Die ZSC Lions auf Brautschau
Von Simon Graf, Freiburg
Nach dem 1:2 in Freiburg steht fest, dass die Zürcher im Viertelfinal auf Davos oder Gottéron treffen. Das Duell gegen die Bündner ist wahrscheinlicher.
Die Gottéron-Spieler wurden nach ihrem Mini-Sieg über die ZSC Lions noch minutenlang gefeiert. Wohl nicht, weil sie in dieser emotionsarmen Partie eine grosse Leistung gezeigt hatten. Sondern eher als Dank für eine gelungene Regular Season, die Hoffnungen auf ein langes Playoff weckt. Erstmals seit der Ära Bykow/ Chomutow darf man an der Saane wieder vom Titel träumen. Hans Kossmann hat es geschafft, die offensiv hochtalentierte Mannschaft in die Geheimnisse der Abwehrarbeit einzuweihen. Das Kader der Verteidigung liest sich nicht gerade beeindruckend, doch wenn nicht nur zwei, sondern fünf Feldspieler nach hinten arbeiten, sorgt das für Stabilität.
Kossmann erklärte die Spiele in Lugano und gegen die ZSC Lions zum Playoff-Test und verlangte vor allem eines: eine starke Defensive. Gottéron gewann in Lugano 3:0 und liess nun auch gegen die Zürcher nur ein Tor zu. «Ein Gegentor in zwei Spielen, das kann sich sehen lassen», konstatierte Sprunger zufrieden. Und er fügte an, dass es gut für den Kopf sei, dass man nacheinander die beiden Teams geschlagen habe, die noch als Gegner im Viertelfinal in Frage kommen. Wenn Gottéron Heimvorteil hat, wird es ohnehin schwer zu schlagen sein. Die BCF-Arena war im 25. Saisonspiel zum 17. Mal ausverkauft, und die 6800 inspirieren ihr Team zu Grosstaten.
Das gestrige 2:1 war verdient, weil Fribourg zwei Drittel lang besser war. Erst nach dem 2:0 von Plüss, der in der 43. Minute von einem Fehler Gobbis profitiert, Geering überlaufen und Sulander zwischen den Beinen erwischt hatte, trauten sich die Zürcher etwas mehr zu. Tambellini verkürzte kurz danach, doch dabei sollte es bleiben. Dass drei Powerplays ohne Ertrag blieben, war nicht weiter überraschend. Coach Bob Hartley sprach insgesamt von einem «sehr guten Effort», was sich nur damit erklären lässt, dass die Zürcher, die auf sieben Spieler verzichten mussten, arg dezimiert waren und ihnen ihr Coach in diesem Zustand wohl nicht sehr viel zutraute.
Eine gute Partie zeigte Sulander, der das Team anfangs im Spiel hielt und den Kampfgeist seiner Kollegen lobte. Für den Altmeister geht es darum, sich einen Start fürs Playoff zu verdienen. Dazu bräuchte er heute gegen Servette aber wohl eine Parforce-Leistung. Flüeler wird noch geschont, dürfte aber fürs Playoff wieder fit sein. Die ZSC Lions treffen dort auf Davos oder Fribourg. Der wahrscheinlichere Gegner sind die Bündner, die Zürcher haben gegen beide alle Duelle verloren, sind also ohnehin krasser Aussenseiter. Auf die Frage, wen er lieber hätte, sagte Hartley: «Ich äussere mich erst zum Gegner, wenn er feststeht. Man geht ja schliesslich auch erst in die Kirche, wenn man seine Braut gefunden hat.» So harmonisch wie in einer Ehe dürfte es im Viertelfinal nicht zugehen. Dafür dauert er auch nicht so lange.
Fribourg – ZSC Lions 2:1 (0:0, 1:0, 1:1) BCF Arena. – 6800 Zuschauer (ausverkauft). – SR: Popovic/Kämpfer, Bürgi/Marti. – Tore: 24. Hasani (Gamache) 1:0. 43. (42:01) Plüss 2:0. 44. (43:27) Tambellini (Ambühl) 2:1. – Strafen: 3-mal 2 Minuten gegen Fribourg, 5-mal 2 Minuten gegen die ZSC Lions.
Fribourg: Huet;Heins,Birbaum;Loeffel,Ngoy;Gerber, Collenberg; Gamache, Dubé, Hasani; Sprunger, Bykow, Plüss; Knoepfli, Jeannin, Afanasenkow; Cadieux, Botter,Vauclair.
ZSC Lions: Sulander; Murphy, Seger; Gobbi, Geering; Stoffel, Schnyder; Bastl, Pittis, Monnet; Kolnik, Schäppi, Tambellini; Bühler, Ambühl, Bärtschi; Baltisberger,Ziegler, Ulmann.
Bemerkungen: Fribourg ohne Rosa, Barinka und Abplanalp (verletzt),ZSC ohne Cunti (krank), Blindenbacher, McCarthy, Flüeler, Schommer, Kenins, Camperchioli (verletzt) und Down (überzählig). – Aberkannte Tore: 43. Bastl, 52. Sprunger (beide hoher Stock). 58:48 Timeout ZSC, ab 59:05 ohne Torhüter.
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