Frage an die NHL-Afficionados:
Entsprechen die Beobachtungen von Honegger der Realität? In der CH wird doch für gewöhnlich die NHL immer in einer Art überirdischem Licht gesehen, wo es sehr hart, aber fair zu und hergehe. Schwalben sind bekanntlich "unehrenhaft", ebenso wie die Absicht, per Kniestich , Stock oder Ellbogen den Gegner ins Krankenhaus zu befördern. Aus dem Artikel von Honegger müsste aber geschlossen werden, dass null Respekt vor dem Gegenspieler besteht, eben der Zweck die Mittel heiligt. Aber vermutlich sieht man die angeblich heile NHL-Welt der harten Sportsmänner aus der Ferne etwas zu naiv....
------------------------------------
Die Frage wird seit dem ersten Bully dieser Playoffs gestellt: Warum gibt es auf dem Eis so viel Gewalt? Fragt man die Spieler, ist die Antwort denkbar einfach: Sie werden auf die Bibel schwören, dass der Zweck die Mittel heiligt – gewinnen um jeden Preis, alles ist erlaubt.
Alles ist erlaubt – in diesem Frühling bedeutet dies zum Beispiel, dass Bostons Bösewicht Milan Lucic seinen Stock in die Kronjuwelen von Detroits Verteidiger Danny DeKeyser schlägt. Es heisst auch, dass Blue Jackets Stürmer Brandon Dubinsky eine Zielscheibe auf Sidney Crosbys Leibchen vermutet und den Superstar auf dem ganzen Eis attackiert.
Dubinskys Verhalten ist darum ironisch, weil Penguins-Eigentümer Mario Lemieux vor nicht mal zehn Jahren zum verbalen Rundumschlag gegen die Liga ansetzte, welche die Superstars nicht vor Angriffen von Durchschnittsspielern schütze.
Die meiste Aufmerksamkeit wird aber der intensiven Erstrundenserie zwischen den Nachbarn Chicago und St. Louis zuteil. So viele schmutzige Stockschläge und klare Versuche, den Gegner mit heftigen, potenziell gefährlichen Checks ausser Gefecht zu setzen, habe ich bisher kaum gesehen.
Im zweiten Spiel schlug Chicagos brillanter Verteidiger Duncan Keith mit seinem Stock nach allem, was sich bewegte – dabei ist Keith ein Spieler, der in den letzten fünf Saisons ein einziges Mal die Fäuste sprechen liess. Sein kongenialer Partner Brent Seabrook wurde inzwischen drei Spiele gesperrt – für einen absurden Check an Blues-Captain David Backes.
Ebenso aufwühlend: Blues-Anstifter Steve Otts versuchter Anschlag auf Blackhawks-Captain Jonathan Toews oder Brian Bickells Knie-auf-Knie-Check gegen St.-Louis-Stürmer Vladimir Sobotka, der glimpflich ausging, aber ebenso gut das Karriere-Ende für den Tschechen hätte bedeuten können.
Aufwiegelung, Vergeltung und Einschüchterung sind Elemente, die wir während der Qualifikation kaum zu sehen bekommen. Während den Playoffs aber, wenn sich die Spieler jeden zweiten Abend begegnen und die Nerven blank liegen, gehören diese Gefühlsregungen zum Tagesgeschäft.