Beiträge von Larry

    Klar, die Hard Core Fans werden treu bleiben, aber die Schönwetterfans (und das sind nicht wenige) werden wohl eine Pause einlegen! Dürfte schlechte Zahlen geben bei jedem Hockey- und Fussball Club!

    "Fussballmatches, Konzerte im Hallenstadion, Messen – solche Events werden wohl die letzten sein, die der Bundesrat wieder zulässt. Grossveranstaltungen dieser Art wurden schliesslich auch zuerst verboten. Experten gehen davon aus, dass in diesem Jahr kein Event dieser Art mehr stattfindet." (Blick)

    Denke auch bevor es eine Impfung gibt wird es keine vollen Stadien geben! Das wird erst ganz am Schluss wieder möglich sein. Wir werden uns an TV Sport gewöhnen müssen für eine gewisse Zeit. :sad:

    Nächste Frage: Wer kauft unter diesen Umständen eine Saisonkarte?

    Österreich lockert die Corona-Massnahmen. Ab dem 14. April sollen alle Geschäfte, die kleiner sind als 400 Quadratmeter, die Türen öffnen. Dazu gehören auch Bau- und Gartenmärkte. Coiffeure öffnen am 1. Mai. Hotels und Restaurants sollen dann stufenweise ab Mitte Mai wieder geöffnet werden.
    :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus: :applaus:


    überbezahlten Mitarbeiter

    Jep! :nick:


    auch ein rechter Anteil angefressener Fussballfans hätte nicht unbedingt Mitleid, wenn diese Blase platzen würde und wir in Zukunft ein anderes Fusballbusiness erleben würden.

    Ich sehe eher das genau die Fans, die jeden Samstag ihrem Team nachreisen sich extrem freuen wenn ihr Club wieder einen total überbezahlten Tubel verpflichtet der einem anderen Club abgejagt wurde. Dort wird der gleiche Typ dann als Verräter, etc. gebrandmarkt und gehasst.

    Wie weiter in der Super League?

    Die Zeit nach dem Shutdown verspricht viel Zündstoff

    Auch in der Schweiz leiden viele Fussballclubs in der Corona-Krise. Aber Anfang Juni soll wieder gespielt werden.

    Fabian Ruch (TA)

    Letzte Woche ging der slowakische Traditionsverein MSK Zilina als ­erster Club in Europa wegen der Corona-Krise bankrott. Auch in der Schweiz geht die Angst vor dem ­Virus um. 19 von 20 Vereinen aus der Super und Challenge League haben Kurzarbeit für die Fussballer beantragt (nur Basel nicht), wobei offen ist, ob das Training zu ­Hause nicht als Arbeit gilt. Mehrere Vereine wie Thun haben zudem den Covid-19-Notfallkredit des Bundes über maximal eine halbe Million Franken in Anspruch genommen.

    Und es gibt auch noch den Topf des Bundes mit 50 Millionen für Proficlubs. Dort allerdings sind die Hürden relativ hoch. Ein Betrieb muss nachweisen, alle notwendigen Massnahmen zur Schadensbegrenzung getroffen zu haben, er darf nicht mehr liquid sein und muss einen Abzahlungsplan vorlegen. ­Einige Clubs dürften in zwei ­Monaten an diesem Punkt stehen.

    Die Swiss Football League hilft, wie sie kann, CEO Claudius Schäfer hinterlässt einen kompetenten Eindruck. Die fünfte von sechs Tranchen des TV-Vertrags hat die Liga einigen Vereinen als Vorbezug überwiesen, das macht bis zu einer Viertelmillion Franken aus, zudem könnte sie dank Rücklagen finanziell weitere Hilfe leisten.

    Uneinigkeit bezüglich des neuen TV-Vertrags ab 2021
    Die Diskussion über eine Modusänderung ist derweil aufgeschoben, zumal es keinen sinnvollen Spielplan für 12 Clubs gibt. Eigentlich hätte auch der TV-Vertrag, der 2021 ausläuft, neu verhandelt werden sollen. Schäfer möchte allerdings die Entwicklung in der Bundesliga abwarten, dort wurde die Ausschreibung kurzerhand verschoben. Er hat Signale mehrerer Player aus dem Ausland erhalten, die sich für die Rechte in der Schweiz interessieren könnten. Streamingdienste wie DAZN, aber auch Sky oder andere Anbieter sorgen im Idealfall für einen Bieterwettbewerb mit dem Platzhirsch Teleclub.

