuft. Das Fernsehen rettet ihn hierzulande nicht.

    Corona-Massnahmen im Eishockey

    Bei vielen Spielern herrschen Ratlosigkeit und Wut

    Noch ist es ein Tabuthema bei den Clubs: Doch die Eishockeyaner dürften kaum um deutlich grössere Lohnverzichte herumkommen, als sie teilweise schon zugesagt haben.


    Kristian Kapp (TA)

    Corona sorgt nicht bloss für Quarantänen und Spielplanchaos. Am Mittwoch entschied der Bundesrat, dass die Spiele nun ohne Zuschauer stattfinden werden, was auch bei den teils immer noch laufenden Verhandlungen über Lohnkürzungen für neue Ausgangslagen sorgt. «Es ist eine schwierige Situation.» Diesen Satz sagt Jonas Hiller im Gespräch immer wieder. Der frühere Goalie ist Präsident der Swiss Ice Hockey Players’ Union. Die Vereinigung der Spieler ist keine Gewerkschaft und hat keine Entscheidungsgewalt. Es ist schon ein Erfolg auf dem Weg zu mehr Bedeutung, dass sie bei Meetings der Sportchefs vertreten ist und Anträge stellen darf.

    Die Ausgangslage ist klar. Ohne Zuschauer wird die Saison unter den bisherigen Bedingungen nicht fertig gespielt werden können. Da werden die je 75 Millionen Franken Darlehen mit Rangrücktritt für 2020 und 2021, die vom Bund gesprochen werden dürften, zwar helfen, aber nicht reichen. Diese Zahlen habe man errechnet unter der Annahme, wie zu Saisonbeginn mit zu zwei Dritteln gefüllten Hallen spielen zu können, sagt Denis Vaucher, CEO der National League, im «Eisbrecher», dem Eishockey-Podcast dieser Zeitung.

    Gespräche mit Spielern aus diversen Teams, geführt unter Zusicherung von Anonymität, zeigen: Sie, die teilweise schon rund 15 Prozent Lohnverzicht zugesagt haben, fürchten, dass diese Zugeständnisse bei weitem nicht reichen könnten, ohne dass erste Clubs zahlungsunfähig werden. «Man wird wohl neu verhandeln», sagt auch Hiller.

    Eine wahre Einigkeit ist fast unmöglich. Selbst von Clubs vorgeschlagene ligaweite Massnahmen kommen seit Monaten nicht mehr durch. Alle haben ihre eigenen Finanzierungsmodelle und Lohnbudgets, wollen sich nicht reinreden lassen. Doch die neue Situation bringt mit sich, dass es im Sinne der Spieler sein könnte, über den eigenen Tellerrand zu blicken und geschlossen einen Schritt auf die Clubs zuzugehen.

    Die Solidarität unter den Spielern wird zwar betont. Doch einer sagt auch: «Sollte es um einheitliche Kürzungen gehen, wird es schwierig, einen Konsens zu finden, da alle in einer anderen Phase ihrer Karriere sind.»

    Achtung: Ein utopischer Vorschlag

    Es könnte in der Theorie einfach sein: Alle, die mehr verdienen als die knapp 120’000 Franken (80 Prozent des Limits von 148’000), die es maximal unter Kurzarbeit gäbe, könnten einwilligen, exakt für diesen Lohn die Saison fertig zu spielen. Zusammen mit dem Darlehen des Bundes würde dies den Clubs eine gute Chance bieten, ohne Zuschauer durch die Saison zu kommen. «Man könnte darüber nachdenken. Aber es wären kaum alle einverstanden», sagt ein Spieler. «Schon bei der ersten Welle, als es um 15 Prozent ging, war nicht nur Verständnis da», sagt ein anderer, fügt aber auch hinzu: «Es kann sein, dass wir nun hart auf dem Boden der Realität landen. Wir fühlten uns stets geschützt, lebten in unserer Blase.»

    Die Idee dürfte dennoch Utopie bleiben, sie würde ja einen Verzicht von rund 80 Prozent bedeuten bei Grossverdienern. Einer davon sagt dennoch: «Der Aufschrei wäre gross bei so radikalen Lösungen. Aber wir werden uns auch fragen müssen: Was sind die Alternativen?»


    Es wäre blauäugig, anzunehmen, dass bald wieder vor Zuschauern gespielt wird. Und weder Clubs noch Spieler können sich auf noch grössere Darlehen verlassen. Ausserhalb des «Planeten Eishockey» herrscht kein Verständnis für Forderungen. Bei den meisten Leuten sorgen schon Löhne um die 200’000 Franken für Kopfschütteln. «Ich weiss, wir werden als geldgierig dargestellt», sagt ein Spieler und fragt: «Würden Sie Nein sagen, wenn man Ihnen 500’000 Franken anbietet?» Derselbe sagt aber auch dies: «Es ist ein hausgemachtes Problem der Clubs. Mein Lohn ist doch ein Witz. Warum haben sich die Clubs nicht schon lange per Gentleman’s Agreement geeinigt, dass sie keinem mehr als 300’000 Franken zahlen? Glauben Sie nicht, die allermeisten von uns würden auch für 200’000 spielen?»

