Der Finne im Interview
Törmänen spricht über seinen Gesundheitszustand und hat keinen Zutritt zur EHCB-Garderobe
Um Antti Törmänen ist es zuletzt ruhig geworden, hat der letztjährige Biel-Coach nach seiner zweiten Krebserkrankung schwere Monate hinter sich. In einem Interview mit dem Blick hat der Finne nun offen Einblicke gegeben, wie es ihm geht.
Die Frage nach seinem Gesundheitszustand wurde natürlich zuerst gestellt. "Ganz gut. Seit einigen Wochen ist die Chemotherapie vorbei, und deshalb fühle ich mich wieder stärker und besser. Aber es ist noch immer ein Weg zu gehen, ich bin noch nicht vollständig genesen." Unterzieht er sich derzeit einer Immuntherapie?
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"Das ist richtig. Meine letzten MRI- und PET-Scan-Tests waren alle gut, der Tumor in der Gallenblase war nicht mehr zu sehen. Aber beim Bluttest hat man gesehen, dass noch einige mikroskopisch kleine Tumorzellen im Magen vorhanden sind. Deshalb sind wir jetzt an der Immuntherapie und versuchen, diese letzten Zellen auf diese Weise zu töten. Wenn dies nicht gelingen sollte, dann müssen wir die Chemotherapie wieder starten. Daher bin ich momentan nicht auf der sicheren Seite, aber es geht in die richtige Richtung."
Antti Törmänen, Blick, 30.11.23
Gibt es eine Perspektive, wann er wieder vollständig genesen sein wird? "Das lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht abschätzen. Und es gibt noch zu viele verschiedene Szenarien, je nachdem wie sich meine Werte entwickeln. Ich bemühe mich, nicht zu oft daran zu denken und es einfach auf mich zukommen zu lassen." Wie war für ihn die zweite Chemotherapie im Vergleich zur ersten?
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"Viel härter. Vielleicht war die erste Chemotherapie in etwa wie eine erste Playoff-Runde und die zweite Chemotherapie wie eine zweite Playoff-Runde. Wobei die erste Playoff-Runde im Eishockey ab und zu härter ist, aber bei mir war es definitiv die zweite Runde. Das Gute war, dass ich wusste, was mich erwartet. Zugleich war das aber auch schlecht. Nach den ersten Behandlungen habe ich gedacht: «Oh mein Gott, ich muss noch 14 mehr davon machen.» In dieser Periode gab es dann schon viele Tiefs."
Antti Törmänen, Blick, 30.11.23
Wie muss man sich das genau vorstellen, wenn es einem nach der Chemo so richtig schlecht ging? "Ich hatte teilweise einfach keine Energie mehr. Es fühlte sich an, wie wenn von meinem gesamten Energielevel vielleicht noch fünf Prozent übrig sind. Oder etwa so, wie wenn die Batterie im roten Bereich ist und das Ladegerät nicht funktioniert." Seine Chemotherapie begann mitten in den Playoffs der letzten Saison. Wie hat er es geschafft, bis zuletzt den EHCB trainieren zu können?
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"Zu Beginn der ersten Therapie habe ich mich jeweils noch gut erholt, und daher gab es für mich keinen Grund, dies nicht zu tun. Ich fühlte mich zu dem Zeitpunkt voller Energie. Jeweils an die Bande zurückzukehren, war für mich auch eine grosse Motivation, um zu überleben und aus dieser Situation zu kommen."
Antti Törmänen, Blick, 30.11.23
Als seine zweite Krebserkrankung öffentlich wurde, waren alle Augen auf ihn gerichtet. "Als ich mich entschied, weiterhin zu coachen, war für mich klar, dass dies so sein wird. Es war aber auch überwältigend, wie viel Support ich von allen Seiten erhielt. Das hat mir geholfen. Klar war es teilweise sehr hart, aber zugleich waren dies auch meine glücklichsten Momente, wenn ich im Stadion war und mit der Mannschaft sein konnte. Nach dem siebten Final-Spiel in Genf, als dann am nächsten Morgen um 9 Uhr die nächste Chemo-Behandlung in Lausanne anstand, war ich dann zurück in meiner Realität. Das war schon sehr schwierig, auch weil das einem so viel abverlangt. Aber so soll es auch sein, die Therapie hat ja die Aufgabe, etwas in meinem Körper zu töten."
