Beiträge von Larry

    Die Geburt eines Teams

    Diese ZSC Lions können Meister werden

    Im Playoff sind die Zürcher zusammengewachsen, gemeinsam haben sie schwierige Momente überstanden. Nun ist ihnen im Final gegen den EV Zug alles zuzutrauen.

    Simon Graf
    MEINUNGSimon Graf
    Publiziert: 14.04.2022, 23:47

    Yeeeeees! Denis Hollenstein (vorne) schreit seine Freude über den Finaleinzug heraus.


    Yeeeeees! Denis Hollenstein (vorne) schreit seine Freude über den Finaleinzug heraus. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

    Es war Anfang Oktober, die ZSC Lions waren mässig in die Saison gestartet, als Coach Rikard Grönborg sagte, seine Spieler müssten sich als Gruppe zuerst noch finden. «Wenn das einmal klappt, werden wir nur noch schwer zu schlagen sein.»

    Sie haben sich ein bisschen Zeit gelassen, doch im Verlaufe des Playoff haben sich die Zürcher tatsächlich gefunden. Jeder arbeitet für den anderen, keiner schüttelt mehr den Kopf, wenn etwas nicht klappt, man bügelt den Fehler des Kollegen aus und sucht gemeinsam Lösungen. Keiner ist sich zu schade, die sogenannt kleinen Dinge zu erledigen. Einen Schuss zu blocken, auch wenn es weh tut. Den Puck an der Bande auszugraben oder aus dem eigenen Drittel zu bringen unter Druck. Und Grönborg versteht es immer besser, die Eiszeit und die Verantwortung zu verteilen.



    Sechs Siege in Serie


    In der Tat sind die ZSC Lions inzwischen nur noch schwer zu schlagen. Seit sie im Viertelfinal gegen den EHC Biel mit zwei Niederlagen gestartet sind, haben sie acht von neun Playoff-Spielen gewonnen. Davon die letzten sechs in Serie. Mit dem 4:0 über Fribourg zogen sie erstmals seit 2018 in den Final ein. Wir haben in den letzten zwei Wochen die Geburt eines Teams erlebt. Eines Meisterteams? Die Antwort auf diese Frage steht noch aus. Am Ostermontag beginnt der Final gegen den amtierenden Meister EV Zug.

    Es ist nicht das erste Mal, dass die ZSC Lions im Playoff zusammenwachsen. 2008 wurden sie von Rang 6 aus Meister, 2012 und zuletzt 2018 von Rang 7. Was diesmal anders ist: Noch nie waren die Erwartungen so hoch gewesen wie vor dieser Saison. «Jetzt gibt es keine Ausreden mehr!», titelte diese Zeitung, nachdem die Zürcher kurz vor Saisonstart auch noch Denis Malgin engagiert hatten.

    Doch lange lebten die Zürcher in dieser Saison primär von ihrer individuellen Klasse. Diese trug sie, trotz durchzogenen Leistungen, denn auch auf Rang 3 in der Regular Season. Was fehlte, war die Konstanz, die klare Linie im Spiel. Einmal brillant, dann wieder stümperhaft. Man wusste nie, was von den ZSC Lions zu erwarten war. Und so gewinnt man keine Playoff-Serien, bei aller spielerischen Qualität. Ein rauschender Abend im Hallenstadion: 11’200 feierten die Zürcher.


    Ein rauschender Abend im Hallenstadion: 11’200 feierten die Zürcher. Foto: Claudio Thomas (Freshfocus)

    Gerade rechtzeitig rissen sie das Steuer im Viertelfinal gegen den EHC Biel noch herum. Zweimal drohte ihnen das Saisonende. Im Halbfinal gegen Fribourg spielten sie nun das, was sie zu ihren besten Zeiten als ZSC-Hockey rühmten: temporeich und leidenschaftlich, als Team, mit vier Linien, die eine nach der anderen anrollt, Welle für Welle. Und obschon sie die ersten drei Spiele alle erst in Overtime entschieden, waren sie keine Zufallssieger. Sie waren im Finish jeweils frischer, in den Beinen wie im Kopf.

    In den Final gegen den EV Zug steigen die Zürcher als Aussenseiter. Der EVZ ist eine Maschine, hat saisonübergreifend seine letzten zwölf Playoff-Spiele gewonnen. Doch was, wenn die Zuger nun ausgerechnet im Final vom Weg abkommen? Wie stecken sie das weg? Man darf sich auf eine temporeiche, spektakuläre Serie freuen. Und jetzt, da die ZSC Lions (wieder) erblickt haben, worum es im Playoff geht, ist ihnen alles zuzutrauen.

