«Der Dorfverein will die Städter ärgern»
Eric Blum (27, Kloten) und Severin Blindenbacher (31, ZSC) stammen ursprünglich vom Finalgegner und haben die Seiten gewechselt. Ihre Gefühle und Erwartungen vor der Zürcher Finalissima.
Warum stehen sich ausgerechnet die beiden Zürcher NLA-Clubs im Playoff-Final gegenüber?
Eric Blum: Das ist eine gute Frage. Eigentlich hätte das gar nicht so herauskommen müssen. Zumindest sah es zu Beginn der Playoffs gar nicht so aus. Ich kann nur aus unserer Sicht sagen, dass wir gegen Davos und Fribourg zwei harte Serien bestreiten mussten. Wir steigerten uns kontinuierlich, fanden später auch zum optimalen Spiel. Es spielen viele Faktoren eine Rolle, wenn man es bis in den Final schafft. Auch das notwendige Glück darf nicht fehlen. Dazu beklagten wir wenig verletzte Spieler.
Severin Blindenbacher: Weil beide Zürcher Teams ihren Halbfinal gewonnen haben. Fribourg lag Kloten gut, und Genf wäre uns eigentlich auch gut gelegen. Wir nahmen einfach unsere Chancen auswärts nicht wahr. Deshalb mussten wir über sieben Spiele gehen.
Was bedeutet ein Zürcher Final für Sie?
Blum: Jeder Final ist etwas Spezielles in einer Spielerkarriere. Dass sich jetzt zwei Zürcher Teams im Playoff-Final gegenüberstehen, ist für mich von ausserordentlicher Bedeutung. Das ist natürlich wunderbar für die Region Zürich. Das hat schon etwas, Pardon, Geiles an sich. Das Eishockey wird hier mehr als nur im Zentrum stehen. Das soll auch so sein. Es wird eine attraktive Serie geben.
Blindenbacher: Das heisst, dass im Raum Zürich gutes Eishockey gespielt wird. Mir persönlich bedeutet es aber nicht so viel. Ich bin froh, sind wir im Final, und wer der Gegner ist, ist für mich ehrlich gesagt sekundär. Ich mache mir Gedanken darüber, wie wir spielen müssen, um den Gegner zu schlagen, der uns gegenübersteht. Ob es Genf oder Kloten ist, spielt für mich keine Rolle.
Welche Beziehung haben Sie noch zu Ihrem ehemaligen Club?
Blum: Ich bin den ZSC Lions dankbar für meine Zeit als Nachwuchsspieler. Aber Junioreneishockey und Profisport sind zwei Paar Schuhe. Jetzt ist der ZSC mein Gegner im Playoff-Final, und für mich und meine Teamkollegen gibt es nichts anderes, als die Serie zu gewinnen. Ich habe noch Kollegen aus meiner Nachwuchszeit beim ZSC, die unterstützen die Lions. Sie haben mir allerdings gesagt, dass sie sich in einem Zwiespalt befinden würden wegen mir. Aber diese Kollegen sind eigentlich noch der einzige Kontakt, den mich mit meinem ehemaligen Club verbindet.
Blindenbacher: Keine mehr. Aber natürlich hatte ich extrem intensive Jugendjahre in Kloten mit Wladimir Jursinow und zuvor mit den tschechischen Ausbildnern. Damals wurde bis zu sechs Stunden am Tag gearbeitet. Jener harten Zeit verdanke ich, dass ich nun der Spieler bin, der ich bin. Etwa 15 Spieler von damals machten eine Nationalliga-A-Karriere. Wir arbeiteten härter als die Jungen in anderen Teams. Das hat sich ausgezahlt.
Wieso haben Sie eigentlich den Verein gewechselt?
Blum: Ich spielte damals drei Jahre lang bei den GCK Lions in der NLB. Nach der U-20-WM fühlte ich mich bereit für die höchste Spielklasse. Beim ZSC war aber kein Fenster offen für mich, also zog ich es vor, meine Chance in der Fremde zu suchen und wechselte nach Langnau. (Anm. der. Red.: Im Sommer 2006 wechselte Blum zu den SCL Tigers, von dort im Sommer 2010 zu den Kloten Flyers). Das war eine kluge und richtige Entscheidung für mich. Bei den Emmentalern erhielt ich viel Spielpraxis und konnte mich weiterentwickeln.