Auch in den schwierigsten Momenten hatte er ein Lächeln auf den Lippen. Wie macht er das? "Ich habe auch meine schweren Momente und bin nicht immer nur ein glücklicher Mann zu Hause, absolut nicht. Aber es hilft mir, wenn ich Menschen sehe. Und wenn sie auch zurücklächeln, bekomme ich Energie von ihnen. Ich denke, das sind gute Dinge des Lebens für mich und die muss ich annehmen." Törmänen strahlt extrem viel Zuversicht und Optimismus aus. Gibt es auch Tage, wo er Angst hat?
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"Angst habe ich nicht wirklich. Ich habe Vertrauen in das, was auch immer mit mir geschehen wird. Ich habe den Plan, über 80 Jahre alt zu werden, und an diesem halte ich fest. An diesen Plan glaube ich, denn es ist ein guter Plan. Und verzweifelt bin ich auch selten. Ich würde es eher so umschreiben, dass es ab und zu traurige Momente gibt. Denn ich bin ja nicht nur krank geworden, sondern musste auch einen Job aufgeben, den ich geliebt habe und eine Gemeinschaft verlassen, in der ich mich sehr wohlgefühlt habe. Mich beschäftigen daher eher die berufliche Unsicherheit und die Frage, was in dieser Hinsicht für mich in Zukunft möglich sein wird."
Antti Törmänen, Blick, 30.11.23
Kann er sich vorstellen, eines Tages wird als Coach zu arbeiten? "Zuerst muss ich gesund werden, völlig gesund. Und dann muss ich mir das gut überlegen: Ist es das wert? Ist es möglich? Ist es klug? Ich denke, dass ich mich mir diese Fragen dann wirklich stellen und sie ernst nehmen muss. Und mich auch damit auseinandersetzen, ob es noch etwas anderes gibt, was mir einen Kick für mein zukünftiges Leben geben könnte. Im Moment ist es noch viel zu früh, über eine mögliche Fortsetzung meiner Trainerkarriere zu sprechen, und das wird auch nächste Saison noch so sein." Wie sieht er die aktuellen sportlichen Probleme bei den Seeländern?
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"Natürlich ist es nicht einfach für mich, dies zu sehen. Im Grunde genommen ist es ja so ziemlich das gleiche Team wie in der letzten Saison. Es ist nicht leicht für mich, weil ich das Gefühl habe, dass ich das Team in diese Lage gebracht habe, dass der Trainer gewechselt werden musste. Ich weiss aber auch, dass ich alles getan habe, was ich konnte. Jetzt bin ich weg und darf auch nicht mehr in die Spieler-Garderobe, weil der neue Coach dies nicht möchte. Also kann ich auch nicht dorthin gehen und versuchen, den Spielern zu helfen, obwohl ich das gerne würde. Es ist jetzt ihre Geschichte mit dem neuen Trainer – ich bin ein Aussenstehender und kann ihnen nur noch in dieser Rolle folgen. Aber wenn sie einen guten Match spielen, habe ich natürlich Freude."
Antti Törmänen, Blick, 30.11.23
Petri Matikainen verbietet ihm den Zugang in die Bieler Garderobe. "Der neue Trainer möchte seine eigene Geschichte schreiben. Für mich ist das hart, denn ich würde die Spieler gerne ab und zu sehen. Ich habe sie in den letzten fünf, sechs Jahren während der Saison fünf bis sechs Mal pro Woche gesehen. Die Spieler, der Materialwart, die Physios – das sind alles gute Leute, die mir ans Herz gewachsen sind. Sie gelegentlich zu sehen, würde mir ab und zu helfen, meine Stimmung aufzuheitern und nicht nur permanent zu Hause herumzuhängen und damit meiner Frau auf den Geist zu gehen. Aber es ist, wie es ist."
Das gesamte Interview mit dem Finnen könnt ihr unter folgendem Link lesen (AboPlus-Schranke).