    Zurück aus dder Halle:

    Fiiiiiiinaaaaaleeeee!

    Das haben wir das erste mal im März 2000 gesungen......verrückt!

    18 Uhr Venus Bar, dann Hallenstadion, soooooo viele Leute gesehen!

    Als die Fans jeweils Haaaaallenstaaaadion angestimmt haben ist es mir eiskalt den Rücken runter.....

    Noch bleiben 2-3 Spiele!

      

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    «Der Treffer zählte»: ZSC-Legende Meier.

    MITTAGESSEN MIT ...

    Ernst Meier



    Der ewige ZSC-Präsident blickt dem Abschied aus dem Zürcher Hallenstadion mit Wehmut entgegen – und wühlt mit Freude in seiner Anekdotensammlung.

    Thomas RenggliThomas Renggli


    Ernst Meier verkörpert den ZSC und das Stadtzürcher Eishockey wie kaum ein Zweiter. Und der Ort, an dem er zum Mittagessen einlädt, ist für Sportfreunde mit romantisch-historischem Flair an Attraktivität nicht zu überbieten: das Restaurant «Blume» in Schwamendingen, wo der Schlittschuh von Arno Del Curto, das Trikot von Ari Sulander, der Stock von Auston Matthews und eine original signierte Autogrammkarte von Wladimir Krutow zu bewundern sind. Am vergangenen Sonntag feierte Meier mit seiner Frau Susi im Kreis seiner besten Freunde den achtzigsten Geburtstag.

    In Meier macht sich in diesen Tagen auch leise Sentimentalität breit. Das letzte Saisonspiel des ZSC, der immer noch Schweizer Meister werden kann, hat in einer Beziehung wirklich ultimative Bedeutung. Es wird nach 71 Jahren die Dernière im Oerliker Hallenstadion sein – ab kommendem Herbst geht die Geschichte der ZSC Lions in der neuen Swiss Life Arena in Altstetten weiter: «Dann sind wir ein halber Aargauer Klub», sagt Meier lachend.

    In der «Blume» in Schwamendingen blickt er nochmals zurück – und allein die spontanen Erinnerungen an seine persönlichen Highlights sind von grossem Unterhaltungswert.

    _ «1959 spielte beim ZSC ein kanadischer Stürmer namens Dave Maguire. Er war einer der Ersten in der Schweiz, die die Kunst des slapshot perfektionierten. Als er von der blauen Linie wuchtig abzog und dem gegnerischen Torhüter keine Chance liess, durchschlug der Puck das Tornetz. Zunächst verweigerte der Schiedsrichter den Treffer. Doch als ich mit meinen Kollegen in der Nordkurve lautstark brüllte und protestierte, kontrollierte der Referee das Tornetz und fand prompt ein Loch. Der Treffer zählte.»

    _ «In der ersten Saison nach dem Zusammenschluss mit dem Grasshopper Club verfolgte ich im Winter 1998 ein Heimspiel gegen den SC Bern neben Walter Frey und dessen Frau Barbara. Plötzlich näherte sich ein SCB-Fan und wollte Frey ein Bier über den Kopf leeren. Ich wehrte ihn ab – mit dem Resultat, dass sich der Gerstensaft über meine Frau ergoss. Darauf packte ich den Rabauken am Wickel – und musste mich am nächsten Tag imBlickals ‹Würger vom Hallenstadion› bezeichnen lassen.»

    _ «Legendär war die Verpflichtung von Wladimir Krutow zu Beginn der 1990er Jahre. Dabei kommt mir nicht nur der Sieg gegen das ‹Grande Lugano› 1992 in den Sinn, sondern auch die verspätete Lohnzahlung. Mit dem damaligen Finanzchef Luzi Stamm hatte sich Krutow auf einen Lohn von ungefähr 120 000 Franken geeinigt – sowie einen Franken Bonus für jeden Zuschauer, der im Vergleich zur Vorsaison mehr kommen würde. Bei uns ging dieser Vertragspassus vergessen – nicht aber bei Krutows Frau Nina. Sie führte Buch – und kam im Nachhinein auf eine ausstehende Lohnsumme von 15 860 Franken. 2001 wollten wir Krutow anlässlich einer Benefizveranstaltung für die ZSC-Junioren einen Check in dieser Höhe übergeben. Doch der Russe winkte ab – und bestand auf Barzahlung. Grund: Zu Hause hätte er das Geld versteuern müssen. Also schickten wir den Finanzchef unserer Sponsorenvereinigung zur Bank und überreichten Krutow das Geld in einem Umschlag.»