Blindenbacher: Irgendwann muss man sich die Frage stellen, ob man das Leben lang am gleichen Ort bleibt oder mal weggeht. Dadurch, dass Mark Streit den ZSC verliess (2005), kristallisierte sich diese Möglichkeit heraus. Zudem ist es auch gut für die Persönlichkeitsentwicklung, wenn man das gemachte Nest einmal verlässt. Ich profitierte nicht nur hockeyspezifisch, sondern auch menschlich. Für mich war es der richtige Entscheid. Ich spielte danach ja noch in Schweden und Amerika. Es war immer mein Ziel gewesen, verschiedene Orte zu entdecken durchs Eishockey.
Was sind die Unterschiede zwischen den ZSC Lions und den Kloten Flyers?
Blum: Da kommen natürlich die Clichés zum Zug. Der ZSC ist ein grosser Stadtclub, Kloten der Dorfverein mit familiärem Image. Mal abgesehen von den Unterschieden: Der ZSC hat eine ganze Reihe ehemaliger Klotener in seinem Kader, Kloten ehemalige Spieler der ZSC Lions. Es hat schon Veränderungen und Verschiebungen zu früher gegeben. Was bleibt: Der Dorfverein will den grossen Club aus der Stadt ärgern (schmunzelt).
Blindenbacher: Die Hockeykultur ist anders. Wir arbeiten hier mit Kanadiern, die in der Vorbereitung auf jedes Detail achten. Wie heute in Kloten gearbeitet wird, kann ich nicht beurteilen. Aber ich denke, die Flyers sind immer noch eher schwedisch geprägt. Dass zwei Kulturen aufeinandertreffen, macht dieses Duell noch spannender. Sonst sehe ich durchaus Parallelen. Kloten hat ja inzwischen auch einen Mäzen, ist auch ein Grossverein. Die Flyers verkaufen sich zwar immer noch als Dorfclub. Doch sie arbeiten nicht mit dem Budget eines Dorfclubs. Ambri-Piotta ist für mich ein Dorfclub, nicht die Kloten Flyers. Schon seit Jahren nicht mehr.
Spielt der Heimvorteil in dieser Serie eine Rolle?
Blum: Das ist möglich. Der Lärmpegel der Fans wird so hoch sein, dass dieser durchaus Einfluss aufs Spiel nehmen könnte. Grundsätzlich wird das Finalderby von vielen Emotionen und einem grossen Adrenalinschub begleitet sein, auch von den Anhängern – so gross, wie die hohen Berge aus dem Himalayagebiet. Auf jeden Fall wird die Ambiance uns Spieler motivieren.
Blindenbacher: Ich glaube schon. Für mich war es als Kloten-Spieler immer am schlimmsten, im ausverkauften Hallenstadion zu spielen.
Sind Sie nervös oder angespannt vor dieser Finalserie? Oder spüren Sie auch eine gewisse Lebensfreude?
Blum: Ich spüre vor allem eine grosse Lebensfreude. Du stehst am Morgen auf, die Sonne scheint. Du stehst im Playoff-Final –- und erst noch gegen den ZSC. Die Stimmung in den Stadien wird toll sein. Es gibt für uns nichts Schöneres im nationalen Eishockey als dieses Playoff-Final-Derby. Es ist einfach eine fantastische Zeit.
Blindenbacher: Ich freue mich extrem auf diese Serie. Wir haben eine gute Mannschaft und einen sehr guten Lauf. Ich bin zuversichtlich, dass wir Kloten schlagen, wenn wir das tun, was uns der Trainer sagt.
Wieso gewinnt Kloten diese Finalserie?
Blum: Ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten. Sie ist auch zu komplex. In jedem Duell werden kleinere Dinge oder Details das Spiel entscheiden. Viele Faktoren werden eine Rolle spielen. Aber das Schöne am Eishockey ist, dass es auch so unberechenbar ist.
Blindenbacher: Ich will mich da nicht zu weit aus dem Fenster lehnen. Wir müssen einfach das tun, was wir können, dann kommt es gut. Wir werden sicher kompakt auftreten, aggressiv. Wenn wir so spielen wie in den siebten Spielen gegen Lausanne oder Servette, gewinnen wir.