Noch eine kleine Story zum neuen NLB Aufsteiger HCV Martigny:
Im dritten Anlauf soll endlich Ruhe einkehren
Tennisspieler, Musiker und die bewegte Geschichte eines Eishockeyclubs
Viele Eishockeyclubs der Schweiz haben bewegte Geschichten, dazu gehört auch der HCV Martigny, der in der neuen Saison wieder in der Swiss League spielen wird. Die Unterwalliser erlebten in den letzten 30 Jahren zahlreiche Auf und Abs. Dabei hatten auch ein Tennisspieler, ein Musiker und ein russischer Topstürmer Haupt- und Nebenrollen inne.
Beginnen wir aber von vorne: Gegründet wurde der Verein 1939. In den 50er-Jahren spielte der HC Martigny in der damaligen Nationalliga A. Danach waren die Unterwalliser oft in der zweit- und dritthöchsten Eishockeyliga vorzufinden. Machen wir einen Sprung in die 90er-Jahre, als Martigny unter Präsident René Grand in der damaligen Nationalliga B vorne mitspielte.
Der Präsident galt aber auch als impulsiv und entliess in seiner Zeit 22-mal den Trainer, wie der Bund berichtete. Darunter einmal sogar in der ersten Drittelspause. Er selbst übernahm ab dem zweiten Abschnitt das Kommando und das Spiel gegen den Lausanne HC konnte tatsächlich noch gedreht werden. Wie Grand tickte, zeigt auch eine Geschichte aus dem Jahr 1998, als er den ehemaligen Schweizer Tennisspieler Jakob Hlasek lizenzieren wollte. Hlasek spielte in seiner Juniorenzeit auch Eishockey, zu mehr als einigen Probetrainings reichte es aber nicht.
Der freiwillige Abstieg
1999 spielten die Unterwalliser nicht mehr vorne mit. Sie mussten als Tabellenletzter in die Abstiegsrunde und zogen sich dort schliesslich wegen Geldsorgen aus der Nationalliga B zurück.
Sechs Jahre vergingen, bis sich Martigny auf die Saison 2005/06 hin in der zweithöchsten Schweizer Eishockeyliga zurückmeldete. Dieses Intermezzo war allerdings von kurzer Dauer. 2008 konnten keine Geldgeber für eine Existenz in der Nationalliga B gefunden werden und so entschied der Verein an der Generalversammlung, sich aus der Liga zurückzuziehen, bereits zum zweiten Mal hatte der Club also Geldsorgen.
Der HC RED Ice entsteht
Eine Fusion mit dem HC Verbier Val-de-Bagnes erschuf das neue Team HC Red Ice Martigny-Verbier-Entremont. Finanziert wurde die Profimannschaft von einer Gruppe russischer Investoren. Entsprechend dauerte es nicht lange, bis Martigny zurück in der zweithöchsten Liga war. 2012 war der Aufstieg Tatsache, mit Albert Malgin, dem Vater von Denis Malgin, wurde ein bekannter Trainer verpflichtet. Assistenztrainer wurde Igor Fedulov. Der russische Topstürmer lief zwischen 1995 und 1998 sowie der Saison 2011/12 für Martigny auf. Sein Name ist heute noch im Forum d'Octodure, dem Stadion der Unterwalliser, mit dem Trikot unter dem Dach verewigt.
Wie es mit Investoren so ist, gibt es aber auch eine Schattenseite. Als sich die Russen 2017 entschieden, die Profimannschaft des HC RED Ice nicht mehr zu finanzieren, folgten sogleich die ersten Geldprobleme. Es folgte der Konkurs und damit der Ausschluss aus der zweithöchsten Schweizer Eishockeyliga.
Neuer Anlauf unter dem Namen HCV Martigny
Anschliessend folgte die zweite Fusion des Vereins. Der Sion HC und der HC Monthey-Chablais wurden zum HC Valais-Chablais. Heute laufen die Mannschaften unter den Namen HCV Martigny (Swiss League) und HCV Sion (1. Liga) auf.
Zur Geschichte der Unterwalliser gehören auch die grossen Namen. Einer davon ist Bastien Baker. Der Schweizer Musiker spielte bekanntlich im Nachwuchs von Monthey, Gottéron und Lausanne, entschied sich danach aber für seine Musikkarriere. In der Saison 2020/21 gab er sein Comeback beim HCV Martigny. Dieses dauerte allerdings aufgrund von COVID-19 nur gerade vier Partien.
In dieser Saison schaffte der HCV Martigny im Februar den Triumph im National Cup, der ab der kommenden Saison auch die Swiss-League-Teams beinhalten wird. Im Final wurde der EHC Arosa mit 2:0 bezwungen. Es war der erste von zwei Erfolgen in der vergangenen Spielzeit. In den Playoff-Halbfinals setzte sich der HCV Martigny erneut gegen Arosa durch und sicherte sich damit den Aufstieg in die Swiss League. Den Titel holten sich die Unterwalliser dank eines Finalsiegs im fünften und entscheidenden Spiel gegen den EHC Thun.
Der HCV Martigny nimmt also einen neuen Anlauf in der Swiss League und hofft wohl auf ruhigere Zeiten, aber ob das bei dieser Geschichte überhaupt möglich ist?
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