Doch eine Duplex-Arena
Ab 2017 sollen die ZSC Lions und Volero Zürich in Altstetten spielen. Der Sportkomplex kostet 193 Millionen Franken. Die Politiker sind skeptisch.
Von Simon Graf und Werner Schüepp
Zürich – Die Idee einer Duplex-Arena für Fussball und Eishockey fand politisch keine Unterstützung, als sie im Dezember 2007 von zwei Zürcher Architekten lanciert wurde. Nun soll Zürich trotzdem zu einer Duplex-Arena kommen: Sie soll Eishockey und Volleyball kombinieren. «Wir schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe», verkündete Stadtrat Gerold Lauber (CVP) gestern im Musikzimmer des Stadthauses feierlich. «Zum einen unterstützen wir die private Initiative für den Bau eines Eishockeystadions, zum anderen decken wir den Bedarf eines weiteren Kleinstadions neben der Saalsporthalle ab.» Damit setze man die im September 2009 formulierte Sportstättenstrategie um.
Auf dem Grundstück Untere Islern in Zürich-Altstetten, das Anfang 2010 als idealer Standort für ein Eishockeystadion vorgestellt wurde, soll also die neue Heimat für die ZSC Lions und die ambitionierten Volleyballerinnen von Volero Zürich entstehen. Geplant ist ein Sportkomplex mit einer Eishockeyarena für 12 000 Zuschauer, einer Volleyballhalle für 3000 Personen und einem Trainingseisfeld (700 Plätze). Zudem sind ein Businessclub mit gehobener Gastronomie für 500, ein Stadion-Restaurant für 140 und eine Sportsbar für 120 Personen geplant, eine Tiefgarage mit 350 Parkplätzen sowie Büros für beide Clubs. Das ist ambitioniert: 193 Millionen Franken beträgt das Budget für den ganzen Bau inklusive einer Passarelle für den Zugang.
«Bei dieser Zahl ist zu betonen, dass sie alles umfasst, nicht nur das Eishockeystadion», sagt Peter Zahner, CEO der ZSC Lions. «Und wir haben mit 9 Millionen Franken Reserve gerechnet.» Man wolle ein modernes Stadion bauen, «aber wir brauchen keinen Palast».
Und wie wird das Projekt finanziert? 44 Millionen Franken beträgt das Eigenkapital der Clubs – 35 Millionen investieren die ZSC Lions, 9 Millionen Volero. Während sich Stav Jacobi, der starke Mann hinter den Volleyballerinnen, nun auf die Suche nach Investoren begibt, spricht Zahner vom ZSC davon, schon fixe Zusicherungen zu haben. Die restlichen 149 Millionen Franken werden von der Stadt mittels eines Darlehens zu Selbstkosten gestellt.
Darlehen mit 1,75 Prozent Zins
«Wir spielen die Bank», sagt Martin Vollenwyder, der Vorsteher des Finanzdepartements. «Und profitieren da von unserem Triple-A-Status.» Vollenwyder konnte für ein 20-jähriges Darlehen einen Zinssatz von 1,75 Prozent aushandeln. Für Zins und Amortisierung muss die Betriebs AG des Stadions aufkommen.
Momentan rechnet man beim Betrieb noch mit einem strukturellen Defizit von 4 bis 4,4 Millionen Franken jährlich, wovon die Stadt jeweils maximal 2,5 Millionen übernehmen würde. «Aber natürlich wollen wir das Defizit auf null reduzieren», sagt Zahner. Noch genauer abzuklären gilt es, ob ein Abwasserkanal, der unter dem Grundstück durchführt, verlegt werden muss. Dafür hätte die Stadt aufzukommen, bei geschätzten Kosten von rund 10 Millionen Franken
Zeitlich ist das Projekt auf Kurs: Am 17. Februar wird der Architekturwettbewerb lanciert, im Januar 2013 soll das Siegerprojekt vorgestellt werden, Ende 2015 der Spatenstich erfolgen. Und ab September 2017 sollen hier Eishockey und Volleyball gespielt werden.
Lange Zeit war der Widerstand der 120 Familiengärtner auf dem Areal eine Hürde. Der Stadtrat stellt nun den vertriebenen Pächtern den Ersatzstandort Dunkelhölzli in Altstetten zur Verfügung. Markus Peer, Präsident des betroffenen Familiengartenvereins Altstetten/ Albisrieden, ist dankbar für die Lösung: «Zwar sind nicht alle unsere Mitglieder damit zufrieden, aber besser ein Ersatzstandort als gar keiner.»
«Wo gibt es denn so etwas?»
Bei Politikern sorgt das Finanzierungsmodell für Diskussionen. «Wir werden die Finanzierung noch genauer anschauen», sagt etwa Christian Traber (CVP). Das hat laut Min Li Marti auch die SP vor. «Da kommt ein gewaltiger Geldbetrag auf die Stadt zu.» Ähnlicher Ansicht ist der Grüne Markus Knauss. Die Meinung zum Stadion ist in seiner Partei geteilt. Viele fänden, man habe für die ZSC Lions das Hallenstadion umgebaut. «Man könnte doch dem Club bessere Nutzungsbedingungen geben, statt ein neues Stadion zu bauen.»
Für Gian von Planta (GLP) ist es unverständlich, dass die Stadt Zürich bei diesem Projekt als «Bank» auftritt: «Sie finanziert drei Viertel der Investitionskosten und hat nichts zu sagen. Wo gibt es denn so etwas?» FDP-Präsident Michael Baumer setzt bei der Höhe des Darlehens ein Fragezeichen: «149 Millionen Franken sind eine Menge Geld.» Mauro Tuena (SVP) dagegen findet die Finanzierung lobenswert: «Da sind zwei Sportclubs, die nicht einfach nur die hohle Hand machen, sondern einen grossen Teil der Summe selber investieren.»
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Kommentar Von Simon Graf
Ein Bekenntnis zum Sport
Zwei Clubs in einem – das Stadionprojekt in Altstetten ergibt Sinn. So wie es eine gute Idee gewesen war, Fussball und Eishockey zu kombinieren. Doch da spielten zu viele Interessen mit, die nicht in Übereinstimmung gebracht werden konnten. Entstanden ist nun für Eishockey und Volleyball ein Grossprojekt für 193 Millionen Franken. Das ist eine stolze Summe, und es ist zu hoffen, dass tatsächlich konservativ budgetiert wurde und nicht nachgebessert werden muss. Wegen der tiefen Zinsen ist der Zeitpunkt gut für das ambitionierte Bauvorhaben. Es kostet die Stadt nichts, bei der Finanzierung die Bank zu spielen. Neu ist, dass sie der Betriebs AG jährlich maximal 2,5 Millionen Franken zu einem möglichen Defizit beisteuern würde. Der Beitrag ist als Bekenntnis zum Sport zu verstehen – und als «Entschädigung» dafür, dass sich die Stadionbetreiber bei ihren Aktivitäten auf den Sport beschränken müssen. Sie dürfen keine Konzerte veranstalten und werden so das Hallenstadion nicht konkurrenzieren. So wurde eine Lösung gefunden, die für alle einen gangbaren Kompromiss darstellt.
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