    Die aggressiven Lausanner

    Viele stören sich auch an Clubs, die trotz Krise Neuzuzüge holten. Das Beispiel Lausanne fällt oft, die Westschweizer waren zuletzt aggressiv auf dem Transfermarkt. Es ist auch vom Unmut innerhalb ihres Teams zu hören, wenn gleichzeitig von den Spielern auf unzimperliche Art und Weise Lohnverzichte von rund 20 Prozent gefordert würden. Die Verhandlungen nur schon über diesen ersten Verzicht sind ins Stocken geraten, Lausannes Spieler lassen sich mittlerweile durch einen Anwalt vertreten. Wie soll bei so verhärteten Fronten eine Einigung erreicht werden, falls nun noch grössere Verzichte vonnöten wären?

    Es gibt auch andere Beispiele: «Ich kenne ihre Situation», sagt ein Spieler. «Mein Club ging mit uns ganz anders vor, viel transparenter und zielorientierter.» Aus Davos zum Beispiel hört man, dass bei den Diskussionen auf jeden Spieler und seine Situation einzeln eingegangen werde. Auch aus Bern sind positivere Feedbacks zu vernehmen.


    Es ist schwierig, die Diskussion von den Löhnen wegzusteuern. Einer versucht es so: «Wir riskieren bei jedem Spiel unsere Gesundheit, das sollte entsprechend entlohnt werden.» Auch Hiller hakt hier ein: «Der Weg des Spitzensportlers ist nicht so simpel, er beinhaltet sehr viel Verzicht und Risiko. Die Karriere ist zudem viel kürzer als eine in der Privatwirtschaft. Wenn ich nicht mehr Sportler bin, habe ich nicht automatisch einen Job in einer anderen Branche.» Um die hierzulande kleinere Anerkennung für Spitzensportler zu erhöhen, schlägt er das vor: «In den Schulen muss man auch Spitzensport als Karriere präsentieren und jenen, die nicht diesen Weg wählen, aufzeigen, dass dahinter viel mehr steckt, als man meint.»

    All dies ist indes Zukunftsmusik, die in der aktuellen Diskussion nicht hilft. Ein Spieler sagt, er lande am Ende immer wieder bei dieser Frage: «Bist du bereit, jetzt deutlich zu verzichten, damit du auch in Zukunft deinen coolen Job hast? Oder willst du dein Geld jetzt und bist dafür vielleicht bald ohne Job in einem generell schwierigen Arbeitsmarkt? Das muss sich jeder fragen.»

    Eishockey: Pius Suter wieder bei den ZSC Lions

    Der letztjährige Topskorer der National League ist wieder zurück in Zürich. Pius Suter, der bislang auf Leihbasis in der Swiss Legaue bei den GCK Lions spielte, wechselt innerhalb der Organisation eine Liga höher zum ZSC. Dies bestätigen die Chicago Blackhawks, bei denen der Schweizer Stürmer für die Saison 2020/21 einen Zweiweg-Vertrag unterschrieben hat. Suter soll sich bis zum Trainingscamp des NHL-Teams bei den ZSC Lions mit Spielen bereit für die Saison in Nordamerika machen. Die ZSC Lions selber haben den Wechsel innerhalb ihrer Organisation noch nicht bestätigt. (kk)

    Dabei müsste das TV-Interesse doch steigen, wenn man die Spiele nicht live sehen kann!?

    Das schon, aber Angebot und Nachfrage (nicht der Zuschauer!) regeln den Preis. Da es scheinbar keinen Bieterkampf gibt dürfte das Ganze günstig zu erwerben sein! Ich meine im Hockey hat sich UPC sowas von in die Nesseln gesetzt damals, das dürfte ein abschreckendes Beispiel sein! In der CH verdienst du damit nix, also kannst du auch nix zahlen! Die Schweizer Fussball- und Hockey Clubs müssen mit den Kosten (Löhnen) runter, alles andere klappt nicht.

    Die Filme behält man wie so vieles aus früheren Zeiten, am besten einfach in guter Erinnerung und schaut sie nicht nochmals an ;)

    Hätte ich doch den Vierteiler "Die Schatzinsel" mit Michael Ande nie gekauft.....vor allem nie (mehr) geschaut....!

    Schweizer Fussball in Sorge

    Jetzt geht es darum, die Hoffnung und die Fans nicht zu verlieren

    Corona hinterlässt tiefe Spuren in der Super League. Exponenten machen sich Gedanken über die Verschiebung von Spielen und die Zukunft.


    Thomas Schifferle, Peter Birrer, Florian Raz (TA)

    Es war erst Mittwoch, als Claudius Schäfer Alarm schlug. Dabei waren da für dieses Wochenende immerhin noch drei von fünf Spielen der Super League angesetzt. Trotzdem blickte der CEO der Swiss Football League bereits sorgenvoll auf die Zahl der Mannschaften, die in Quarantäne gesetzt wurden: «Wenn wir hier keine Lösung finden, kann das den Meisterschaftsbetrieb vor grössere Probleme stellen.»


    Zwei Tage später waren neben Sion und Vaduz auch Lugano und Servette auf die Liste jener Teams gekommen, die vorerst keine Spiele bestreiten können. Vier von fünf Partien sind damit verschoben. Spätestens jetzt ist klar: Die Ausweichdaten bis Weihnachten gehen schneller weg als Smarties am Kindergeburtstag.