    Ernst Meier lacht zufrieden, wenn er in seinen Erinnerungen schwelgt. Ab nächster Saison ist das Hallenstadion als Eishockeyarena Schnee von gestern. Meier aber wird seinem Herzensklub ewig treu bleiben – auch in Altstetten. Von Walter Frey hat er zwei Karten auf Lebzeiten erhalten.

    Übrigens: Der vom Hock-Ei so hochgelobt DiDo machte gerade mal 27 Spiele in der NHL, er spielte vor seiner ersten Zeit in Langnau bei eher bescheidenen Clubs in der ECHL und in Italien. Dann der Versuch in der NHL, wieder Langnau und jetzt Fribourg und nächste Saison Bern. Für die NHL reicht es ihm hinten und vorne nicht!

    Es ging mir nur darum aufzuzeigen wie die Karriere von DiDo bisher verlaufen ist, etwas was eigentlich Fanboy Hock-Ei machen sollte. Der schwärmt aber lieber wie ein Frischverliebter. Übrigens war es Malgin der die Serie bis jetzt prägte, nicht DiDo. Es steht 3:0 und nicht 0:3. Ist mir ein Rätsel das man so einen wie das Hock-Ei "abgeworben" hat, für mich ein Grund umzuschalten.

    ...und noch einen:

    Die Vendetta des Vergessenen: wie der ZSC-Goalie Ludovic Waeber gleich zwei Teams zeigt, dass es gefährlich ist, ihn zu unterschätzen

    Der Torhüter Ludovic Waeber war im ZSC im Schatten von Jakub Kovar schon in Vergessenheit geraten, doch nun brilliert er gegen seinen Ex-Klub Gottéron in den Play-offs. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass er in seinem Kopf die Stimme seiner Mutter hört.

    Nicola Berger Plötzlich wieder die Nummer 1: Ludovic Waeber bei den ZSC Lions.

    Plötzlich wieder die Nummer 1: Ludovic Waeber bei den ZSC Lions.

    Jean-Christophe Bott / Keystone

    Gegentore lassen sich nicht gänzlich vermeiden, für Torhüter geht es darum, mit ihnen leben zu lernen. Und sich von ihnen nicht herunterziehen zu lassen. Ludovic Waeber, 25, hat diese Kunst auf besondere Weise perfektioniert: Wenn er einen Treffer kassiert, hört er im Kopf die Stimme seiner Mutter, die ihm gut zuredet.

    Waeber sagt: «Meine Mutter hat wirklich nicht viel Ahnung von Sport. Sie ist ein sehr positiver Mensch und will einfach, dass es mir gut geht, dass ich mich gut fühle.» Schon als Kind habe sie ihm nach Gegentoren immer zugerufen, dass das nichts mache und dass er den nächsten Puck halten werde. «Das habe ich verinnerlicht. Wenn ich heute ein Tor erhalte, dann höre ich, wie sie zu mir spricht. Es hilft mir, mich wieder aufzurichten.»

    Diese Unbeeindrucktheit und Coolness ist neben den technischen Fertigkeiten Waebers wichtigste Qualität. Und sie wird ihm gerade wieder zupass, in diesem Frühjahr, das für ihn düster begann. Im Dezember verpflichtete der ZSC den früheren tschechischen Nationaltorhüter Jakub Kovar. Das Engagement war gleichermassen eine Trainerstützungsmassnahme für den zu jenem Zeitpunkt arg wackelnden Rikard Grönborg wie auch eine Art Misstrauensvotum gegenüber den arrivierten Goalies Waeber und Lukas Flüeler.

    Kovar spielte sehr schnell sehr gut, und bald setzte der Coach fast ausschliesslich auf den Tschechen. In der knapp gewonnenen Play-off-Viertelfinalserie gegen Biel war Kovar neben dem Stürmer Denis Malgin der beste ZSC-Profi.

