Eine kleine Zürcher Revanche an Thornton
Die ZSC Lions feierten mit dem 2:1 gegen Davos ihren vierten Sieg in Serie – und kontrollierten dabei den NHL-Spielmacher.
Von Simon Graf, Zürich
Als Joe Thornton und Rick Nash bei ihrem NLA-Debüt mit einem 9:2 über die Lakers die Liga erschütterten und höchste Erwartungen an die Lockout-Gäste schürten, dachten sie vielleicht, es gehe in diesem Takt weiter. Doch seitdem hat der HCD in vier Spielen gerade noch sechs Tore erzielt und zuletzt dreimal verloren. Doch Thornton wirkte nach dem 1:2 im Hallenstadion nicht besorgt, zeigte sich wie gewohnt strahlend. Auf die Frage eines Zürcher Reporters, ob er langsam nervös werde, lachte er nur und fragte zurück: «Und sie? Sind sie nervös?» Wer wie Thornton gewöhnt ist, einen ganzen NHL-Verein auf seinen Schultern zu tragen (seit er im Winter 2005/06 zu den San Jose Sharks transferiert wurde), sind diese ein Topteam, lässt sich so schnell nicht beunruhigen.
Eine leichte Unruhe durchströmte allerdings ZSC-Trainer Marc Crawford, als Thornton in der Schlussminute den Puck auf seinem Stock hatte. «Ich habe schon oft erlebt, dass etwas Gutes für sein Team passierte, wenn er den Puck führte», erzählte Crawford, der in der NHL bei Los Angeles und Dallas oft gegen diesen gecoacht hatte. Thornton spielte zurück zu Schneeberger, der schoss direkt, doch Seger blockte den Puck. Und wenig später stand der vierte Zürcher Sieg in Serie fest.
Segers Solo zum Siegtor
Crawford lobte seinen Captain für jene Szene überschwänglich, er hätte aber auch noch eine andere erwähnen können: Wie Seger in der 23. Minute durch die Davoser Abwehr spazierte und zum 2:1 ins Lattenkreuz traf. Es war das Highlight und das Siegtor an diesem kämpferisch betonten Abend gewesen. Der ZSCErfolg ging in Ordnung, und er wurde von den über 9000 Zuschauern besonders gefeiert, weil er gegen die Davoser zustande gekommen war. Und gegen Thornton, die dominierende Figur des Finals 2005, den die Zürcher verloren.
Der 33-Jährige stach diesmal nicht heraus wie gewohnt, so dass der Medienchef des Internationalen Eishockeyverbands nach zwei Dritteln sogar tweetete, er sei «unsichtbar». Das war ein etwas zu hartes Urteil, zumal Thornton erstmals beim HCD auf seiner gewohnten Centerposition spielte und sich mit seinen jungen Flügeln Sciaroni und Steinmann erst noch finden muss. Er spielte immerhin einige sehenswerte Pässe und dürfte, wenn am Samstag Nash zurückkehrt, wohl auch wieder punkten.
Die Davoser werden, wenn Nash, Sykora und Forster wieder fit sind, bald wieder nach oben klettern. Thornton, der bei seinem letzten Schweizer Gastspiel wenig angetan gewesen war vom Zürcher «Stadiönli», lobte übrigens das Hallenstadion. Es sei schön geworden und nicht zu vergleichen mit der Arena, «in der etwa 50 Leute Platz fanden». Nach fünf Heimspielen können sich die ZSC Lions in dieser Saison über einen guten Besuch freuen, mit einem Schnitt von 8456 Zuschauern liegen sie bislang klar über jenem des Vorjahrs (7589). Der Spielplan beschert ihnen im Oktober aber noch sechs weitere Auftritte auf eigenem Eis – und diese Ballung von Heimspielen wird ihren treuen Anhang auf die Probe stellen.
Keine Spur von Meisterblues
Zuerst haben sie aber einmal eine Woche Pause. Die sei wohlverdient, fand Crawford, der gut gelaunt war angesichts der jüngsten Erfolgsserie. Noch läuft nicht alles wie geplant, gestern war das Powerplay ein Schwachpunkt, und die neuen Nordamerikaner Lashoff und Brulé haben noch nicht überzeugt. Doch die Mannschaft demonstriert eine beeindruckende Breite über vier Linien. Und Flüeler hat mit dem Selbstvertrauen eines Meistergoalies zuletzt in vier Spielen nur vier Tore zugelassen. Von einem Meisterblues ist bei den Zürchern jedenfalls nichts zu spüren.
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Mein Senf:
Wieder beste Unterhaltung im gut gefüllten Hallenstadion! 
Dürfte eine gefreute Saison für die ZSC Fans werden!