Beiträge von Ouimet

    Meine Stimmung war auch schon besser, ob mit oder ohne Trompete.

    Ich habe den Eindruck, dass bei diversen Spielern der Tank leer ist.
    Geraten wir in Rückstand, fällt es uns sehr schwer, nochmals einen Zahn zuzulegen. Genau diese Qualitäten haben uns doch bis zum 3:0 in der Serie ausgezeichnet.
    Jetzt scheint mir davon nicht mehr viel zu sehen.
    Sind wir physisch und mental ausgepowert?

    Das Glück war nicht auf unserer Seite, davon hatten wir in diesen Playoffs aber auch reichlich. Fribourg schiesst 2 minuten vor Schluss die Führung, wir gleichen im Gegenangriff aus… Zug nimmt eine Coaches Challenge und verpasst in Unterzahl das 3:1, wir gewinnen in letzter Sekunde, Malgin schiesst das Siegestor via Innenpfosten am Samstag… in dieser Serie könnte Zug auch locker führen. Seit der späten Hollenstein Wende in Biel lief der Puck für Zürich 8 Spiele. Der Druck mit dem aller letzten Spiel im Hallenstadion auf der Seite vom ZSC. Der ZSC würde dann erst in Spiel 7 ohne Druck aufspielen weil dann hätte Zug etwas zu verlieren.

    Verrückte Meisterstorys – Wie ein geniales Foul die goldene Zürcher Ära einläutete
    Nach 2000, 01, 08, 12, 14 und 18 könnten die ZSC Lions im Final gegen Zug zum siebten Mal in der Playoff-Ära Meister werden. Wie sie den Titel errangen, war…
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    Wie ein geniales Foul die goldene Zürcher Ära einläutete

    Nach 2000, 01, 08, 12, 14 und 18 könnten die ZSC Lions im Final gegen Zug zum siebten Mal in der Playoff-Ära Meister werden. Wie sie den Titel errangen, war stets spektakulär.

    2000 – Plavsic trägt sich in die Annalen ein

    Nein, es ist kein Aprilscherz: Ausgerechnet der exemplarisch faire Christian Weber begeht am 1. April 2000 das geniale Foul, das den ZSC Lions ihren ersten Titel der Playoff-Ära beschert. Er schlägt Lugano-Goalie Cristobal Huet kurz vor Schluss von Spiel 6 im prall gefüllten Hallenstadion den Stock aus der Hand, der Franzose ist kurz irritiert und lässt den Schuss von Adrien Plavsic passieren. Coach Kent Ruhnke habe ihm diesen Trick gelehrt, sagt Weber später.

    Heute würde der gegnerische Trainer die Coach’s Challenge verlangen, das Tor würde nach dem Videostudium annulliert. Damals geht das Foul im Trubel unter. Die Uhr steht bei 59:50. Erste Fans stürmen schon aufs Eis, dieses muss geräumt werden, damit noch fertiggespielt werden kann. Und tatsächlich stürmt Lugano in den letzten zehn Sekunden nochmals vors ZSC-Tor und gleicht fast aus. Dann ist es vorbei, und im Hallenstadion brechen alle Dämme.

    2001 – der schwedische Tell

    Von Larry Huras lange verschmäht, darf Morgan Samuelsson im Final gegen Lugano erst wieder eingreifen, als die ZSC Lions 1:3 zurückliegen. Auf sanften Druck von Sportchef Simon Schenk. Mit seiner Lockerheit und Selbstsicherheit bringt der Schwede die Zürcher zurück in die Serie. In Spiel 5 (6:3) bereitet er im ersten Einsatz das 1:0 vor und schiesst das 3:0, in Spiel 6 (5:1) ist er an zwei weiteren Toren beteiligt, in Spiel 7 schiesst er die ZSC Lions nach 70:07 mit dem 2:1 zum Titel.

