Fussball und Oper GC und FCZ müssen Miete zahlen fürs Stadion. Im Gegensatz zum Opernhaus, das gratis logiert. Das ist unfair.
Von Daniel Schneebeli
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Die Grasshoppers überlegen sich, ihre Spiele nicht mehr in Zürich auszutragen, weil sie die Stadionmiete und die Sicherheitskosten von jährlich fast drei Millionen Franken nicht mehr zahlen können. Und auch der FC Zürich stöhnt unter der gleichen finanziellen Last. Viel Verständnis hat GC bisher in der Zürcher Politik nicht geerntet. Der Club sei auch selber schuld an seinen Geldsorgen, liess die städtische Co-Präsidentin der SP im TA verlauten.
Da mag sie recht haben. Doch ihre Aussage ist vor allem geprägt von einer unverdienten Geringschätzung gegenüber dem Fussball, die in Zürich Tradition hat. Soll der älteste Zürcher Fussballclub, der 27-fache Schweizer Meister, tatsächlich in Aarau oder Luzern antreten müssen?
Nein, das darf nicht passieren. Die Grasshoppers spielen nämlich nicht nur Spitzenfussball. Sie bieten – wie der FCZ auch – Hunderten von Mädchen und vor allem Knaben eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung. Viele von ihnen kommen aus dem Ausland und haben schlechte Startchancen.
Dank des Fussballs sind sie wer – auch in der Schule. Die Grasshoppers, der FCZ und die anderen über 150 Fussballvereine im Kanton leisten mit diesen potenziell schwierigen Jugendlichen eine wichtige Arbeit. Ihre vielen Trainerinnen und Trainer machen die Jungen nicht nur zu guten Sportlern, sondern meist auch zu gewissenhaften Arbeitskräften und zuversichtlichen Menschen. Bei den Berufsberatern sind die jungen Fussballer beliebt. «Wenn ein Jugendlicher im Fussballclub spielt, haben wir selten Probleme mit ihm», sagt der Leiter eines Motivationsprogramms. Für diese Jugendarbeit der Fussballclubs, die garantiert Sozialkosten in Millionenhöhe spart, verlangt die Stadt Platzmiete. Das ist unfair.
Bei der Kultur grosszügiger
Das Zürcher Opernhaus zum Beispiel bezahlt keine Miete. Im Gegenteil, es erhält vom Kanton jährlich 75 Millionen Franken Subventionen. Doch das reicht nicht. Letzte Woche verlangte Opernhausdirektor Alexander Pereira angesichts eines 5-Millionen-Defizits noch mehr Geld. Ein hochklassiges Programm habe eben seinen Preis.
Auch Stadtregierung und -parlament sind grosszügig, wenn es um die Kultur geht. Vor zwei Jahren haben sie das Kulturbudget um 24 auf 93 Millionen aufgestockt. Allein mit dem zusätzlichen Geld könnte man die heutigen Grasshoppers locker finanzieren und ihnen noch einen Starstürmer kaufen.
Natürlich sind Opernhaus, Schauspielhaus, Cabaret Voltaire, ja das Kulturangebot überhaupt, wichtig für Zürich. Aber die Fussballclubs sind es auch. Als der FCZ 2009 gegen Real Madrid spielte, waren die 25 000 Tickets in 15 Minuten weg. Wer müsste im Opernhaus auftreten, um einen ähnlichen Verkaufserfolg zu erzielen? Wahrscheinlich ein Fussballer.
Es ist Zeit für ein Umdenken in der Politik. Ein guter Fussballclub ist ein ebenso gutes Aushängeschild für eine Stadt wie ein Opernhaus. Wer würde zum Beispiel von Manchester sprechen ohne die United? Und auch Mailand ist nicht nur wegen der Scala weltbekannt.
Erste Schritte hat die Stadt getan. Der FCZ soll Land für einen Campus erhalten. Und auch bei den Sicherheitskosten ist Zürich zum Entgegenkommen bereit. Doch dies kann nur der Anfang sein. Jetzt muss der Wiederaufbau des Hardturms folgen. Und als Geste der Wertschätzung verdienen die Fussballclubs auch das gebührenfreie Spielen im Letzigrund.