    Schäfer stört sich vor allem an den Kantonsärzten, die seiner Meinung nach zu häufig eine zu grosse Zahl an Spielern in Quarantäne schicken: «Es ist für mich unverständlich, wie das hierzulande trotz anderslautender Absprache mit den Gesundheitsbehörden im Vergleich mit anderen Ländern gehandhabt wird.» Ihm schwebt eine Lösung vor, wie sie in Österreich trotz eines Lockdowns ab kommendem Dienstag gilt. Dort werden nur positiv getestete Spieler isoliert. Der Rest des Teams kommt in eine spezielle Quarantäne, die Trainings und Matchs erlaubt.

    Ob ein «Modell Österreich» auch in der Schweiz denkbar ist?

    Die Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektoren sagt auf Anfrage dazu nichts Konkretes und verweist auf die zuständigen Kantonsärzte. Für diese hält Thomas Steffen, Kantonsarzt von Basel-Stadt, fest: «Ein Schutzkonzept per se bedeutet keine Quarantänebefreiung.»

    Steffen benennt auch ein Problem in den Konzepten der Clubs: «Oft ist das gemeinsame Essen ein Schwachpunkt.» So sind derzeit mehrere Luganesi in Quarantäne, weil sie gemäss Kantonsarzt beim Mittagessen zu nahe nebeneinander gesessen haben. Inzwischen hat die Liga in ihrem Schutzkonzept neue Vorgaben für die Mahlzeiten festgeschrieben.

    Wenn Steffen jedoch erklärt, warum er vor zwei Wochen fast das ganze Team des FC Basel in Quarantäne schickte, wird ein grundsätzliches Problem sichtbar: «Es fanden mehrere gemeinsame mindestens einstündige Trainings mit engem Körperkontakt statt.» Um das zu verhindern, müsste die Liga eigentlich in die Trainingsgestaltung ihrer Clubs eingreifen.

    Trainer Maurizio Jacobacci: Mit Feuereifer gegen die Sorgen

    Im Hotel gleich beim Bahnhof Bellinzona sitzt Maurizio Jacobacci. Er trägt ein kurzärmliges Leibchen, weil es ein wunderbarer Sonnentag ist ennet des Gotthards. Mit dem Velo ist er vorgefahren, seine Wohnung liegt nur ein paar Minuten entfernt.

    Eigentlich sitzt er da, um über sein Trainerleben zu erzählen, die vielen Stationen, die er bisher gehabt hat, das lange Warten, bis er endlich die Chance bekommen hat, Cheftrainer in der Super League zu sein. 55 musste er werden, bis es Anfang 2018 bei Sion so weit war. Sieben Monate dauerte das Intermezzo.

    Seit genau zwölf Monaten ist er beim FC Lugano. Jacobacci erledigt seine Arbeit unaufgeregt und erfolgreich. Als er am Donnerstag hinter seinem Cappuccino sitzt, müsste er sich normalerweise auf den Sonntag freuen: Lugano gegen YB, unbesiegter Dritter gegen unbesiegten Leader.

    Aber er kann es wegen Mattia Bottani nicht. Sein Stürmer meldete sich am Montag mit Fieber und Rückenschmerzen beim Verein, er wurde auf Corona getestet und war positiv; es stellte sich heraus, dass er sich am Sonntag bei einem Familientreffen angesteckt haben musste. Aber damit war es nicht getan. Weil die Kantonsärzte 48 Stunden ab dem Moment zurückrechnen, ab dem jemand Symptome verspürt, wurden auch Bottanis Kontakte am Samstag überprüft.

    WEITER NACH DER WERBUNG

    Da sass er vor dem Spiel gegen St. Gallen beim Essen mit Noam Baumann, Jens Odgaard und Jonathan Sabbatini am Tisch – «an einem grossen runden Tisch», sagt Jacobacci, «wo acht Leute Platz haben, sitzen bei uns immer nur vier». Den Kantonsarzt hat das offensichtlich nicht beruhigt. Er schickt die drei Tischnachbarn Bottanis ebenfalls in Quarantäne.

    Das erfährt Jacobacci am Donnerstag, als er das Handy stets griffbereit vor sich auf dem Tisch hat. Da vernimmt er auch, dass Sebastian Osigwe, sein Goalie, positiv ist, ohne dass er Symptome hat. Und weil Marcis Oss mit ihm am Dienstag beim Training kurz engeren Kontakt hatte, muss er ebenfalls in Isolation. Das gilt ebenso für zwei Nachwuchsspieler, die mit der 1. Mannschaft trainieren, aber am Samstag mit der U-21 gespielt hatten, wo einer ihrer Kollegen positiv getestet wurde. «Das ist alles kompliziert», sagt Jacobacci. Er ist froh, dass Baumann, Odgaard und Sabbatini wenigstens in einer Blase trainieren können, bis sie am Dienstag wieder zur Mannschaft stossen dürfen.

