«Vierter werden – und den Cup gewinnen»
FCZ-Trainer Urs Meier über ein erfolgreiches Trainingscamp in der Türkei mit vier Siegen und die hohen Saisonziele des Stadtclubs.
Mit Urs Meier sprach Peter Bühler
Der FC Zürich profitierte in seinem Trainingslager in Manavgat an der türkischen Riviera von optimalen Bedingungen. Trainer Urs Meier ist zehn Tage vor dem Start in die Rückrunde mit der Verfassung der Mannschaft zufrieden. Sie gewann ihre vier Testspiele und hinterliess dabei durchwegs einen guten Eindruck. Deshalb hofft Meier, dass ihr eine ähnlich starke zweite Saisonhälfte gelingt wie letztes Jahr, als einzig Meister Basel einen Punkt mehr holte. Die Ziele des Trainers mit dem FCZ sind hoch: Rang 4 in der Meisterschaft und der erste Cupsieg seit 2005.
Wie fühlen Sie sich nach zehn Tagen im Trainingslager?
Wieder besser, zum Glück. Auf der Hinreise in die Türkei erkältete ich mich wegen der Klimaanlagen in Flugzeug und Bus heftig. Während einer Woche hatte ich meine Stimme fast ganz verloren. Die Spieler sind wohl froh gewesen, dass sie mich nicht dauernd hören mussten.
Worauf legten Sie den Schwerpunkt in der Trainingsarbeit?
Die Spieler sind sehr viel gelaufen, wir arbeiteten hart im physischen Bereich. Aber auch die taktische Ausbildung kam nicht zu kurz. Und ein gelungener TeamEvent mit Tischtennis, Bowling, virtuellen Formel-1-Rennen und Tischfussball brachte die Spieler näher zusammen. Wir profitierten von idealen Verhältnissen. Meistens schien die Sonne, bei Temperaturen um die 20 Grad. Und unser Hotel war genauso erstklassig wie der Trainingsplatz, den wir zu Fuss erreichen konnten und der uns exklusiv zur Verfügung stand.
Vier Testspiele, vier Siege – auch die Resultate stimmten in diesem Trainingscamp …
… das ist so: beim 2:1 gegen den MSV Duisburg und beim 1:0 gegen die Koreaner aus Gyeongnam spielten wir wirklich gut, gegen die Libyer von al-Ittahad Tripolis wurden wir beim 4:1 nicht gross gefordert. Dinamo Zagreb ist kroatischer Meister und aktuell wieder Leader der Meisterschaft. Der 4:2-Sieg vom Dienstag zum Abschluss des Trainingslagers ist deshalb hoch einzuschätzen.
In den Tests spielten Sie zum Teil mit einer Dreier-, dann wieder mit einer Viererabwehr. Ist ein System mit drei Verteidigern eine Option für die Partien in der Super League?
Ich verlange von den Spielern, dass sie mitdenken, taktische Fortschritte machen und verschiedene Systeme beherrschen. Mit nur drei Verteidigern ist die Ausrichtung ziemlich offensiv. Das kann in der Meisterschaft eine Variante sein, wenn wir deutlich überlegen sind oder einen Rückstand wettmachen müssen.
Wie haben sich die neuen Spieler Kecojevic und Sadiku präsentiert?
Gut. Ich bin sehr zufrieden mit ihnen. Ivan Kecojevic ist ein robuster, kräftiger Verteidiger. Er hatte nach seinem Abgang bei Gaziantepspor keine grosse Pause, ist voll im Rhythmus. Ich sehe in ihm unseren neuen Abwehrchef. Armando Sadiku ist ein Torjäger, das spürt man sofort. Er sucht immer den Abschluss und hat im ersten Spiel gegen Duisburg bereits getroffen. Er muss sich aber nach zwei Jahren in der Challenge League bei Locarno und Lugano an das höhere Tempo gewöhnen.
Und wie steht es um Kukeli, der wegen eines Beinbruchs fast ein Jahr ausfiel.
Er ist auf gutem Weg zurück in die Mannschaft, er hat mir in den Tests gefallen. Aber ich will ihn nicht zu sehr forcieren, er soll in der Super League eigentlich erst spielen, wenn er wieder bei 100 Prozent seines Leistungsvermögens angelangt ist.
Der FCZ hat nach wie vor viele verletzte Spieler: Nef, Chermiti, Maurice Brunner und Mariani wurden operiert, Philippe Koch zog sich im Militär einen Bänderriss am Fuss zu. Wie fit sind sie?
Mariani hat seine Leistenoperation überstanden und in der Türkei bereits wieder gespielt. Chermiti und Brunner fallen noch mehrere Wochen aus, Nef fehlt wohl die ganze Rückrunde. Philippe Koch kurierte seine Verletzung in Zürich aus, er kann wohl schon kommende Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen.
Wie verhielten sich Chikhaoui und Teixeira in diesem Trainingscamp, die den FCZ im Sommer verlassen müssen?
Professionell. Sie wissen, dass sie bei uns in der Rückrunde etwas bieten müssen, wenn sie einen guten neuen Verein finden wollen.
Was erwarten Sie von der Mannschaft in der Rückrunde?
Wir wollen wieder so gut starten wie vor einem Jahr. Da gewannen wir in den ersten 6 Meisterschaftsspielen 16 Punkte. Bis zum Saisonschluss hatten wir uns vom 9. auf den 4. Rang vorgearbeitet. Dorthin wollen wir wieder. Wir sind Siebte, der Rückstand auf GC und den 4. Platz beträgt acht Punkte. Meine Ziele mit dem FCZ sind klar: Vierter werden – und den Cup gewinnen. Wir stehen im Halbfinal, spielen im März zu Hause gegen Thun. Die Chance, endlich wieder einmal einen Cupfinal zu bestreiten, dürfen wir uns einfach nicht entgehen lassen. Und in einem Endspiel ist für uns alles möglich. (TA)