GC souverän zum 3:1
Nicht oft lässt sich ein Derby so leicht gewinnen, wie das GC gegen einen lamentablen FCZ gelang.
Von Thomas Schifferle, Zürich Michael Skibbe stand an der Seitenlinie und klatschte, wie das viele auf den Tribünen auch taten: Der Trainer von GC wechselte Caio wenige Momente vor Schluss aus, um ihm einen Abgang zu sichern, den er verdient hatte. Caio trug mit seinen beiden Toren zum 1:0 und 3:1 wesentlich dazu bei, dass GC in der Rangliste bis auf einen Punkt zu Leader Basel aufschloss.
Es war ein souveräner Sieg für die Grasshoppers, so souverän, dass sie es sich gefahrlos leisten konnten, dem Gegner ein Eigentor durch Vilotic zu schenken. Hätten sie sich ernsthaft in Gefahr bringen wollen, hätten sie sich wohl noch ein zweites Mal den Ball ins eigene Netz legen müssen. Von diesem FCZ hatten sie jedenfalls nichts zu befürchten.
Der FCZ präsentierte sich vor allem in der ersten Halbzeit in erschreckender Verfassung, und das Beste für ihn war noch, dass er nur 1:3 verlor und nicht gleich 1:5 wie zehn Tage zuvor in Aarau. Im Hochgefühl eines 0:0 gegen Basel war er in dieses Derby gegangen, hätte man zumindest meinen können. Aber schon die Leistung am Sonntag war nicht annähernd so gut, wie sie Trainer Urs Meier machen wollte. Die Quittung gab es gestern.
Meiers Mannschaft stand komplett neben sich, war konzept- und orientierungslos, war spielerisch überfordert, und am schlimmsten: Sie war nicht einmal in der Lage, sich körperlich ernsthaft zu engagieren. Vielleicht sollte sie den Antrag stellen, künftig nicht mehr im Letzigrund spielen zu müssen. Gestern spielte sie zum siebten Mal diese Saison hier, die Bilanz: ein Sieg, zwei Remis, vier Niederlagen.
Die individuellen Sinnbilder
Die Abwehr war unsortiert, und wie hilflos ein Philippe Koch war, zeigte sich in der zweiten Halbzeit einmal, als er auf seiner rechten Seite nach vorne rannte und den Angriff beendete, indem er über die eigenen Beine stolperte. Dass Benito, Nef und ganz am Ende auch noch Teixeira verletzt vom Platz mussten, passte zur Verfassung eines einmal mehr führungslosen FCZ. Es ging schief, was schiefgehen konnte.
In der Offensive waren alle sich selbst überlassen, Rikans einzige erwähnenswerte Aktion war ein Fallrückzieher ins Seitenaus, Pedro Henrique agierte wirr, Gavranovic prallte an den GC-Recken Vilotic und Dingsdag ab. Chiumientos Hilflosigkeit zeigte sich in der 83. Minute, als er dummerweise tief in der eigenen Platzhälfte den Ball verlor und nicht verhindern konnte, dass Caio ihm auf dem Weg zum dritten Tor noch den Ball durch die Beine schob.
Die Grasshoppers dagegen lieferten die gewünschte Antwort auf den Rückschlag am Sonntag in Sitten. Sie hatten all das, was ihrem Gegner fehlte: defensive Kompaktheit, zuweilen spielerische Eleganz und offensiv genügend Effizienz.
Schon beim 1:0 nach 19 Minuten. Lang flankte, Koch, der Captain, stand wieder einmal schlecht und liess zu, dass Caio den Ball mit dem Fuss ins Tor spitzeln konnte. Der Weg zum Sieg war für GC bereitet, Vilotic verpasste wegen Da Costas grossartiger Parade das schnelle 2:0. Das folgte gleich nach der Pause, als die FCZAbwehr schlecht aussah und Toko davon entschlossen profitierte.
Abgesehen von zwei Rumplern im Spiel Vilotics, die eine Verwarnung und dann das Eigentor zur Folge hatten, stand die GC-Verteidigung sehr solid. Sie hätten eine deutlich bessere defensive Struktur gehabt, erklärte Trainer Skibbe. Dazu trug zum einen die Rückkehr von Vilotic bei, zum anderen die Leistung von Michael Dingsdag, dem schnörkellosen Debütanten, der den verletzten Grichting wirkungsvoll vertrat.