    In Lugano tun sie alles, um die Schutzmassnahmen einzuhalten. Davon erzählt Jacobacci im Detail. Er tut das mit dem Feuereifer, der ihm eigen ist. Und weil er den hat, will er trotz allem positiv denken. «Ich würde zugrunde gehen, wenn ich Pessimist wäre», sagt er, «darum versuche ich, so optimistisch wie möglich durchs Leben zu gehen.» Eine Sorge hat er trotzdem: Die betrifft seine Eltern, 85 und 83 Jahre alt, sie leben drei Autostunden von Bellinzona weg in Vicenza. Er hätte sie gerne zu sich in die Schweiz geholt. Bürokratische Hindernisse haben das verhindert.

    Goalie David Zibung: Vertrauen in den Bundesrat

    Am Mittwochnachmittag sass David Zibung daheim vor dem Fernseher, als in Bern über die neuen Beschlüsse informiert wurde. Für Zibung ist der Bundesrat nicht irgendein Gremium, sondern die Instanz, die Verantwortung trägt in der Krise. Er sagt sich: «Dem Bundesrat vertraue ich. Was er erzählt, nehme ich ernst. Trotzdem habe ich jetzt nicht das Gefühl, dass mein Leben total eingeschränkt ist.» Und: «Ich wüsste nicht, wieso ich mich über Massnahmen aufregen sollte. Die werden ja nicht zum Spass erlassen.»

    Zibung ist 36, der Goalie steht in seiner 18. Profi-Saison beim FC Luzern, mehr als 500 Spiele hat er bestritten. Jetzt ist er hinter Marius Müller zwar nur die Nummer 2, aber Einfluss im Team hat er auch in dieser Rolle. Es ist nicht so, dass er Spass daran hätte, in der Garderobe die Maske zu tragen, «aber wenn ich von den Behörden eine Vorgabe erhalte, befolge ich sie. Das mag für einige bünzlihaft klingen, für mich ist das normal.» Er bemüht sich, das Bewusstsein bei Kollegen zu schärfen, indem er vereinzelt auf die Maskenpflicht aufmerksam macht: «Es muss jetzt einfach sein.»

    Für den Luzerner hat sich der Alltag verändert, er ist vorsichtiger geworden. In seinen Worten: «Ich plane mein Handeln bewusster.» Das hat vor allem damit zu tun, dass er auf keinen Fall derjenige sein will, der mit einem positiven Corona-Befund den Betrieb beim FC Luzern zum Erliegen bringt. «Die Mannschaft in Quarantäne wegen mir, möglicherweise eine Spielverschiebung – das ist wahrlich keine schöne Vorstellung», sagt Zibung. «Darum versuche ich alles, um das Risiko zu minimieren.» Konkret: soziale Kontakte via Handy pflegen, Einkäufe nur höchst selten erledigen «und wenn, dann eile ich durch den Laden, dazu desinfiziere ich vor- und nachher die Hände».

    Er verzichtet auch darauf, die Jüngere seiner zwei Töchter zum Turnen zu begleiten wie sonst. Das übernimmt nun die Frau. «Natürlich schliesst das eine Ansteckung nicht komplett aus», sagt er, «aber wir verhalten uns so, dass ich guten Gewissens behaupten kann: Viel mehr kann ich nicht mehr tun.»

    Präsident Matthias Hüppi: Die Fans im Rücken

    Als der Bundesrat Anfang Oktober die Stadien wieder zu zwei Dritteln öffnete, gab es in St. Gallen gleich ein erstes Fest. 9244 Zuschauer kehrten in den Kybunpark zurück. Nach dem Sieg gegen Servette rannten die Spieler auf die gut besetzte Fankurve los, um sich für die lautstarke Unterstützung zu bedanken. An der Seitenlinie filmte Präsident Matthias Hüppi die Szene. Über sieben Monate hatte auch er auf einen solchen Moment warten müssen, darum wollte er ihn festhalten.

    Am Sonntag ist die Tristesse zurück, nur 50 Leute dürfen für den Match gegen Basel noch ins Stadion. Wenigstens kann in St. Gallen noch gespielt werden. «Wenn die Spieler auf dem Platz stehen, ist Corona kein Thema», sagt Trainer Peter Zeidler, «der Fussball hat die Kraft, das kurz zu vergessen.»

    Auch in St. Gallen tun sie alles, die Vorschriften einzuhalten. Die Spieler ziehen sich in verschiedenen Kabinen um, auch wenn dadurch das gemeinsame Leben, das für eine Mannschaft wichtig ist, kaum mehr stattfindet. «Das Bewusstsein ist vorhanden, dass sie sich in dieser Lage vorsichtig verhalten müssen», sagt Simon Storm, Leiter Physiotherapie und Athletik in St. Gallen.

    Wer Symptome hat oder sich nicht gut fühlt, muss sich umgehend bei Storm melden. Dann darf er auch nicht ins Stadion kommen, sondern muss einen Corona-Test machen. Anfang dieser Woche war das bei drei Spielern der Fall, sie sind alle negativ.

    In St. Gallen ist der Rückhalt der Fans auch in dieser schwierigen Zeit ungebrochen. Präsident Matthias Hüppi erzählt von der Solidarität, die er bei ihnen spürt: «Dabei geht es nicht um Franken und Rappen. Es geht um Vertrauen. Das bringt emotional enorm viel und sorgt für Sicherheit.»