    Nur Genoni hat bessere Werte

    Fraglos hätte Grönborg auch im Halbfinal gegen Gottéron auf Kovar gesetzt, doch dieser musste krankheitsbedingt Forfait erklären. Wie aus dem Nichts schlägt nun deshalb doch wieder die Stunde Waebers, der nach fast einem Monat ohne Spielpraxis alle drei Partien gewonnen hat, stets mit 3:2 nach Verlängerung. Waeber parierte 94,6 Prozent aller Schüsse, nur der Zuger Play-off-Spezialist Leonardo Genoni weist eine noch bessere Statistik aus.

    Der ZSC-Sportchef Sven Leuenberger hatte Waeber 2020 eher für die zweite Reihe verpflichtet. Bei Gottéron hatte der junge Torhüter nur sporadisch gespielt und in seiner Entwicklung stagniert. In Zürich sollte er ein kostengünstiger Back-up sein, doch bald überflügelte er den verletzungsanfälligen Lukas Flüeler und war in den Play-offs die unbestrittene Nummer 1.

    Es war eine erstaunliche Transformation, die Stephan Siegfried, den erfahrenen ZSC-Goalie-Coach, allerdings nicht überraschte. Siegfried sagt: «Er ist ein sehr guter Goalie und eine sehr gute Person. Das heisst: Er hat nicht nur das Talent. Sondern auch die Lernbegierde.»

    Waebers Werte liegen über dem Liga-Durchschnitt – doch die Ansprüche in Zürich sind hoch

    Auch in dieser Saison waren die Darbietungen ansprechend, Waebers Werte lagen über dem Liga-Durchschnitt. Doch die Ansprüche in Zürich sind hoch. Und der ZSC kann selten widerstehen, wenn sich ein hochwertiges, namhaftes Upgrade auf dem Transfermarkt befindet.

    Auf die Kovar-Verpflichtung reagierte Waeber ähnlich gelassen wie auf Gegentreffer, er sagt: «Der Klub wollte sich absichern. Es ist doch besser, wenn man drei gute Goalies hat, die spielen können. Als wenn das Risiko besteht, niemanden zu haben.» Und er fügt an: «Kovar hat mehr gespielt, weil er besser war als ich. Das ist ein normaler Konkurrenzkampf. Mir nützt das eher, als dass es mir schadet. So muss ich einfach wieder mehr zeigen, es ist ein zusätzlicher Ansporn.»

    Über die Zukunft, sagt Waeber, habe er sich keine Gedanken gemacht. Obwohl er seinen Vertrag im Herbst um drei Jahre verlängert hat und er damit rechnen muss, dass der ZSC ihm für 2022/23 wieder einen ausländischen Goalie vor die Nase stellt, zumal dann ja sechs Lizenzen vergeben werden können. Er sagt: «Ich kann das nicht beeinflussen. Ich muss einfach besser sein als mein Konkurrent.»

    Goalies erinnerten ihn als Kind an Superhelden

    Waeber hat sich eine Pflegeleichtigkeit bewahrt, die nicht mehr selbstverständlich ist im modernen Sport. Womöglich hängt sie damit zusammen, dass er manchmal selber darüber staunt, dass das tatsächlich geklappt hat: Profi zu werden. Als Knirps begeisterte er sich für Superhelden; Power Rangers, Spiderman, Batman, Hulk.

    Und als ihn der Vater im Alter von fünf Jahren an ein Spiel in den Freiburger Eishockeytempel St. Léonard mitnahm, erinnerten ihn Goalies an diese Figuren mit ihrer Ausrüstung, ihren Masken. Waebers Wahrnehmung des damaligen Gottéron-Torhüters Gianluca Mona als Superheld dürfte weltexklusiv gewesen sein. Aber sie machte derart Eindruck, dass er den maskierten Helden der Rinks nachzueifern begann.

    Waeber entwickelte eine Obsession, die dazu führte, dass er in der Pubertät praktisch jede freie Minute auf der Eisbahn verbrachte. Er schaute sich alle Trainings an, von den Bambini-Junioren bis zur ersten Mannschaft. Er sagt: «In den ersten Jahren hatte ich keine Ahnung von Systemen oder davon, wie man das Spiel liest. Das musste ich erst alles lernen. Und die Trainingsbesuche halfen mir dabei sehr.»

    Inzwischen ist Waeber vom staunenden, mittelmässige Goalies bewundernden Bub zu jenem Mann geworden, der kurz davor ist, seinem Stammklub Gottéron eine neuerlich schmerzhafte Play-off-Schmach zuzufügen. In Freiburg war er einst ebenso verkannt worden wie jüngst in Zürich. Seine aktuellen Darbietungen sind so etwas wie die Vendetta eines Vergessenen.

