Habe heute abend den Match nochmals in voller Länge auf einem Rai Sport Sender geschaut. Co-Kommentator, wäreliwär? Dem Pittis sein Bruder Jonathan, der für die Bolzano Foxes in Italien spielt.
War schön, das ganze Spektakel nochmals zu sehen. Denn der ZSC war vielleicht noch gar nie so gut, wie gestern Abend. Alles hatte gestimmt, aber auch wirklich alles.
OK, die eine oder andere zusätzliche Kiste hätte es noch geben können, doch wir wollen ja nicht von einer 100 %igen Chancenauswertung ausgehen.
Gestern Nacht hockte ich nach geschlagener Schlacht noch vor den PC, um einen würdigen Matchbericht zu schreiben, doch gegen 3 Uhr morgens, schon fast fertig, schaltete sich der PC "eigenhändig" aus und alles war weg. Ich war allerdings zu müde und vor allem zu guter Laune, um wirklich sauer zu werden. Aber schade war's alleweil. Nun denn, so möchte ich einfach ein paar wichtige Anmerkungen zum gestrigen Spiel machen:
Die Tore:
Rebound-Tore wie sie Monnet (das 1.) und Seyna (das 3.) buchten, gibt es nur, wenn man als Spieler hochkonzentriert und voll motiviert ist. Den entscheidenden Tick schneller, als der Gegner zu sein, nur das zu erzielende Tor im Kopf sind Bedingungen, die gegeben sein müssen, um solche Tore zu buchen. Grosse Klasse, Chapeau!
Tor Nummer 2 war vom Anspiel Blindis auf Gardner und von der Vollendung her - Ryan Gardner tanzte sich elegant am Ösi-Goalie Brückler vorbei, um dann locker einzuschieben - einfach perfekt, gekonnt, Europacup-würdig. Super gemacht, bravo.
Dito war die Co-Produktion von Pittis und Bühler beim 4. Wie Pittis mit Speed den linken finnischen Verteidiger leer laufen liess um dann den Puck statt aufs Tor zu schiessen (wie es der Finnen Goalie wohl vermutete) locker Kollega Bühler rüber schob, der keine Mühe hatte zu vollstrecken war dann schon hohe europäische Klasse, um nicht jetzt schon das Wort Weltklasse zu strapazieren.
Doch Weltklasse war Alstons Kunstschuss vom rechten Flügel, bzw. Tor Nummer 5: Der Fliege, die im Lattendreieck ihre Eier platzierte ist die ganze Familienplanung deswegen durcheinander geraten. Einfach nur herrlich, wie Alston den Puck auf die ganz rechte Seite seiner gekrümmten Schaufel "büschelte", um dann den Ösi auf der Fanghandseite mit seinem Schlenzer alt aussehen zu lassen und die Fans ins Delirium zu stürzen. WOW, war das ne Kiste. Und der Gegner war ja kein Nobody.
Doch... und hier möchte ich trotz allen - erlaubten und berechtigten - Superlativen auf unseren ZSC etwas kritisch die Leistung der Espoo Blues analysieren:
Ich sage jetzt einfach einmal, diese Finnen haben uns unterschätzt. Sie waren vor allem nicht bereit für einen solchen Fight. Sie waren vom Engagement her nicht bereit, uns einen Match zu liefern, wie wir es gegen sie taten. Ihr Zweikampfverhalten war in vielen Szenen lasch. Nur ein Beispiel: Die Verteididgerarbeit gegen den auf ihn zufahrenden Alston beim 5. Tor war gelinde gesagt nicht „European Cup“ würdig. Simpson hätte dem beim Auswechseln sicher gleich zwei „Hallo wach“ in den Mund gestopft und ihm gleichzeitig gesagt, es solle ihm dann melden, wenn er aufgewacht sei.
Auch ihre Laufbereitschaft war gestern abend ungenügend. Natürlich sind die Espoo Blues eine gute Mannschaft, sonst könnten sie in der finnischen Liga keine wichtige Rolle spielen. Und letzte Saison waren sie ja immerhin zweite hinter Karpät Oulu. Aber schon in diesem Europa Cup setzte es auswärts gegen die Eisbären Berlin eine 3:2 Niederlage ab.
Das Team ist noch jung und leben tat es gestern fast ausschliesslich von einem herausragenden Akteur: Dem Kanadier Ryan Keller, Nummer 25. Er war es, der Akzente setzte, sich Chancen erarbeitete und die entscheidenden Pässe gab. Auch war er es, der unbeabsichtigt Adrian Wichser mit den Schlittschuhkufen an der Nase verletzte. Unglückliche Aktion, Keller stürzte und Wichser machte eine Kopfbewegung nach unten.
Keller wird übrigens seinen 25. Geburtstag einen Tag vor dem Retourmatch in Espoo feiern. Hoffentlich tut er das ausgiebig und mit möglichst vielen Spielerkollegen….! ;o)
Beim ZSC spielte das ganze Team einen herausragenden Match. Nicht ein Spieler wäre dabei negativ zu erwähnen. Unglücklich agierend vielleicht beim zweiten Gegentor Verteidiger Schelling, der im entscheidenden Moment über die Scheibe schlug….. und schon war sie drin! Aber auch er hielt das hohe Tempo wacker mit.
Bester Zürcher für mich gestern Abend Domenico Pittis. Omnipräsent, engagiert, lauffreudig. Herausragender Match.
Denke, dass es vielleicht das qualitativ beste ZSC Spiel war, das ich je gesehen habe.
Und ja, es ist ein anderes Eishockey-Erlebnis in der mit (praktisch) lauter Zürcher Fans besetzten Rapperswiler Eishockey Arena. Tolles Eishockeyspiel, tolles Ambiente, lauter zufriedene und gut gelaunte Fans. Was spielt denn da ein kaltes Würstchen für eine Rolle?
Empfohlen sei allen im übrigen das Stadion Beizli gleich nebenan. Die Fischchnusperli sind Klasse und die Bedienung war Europacup-würdig – sympathisch, freundlich, kompetent, schnell und….. thanks für die Extraportion Kirsch…! ;o)