    0:5 verlor St. Gallen Ende Juli daheim gegen Basel und damit die Hoffnung auf den Meistertitel. Zeidler will deshalb jetzt nicht von Revanche reden, er sagt lieber: «Wir wollen kämpfen, fighten, alles reinlegen.» Er redet, als wären die Zeiten normal.

    Die neue Normalität beim ZSC

    Geisterspiel statt Halloween im Hallenstadion

    Anfang Oktober starteten die ZSC Lions vor Publikum und voller Hoffnung in die Saison, gegen Davos spielen sie erstmals wieder vor leeren Rängen. Impressionen.


    Simon Graf (TA)

    Es ist dunkel geworden vor dem Hallenstadion. Und einsam. Dort, wo vor 28 Tagen noch Zuschauermassen anstanden, um der Saison-Heimpremiere gegen Fribourg beizuwohnen, ist alles wie leer gefegt. Ein einziger Passant schlendert vorbei, die Türen zur Halle sind geschlossen, das Licht dringt vom Foyer nach draussen.


    War man vor einem knappen ­Monat noch voller Hoffnung gewesen, allen zeigen zu können, wie das funktioniert mit Tausenden von Zuschauern zu Coronazeiten, wird nun wieder in leeren Stadien gespielt. Früher schrieb man über den Hallenstadiongeist, nun über Geisterspiele. Vielleicht passt das zu Halloween. Doch die Kinder dürfen ja heute auch nicht an fremden Türen klingeln, um Süsses zu sammeln.

    Laute Musik in der Leere

    Als ob es helfen würde, die ­Leere zu füllen, wird die Lautstärke der Musik, die aus den Boxen in der Halle dröhnt, fast aufs Maximum gedreht. Ein Journalist aus dem Bernbiet hält sich jeweils die ­Ohren zu, wenn das Spiel unterbrochen ist und Musik erklingt. Irgendwann lässt er es sein. Man gewöhnt sich an alles.

    Nein, nicht an alles, findet ­Peter Zahner, der CEO der ZSC Lions. «An Geisterspiele werde ich mich nie gewöhnen. Wenn du in der Halle bist und 11’200 ­leere Sitze siehst, tut das weh. Am Fernsehen merkst du das vielleicht nicht so sehr, aber das vor Ort zu erleben, ist eindrücklich.»

    50 Zuschauer sind offiziell ­zugelassen, doch da nicht eingerechnet sind das Management der Clubs und der Verwaltungsrat. «Wir hätten vielleicht noch 20 Fans zulassen können», rechnet Zahner vor. «Aber dann hätten wir von unseren 7019 Saisonkarten-Inhabern 6999 enttäuscht.» Deshalb gab es gegen den HCD keine «normalen» Fans im Stadion.

    Man überlege sich, den Fanclubs jeweils ein Kontingent von wenigen Tickets zur Verfügung zu stellen, sagt Zahner. Aber das sei noch nicht spruchreif. Die Zürcher haben nun etwas Zeit, sich eine Regelung zu überlegen: Das Sonntag-Nachmittagsspiel gegen die SCL Tigers wurde verschoben, weil sich die Emmentaler in Quarantäne befinden. Das nächste Heimspiel findet erst am 10. November statt, gegen ebendiese Tigers.

    Waren in den ersten fünf Heimspielen jeweils alle Verpflegungsstände geöffnet, um Menschenansammlungen vorzubeugen, ist man jetzt mit einem ­Minimalaufgebot unterwegs. «Wir hatten an Matchabenden 150 Leute im Einsatz und machten an den Ständen einen Umsatz von rund 40’000 Franken», sagt Stefan Burri, der Gastro-Verantwortliche im Hallenstadion. «Jetzt sind alle Stände geschlossen und noch fünf Mitarbeiter da, weil wir die eigene Mannschaft und das Gästeteam verpflegen.» Die Leidtragenden sind die Teilzeit-Arbeitenden auf Abruf. Immerhin kann das Hallenstadion nun für diese rückwirkend auf September Kurzarbeit beantragen.


    Spiele ohne Zuschauer sind ein finanzieller Hosenlupf für die Clubs. Zahner kann den Schaden, der pro Abend entsteht, nicht genau beziffern. Aber falls dieser Zustand andauere, müsse er in der Summe mit einem Fehlbetrag zwischen acht und zehn Millionen Franken rechnen. Wobei er auf die Kulanz von Saisonkarten-Inhabern und Sponsoren hoffen darf.


    Trotzdem war der ZSC-Mann ein vehementer Befürworter, dass weitergespielt wird. Vorerst bis zum 1. Dezember. Nur Lausanne und Zug sprachen sich in der ­Videokonferenz vom Mittwochabend dagegen aus. «Wenn wir nicht spielen, verlieren wir auch viel Geld», sagt Zahner. «Wenn wir spielen, retten wir einen Teil der Einnahmen. Und erhalten unser Produkt.» Er wolle nicht jammern. «Es ist, wie es ist. Jetzt müssen wir Lösungen suchen.»