    Längst gibt es Stimmen, die angesichts der komplizierten Umstände eine kurzfristige Lösung für bloss eine Saison statt eines neuen TV-Vierjahresvertrags bevorzugen. Vor allem der FCB drängt mit ­aller Macht darauf, erst alle Fragen betreffend Modus und Anspielzeiten auszudiskutieren, bevor sich die Liga langfristig an einen Partner bindet. Den Baslern ist dieser Punkt sehr wichtig, so scheint gar möglich, dass sie ihren Wünschen mit dem ultimativen Drohszenario Nachdruck verleihen: die Zentralvermarktung platzen zu lassen und ihre Spiele wieder selbst am Markt anzubieten. «Davon weiss ich nichts», sagt Schäfer. «Ich erlebe alle Vereinsvertreter als kooperativ und grösstenteils vernünftig.»

    Es ist entscheidend, dass diese Saison zu Ende gespielt werden kann.

    Claudius Schäfer, Liga-CEO
    Unterdessen rüstet sich die Branche für die Zeit nach dem Shutdown. Das verrückteste Szenario haben die Engländer skizziert. ­Angeblich hat die Premier League Pläne für die Fortsetzung der Saison im WM-Format entworfen. Demnach sollen die 20 Teams im Juni und Juli in London sowie den Midlands in ­Hotels kaserniert werden – und die 92 restlichen Begegnungen als ­Geisterspiele auf Trainingsplätzen austragen. Premier League an jedem Tag als TV-Megaevent.

    Es kursieren allerlei mögliche und unmögliche Szenarien. In Italien wollen einige Präsidenten so schnell wie möglich wieder spielen, obwohl noch täglich Hunderte Tote gezählt werden. In Spanien soll die Liga 50’000 Coronavirus-Testkits gekauft haben, um Profis täglich zu untersuchen. Auch in Deutschland wird die Bundesliga als Kulturgut betrachtet, Anfang Mai soll die Show weitergehen.

    Und so werkelt jede Liga ein bisschen herum, wobei der europäische Fussballverband daran interessiert ist, das Vorgehen zu koordinieren. Letztlich geht es darum, die TV-Gelder zu retten. «Es ist entscheidend, dass diese Saison zu Ende gespielt werden kann», sagt auch Schäfer. Es sei viel einfacher, an der nächsten Spielzeit Veränderungen vorzunehmen bis hin zu einem Start erst im Januar 2021.

    Vielleicht heisst es bald: Basel ohne XY (krank)
    Die Uefa hat schon mal den Terminkalender freigeräumt für die Ligen. Die EM wurde um ein Jahr verschoben, Champions und Europa League sollen im Juli und August zu Ende gespielt werden, die Länderspiele im Juni fallen aus, Rahmenplan und Transfermarkt werden angepasst. «Es ist schön, zu sehen, wie die meisten Verbände und Vereine Hand in Hand arbeiten», sagt Wanja Greuel. Der YB-CEO sitzt nicht nur im SFV-Verbandsrat und im Ligakomitee, sondern mit Vertretern mehrerer Weltclubs auch im Vorstand der Europäischen Clubvereinigung ECA. Dort sind die 200 grössten Vereine versammelt, aus der Schweiz ist auch der FCB dabei. «Die Gespräche in der wöchentlichen Video-Vorstandssitzung sind zielorientiert», sagt Greuel. «Allen ist klar: Wir sitzen im gleichen Boot.»

    Man könnte nach einer kurzen Pause vielleicht Mitte September mit der nächsten Saison beginnen.

    Claudius Schäfer, Liga-CEO
    Und wie geht es in der Schweiz ­weiter? «Es gibt viele Szenarien», sagt Schäfer. «Aber natürlich muss alles nach den Vorgaben des Bundes geschehen.» Es gibt Virologen, diese Hohepriester der Corona-Zeit, die davon sprechen, dass Fussballpartien erst 2021 wieder realistisch seien. Mit Zuschauern ohnehin, aber auch als Geisterspiele, weil sich Fans vor dem Stadion oder in Bars versammeln könnten.