    Samuelsson trifft mit der Präzision eines Wilhelm Tell und sagt danach cool: «Als ich über die rote Linie fuhr, wusste ich, dass ich das Tor machen werde.» Eine geordnete Pokalzeremonie wird von den Lugano-Hooligans verunmöglicht, dafür wird später umso mehr in Zürich gefeiert. Als das Team nach der Heimreise aus dem Tessin in den frühen Morgenstunden im Hallenstadion eintrifft, wird es von über 8000 Fans begeistert empfangen.

    2008 – Sulander zeigt’s nochmals allen

    Die ZSC Lions haben sich nach einer schwierigen Qualifikation, in der Coach Harold Kreis nur eine Niederlage vor der Entlassung stand, im Playoff warmgespielt. Von Rang 6 aus stürmen sie in den Final, da verlieren sie gegen Servette aber die ersten zwei Spiele. Doch erneut gelingt ihnen ein spektakuläres Comeback: Sie gewinnen viermal in Serie und erringen in Spiel 6 im Hallenstadion den Titel.

    Diesmal heisst der Meisterschütze Domenico Pittis, als Held wird aber Ari Sulander gefeiert. Der stoppt im Penaltyschiessen alle drei Genfer Versuche, Pittis trifft als Einziger. Erstmals holt ein Team im Penaltyschiessen den Titel. Für Sulander ist es der letzte grosse Triumph als Nummer 1. Mit 39 hat er nochmals seine grosse Klasse gezeigt.

    2012 – diesmal erst bei 59:58

    Hatte Adrien Plavsic zum ersten Titel der Playoff-Ära nach 59:50 getroffen, macht es Steve McCarthy im Showdown in Bern noch spannender: Er schiesst das 2:1 erst 2,5 Sekunden vor Schluss. Fast alle haben sich schon auf eine Overtime eingestellt, als Andres Ambühl einen letzten ZSC-Angriff lanciert und der Puck schliesslich zurück zu McCarthy prallt und der zu seinem einzigen Playoff-Tor trifft.

    Auch bei diesem Meistertor wäre heute wohl die Coach’s Challenge bemüht worden, um eine allfällige Torhüterbehinderung an Marco Bührer zu überprüfen. Die Berner, die im Final eine 3:1-Führung verspielt haben, zeigen sich als sportliche Verlierer. Jene Finalserie der Grossstädte stellte mit 102’124 Zuschauern einen Rekord im Schweizer Eishockey auf, der bis heute Bestand hat.


    2014 – Nilssons Lächeln

    Wieder bringen die Penaltys Glück, diesmal ist es in Kloten Robert Nilsson vorbehalten, die Entscheidung herbeizuführen. Der Schwede strahlt, als er zum entscheidenen Penalty antritt und verwertet souverän. In Viertel- und Halbfinal gegen Lausanne und Servette mussten sich die ZSC Lions über sieben Spiele kämpfen, gegen den Kantonsrivalen brauchen sie im Final nur noch deren vier.

    Wer heute an Nilsson denkt, denkt stets an die Szene vor jenem Penalty. Ex-Sportchef Edgar Salis sagte einmal: «Sein Lächeln, wie er nach oben schaut und denkt, darauf habe er schon immer gewartet. Viele hätten vor diesem Penalty auf die Zähne gebissen. Er brachte die Leichtigkeit des Spiels immer aufs Eis. Er spielte, ohne überlegen zu müssen. So selbstverständlich, wie jemand anders den Tisch abräumt.»

    2018 – Segers perfekter Abschluss

    Die ZSC Lions haben gegen Lugano zwei Meisterpucks verspielt, in der Resega rüsten sich vor Spiel schon alle für eine Meisterparty der Bianconeri. Doch die Zürcher schaffen es, im Entscheidungsspiel das Steuer nochmals herumzureissen. Captain Patrick Geering trifft in der 7. Minute zur Führung und Ronalds Kenins 19 Sekunden vor Schluss ins verlassene Lugano-Tor.