    Das gelingt den ZSC Lions an diesem Abend zumindest auf dem Eis. Sie siegen 6:3 und verbessern ihre Hallenstadion-­Bilanz in Geisterspielen auf 2:0. «Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, so mache es mega Spass», sagt Goalie Lukas Flüeler. «Es fehlen die Emotionen. Aber es geht jetzt um etwas Grösseres als um Eishockey.» Wenn das Spiel laufe, nehme er die leeren Ränge kaum wahr, ergänzt Chris Baltisberger. Aber vorher, nachher oder in den Pausen fühle es sich extrem seltsam an. «Das Eishockeyherz blutet.»

    Dem Eishockey droht Kollaps

    «Gewisse Spieler verdienen mehr als ein Bundesrat, das ist Wahnsinn»

    Teams in Quarantäne, keine Fans, kaum Geld: Das Schweizer Eishockey steckt in Schwierigkeiten. Langnaus Präsident Peter Jakob kritisiert die jahrelange Misswirtschaft in der Liga.


    Philipp Rindlisbacher (TA)

    Kann ein Virus einen Eishockeyclub zerstören?

    Auf jeden Fall.

    Werden in der Saison 2021/22 noch alle Vereine dabei sein?

    Ich würde nicht darauf wetten. In der Schweiz braucht jeder den anderen. Sollten Clubs verschwinden, wäre das tragisch, weil die Liga an Attraktivität verlieren würde. Und die Basis des Nationalteams könnte bröckeln. Ohne Zuschauereinnahmen geht eher früher als später alles den Bach runter. Jetzt müssen alle ihren Beitrag leisten, Gemeinden, Kantone, Regierungstatthalterämter, Spieler, Trainer. Und vielleicht braucht es sogar Steuergelder.


    In Langnau machen die Zuschauer- und Gastronomie-Einnahmen zwei Drittel des Budgets aus. Wie fatal sind Geisterspiele?

    Inklusive Saisonkarten, Einzeleintritten und den Einnahmen aus dem Catering machen wir normalerweise rund 350’000 Franken Umsatz pro Partie. Dieser ist um über 80 Prozent zusammengebrochen. Um auf eine schwarze Null zu kommen, würden wir durchschnittlich 4500 Zuschauer brauchen. Nach 3500 verkauften Saisonkarten stoppten wir, im Wissen, dass wir die versprochene Leistung kaum werden erfüllen können. Im Courant normal hätten wir 1000 weitere Abonnemente abgesetzt. Das hätte uns eine Million eingebracht.

    Nun können nicht einmal mehr die VIPs ins Stadion.

    Das macht mir Sorgen. Unsere Partner geben viel Geld aus, haben für Cateringleistungen bezahlt. Nun kriegen sie nichts. Ich spüre eine grosse Solidarität im Emmental, die SCL Tigers sind Kulturgut. Aber wer garantiert uns, dass nicht doch ein grosser Teil der Partner oder Saisonkartenbesitzer Geld zurückwill? Oder zumindest erwartet, dass es für die nächste Meisterschaft angerechnet wird? Kommt es so weit, ist die Liquidität schnell gefährdet.


    Weshalb laut gerufen wird: Es brauche A-fonds-perdu-Beiträge, sofort, und möglichst hohe.

    Kredite können problematisch sein. Zwei Millionen auf fünf Jahre rückzahlbar: Macht 400’000 Franken pro Saison, dann fehlt gleich die vierte Linie. Mit Krediten verschiebt man einfach das Kopfweh. Die meisten Clubs schreiben schon im Normalfall rote Zahlen. Zusätzliche Schulden würden erst recht zum Kollaps führen.

    Also keine Kredite, sondern Subventionen?

    Ich frage mich, inwieweit A-fonds-perdu-Beiträge vermittelbar sind. Sinnvoller wäre ein Entgegenkommen bei der Kurzarbeitsregelung (Obergrenze: 148’000 Franken Jahreslohn, die Red.). Wir brauchen ein vereinfachtes Verfahren, und zwar auch dann, wenn wir die Saison zu Ende spielen sollten. Wir würden zwar arbeiten, aber unser Produkt könnten wir ja nicht wie gewohnt verkaufen. Die Löhne sind der grösste Aufwandsposten, mit einer markanten Entlastung hätten wir wieder etwas Schnauf.


    Weshalb werden etwa Theater und Konzerte von den Kantonen derart stark unterstützt, der Sport aber nicht?

    Mir wurde gesagt, dass ein bekanntes Stadttheater 38 Millionen Unterstützung bekommt, bei 48 Millionen Einnahmen. Ich will keine Bereiche gegeneinander ausspielen, aber da habe ich schon leer geschluckt. Kriegen sie jetzt in der Krise noch mehr? Was wird dafür auf sich genommen? Werden auch Löhne gekürzt? Das ist für mich der springende Punkt: Wer Geld will, muss bereit sein, etwas dafür zu tun.

    Was wären denn faire Bedingungen für geschenktes Geld?

    Die Notbremse müsste gezogen werden. Wir taten dies bereits im Frühling, verzichteten auf den dritten und den vierten Ausländer, kürzten die Löhne ab 75’000 Franken um 15 Prozent. So sparten wir ein Viertel der Personalkosten ein. Wir können in den Spiegel schauen.

    Das Durchschnittseinkommen in der National League beläuft sich schätzungsweise auf eine Viertelmillion Franken. Das ist irrsinnig – und kein gutes Argument, um die hohle Hand zu machen.

