Der Ärger und die ungewisse Zukunft von ZSC-Coach Crawford
Der Kanadier sah sein Team zum 6. Mal nach Penaltys verlieren und weiss noch nicht, ob er bleiben will.
Von Simon Graf, Zürich Falls sich die ZSC Lions vorgenommen hatten, 2014 Penaltyschiessen zu gewinnen, so hat ihr Jahr nicht gut begonnen. Bärtschi, Shannon, Wick und Baltisberger scheiterten bei der zweiten Derbyniederlage in der Kurzentscheidung, und Coach Marc Crawford gab sich danach keine Mühe, seinen Ärger zu verbergen. «Ich hatte das Gefühl, nur Shannon lief mit der Überzeugung an, er könne ein Tor schiessen», sagte er kopfschüttelnd. «Was war, können wir nicht mehr ändern. Wir dürfen uns dadurch doch nicht derart beeinflussen lassen.» Was war, das waren fünf verlorene Penaltyschiessen. Gestern folgte das sechste – im sechsten Versuch, wohlgemerkt.
Crawford hat Mühe, dies zu akzeptieren. «In Las Vegas würde man viel Geld auf ein Team setzen in einem Penaltyschiessen, das Spieler wie Wick, Cunti, Shannon oder Nilsson hat», fügte der Kanadier an. Von 31 Penaltys haben die Zürcher diese Saison gerade mal 4 verwandelt, knapp 13 Prozent. Shannon war als Einziger schon zweimal erfolgreich. Das ist umso erstaunlicher, weil die Zürcher aus dem Spiel mit Abstand am meisten Tore erzielt haben. Diesmal durfte Baltisberger seine Premiere geben, weil er im Training überzeugt hatte. Doch das ist eben das Problem bei den Penaltys: Man kann noch so oft üben, den Ernstfall kann man nie richtig proben. Da spielt sich zu viel im Kopf ab.
Der ZSC-Coach war auch sonst nicht angetan von der Leistung seiner Spieler, vermisste Konstanz und Entschlossenheit. Crawford hatte angekündigt, nach der Weihnachtspause im heimischen Kanada klaren Kopf darüber zu haben, ob er auch nächste Saison an der Zürcher Bande stehen wolle. Gestern sagte er dazu nur: «Ich werde es wohl noch für einige Zeit nicht wissen.» Eine Aussage, die Spekulationen nährt.
Kreis als Nachfolger Crawfords?
Falls Crawford nach Übersee zurückkehren sollte, wäre inzwischen ein ZSCMeistertrainer frei: Harold Kreis wurde in Mannheim am 31. Dezember nach einem 0:5 gegen Wolfsburg durch Hans Zach ersetzt. Die Position von Kreis war nach dem Viertelfinal-Aus letzten Jahres geschwächt gewesen, ihm wurden Spieler wie Gamache ins Team gestellt, mit denen er wenig anfangen konnte. 2008 folgte in Zürich nach dem Titel Sean Simpson auf Kreis – die Lions hatten das Playoff abwarten wollen, um mit dem Deutschkanadier zu verhandeln, worauf der bei Düsseldorf unterschrieb. Das Tuch sei aber nicht zerschnitten, betonte ZSC-CEO Peter Zahner. Man habe seitdem regelmässig Kontakt gepflegt.
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