Nostalgische, angriffige Löwen
Die ZSC Lions gewannen auch ihr viertes Jubiläumsspiel und entthronten mit dem 4:1 den HC Davos.
Simon Graf Zürich
Wenn die ZSC Lions in Retro-Trikots antreten, ist das kein gutes Zeichen für ihre Gegner. Denn in den Leibchen, die vergangenen Zeiten nachempfunden sind, pflegen sie gross aufzuspielen. Das war auch gestern Sonntag im Spitzenkampf gegen den HCD nicht anders. Mit einem blauen, angriffslustigen Löwen auf der Brust, wie im zweiten Meisterjahr 1949, bezwangen sie die Bündner 4:1 und schoben sie sich wieder an die Tabellenspitze. Zum vierten Mal luden die ZSC Lions zu einem Jubiläum, ihre Bilanz in diesen Spielen ist mit 20:4 Toren eindrücklich. Zuvor hatten schon Lugano, Biel und Bern bei einem Zürcher Fest Spalier stehen müssen. Pro Saison ist nur ein Auftritt in Nostalgie-Trikots erlaubt.
Würde der Meister in jeder Partie so engagiert zu Werke gehen wie gestern, Coach Marc Crawford hätte wohl das eine oder andere graue Haar weniger. Beim samstäglichen Auftritt in Lugano (1:2) hatten sie zwar nicht schlecht gespielt, aber zu wenig zielstrebig im Abschluss. Gegen den HCD stürmten sie von Beginn weg nach vorne – und schon nach 41 Sekunden traf Baltisberger zum 1:0. Die Zürcher sorgten mit einem 3:1 im Startdrittel bereits früh für die Differenz. Und weil die Davoser nicht mehr so präzise trafen wie zuletzt und Niklas Schlegel im ZSC-Tor überzeugte, wurde es nicht mehr spannend.
Schlegel überzeugte beim Debüt
Schlegel? Richtig, der 20-Jährige von den GCK Lions gab sein Debüt, weil sich Stammgoalie Flüeler in Lugano in der Endphase wieder verletzt hatte. Wie lange Flüeler ausfällt, ist noch offen. Doch es könnte eine langwierige Angelegenheit werden, ist doch seine Adduktorenzerrung, die ihn schon Anfang Saison behindert hatte, wieder aufgerissen. Ein MRI soll weitere Aufschlüsse geben. Bis zur Nationalteam-Pause Anfang November stehen noch sieben Ligaspiele an. Sollte Flüeler länger pausieren müssen, würde er also zahlreiche Partien verpassen. Schlegel zeigte im Hallenstadion, dass er der Mann sein könnte, der Flüeler vorderhand ersetzt. Er wirkte sicher, liess sich nur von einem präzisen Schuss Corvis (15.) zum 1:1 bezwingen und wehrte 32 von 33 Schüssen ab. «Einen besseren Einstand hätte ich mir nicht erträumen können», sagte er strahlend.
Er habe Schlegel dem ein Jahr älteren Boltshauser vorgezogen, weil er im Rhythmus sei, zuletzt mehr gespielt habe, erklärte Crawford. Noch am Samstag hatte er mit den GCK Lions ein 3:4 nach Verlängerung in Visp erlitten. Zur Verfügung stehen würde auch der 32-jährige Urban Leimbacher, der im ZSC-Dress indes noch nicht überzeugen konnte. Der Coach freute sich, dass vor so vielen Kindern und Familien – es war Kid’s Day mit Gratiseintritt für die Jüngsten – die Jungen überzeugt hatten: «Wir hatten sehr viel Energie, und das begann beim Goalie.» Er lobte aber auch Malgin, der sich in der höchsten Liga schon erstaunlich gut zurechtfindet, sowie Senteler. Der hatte zuletzt im Farmteam stürmen müssen und war bei seiner Rückkehr voller Tatendrang.
Versöhnlicher Wochenabschluss
Mit dem 4:1 sorgten die ZSC Lions für einen versöhnlichen Abschluss einer durchzogenen Woche. Am Dienstag waren sie in Wien in der Champions League gescheitert, die Niederlage in Lugano trug auch nicht zur Aufhellung der Stimmung Crawfords bei. Er habe das Gefühl, die Spieler hätten sich auch deshalb so angestrengt, weil sie ihn im Training wieder einmal in guter Laune sehen wollten, sagte er schmunzelnd. Sie stoppten die Serie des HCD bei neun Siegen. Bei den Gästen war Axelsson wegen einer Nackenstarre kurzfristig ausgefallen, die anwesenden Nordländer konnten für einmal nicht überzeugen.
Die Zürcher Retro-Trikots werden online versteigert. Der leicht vergilbte Teint der Leibchen ist gewollt. Das sei wohl die Färbung vom HallenstadionRauch, scherzte ein Beobachter.
© Tages Anzeiger
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Hallenstadion Rauch? 1949 wurde noch auf dem Dolder gespielt....