    Längst wird aber darüber diskutiert, dass man Geisterspiele in ein paar Wochen medizinisch gesehen problemlos durchführen könnte, weil das alles junge, fitte Athleten seien, die regelmässig getestet werden sollen. Ist ein Fussballer am Coronavirus erkrankt, würde es im Telegramm einfach heissen: Basel ohne XY (krank) – wie bei einer Grippe.

    In der Schweiz wäre es laut Schäfer und Greuel wünschenswert, ab Anfang Juni während acht, neun Wochen die ausstehenden 13 Spieltage sowie die drei Cuprunden zu bestreiten. «So könnte man nach einer kurzen Pause vielleicht Mitte September mit der nächsten Saison beginnen», sagt Schäfer.

    Modell auf Pump: Vielen Clubs droht der Konkurs
    Das klingt alles ein wenig nach dem Prinzip Hoffnung. Aber was bleibt den Verantwortlichen anderes ­übrig? Die Uefa appelliert an alle nationalen Verbände, ruhig und ­geduldig zu sein. Die belgische Pro League entschied diese Woche überraschend früh, die Saison abzubrechen, das stiess der Uefa sauer auf. Deren Präsident Aleksander Ceferin erklärte, Solidarität sei keine Einbahnstrasse. Die Uefa setzte flugs ein Schreiben zusammen mit der ECA und der europäischen ­Ligavereinigung auf, in dem erneut mit dem Ausschluss aus dem Europacup gedroht wurde, sollte eine Saison vorzeitig beendet werden.

    Auch im Fussball geht es darum, wie lange ein Unternehmen überlebensfähig ist. Eine Studie in Deutschland kam zum Schluss, dass 13 von 36 Proficlubs der beiden höchsten Ligen ohne Spielbetrieb sogar schon bis Juni in Konkurs gehen würden. Auch in Italien und Spanien stehen viele Wirtschaftsmodelle auf wackligem Fundament, zahlreiche Vereine haben künftige TV-Einnahmen längst verpfändet, das hochgezüchtete Geschäft ist oft auf Pump ausgerichtet. Kurzfristig mag ein Umdenken stattfinden, aber der Stresstest für die neu ausgerufene Solidarität und Vernunft kommt, sobald der Ball wieder rollt.

    Und sowieso: Weil ein Impfstoff frühestens Anfang 2021 vorhanden sein dürfte, kann die Entwicklung des Virus in diesem Jahr jederzeit alle noch so schönen ­Pläne vernichten

    Abschied vom ZSC-Nachwuchschef

    Der nette Pole, der den Jungen Beine machte

    Henryk Gruth formte die Juniorenabteilung der ZSC Lions zur Besten im Lande. Mit 62 ist er in die Heimat zurückgekehrt. Die Smartphone-Generation entspricht ihm nicht mehr.

    Simon Graf (TA)

    Als Henryk Gruth 1985 am Flughafen Zürich eintraf, wurde er von der Frau des damaligen Sportchefs Guido Tognoni empfangen. Sie übergab ihm den Wohnungsschlüssel und ein Couvert mit 1000 Franken für erste Besorgungen. Gruth drehte sich um zu seiner Frau und sagte, halb im Scherz: «Nehmen wir den Umschlag und fliegen gleich wieder zurück?» So viel Geld hatte er noch nie in den Händen gehalten. Doch natürlich blieb er.

    Was er damals noch nicht ahnen konnte: wie sehr die Schweiz sein Leben prägen, dass er mit Unterbrüchen 25 Jahre hier verbringen würde. Er war ZSC-Verteidiger mit Übersicht, Coach in den höchsten drei Ligen und ein exzellenter Ausbildner. Seine osteuropäische Prägung, gepaart mit seinem sympathischen Wesen, war die ideale Kombination. So sagt Patrick Geering, einst Junior unter Gruth: «Er forderte immer das Maximum. Aber dies mit der nötigen Wärme. Und natürlich merkte man seine riesige Erfahrung von 17 Weltmeisterschaften.»

    Markenzeichen der ZSC-Schule

    Heute ZSC-Captain, war Geering 2007 Teil jenes Elite-A-Teams, das unter Gruth den ZSC Lions den ersten Meistertitel bei den Junioren bescherte. Es war der Anfang der Zürcher Dominanz auf Juniorenstufe. «Jener Titel zeigte mir, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt Gruth rückblickend. «Unsere vielen Techniktrainings waren die Basis für unseren Erfolg. Mit den Jahren haben uns dann alle kopiert.» Läuferisch und technisch stark, das wurde zum Markenzeichen der ZSC-Schule. Und das ist es auch heute noch.

