Dringend gesucht: ZSC-Tore
Die Zürcher suchen nach einem Rezept gegen ihre Schwierigkeiten vor dem Tor. Die Verpflichtung eines neuen Ausländers steht noch nicht zur Diskussion.
Die Bilanz der ZSC Lions nach den Spielen dieses Wochenende gegen Kloten und Fribourg liest sich zwiespältig. Mit drei gewonnenen Punkten ist der da und dort befürchtete Totalschaden ausgeblieben. Die Spieler zerreissen sich für Trainer Colin Muller. Und haben mit einer Kombination aus harter Arbeit und solidem Spiel aus der Defensive heraus zwei Teams in Schach gehalten, die ungleich besser in die Saison gestartet sind als sie selbst.
Sorgen muss den Zürchern der Blick auf die Statistik bereiten. Vier erzielte Tore in den letzten vier Spielen sind nicht gerade eine offensive Offenbarung. Von den Leadern erfüllt einzig Patrik Bärtschi die Erwartungen. Es war kein Zufall, dass er in Freiburg den 1:1-Ausgleich erzielte. Andere wie Andres Ambühl, Thibaut Monnet oder Adrian Wichser bleiben derzeit vieles schuldig. Dasselbe gilt für die Ausländer.
Exemplarisch für die Torprobleme der Lions steht Neuzuzug Ambühl. Er hat in zehn Spielen noch nicht getroffen und sagt: «In der Vorbereitung konnte ich machen, was ich wollte, jeder Puck fand einen Weg ins Tor. Jetzt gelingt nichts mehr.» Um aus diesem Strudel herauszufinden, müsse jeder schon im Training ansetzen. «Es darf keine überflüssigen Pässe mehr geben. Jeder Puck muss die Chance haben, ins Tor zu gehen.» Ein Patentrezept für mehr Tore kennt Ambühl aber nicht. «Vielleicht hilft ein erzwungenes, reingewürgtes Tor.»
«Besessenheit» in der Defensive
Ählich analysiert Monnet die Lage. «Wir brauchen ein dreckiges Tor. Dann geht es aufwärts.» Der Romand erinnert aber daran, dass es nur die Tore sind, die derzeit fehlen. «Die Arbeit in der Defensive ist gut – auch wegen uns Stürmern.» Gleichzeitig ist ihm bewusst, «dass es schwierig ist, mit nur einem Tor pro Spiel viele Punkte zu gewinnen.» Trainer Colin Muller streicht nach dem Wochenende das Positive heraus. «Ich kann meiner Mannschaft keinen Vorwurf machen. Wir geben uns mit der Arbeit in der Defensive in jedem Spiel die Chance auf den Sieg.» Seine Ratlosigkeit der letzten Wochen ist mittlerweile gewichen. Er spricht nach dem Videostudium der Partie gegen Fribourg gar von einer «ungeheuren Besessenheit», mit der seine Spieler die Pucks vom eigenen Tor fernhalten – im Wissen, dass in der Offensive vieles im Argen liegt und es keine Gegentore verträgt.
Als typisch für die Harmlosigkeit der Zürcher sieht Muller das Penaltyschiessen gegen Fribourg, in dem nacheinander Down, Bärtschi, Ambühl, Pittis und Monnet versagten. «Sie fahren ideenlos aufs Tor und haben den Mut nicht, um etwas zu probieren», sagt Muller. Die Lösung für seine Stürmer hat aber auch er nicht parat. «Ich war lange Zeit Spieler, und ich habe nie einen Trainer erlebt, der seinen Stürmern einfach so erklären konnte, wie man Tore schiesst.»
Mullers Neid auf Servette
Auch wenn sich die Stadtzürcher mit dem Skoren schwer tun, Muller sieht im Moment keinen Handlungsbedarf auf den Ausländerpositionen. Ebenso wenig Sportchef Salis. Der Trainer sagt aber im selben Atemzug: «Uns fehlen die Tore der Ausländer.» Und er schwärmt vom Freiburger Pavel Rosa, bei dem man in jedem Einsatz das Gefühl habe, er könne etwas Entscheidendes kreieren. «Uns fehlt ein solcher Leader», sagt der Schweiz-Kanadier und fügt an: «Falls es noch lange so weiter geht, muss man irgendwann realisieren, dass man Hilfe braucht.» Er verweist auf Servette, das Richard Park und Dan Fritsche holte. Und er spricht von Ambri, das Eric Landry verpflichtete: «Das sind Spieler, die jeder Coach gerne hätte.»
Quelle: Tagesanzeiger.ch