Die ZSC Lions entdecken das Körperspiel
Weil sie den Kampf angenommen haben, führen die Zürcher in der Serie gegen Lausanne 2:1.
Von Simon Graf
Eine alte Eishockey-Weisheit besagt, dass jenes Team eine Playoff-Serie gewinnt, das mehr Torschüsse und Checks hat. Bei den Schüssen liegen die ZSC Lions erwartungsgemäss klar vorn (98:55), seit Samstag haben sie sich aufgemacht, um auch bei den Checks aufzuholen. Im dritten Spiel traten sie den kräftigen Lausannern endlich auch physisch entgegen, wobei Ronalds Kenins und Chris Baltisberger mit kernigen Checks voranschritten. Man könnte es auch so sagen: Nach zwei Spielen Angewöhnungszeit, aus denen sie mit Glück 1:1 Siege mitnahmen, sind die ZSC Lions im Playoff angekommen, treten nun mit der Entschlossenheit auf, die in dieser Phase unabdingbar ist.
Keller: «Jeder Check strahlt aus»
Je besser man verstehe, was die Unterschiede seien zwischen Eishockey in der Qualifikation und im Playoff, desto effektiver sei man, wenn der Titel ausgespielt werde, glaubt Ryan Keller. Der Kanadier ist bekannt als Spieler, der im Playoff aufblüht. «Jeder Check, den man austeilt, hat nicht nur Wirkung in diesem Spiel. Er strahlt auf die ganze Serie aus», sagt der 30-Jährige. «Man spielt ja immer gegen den gleichen Gegner und versucht, diesen zu zermürben. Irgendwann werden die Beine der Verteidiger schwer, wenn man sie immer mit Forechecking unter Druck setzt.»
Die Frage ist, ob die filigranen ZSC Lions kräftig genug sind für die raue Playoff-Zeit. Immerhin ist Andres Ambühl, der 2012 mit seinem Körperspiel den Takt angab, nicht mehr dabei. «Wir können absolut physisch spielen», ist Keller überzeugt. «Ich möchte jedenfalls nicht von Baltisberger gecheckt werden. Wir haben kreative Spieler und solche, die einfach spielen, die Checks fertigmachen. Es macht ein gutes Team aus, dass es beide Arten von Spielern hat. Man kann nicht nur Checker haben oder nur Skorer. Unser Mix stimmt.» Und zu welcher Kategorie gehört Keller? Er muss schmunzeln: «Ich bin sicher kein Nilsson, Cunti oder Wick. Ich beherrsche nicht die Tricks, die sie machen. Ich kenne meinen Platz. Ich bin ein Checker.»
Nicht die üblichen Verdächtigen
Ein Checker, der wie am Samstag beim 3:1-Sieg auch Tore beisteuert. Beim 2:0 liess er Froideveaux gekonnt aussteigen und bezwang Huet zwischen den Beinen. «Oft sind es nicht die üblichen Verdächtigen, die im Playoff die wichtigen Tore schiessen», weiss Keller. Für Coach Marc Crawford sind die grössten Unterschiede im Playoff das konsequentere Körperspiel sowie der Fakt, dass man in einer Serie stets auf den gleichen Gegner trifft und immer besser versteht, wie dieser spielt. Nicht nur die Schüsse und die Checks seien entscheidend, präzisiert er. «Man will alle Duelle gewinnen. Man will besser sein im Powerplay, im Boxplay, in den Zweikämpfen, am Bully, mehr schiessen, checken, kaltblütiger sein im Penaltyschiessen.»
Am Samstag sei es seinem Team gelungen, die meisten dieser Komponenten zu beherrschen. «Aber letztlich geht es darum, mehr Tore zu schiessen als der Gegner», fügt Crawford süffisant an. Gerade in dieser Kategorie liegen die ZSC Lions mit 6:7 Treffern aber noch zurück. Auch da gilt es also, noch etwas gutzumachen.
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