    Gruth ist bereits zurückgekehrt nach Polen, als er via WhatsApp-Call sein Wirken in Zürich reflektiert. Als die Saison wegen des Coronavirus definitiv abgesagt wurde, musste er sich beeilen. «Ich wollte unbedingt zurück, bevor sie die Grenzen nach Polen schliessen.» Und weil es für ihn eine definitive Heimkehr ist, gab es mehr zu tun als sonst. Er belud einen Lastwagen mit seinem Mobiliar und schickte ihn auf die Reise. Dann füllte er sein Auto und fuhr los mit seiner Frau. Normalerweise dauert die Fahrt nach Krakau rund 11 Stunden. Diesmal wurden es 35. Vor der deutsch-polnischen Grenze mussten die Gruths 16 Stunden ausharren.

    Endlich weg von der Stasi!

    Zurück in Polen ging das Geduldsspiel weiter: zwei Wochen Quarantäne. Und Gruth war gut beraten, sich daran zu halten: «Wenn sie dich draussen erwischen, bezahlst du 7000 Franken. Das ist in der Schweiz schon viel. In Polen kann das Existenzen gefährden.» Der 62-Jährige hat also Zeit zu reden. Er erzählt von der ersten ZSC-Saison als Spieler, die für ihn eine Befreiung war, weil ihn endlich der polnische Staatsschutz nicht mehr verfolgte. Oder wie verblüfft er war, als man ihn hier anwies, mehr Tore zu schiessen. Dabei hatte er gelernt, dass er als Verteidiger primär die Angriffe ankurbeln sollte. Aber gut, dann passte er halt sein Spiel an.

    Als Trainer kehrte er 1997 in die Schweiz zurück, übernahm in der 1. Liga die stark verjüngte Mannschaft des EHC St. Moritz mit Spielern wie Duri und Corsin Camichel. Er schaffte den Ligaerhalt und begründete so seinen Ruf als Trainer, der gut mit Jungen umzugehen weiss. Nach der Fusion stiess er via SC Küsnacht zur ZSC-Organisation. Als Assistent von Christian Weber wirkte er zuerst in der Nationalliga B, dann in der Nationalliga A. In der Lockout-Saison 2004/05 scheiterten sie erst im Final am HCD mit Thornton, Nash und Hagman. Im folgenden Winter «flüchtete» Weber nach Florida und übernahm Gruth interimistisch, ehe Juhani Tamminen ihn ablöste, aber den Erfolg auch nicht zurückbrachte.

    Gruth fand seine Berufung als Ausbildner, wirkte als Nachwuchschef und coachte die Elitejunioren von 2007 bis 2015 zu sieben Meistertiteln. Geschäftsführer Peter Zahner sagt über ihn: «Wenn er in seiner Karriere bei uns geschätzte 500 Spieler gehabt hat, so bin ich sicher, dass 500 sagen, Gruth habe ihre Karriere positiv geprägt. Er schaute, dass sich jeder auf seinem Niveau weiterentwickelte. Und er hatte einen guten Umgang mit den Spielern, das nötige Fingerspitzengefühl.»

    Die neue Generation von Spielern, mit dem Smartphone stets in der Hand, passt nicht zu mir. (Henryk Gruth)

    Doch wieso verlässt er die Zürcher nun mit 62, drei Jahre vor dem Schweizer Pensionsalter? «Ich habe mir in letzter Zeit viele Gedanken gemacht», sagt er. «Die neue Generation von Spielern, mit den sozialen Medien und dem Smartphone stets in der Hand, passt nicht mehr zu mir. Ich komme aus einer anderen Welt.» Zudem habe er immer mehr Zeit im Büro verbringen, Formulare ausfüllen müssen. Das behage ihm nicht. «Ich war immer ein Praktiker, das Eis ist mein Element.» Angetan zeigt er sich aber von der schwedischen Trainercrew um Rikard Grönborg, die als erste einen regen Austausch mit den Juniorencoaches gepflegt habe.


