Der HC Lugano hat allen Grund, stolz zu sein – weniger aufgrund seiner Leistungen im bisherigen Saisonverlauf als vielmehr wegen seiner internationalen Akzeptanz. Fünf Spieler der Bianconeri besitzen Chancen auf eine Teilnahme am Saisonhöhepunkt in Vancouver – darunter Petteri Nummelin als einziger NLA-Ausländer. Müsste Steve Hirschi nicht wegen einer Gehirnerschütterung passen, wären es sogar sechs.
Trotzdem befindet sich Sportchef Roland Habisreutinger im Zwiespalt: «Natürlich ist es eine Ehre für uns. Aber wenn ein ganzer Block fehlt, wird es schwierig, das Trainingsniveau hochzuhalten.» Lugano stockt die erste Mannschaft deshalb mit Nachwuchsspielern auf.
Auch Colin Muller, Assistenztrainer und künftiger Headcoach der ZSC Lions, bezeichnet die kommenden Wochen als wegweisend: «Abgesehen vom EV Zug sehe ich kein Team, das zum jetzigen Zeitpunkt in Playoff-Form ist. Was in der Pause passiert, kann die Ausgangslage auf den Kopf stellen.»
Führt man Mullers Gedanken zu Ende, kommt man zu folgender Quintessenz: Im Vorteil befinden sich jene Playoff-Teilnehmer, die in der Nationalmannschaft am schwächsten vertreten sind. Neben dem EV Zug ist das ausgerechnet der Titelverteidiger Davos.
Nur Peter Guggisberg entging in diesem Jahr Kruegers Bannstrahl. Nach dem verletzungsbedingten Out des Highspeed-Flügels fehlt ein Davoser Input in Vancouver aber gänzlich.
HCD-Coach Arno Del Curto bezeichnet die Playoff-Annäherung als «völlig anders als sonst». Es gebe kein Team, das die Qualifikation auf den letzten Drücker geschafft habe. Alle seien vor dem Meisterschaftsfinale frisch und erholt.
Del Curto geht mit seinen Spielern einen speziellen Weg. Er legt die intensive Trainingsphase auf den Beginn der Pause – und gewährt den Spielern in der letzten Woche Ferien.
In Zug steht das olympische Intermezzo ganz im Zeichen der Regeneration und des physischen Wiederaufbaus. Als einziger Klub verzichtet der Tabellendritte auf Testspiele. «Weil es wichtig ist, nach einem so intensiven Meisterschaftsverlauf die Kräfte aufzutanken», so Sportchef Patrick Lengwiler.
Genf-Servette hingegen setzt auf eher martialische Methoden: Banden-Haudegen Chris McSorley bietet sein Personal unter anderem zu Karate-Lektionen auf.
Wer den richtigen trainingsstrategischen Treffer setzt, zeigt sich in einem Monat.
Es wäre Ironie des Schicksals, würde Ralph Krueger als Davoser Meistermacher von der Schweizer Eishockeybühne abtreten.