laurent kleis, journal du jura
Mir sind Züri!», tönte es am vergangenen Wochenende an der Limmat. Dave Sutter gesteht: «Ich habe in den letzten Tagen nicht viel geschlafen». Seit Freitagabend ist der ehemalige Verteidiger des EHC Biel Schweizer Meister. Mit einem 2:0-Sieg im Hexenkessel der Resega holten sich die ZSC Lions im siebten Finalspiel den Titel.
«Nach dem Match waren wir etwa um drei Uhr morgens in Zürich angekommen», berichtet Sutter. Im Messegebäude, gleich neben dem Hallenstadion, war alles für den Empfang der Helden vorbereitet: Die Spieler traten einer nach dem anderen auf die Bühne und hoben den Pokal vor der begeisterten Fangemeinde in die Höhe. Sutter dazu: «Ein Mal dort oben stehen, ist etwas ganz Besonderes. Man ist vom Augenblick ergriffen und spürt den Ansporn, alles daran zu setzen, um dieses Abenteuer zu wiederholen.»
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In Monthey aufgewachsen
Sutters eigentlicher Name lautet Dave Raoul Sutter Ntamack. Er stammt aus Douala in Kamerun, ist aber im Unterwalliser Ort Monthey aufgewachsen. Nun steht er als Schweizer Meister im Rampenlicht: eine Premiere im Schweizer Eishockey? «Ich bin sicher der erste Spieler aus Monthey in einem Siegerteam. Womöglich bin ich auch der Erste in einem solchen Team, der in Afrika geboren wurde», so der Verteidiger. Er will im Juli nach Kamerun reisen. Die Trophäe will er nicht mitnehmen: «Ich befürchte, dass sie mir dort abhanden käme», lacht der ZSC-Star.
Der Stock von Luca Fazzini
Eigentlich hatte ausgerechnet Sutter die Chance, den Lions den Weg nach Lugano zu ersparen. Denn schon im sechsten Finalspiel, zwei Tage vor der Finalissima im Tessin, bot sich im Hallenstadion im letzten Drittel die Gelegenheit, den Titel nach Zürich zu holen: Sutter war am Puck. Spielstand 2:2 in der 50. Minute. Der Puck lag günstig, das Tor der Luganesi sperrangelweit offen. Dann der explosive Schuss, der alles entschieden hätte. Aber die Scheibe verfehlte ihr Ziel, und nur fünf Minuten später erzielte Lugano den Siegestreffer gegen die Lions. Sutter erinnert sich: «Ich hätte die Meisterschaft mit diesem Schuss entscheiden können. Ich sehe den Puck immer noch, wie er langsam über das leere Tor hinwegfliegt.»
Aber so ist es halt im Sport. Immerhin zeigt die Videoaufnahme, mit welcher Wucht der Walliser die Scheibe getroffen hatte: Der Stock von Luca Fazzini war beim Aufprall regelrecht zersplittert. Ein Detail, welches die Wende bedeutet hätte. Aber solche Episoden gab es viele während dieser Meisterschaft, wie Sutter erzählt: «Entscheidende Kleinigkeiten und Millimeter haben die ganze Play-off-Periode gekennzeichnet. Im Halbfinale, am Anfang der Verlängerung der sechsten Begegnung, hatte unser Goalie Lukas Flüeler eine Wunderparade gegen einen Schuss von Mark Arcobello gezeigt. Dann schiesst uns Pius Suter ins Finale. Hätte Arcobello vorher getroffen, hätten wir zur siebten Runde in Bern antreten müssen.»
«Ein Wunder vollbracht»
Der frischgebackene Schweizer Meister denkt nach. Auch im Finale vom vergangenen Freitag in der Resega gab es solche entscheidenden Momente: Gegen Ende der Partie tauchten Grégory Hofmann und Maxim Lapierre alleine vor Flüelers Tor auf. «Auch hier hatte er wieder ein Wunder vollbracht», so Sutter. Hätte Lugano frühzeitig zum 1:1 ausgeglichen, wäre das Spiel wohl anders verlaufen. «Unser Erfolg ist darin begründet, dass wir neben unserer Stärke auch etwas Glück hatten», bilanziert der gebürtige Kameruner. Jedenfalls fusst der verdiente Titel auf einer Mischung von grossen Talenten und sehr harter Arbeit. «Hans Kossmann hat seine Truppe gut geführt», so Sutter. Der Erfolgstrainer verlässt mit dem Titel die Lions. Ihm folgt der Kanadier Serge Aubin nach. Der Wechsel war vorgesehen.
Voller Zuversicht
Am Samstagabend fand das Fest im engeren Kreis des Teams statt. Spieler, Trainer, Staff und Partnerinnen feierten gemeinsam. «Am Sonntag ging die Party mit meinen Teamkameraden weiter. Allerdings musste ich mich als Mitglied der Nationalmannschaft ein wenig zurückhalten», verrät Sutter.
Tatsächlich stand der Verteidiger am vergangenen Sonntag schon mittags wieder auf dem Eis. Nati-Trainer Patrick Fischer hatte ihn kurzfristig zusammen mit der Schweizer Auswahl in die Eisbahn Oerlikon bestellt, wo die ZSC Lions auch sonst trainieren. «Als mich Fischer morgens anrief, war ich gerade erst nach Hause gekommen. Immerhin hat er mir für den Titel und für meine Saison gratuliert», bemerkt Sutter. Die Schweizer Nati hat vor der Weltmeisterschaft in Dänemark mit Verletzungspech zu kämpfen. Fischers Team umfasst nun neun Verteidiger, also einen überzähligen. Vor einem Jahr wurde der stattliche Spieler aus Monthey (1,94 m/96 kg) kurz vor der Abreise nach Paris nicht berücksichtigt. Nun durfte er nach Dänemark abfliegen.
Mental stärker geworden
«Früher bewunderte ich Persönlichkeiten wie Raphael Diaz und andere Stars vor dem Fernseher. Inzwischen bin ich mental stärker geworden. Ich spiele nun in der gleichen Liga wie diese Typen, mache denselben Job und stehe ihnen in nichts nach.» Das hat Sutter diese Saison bewiesen.
Laurent Kleisl/pl
wie ist denn eure meinung zur entwicklung von dave?