    Fragen Sie in der Stadt Passanten, was sie von 20 bis 30 Gratismillionen fürs Eishockey halten. Sie werden einen Sturm der Entrüstung ernten. Auch deshalb halte ich ein Entgegenkommen bei der Kurzarbeitsregelung für sinnvoller als A-fonds-perdu-Beiträge. Es brauchte dazu nicht einmal ein neues Gesetz. (überlegt) In Langnau liegen wir wesentlich unter dem Durchschnittslohn. Aber ich stehe dazu: Unternehmerisch war unsere Leistung in der Vergangenheit sicher alles andere als gut.

    Das heisst?

    Bis jetzt war die National League die drittteuerste Liga der Welt, es wurden fast doppelt so hohe Löhne gezahlt wie im umliegenden Ausland. Jahr für Jahr jammerten wir den Sponsoren vor, wie alles teurer wird. Dabei waren wir es, die die Sache nicht im Griff hatten.

    Die finanziellen Probleme sind also hausgemacht?

    Gewisse Eishockeyspieler verdienen in der Schweiz mehr als ein Bundesrat. Das ist doch der Wahnsinn, das kann doch nicht sein! Stellen wir in unserer Firma einen Ingenieur ein, kriegt er zwischen 7000 und 9000 Franken. Will man jemanden unbedingt, dann legt man ein paar Hunderter obendrauf. Aber es käme niemandem in den Sinn, ihm 30’000 Franken pro Monat zu zahlen! Das ist grotesk. Würde man die Hälfte des Geldes, das im Hockey zu viel verteilt wird, in die Basis investieren, könnte man vieles bewirken. Ich denke an den Nachwuchs, an Spesen für Juniorentrainer, an die Infrastruktur. Die Clubs machten keinen guten Job. Es ist wie beim Zuckerstock: Anzünden, hurra, vorbei. Das ist nicht nachhaltig.

    Ein «Chlapf zum Gring», wie es der Berner sagt, hätte also auch etwas Gutes?

    Jede Krise ist auch eine Chance. Bei uns gibt es viele auslaufende Verträge, die Löhne werden sinken, weil die Nachfrage geringer, die Unsicherheit überall grösser sein wird. Vielleicht gibt es bald nicht mehr drei Assistenztrainer, und es ist nicht mehr alles Hochglanz. Die Welt ginge nicht unter.

    Könnte es zum Umdenken kommen?

    Ja, ich gehe davon aus. Aber noch immer glauben fast alle, dass man ohne vier Ausländer nicht Eishockey spielen kann. Vernunft ist gefragt, wir sollten ein Signal der Bescheidenheit aussenden. Denn was in den letzten Jahren getan wurde, war nicht zielführend. Es gibt viele reiche Leute, die Freude haben am Sport und sich von den Emotionen leiten lassen – sie wollen den Clubs helfen und machen das Portemonnaie zu weit auf.


    Werden die Finanzen von der Liga zu wenig stark kontrolliert?

    Das Problem ist, dass alle Clubs Tochterfirmen haben. Und zwischen diesen kann problemlos Geld hin und her geschoben werden. Am Ende muss das Ergebnis einfach für die erste Mannschaft stimmen. Das Ganze würde nur Sinn machen, wenn man jede Nebenrechnung einreichen müsste.

    Das muss man nicht?

    Nein. Was wir der Liga einreichen müssen, ist eine Farce. Darauf könnte man verzichten, weil man das Ergebnis so «büschele» kann, bis es passt.

    Auch in Langnau gab es schon Spieler, die sagten, sie könnten mit weniger als 150’000 Franken Jahreslohn nicht leben …

    ... es ist höchste Zeit, dass jeder lernt, mit weniger zu leben. Und wer diese Einstellung hat, wird nach der Karriere Mühe bekunden.

    Tigers-Stürmer Julian Schmutz weinte letzte Woche, als er nach einem Spiel gefragt wurde, wie stark ihn die angespannte finanzielle Lage des Vereins belaste. Was sagt Ihnen das?

    Auch Eishockeyprofis sind nur Menschen, mit Familien, mit Zukunftsängsten. Wir müssen uns gut kümmern um die Mitarbeiter, die sich viele Gedanken machen. Deshalb ist bei uns ein Informationsanlass geplant, an dem über die Sorgen gesprochen und Perspektiven aufgezeigt werden sollen.

    Die National League verkündete, bis Anfang Dezember weiterspielen zu wollen. Nicht alle Clubs stehen hinter diesem Entscheid – können Sie das nachvollziehen?

    Nein. Ist denn tatsächlich jemand davon überzeugt, dass im Januar alles besser sein wird? Das wird wohl erst im Frühling so sein, wenn es wärmer wird. Und vielleicht gibt es im zweiten Quartal einen Impfstoff. Vorerst sollten wir spielen, um wenigstens den TV-Vertrag zu erfüllen und den Sponsoren Präsenz zu garantieren. Ein Unterbruch macht keinen Sinn. Zumal die Massnahmen kaum so schnell gelockert werden. Wir waren zu lasch im Sommer, nun haben wir den Salat.

    Reaktion nach Niederlagenserie

    Der ZSC ist zurück in der Spur

    Die Lions haben auf die letzten drei Niederlagen reagiert. Sie besiegten den HC Davos im Hallenstadion verdient 6:3.

