Zitat von LarryAlles anzeigenEin Hattrick als erster Schritt
Domenico Pittis führte den ZSC zum Sieg in Lugano – und findet kritische Worte.
Von Simon Graf
Wenn Domenico Pittis ein Tor schiesst, gewinnen die ZSC Lions. Das war in dieser Saison immer so. Doch der Kanadier, der eher der Spielmacher als der Goalgetter ist, erlebte am Samstag in Lugano erst die vierte Partie, in der er traf – dafür gleich dreimal. Allzu euphorisch mochte er nach seinem fünften NLA-Hattrick aber nicht werden. So beantwortete er die Frage, ob das 6:3 eine Erleichterung gewesen sei, abschlägig: «Erleichterung ist das falsche Wort. Es war ein erster Schritt. Aber unser Job ist noch lange nicht erledigt. Uns steht eine kapitale Woche bevor.» Mit Spielen in Langnau (morgen), zu Hause gegen Ambri (Freitag) und am Obersee (Samstag).
Pittis findet klare Worte, wenn es darum geht, die ZSC-Saison zu taxieren: «Wir sind bisher weit unter unseren Möglichkeiten geblieben. Jeder, der etwas anderes sagt, hat zu tiefe Erwartungen. Wir müssen besser werden.» Er schliesst sich bei der Kritik ein, sagt aber auch: «Ich messe mich nicht nur an der Offensivproduktion. Ich versuche, auf dem ganzen Eis zu helfen.» Zumal ihn Bob Hartley einsetzt, um die Linien auszubalancieren. So war er lange «Entwicklungshelfer» zwischen den formschwachen Bärtschi und Monnet, am Samstag nun spielte er mit Bastl und Kenins. Über Kenins sagt Pittis: «Er ist ein guter Skater und kräftig, hat keine Angst, den Körper einzusetzen, und ist bereit zu lernen.»
Der Lette mit Schweizer Lizenz ist die Entdeckung der Saison, am anderen Ende der Skala steht Monnet, der die Fahrt nach Lugano gar nicht mitmachen durfte. «Wenn man nicht gewinnt, gibt es Veränderungen. So ist das Business», kommentiert das Pittis nüchtern. Er ist sich den Konkurrenzkampf aus seiner Heimat gewöhnt. Hartley stellte klar, dass die Massnahme nicht als Bestrafung Monnets zu verstehen sei: «Ich bin nicht böse auf ihn. Er hat nichts falsch gemacht. Aber er ist ein Goalgetter. Und als Goalgetter muss man Tore schiessen. Wenn das nicht klappt, wächst die Frustration immer mehr. Deshalb braucht Monnet einen Neustart.»
Hartley und der Fall Monnet
Der Romand ist heute im Training wieder dabei. Ob er diese Woche spielen darf, ist fraglich. Ins Farmteam muss er aber nicht. Dazu Hartley: «Das ist für uns keine Option. Monnet ist kein Baby mehr, er ist 29 Jahre alt.» Der Coach erklärt, dass er den Flügel nicht benutzt habe, um dem Team eine Botschaft zu vermitteln. Er sagt aber auch: «Die Jungs in unserem Team sind smart genug, um zu wissen: Wenn Monnet nicht spielt, könnte es auch uns treffen.» Captain Mathias Seger bestätigt diese Sichtweise.
Verschärft ist der Konkurrenzkampf auch bei den Ausländern – von sechs können nur vier spielen. Am Samstag war McCarthy überzählig, Nylander galt als verletzt. Für ihn sei diese Situation nichts Neues, sagt Pittis. «Ich konzentriere mich auf meine Leistungen. Die kann ich kontrollieren.» Er und Tambellini dürften nach ihren Auftritten vom Samstag vorderhand gesetzt sein.
Pittis als eigener Verkäufer
Für Pittis geht es auch darum, sich für einen neuen Vertrag aufzudrängen. «Ich fühle mich körperlich ausgezeichnet, besser als vor fünf Jahren», sagt der 37-jährige Fitnessfreak, der auch am freien Sonntag stets im Kraftraum ist. Er ist sein eigener Agent und sagt dazu schmunzelnd: «Ich kenne das Produkt, das ich verkaufen will, ziemlich gut.» Seine Frau und seine drei Töchter, die Deutsch lernen sollen, würden gerne in der Schweiz bleiben. Mit den ZSC Lions gab es aber bislang erst lose Gespräche. «Der Hauptfokus gilt dieser Saison», sagt Pittis. «Das verstehe ich.»
Besorgt über seine Zukunft sei er nicht, wie er selbstbewusst sagt: «Ich werde so oder so weiterspielen. Ob in Zürich oder anderswo.»
ICH würde NICHT verlängern...