    Für den letzten Einsatz schickt Coach Hans Kossmann noch Mathias Seger aufs Eis, der nach jener Serie mit 40 abtritt. So ist er der Erste, der Goalie Lukas Flüeler nach dessen meisterlichen Shutout umarmen kann. Der Hüne im ZSC-Tor zeigt sich wieder einmal als Mann für die grossen Spiele: Zum vierten Mal feiert Flüeler einen Shutout in einem Spiel 7


    Eishockey-Nationalteam – Warum die zwei Silberhelden mit ihrer Ausbootung hadern
    Für Raphael Diaz und Simon Moser hat es keinen Platz mehr in der Nationalmannschaft. Die Begründung von Trainer Patrick Fischer wirft bei ihnen Fragezeichen…
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    Warum die zwei Silberhelden mit ihrer Ausbootung hadern

    Für Raphael Diaz und Simon Moser hat es keinen Platz mehr in der Nationalmannschaft. Die Begründung von Trainer Patrick Fischer wirft bei ihnen Fragezeichen auf.

    Ein alter Bekannter aus Langnau betritt das SCB-Stadionrestaurant. Er sieht Simon Moser in einer Ecke sitzen und geht auf ihn zu. «Muesch scho bau irücke?» Gemeint ist damit freilich nicht der Militärdienst, sondern das Trainingslager der Schweizer Nationalmannschaft. Für Moser, den SCB-Captain, ein Fixtermin – eigentlich. Aber nun entgegnet er trocken: «Nei, si hei mi nümm ufbote.» Seit 2010 gehört der Berner zum Kreis der Nationalmannschaft. 7 Weltmeisterschaften und 3 Olympia-Turniere hat er bestritten, insgesamt 176 Länderspiele absolviert. Mit seiner Wucht und Wasserverdrängung (1,87 m, 97 kg) war der 33-Jährige lange einer der wenigen Schweizer Flügel, die über internationale Härte verfügten. Auch deshalb gehörte er während Jahren zum Captainteam der Landesauswahl. Doch damit ist nun Schluss. Nationaltrainer Patrick Fischer und Direktor Lars Weibel wollen nach dem missglückten Olympia-Auftritt (nur 1 Sieg, Out im Viertelfinal) und hinsichtlich der Winterspiele 2026 einen Umbruch einleiten. Für Moser und Captain Raphael Diaz ist kein Platz mehr im Ensemble. Für Moser zählt die Leistung – nicht das Alter In einer Medienkonferenz sagte Fischer: «Diese Mannschaft hat Unglaubliches geleistet. Aber wir müssen sie erneuern. Und das macht man, indem man auch den Kern erneuert.» Es sei immer schwierig, den richtigen Zeitpunkt für eine solche Massnahme zu finden. Doch in der Aufarbeitung der Olympischen Spiele sind er und Weibel zum Schluss gekommen, dass dem Team das gewisse Feuer gefehlt habe, der Wille auch, den berühmten zusätzlichen Schritt zu machen. «Deshalb braucht es eine Veränderung.»

    Moser und Diaz haben nach ihrer Ausbootung zusammen telefoniert. Letzterer hatte nach dem Playoff-Out mit Gottéron gar die Teamreise abgesagt, um sich auf die WM vorbereiten zu können – bis sein Vorhaben ein paar Tage später obsolet wurde. «Natürlich war ich sehr überrascht und enttäuscht», hielt er gegenüber den «Freiburger Nachrichten» fest. Er hätte sich einen schöneren Abgang gewünscht, das Kapitel Nationalmannschaft gerne mit einem positiven Gefühl beendet. «Deshalb ist es schon sehr bitter, wie es nun gelaufen ist.» «Mir war bewusst, dass es irgendwann nicht mehr reichen würde. Dies mit dem Alter zu begründen, ist für mich allerdings fragwürdig.» Simon Moser Natürlich akzeptieren die beiden Routiniers den Entscheid Fischers. Aber Moser, der trotz einer neuerlichen Seuchensaison mit dem SCB ordentliche Werte (10 Tore/21 Assists) vorweisen kann, sagt auch: «Mir war bewusst, dass es irgendwann nicht mehr reichen würde. Dies mit dem Alter zu begründen, ist für mich allerdings fragwürdig.» Wie Diaz hätte er gerne eine Chance erhalten, sich in einer WM-Vorbereitung zu bewähren. «Es ist sinnvoll, die Jungen an dieses Niveau heranzuführen. Aber für mich ist die Leistungskultur das A und O.»