    Marco Keller (TA)

    Plötzlich wurde es noch einmal eng. Andres Ambühls Tor konnte noch als Betriebsunfall taxiert werden, als Luca Hischier drei Minuten später auf 2:4 verkürzte, kam aber noch einmal etwas Nervosität auf, zu instabil hatten sich die Zürcher zuletzt präsentiert, zu anfällig defensiv. Erleichterung brachte schliesslich das 5:2 von Chris Baltisberger, der zum zweiten Mal traf. Er lenkte einen Schuss von Maxim Noreau aus dem Slot ab.

    In gewöhnlichen Jahren sind die ZSC Lions ligaintern ein Paradebeispiel für Sicherheit und Stabilität, die Verteidiger oft derart gut positioniert, dass die Nachfolger von Ari Sulander dem Abend zuversichtlich entgegensehen können. Doch was ist schon normal in diesem Jahr des Wahnsinns?


    Gegentore en masse

    Auch in dieser Saison war der Meisterschaftsaspirant Nummer 1 den Erwartungen entsprechend gestartet – stilsicher und mit durchschnittlich nur zwei Gegentoren aus den ersten sieben Partien. Nun waren die Zürcher aber innert Wochenfrist von der Mauer zur Schiessbude der Liga mutiert. 19 Gegentore in nur 3 Partien, das hatte es in Zürich-Nord seit Menschengedenken nicht mehr gegeben. Zwischen dem 24. Januar und dem 6. März 2010 war der Defensivverbund letztmals noch löchriger gewesen, 30 Minustreffer hatten damals in 7 Partien resultiert. Einzig Flüeler und Captain Geering waren vor einem Jahrzehnt schon im Team, Wick und Hollenstein stürmten derweil noch für Kloten.

    Verständlich, setzte Trainer Rikard Grönborg im Klassiker gegen den HC Davos in erster Linie auf eine verlässliche Defensive. Doch dann kam natürlich wieder einmal alles anders, als man gedacht hatte: 21 Sekunden dauerte es nur gerade bis zum 1:0 durch Chris Baltisberger. Der Vorkämpfer stand dort, wo er meistens zu stehen pflegt: unmittelbar vor dem gegnerischen Tor. Ideal postiert, um einen Pass von Garrett Roe in die hohe Ecke zu versenken. Und hätte es noch eines weiteren Beweises bedurft, dass die Lions wieder auf dem Damm sind, so lieferte ihn Raphael Prassl: Das Talent lenkte nach knapp sechs Minuten einen Distanzschuss von Phil Baltisberger unerreichbar ab. 2:0 – leistungsgerecht. Die Bündner bekundeten Mühe, ins Spiel zu finden, wenn ab und an ein Schuss Genialität aufblitzte, dann war dieser Joe Thornton zu verdanken. Die NHL-Legende verkörpert am Stock immer noch Sonderklasse, schneller ist Thornton verständlicherweise in den letzten Jahren nicht geworden.:oldie:

    Lange ein solides, aber unspektakuläres Debüt gab Marco Rossi. Der Vorarlberger, der mit Beginn der NHL-Saison nach Übersee wechseln wird, ist sehr schnell und auch willens, eigene Fehler auszubügeln. Allerdings begeht er deren noch deutlich zu viele, den zweiten Treffer schenkte er praktisch dem HCD mit einem katastrophalen Abspielfehler vor dem eigenen Tor. Offensiv konnte der Jungstar noch nicht die gewünschten Akzente setzen, seine Anlagen sind aber unverkennbar. Nach der Nationalmannschaftspause wird das ZSC-Offensivpotenzial noch grösser, dann kehrt wohl auch Pius Suter ins Team zurück.

    Überhaupt keine Akzente setzen konnte Fredrik Pettersson. Der Schwede war am Freitag nur 13. Stürmer in Grönborgs Dispositiv, zu Eiszeit kam er fast ausschliesslich in Überzahl.:shock:

    Mal schauen, ob sie das dann wirklich machen: da wirst Du def. nicht der Einzige sein, der sich das nicht dauerhaft anschauen möchte.

    Die Frage ist dann auch, ob sich all die Leute das teure TV Abo noch leisten können, um sich diese Spiele anzuschauen.

    So wie in der Champions League: aus den Augen (öffentliches TV), aus dem Sinn....

    Ja in Europa schon. In den USA kann ich die CL gratis im TV gucken wenn ich möchte, das Interesse verlagert sich halt dann nach China, etc. Die NBA hat in China mehr Abonnenten als in den USA.....die NHL will Bandenwerbung einbauen die Regional/National gesteuert werden kann, also Appenzeller Käse in der Schweiz, etc. pp. Die grossen Top Ligen werden weiter absahnen, ich denke noch viel mehr als vorher. Eine Fussball Liga wie die Schweizer wird weiter absacken, aber falls der Meister wieder mal nicht YB oder FCB heisst werde ich eher wieder mal ins Stadion gehen! Im Hockey haben wir eine andere Position, nach NHL und KHL kommt in Sachen verdienen bereits die CH, aber unsere Clubs können leider finanziell nicht profitieren, da der TV Markt viel zu klein ist und sich im Ausland niemand dafür interessiert.