Jugendlich zum Misserfolg
Die GCK Lions sind mehr denn je Zudiener des ZSC - und bezahlen das mit zuletzt 12 Niederlagen in Folge.
Philipp Muschg
Was der GCK-Captain zu sagen hat, klingt nicht gut. «Es nimmt einen mit», so Tim Ulmann, «es zieht einen runter.»
Es: Das ist das ständige Verlieren, die Serie von Niederlagen, die mittlerweile zwölf Spiele lang ist. Einen einzigen Sieg nur hat das ZSC-Farmteam in 14 Versuchen errungen, liegt in der NLB abgeschlagen am Ende. Der Zweitletzte, Aufsteiger Winterthur, hat 11 Punkte mehr auf dem Konto. Martigny auf dem letzten Playoff-Platz 15. Kein Team hat so wenige Tore geschossen wie die GCK Lions (27), keines so viele erhalten (68).
Andernorts würde eine solche Bilanz Konsequenzen haben, wäre der Trainer kaum mehr im Amt. Doch nicht hier. «Matti Alatalo macht einen super Job», lobt Sportchef Simon Schenk. Die GCK Lions hätten jedes Jahr Höhenflüge und Tiefs, jetzt hätten sie eben «den Tiefschlag Anfang Saison massiv».
Aus diesen Worten spricht auch die Hoffnung. Denn bei den GCK Lions ist einiges nicht mehr wie früher - aus strategischen Gründen. Nie zuvor musste der NLB-Club seine Rolle als Farmteam so extrem interpretieren wie heuer.
Mit Ulmann (27) steht nur noch ein einziger Feldspieler im Team, der vor 1990 geboren wurde. Die restlichen Kaderplätze gingen an Junge, denen man irgendwann den Sprung in die NLA zutraut. Erfahrenere liess man ziehen - weil die Konkurrenz mehr Lohn bot und weil man Platz für nachrückende Talente schaffen wollte. Auch die beiden neuen Ausländer wurden vom ZSC ausgesucht - mit dem klaren Profil, auch in der NLA zu genügen. Und mit der Absicht, sie dort auch einzusetzen. Dass sie dann dem Farmteam fehlten, nahm man in Kauf.
Der schlechteste Start der Clubgeschichte legt nahe, dass die Schraube überdreht wurde. «Vielleicht waren wir zu optimistisch», formuliert es Alatalo. Der Finne schliesst sich selbst mit ein. 2011 kehrte er nach neun Jahren in der Heimat als Chefcoach zu den GCK Lions zurück, erreichte in seinen ersten zwei Saisons das Playoff und wurde danach zweimal Letzter. Der Auftrag des 56-Jährigen war nie schneller Erfolg, sondern die Entwicklung junger Spieler.
In der Theorie passt alles zusammen. Bei der gemeinsamen Vorsaison-Medienkonferenz mit dem ZSC nannte Alatalo als Saisonziele: lernen, was es zum Leben, im Eishockey, im Team und zum Gewinnen braucht. In der Praxis stellt sich die Frage, was ein Team mit einem Altersschnitt von 20,3 Jahren vom ständigen Verlieren lernt.
Die Gründe der Misere sind kein Geheimnis. Stammgoalie Schlegel - für Schenk «unser grosser Hoffnungsträger» - wurde wegen der Verletzung von Flüeler zum ZSC abberufen und konnte nur drei Spiele fürs Farmteam bestreiten. Die etwas weniger Jungen haben noch nicht die Qualitäten ihrer Vorgänger - auch, weil das Talentreservoir vom ZSC schon gründlich geleert wurde. Das Boxplay ist schlecht, die Chancenauswertung ebenfalls.
«Es ist eine harte Schule»
Und schliesslich waren die Ausländer Kris Foucault (Ka) und Daniel Sörvik (No) immer wieder beim ZSC, oft auch im Kopf. Sie sind mit 24 und 25 in einem Alter, in dem sie ihre eigenen Karrieren vorantreiben - die Rolle als Mentor in der NLB ist kaum ihre grösste Qualität. Schenk sieht die Situation als «Mosaik mit vielen Steinen, von denen viele im Moment nicht ganz am rechten Ort sind».
Gescheitert ist das Modell mit dem Farmteam deswegen nicht. Aber nach vier Jahren ständiger Verjüngung wurden womöglich die Grenzen eines Ausbildungskonzepts erreicht, in dem Resultate nur zweitrangig sind. «Es ist eine harte Schule», findet Trainer Alatalo nach zwölf Niederlagen in Folge. Und Schenk gibt zu: «Ab und zu ein Erfolgserlebnis wäre schon schön.»