    Ebenso überrascht zeigt er sich von der Begründung des Trainers, der Mannschaft habe in Peking das Feuer gefehlt. «Diesen Eindruck teile ich nicht. Klar, unsere Resultate waren nicht gut. Aber gerade die Leader haben dem Hockey alles untergeordnet.» Fischer jedenfalls habe ihm gegenüber weder im Einzelgespräch nach Olympia noch kürzlich während eines Telefonats von fehlendem Feuer und Engagement gesprochen. Für den SCB sieht er Licht am Horizont Moser und Diaz stehen für die goldene Generation, die die Nationalmannschaft zweimal zu WM-Silber führte. Jetzt sollen andere diesen Weg weiterführen. Der Berner will nun die nächsten Wochen für einen gezielten Aufbau nach einer kürzlich erfolgten Meniskusoperation nutzen. Denn genug vom Eishockey hat er noch lange nicht. Zumal er überzeugt ist, dass es für den SCB nach drei Jahren Erfolglosigkeit wieder aufwärtsgehen wird: «Es wird ein ganz anderes Gefüge geben, das ist sehr spannend. Da stossen ein paar gute Charaktere zu uns.» Im neuen Umfeld will der Leitwolf wiederum vorangehen, sich seine Rolle erkämpfen und verdienen, wie er es sagt. Das Thema Nationalmannschaft hat er – zumindest für sich – noch nicht ad acta gelegt. Den Rücktritt werde er nie geben, sagt Moser. Im Wissen darum, dass sich diese Tür zumindest mit dem jetzigen Trainerstab nicht mehr öffnen wird. Unlängst sprach Lars Weibel ihm und Diaz grossen Dank für ihre Dienste aus. Und er liess verlauten, man werde den beiden in naher Zukunft einen würdigen Abschied bereiten.

    https://www.nzz.ch/sport/play-off…-27&mktcid=nled

    Ein bisschen Churchill, ein bisschen Historie: Der Titelhalter EV Zug hat seinen Optimismus im Play-off-Final nicht verloren

    Die Zuger Protagonisten sind bestrebt, als erstes Team im Schweizer Eishockey in einer Finalserie einen 0:3-Rückstand zu drehen. Inspiration findet der Klub auch in Winston Churchill – einem Mann, der so gar nicht zu diesem Verein passt.

    Seit ein paar Tagen wird der Zuger Trainer Dan Tangnes von einem Journalisten eigentlich bei jeder Gelegenheit gefragt, ob er nach dem Vorbild von Winston Churchill eine epische Rede gehalten habe. Tangnes, 43, ist ein belesener Mann und hat vor einigen Monaten nach der Lektüre einer Biografie über den früheren britischen Staatsmann gesagt, dieser fasziniere ihn

    Tangnes hat seine grosse, epische Rede zur Lage des EV Zug nach eigener Aussage bisher nicht gehalten, und er scheint das auch nicht zu planen. Die rührige Ansprache des wortgewandten Trainers, der die Seinen mit einem feurigen Pep-Talk zum Sieg redet, ist eine Legendenbildung aus Sportfilmen.