    Nicht nur Ausbildungschef Gruth, auch Nachwuchs-Sportchef Richi Jost, mit dem er so lange zusammenarbeitete, verlässt nun die ZSC Lions. Bei den Elitejunioren rückt für Gruth Assistent Fabio Schwarz als Chefcoach nach, Edgar Salis wird Sportchef des Bereichs Spitzensport im Nachwuchs. Und wie geht es für Gruth weiter? «Einer meiner Freunde ist Journalist und schrieb in einer Sportzeitung, ich sei zurück», erzählt er. «Seitdem bekomme ich täglich Anrufe, von Clubs, vom Verband.»

    Zuerst möchte er aber nun einmal ein Jahr Pause. Zudem sind seine Ausbildungsqualitäten im privaten Bereich gefragt: Der dreifache Vater hat inzwischen vier Enkel.

    «Dieser Anruf veränderte unser Leben»

    Kent Ruhnke führte den ZSC am 1. April 2000 zum ersten Meistertitel nach 39 Jahren. Zum 20. Jubiläum blickt er zurück auf seinen turbulentesten Winter und das süsse Ende.

    Simon Graf (TA)

    Kent Ruhnke, was kommt Ihnen zum 20-jährigen Jubiläum des ZSC-Meistertitels zuerst in den Sinn?

    Wie Danny Hodgson auf der Bank auf mich zustürmte und mich umarmte, als die Sirene ertönte und wir Meister waren. Er ging nicht zuerst aufs Eis, sondern zu mir. Es war eine riesige Genugtuung, dass wir das alle gemeinsam geschafft hatten trotz all den Nebengeräuschen. Und Danny und ich hatten uns über vieles unterhalten. Ich habe noch heute gemischte Gefühle, wenn ich zurückblicke. Das Ende war fantastisch, aber der Weg zum Titel war extrem hart. Jene Saison hatte alles, sie war voller Herzschmerz und Unsicherheiten. Es war ein Abenteuer vom ersten Tag des Trainingscamps bis zuletzt. Ich bin froh, habe ich das alles erlebt. Es hat mich zu einem besseren Menschen gemacht. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich das nochmals erleben möchte.

    Nachdem Adrien Plavsic im sechsten Finalspiel bei 59:50 das 4:3 erzielt hatte, wollten die Fans im Hallenstadion das Eis schon entern. Es dauerte ewig, bis die letzten zehn Sekunden gespielt werden konnten. Wie erlebten Sie jene Momente?

    Wir wussten nach dem Tor von Plavsic, dass wir gewonnen hatten. Wir legten einander die Arme auf die Schultern, hatten Tränen in den Augen. Ich schickte meine beste Defensivlinie aufs Eis für den letzten Einsatz: Weber, Schrepfer und Della Rossa. Sie wussten genau, was sie zu tun hatten, um einen letzten Angriff zu verhindern, das war x-fach einstudiert worden. Aber dann schienen sie alles vergessen zu haben, und Lugano schoss beinahe noch ein Tor. Die Erleichterung war riesig, als es vorbei war. Es war, als ob die Stadt von einer Last befreit worden war, nach 39 Jahren. Ich war ja selber als Spieler auch noch Teil der ZSC-Geschichte gewesen. Es war die Wiedergeburt des Clubs, der heute eine Macht ist im Schweizer Eishockey. Darauf bin ich am meisten stolz. Ich liebe Zürich, habe hier viele gute Menschen getroffen. Die Stadt hat es verdient.

    Sie standen in der Meistersaison kurz vor der Entlassung, am Ende führten Sie den ZSC zum Titel. Es war für Sie eine emotionale Achterbahnfart.

    Als wir 1998 den Ligaerhalt geschafft hatten, kamen einige Spieler zu mir, Kout, Weber, Zehnder und andere, und baten mich zu bleiben. Bis da hatte ich es nicht vorgehabt. Ich blieb, Simon Schenk (der Sportchef) machte einige gute Transfers, und wir spielten eine exzellente Saison. Doch dann verloren wir im Viertelfinal gegen Kloten. Ich machte sicher nicht alles richtig, aber wir hatten auch Pech. Sulander hatte hohes Fieber, wir hatten viele Verletzte. Im Nachhinein war jener Rückschlag aber ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Titel.

    Inwiefern?