Ben Khalifas Beispiel
Salatic war ein Chef, wie ihn der FCZ vermisste, Abrashi und Toko scheuten keinen Aufwand und vor allem keinen Zweikampf, Caio machte seinen besten Match für GC, seit er Anfang August, ziemlich untrainiert, aus Brasilien gekommen ist. Und Ben Khalifa spielte so, wie er das öfter tun müsste, mit dem Willen, sich auch im Nahkampf zu behaupten, mit der Bereitschaft, lange Wege zu gehen.
Am Sonntag spielt GC gegen YB und der FCZ in Thun. Eine Prognose ist leicht zu wagen: Treten die Grasshoppers so auf wie gestern, haben sie alle Chancen auf den Sieg. Und kopiert der FCZ seine Leistung, kann er sich den Ausflug ins Berner Oberland sparen. Dann hat er auch da keine Chance.
© Tages Anzeiger
---------------------------
Verheerende FCZ-Bilanz
Das Derby und drei Spieler mit Verletzung verloren
Frust, Ärger und grosse Ratlosigkeit beim Stadtclub nach dem 1:3 gegen GC.
Von Peter Bühler, Zürich Was hätten sie überhaupt sagen sollen, die FCZ-Spieler? Nach dieser deutlichen Niederlage und einem Spiel, in dem sie mehr oder weniger chancenlos gewesen waren. Viele sagten nichts, sie trotteten nach dem 1:3 gegen den Stadtrivalen enttäuscht und mit leerem Gesicht in die Kabine. Torhüter David Da Costa blieb kurz stehen, viel zu erklären hatte er nicht. «Zum Kotzen», fand er die Darbietung des FCZ, «wir waren viel zu passiv und im Kopf nicht bereit für dieses Spiel.» Weitere Bemerkungen ersparte er sich, gefragt nach Gründen für die schwache Leistung seines Teams, zuckte er nur die Schultern. Mehr Zeit als der Goalie nahm sich Philippe Koch. Er ist der Captain der Mannschaft, ihr Vertreter in der Öffentlichkeit. Also sagte er: «Wir wollten alles zu gut machen, vielleicht waren wir übermotiviert und dadurch blockiert.» Auch für Koch war der erneute Rückschlag nach dem ansprechenden 0:0 vom Sonntag gegen Basel schwer nachvollziehbar. Es habe beim FCZ an allem gefehlt, an der Aggressivität in den Zweikämpfen, der Laufbereitschaft und der spielerischen Qualität. Sein Fazit: «So wird das nichts mit einer guten Platzierung in dieser Saison.»
Teixeira und Nef im Spital
Nur auf dem 7. Rang liegen die Zürcher, sie haben drei der letzten vier Spiele verloren – und im Derby zusätzlich drei Spieler durch Verletzung. Loris Benito stand nach der Partie mit zugeschwollenem linken Auge im Kabinengang, er war noch am glimpflichsten davongekommen. Alain Nef zog sich eine Beckenprellung zu und musste sich am späten Abend zur Untersuchung ins Spital begeben. Dort traf er auf Jorge Teixeira, der im Zweikampf mit Ben Khalifa wohl die gravierendsten Verletzungen in Gesicht und Nacken erlitten hatte. Zunächst musste er minutenlang auf dem Platz gepflegt und mit Sauerstoff versorgt werden. Bei der Fahrt ins Krankenhaus war er bei Bewusstsein und ansprechbar. «Ich hoffe, es ist nichts Schlimmes», erklärte Marco Bernet, der Technische Direktor. Mit der Leistung der Mannschaft war er gar nicht zufrieden. «Die erste Halbzeit war ungenügend, die zweite ein wenig besser.» Auch er ist wegen der mangelnden Konstanz des Teams mehr oder weniger ratlos. «Das 0:0 gegen Basel konnten wir nicht bestätigen, jetzt müssen wir die Nerven bewahren und ruhig weiter-arbeiten.»
Ähnlicher Meinung war FCZ-Trainer Urs Meier, der die Niederlage nicht beschönigen wollte. Das 1:3 gehe in Ordnung, die Grasshoppers seien der richtige und verdiente Sieger. Diese Worte des gegnerischen Trainers konnte GCCaptain Veroljub Salatic nur bestätigen. «Wir waren in jeder Beziehung stärker als der FCZ. Eigentlich sollte das Schlussresultat nicht 3:1, sondern 4:0 für GC lauten.» Sagte es – und marschierte mit einem breiten Grinsen in die Kabine.
© Tages Anzeiger