    Aber zur Inspiration taugt Churchill schon, wenngleich er sich für den EVZ nur bedingt zur Idealisierung eignet: Da der den Lastern des Lebens zugewandte Churchill, dort die Zuger Asketen, in deren Trainingszentrum Alkohol strikt verboten ist. Doch Churchill hat so viele grosse Sätze gesagt, dass ihm die Produzenten dieser eigenartigen Toilettenkalender zu ewigem Dank verpflichtet sind. Etwa: «Die Geschichte wird freundlich zu mir sein, denn ich beabsichtige, sie zu schreiben.»

    Es gibt im Profisport ja kaum etwas Kniffligeres, als in den Play-offs einen 0:3-Serienrückstand zu drehen, eine monumentale Aufgabe, die sich dem EVZ seit Samstagabend stellt. In der seit 1946 existierenden Basketballliga NBA gab es ein solches Comeback noch nie. Die NHL, die erstmals 1919 eine Best-of-Seven-Serie austrug, erlebte es in ihrer Geschichte vier Mal. In der National League geschah es ebenfalls vier Mal und noch nie in einer Finalserie.

    Jüngst erstarkte der HC Davos vor wenigen Wochen gegen Rapperswil-Jona und schaffte es in den Halbfinal. Der Zuger Trainer Dan Tangnes übertreibt deshalb nicht, wenn er sagt: «Wenn wir das schaffen, können wir Geschichte schreiben.» Und dafür sorgen, dass Zug noch für etwas anderes steht als für Kirschspezialitäten und dafür, sich als Steueroase für umstrittene Unternehmen anzudienen.

    Die Abhängigkeit des ZSC vom ersten Sturm

    Am Montag, beim 4:1-Sieg im Hallenstadion, machte der EVZ den ersten Schritt. Der Auftritt war nicht weniger als eine Demonstration der Stärke, Zug betätigte sich im Hallenstadion als Partycrasher, fügte dem ZSC nach neun Siegen in Folge wieder eine Niederlage zu und hätte auch deutlicher gewinnen können: Das Schussverhältnis lautete 39:21 zugunsten der Gäste. Es nährte das in Zuger Kreisen mantrahaft wiederholte Narrativ, dass der ZSC keine Übermacht darstelle. «Wir waren auch in den drei Spielen zuvor nicht das schlechtere Team. Und dieses Mal waren wir klar die bessere Mannschaft», sagte Tangnes.

    Der Coach formierte seine Linien neu, die Massnahme fruchtete sofort: Auf einen Schlag gelangen gleich viele Treffer wie in den drei Spielen zuvor zusammen. «Wenn wir so aggressiv spielen und so viel Druck machen, wird es für Zürich schwierig», resümierte der Zuger Nationalstürmer Dario Simion. Es war auch eine Kampfansage.

    Der EVZ wirkte balancierter als der ZSC, dessen Abhängigkeit vom ersten Block um Denis Malgin und Sven Andrighetto sehr gross ist. Die ZSC-Linien 3 und 4 mit den Centern Justin Sigrist und Reto Schäppi entfalteten im Final bisher eine offensive Wirkung, die gegen null tendiert.

    Der Angreifer Chris Baltisberger sagt es so: «Wir haben momentan eine Linie, die bei numerischem Gleichstand Tore erzielt. Natürlich sind wir bestrebt, das zu ändern.» Und er sagt auch: «Wir werden mit einer anderen Einstellung in das fünfte Spiel steigen. Auswärtsspiele lagen uns in diesen Play-offs bisher gut.» Nach einer Niederlage nach Verlängerung in Biel hat der ZSC in der Fremde fünf Mal in Folge gewonnen.

    Die Erinnerungen an 2001 und die «Schande von Lugano»

    Die Zürcher geben sich betont gelassen, sie halten noch immer fast alle Trümpfe in der Hand – und wissen sehr genau, dass jedes noch so subtile Anzeichen für Nervosität dem Gegner Auftrieb gibt.