    Er machte uns widerstandsfähiger. Ich sagte das auch zu Schenk: Wir müssen zuerst lernen zu gewinnen. Aber er stand unter grossem Druck, und den gab er in der folgenden Saison an mich weiter. Es wurde erst besser, als ich in den Angriff überging, die Boulevardpresse attackierte und sagte, ich würde den ZSC nach jener Saison sowieso verlassen. So verlagerte sich der Fokus von mir aufs Team. Nach Weihnachten waren wir zwei Klassen besser, kamen wir zusammen.

    Vor dem Final war Lugano aber der grosse Favorit.

    Ja, aber Lugano realisierte nicht, wie wir Fahrt aufgenommen hatten. Wir stürmten durch den Viertel- und Halbfinal, gaben nur ein Spiel ab. Wir hatten eine riesige Freude auf dem Eis und in Ari Sulander den besten Goalie. Wenn ein Team im Playoff Momentum aufnimmt, ist es schwer zu stoppen. Wir hatten vor niemandem Angst. Auch nicht vor Lugano.

    Ich liebte Kari Martikainen. Er hatte eine unglaublich starke Präsenz auf dem Eis.

    Jetzt können Sie es ja sagen: Wer war Ihr Lieblingsspieler?

    Ich liebte Kari Martikainen! Wir sprachen nicht viel miteinander, aber er hatte eine unglaublich starke Präsenz auf dem Eis. Natürlich hatte ich auch Schrepfer und Weber gerne. Und Hodgson. Ich war für ihn wie eine Vaterfigur. Ach, ich habe alle geliebt! Wenn man harte Zeiten durchsteht, schweisst das zusammen. Schade, konnte Chad Silver nicht mehr dabei sein. (Er war im Jahr zuvor an einem plötzlichen Herzstillstand verstorben.) Er war ein wunderbarer Teamspieler. Ich hatte solche Charaktere noch lieber als die Stars.

    Dem Meistertor von Plavsic ging ein Foul voraus, Weber schlug Luganos Huet den Stock aus der Hand. In Zeiten des Videobeweises hätte das 4:3 nicht gezählt.

    (lacht) Wir hatten das im Training geübt. Ich sagte zu den Spielern: Tut alles für den Sieg! Ich zeigte es auch vor, schlug Sulander den Stock so fest aus der Hand, dass er in die Luft flog. Weber hat das perfekt gemacht. Ja, heute würde das Tor wohl nicht mehr zählen. Das war Karma.

    Hätte Sie 1998 Peter Spuhler nicht als Nothelfer zum ZSC zurückgeholt, wie wäre Ihr Leben verlaufen?

    Gute Frage. Ich arbeitete damals als Lehrer in Toronto, wir hatten ein wunderbares Haus und eine Hütte am See. Aber etwas fehlte, ich wollte zurück in die Schweiz, zurück ins Eishockey. Ich sagte sofort zu, als Spuhler anrief. Und danach entschieden wir uns, in Zürich zu bleiben. Jetzt sind wir alle Schweizer, meine Kinder wohnen hier, ich habe sieben Enkel. Und ich glaube, es werden noch mehr. Ja, dieser Anruf veränderte unser Leben.


    vor genau 20 Jahren war der schönste Moment meines Lebens

    Darf man ja fast nicht sagen...ich hab das auch immer gesagt....unterdessen ist das ein wenig verblasst, fünf weitere Titel plus CHL plus VC plus Cup plus...sind dazu gekommen. 20 Jahre Grosserfolg! Was für ein Unterschied zu den 29 Jahren (für mich) vorher! :geil: :cool: :applaus:


    Sehe das wie snowcat, leider wird es bezgl Ausgangssperre so kommen, auch wenn es nicht wirklich zielführend weiterhelfen wird.
    Und by the way: wenn ich das momentane Verhalten der sogenannten Risikogruppe wie auch der Halli Galli Fraktion im öffentlichen Leben beobachte, dann ist meine Solidarität aufgebraucht.

    Jep!


    erster pully war natürlich die 6 von warren anderson

    Aufstiegssaison (nach 7 Jahren in der NLB) 1980/81 mit Spielertrainer Kent Ruhnke. Die Saison darauf musste Ruhnke während der Saison gehen (wir stiegen wieder ab) und sass im dritten Rang oben. Er ging zu Biel und wurde dort zwei Jahre später Meister.