    Als der Vorhang nach dem vierten Vergleich gefallen war, sagte Dan Tangnes: «Es geht darum, unsere Gewinnchancen Stück um Stück zu verbessern.» Das ist gelungen: Ein 1:3 ist immer wieder einmal gedreht worden, auch in der Schweiz im Play-off-Final, niemand weiss das besser als der ZSC: 2001 gegen Lugano und 2012 versus Bern.

    Bei der spektakulären Wende von 2001 war die Stimmung so aufgeladen, dass der ZSC im Hallenstadion Schokoladenherzen verteilen liess, um die Gemüter zu beruhigen. In der Resega war es in der Belle mit der Versöhnlichkeit vorbei. Nachdem der Schwede Morgan Samuelsson den ZSC um den Captain Mark Streit und den Torhüter Ari Sulander in der Verlängerung zum Sieg geschossen hatte, kam es zur «Schande von Lugano». Die erbosten Tifosi warfen alles, was nicht niet- und nagelfest war, aufs Eis, die Pokalübergabe musste im kleinen Kreis in der Kabine stattfinden.

    Die Wildwest-Zeiten im Schweizer Eishockey sind lange vorbei, gerade in Zug, dem Austragungsort von Spiel 5 vom Mittwoch, sind sie undenkbar: Der Klub hat für Gästefans vor längerem so rigoros-schikanöse Regeln eingeführt, dass die aktiven Fanszenen die Bossard-Arena unisono boykottieren.

    Geladen wird die Atmosphäre auch so sein, der Zuger Stürmer Yannick Zehnder sagt, der EVZ habe im Hallenstadion auch Kraft aus der Sehnsucht geschöpft, die Serie nach Hause zu bringen. «Wir wollten noch einmal mit unserer blauen Wand im Rücken spielen», sagte der 24-jährige Zehnder, der zu den Aktivposten im Zuger Kollektiv gehört.

    «Dies ist nicht das Ende. Es ist nicht einmal der Anfang vom Ende. Aber es ist, vielleicht, das Ende des Anfangs», hat Churchill einmal gesagt. Wenn sie sich in Zug diese Beharrlichkeit anzueignen vermögen, könnte die Finalserie ihren Schlusspunkt erst am Wochenende finden.



    Die Statistiken zeigen nämlich klar und deutlich auf, dass die Zürcher bislang wohl deutlich zu gut bedient sind, mit dem bisherigen Verlauf der Serie.

    Statistik spricht ganz klar gegen den ZSC

    Daran, dass der EV Zug diese Leistung vom Montag in allfälligen drei weiteren Partien abrufen kann, besteht eigentlich keinen Zweifel. Vielmehr stellt sich die Frage, ob die ZSC Lions ein Mittel dagegen finden, ansonsten könnte der Wind dann plötzlich doch ziemlich zügig in die andere Richtung wehen. Auch wenn bislang noch in keiner Finalserie ein 0:3-Rückstand gedreht werden konnte, ist dieses Szenario gar nicht so undenkbar. Die Statistiken zeigen nämlich klar und deutlich auf, dass die Zürcher bislang wohl deutlich zu gut bedient sind, mit dem bisherigen Verlauf der Serie.

    Eine interessante statistische Spielerei ist die Gewinnwahrscheinlichkeit, die sich aus den unterschiedlichen Matchstatistiken zusammensetzt. Im Vergleich zu den expected Goals lässt sich mit dieser Wahrscheinlichkeit auch besser rechnen. Nur im Spiel 1 hatten die Lions die Oberhand, 63 Prozent betrug die Gewinnwahrscheinlichkeit in jener Partie zu Gunsten der Zürcher. In den beiden folgenden Spielen siegten sie, obschon jener Spielausgang statistisch deutlich unwahrscheinlicher war. Sowohl eine Siegchance von 60 als auch eine von 61 Prozent reichten dem EVZ jeweils nicht aus. Erst in Spiel vier konnte der Titelverteidiger erstmals jubeln, dazu benötigte es allerdings eine 71 prozentige Chance auf den Sieg.