    ZSC-Star Denis Malgin

    Der Hochbegabte, der goldene Eier legt

    Der 25-jährige Stürmer ist in der Halbfinalserie gegen Fribourg (3:0) die Schlüsselfigur. Die Zürcher sollten die Zeit mit ihm auskosten, denn sie könnte bald enden.

    Simon Graf
    Simon Graf
    Publiziert heute um 18:18 Uhr

    Der erste von zwei Streichen: Denis Malgin bejubelt sein spätes 2:2 in Spiel 3 in Freiburg.


    Der erste von zwei Streichen: Denis Malgin bejubelt sein spätes 2:2 in Spiel 3 in Freiburg. Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

    Denis Malgin war 13, als er als hochbegabter Junior vom EHC Biel zu den ZSC Lions stiess. Sein damaliger Zürcher Coach Wiktor Ignatiew kann sich noch gut erinnern, wie er ihn erstmals auf dem Eis sah: «Mir fiel sofort auf: Er kann unglaublich gut Schlittschuh laufen. Wie er auf den ersten drei Schritten beschleunigt, so tief und schnell, für mich ist das ein Wunder. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das von klein auf Tag und Nacht trainiert hatte. Das war ihm einfach in die Wiege gelegt worden. Dazu seine Spielübersicht, es ist so schön, ihm zuzusehen.»

    Ignatiew ist ein exzellenter Juniorentrainer und führte kürzlich die U-17 der Zürcher zum zweiten Meistertitel in Serie. Er kann die Jungen ganz schön schleifen, wenn es nötig ist. Bei Malgin sei es für ihn aber vor allem um eines gegangen: nichts zu zerstören. «Ich sagte zu ihm: ‹Denis, offensiv darfst du alles machen, was du möchtest.› Er ist ein Spieler im wahrsten Sinne des Wortes, er liebt es zu spielen. Ihn in ein System zu integrieren, war nicht so einfach. Aber wieso ihn in ein System pressen, wenn er dir goldene Eier legt?»

    Ausverkauftes Hallenstadion


    Goldene Eier legt Malgin dieser Tage auch für die ZSC Lions im Halbfinal gegen Gottéron. Die Spiele 1 und 3 entschied er mit seinen Toren in der Overtime. Eindrücklich, wie er am Freitag in der zweiten Verlängerung am Ende seines Einsatzes nochmals nach vorne stürmte und die Entscheidung erzwang. Am Dienstag stürzte er sich vor dem Freiburger Tor auf den Puck wie ein Raubtier auf seine Beute. Er habe auch zuerst das Video anschauen müssen, um zu verstehen, was bei seinem Siegtor genau passiert sei, sagt er schmunzelnd. Es war purer Instinkt.


    Wie ein Raubtier auf seine Beute stürzt sich Denis Malgin auf den Puck und entscheidet Spiel 3. Video: MySports

    Der 25-Jährige ist das Extra, das in dieser so ausgeglichenen Serie den Unterschied macht. Meist sind es die weniger prominenten Spieler und nicht die Stars, die in der Overtime die Tore schiessen. Malgin ist die Ausnahme, die diese Regel bestätigt. Das hat auch mit dem Coaching von Rikard Grönborg zu tun. Der Schwede versteht es immer besser, vor allem im Angriff seine Kräfte zu verteilen.

    Gottérons Christian Dubé presste in Spiel 3 aus Chris DiDomenico heraus, was er konnte, zuletzt war der Kanadier ausgelaugt. Malgin hingegen war im Finish noch frisch, auch gedanklich. Er hatte 24 Minuten Eiszeit, DiDomenico über 33 Minuten.

    Er habe bei Malgin schon mit 13 gewusst, dass er sein Geld einmal mit Eishockey verdienen würde, sagt Juniorencoach Ignatiew. Doch so spielerisch leicht ihm alles zu fallen scheint, auch Malgin musste sich seine Karriere hart verdienen. In seinen ersten ZSC-Jahren pendelte er für jedes Training von Olten nach Zürich, manchmal auch allein mit dem Zug. Als er 15 war, zog er mit seiner Mutter Nelja nach Oerlikon, derweil Vater Albert in Martigny lebte und coachte.


    Allein in Zürich


    «Ab und zu besuchte meine Mutter meinen Vater, und ich war in Zürich allein», erinnert sich Malgin. «In dieser Zeit lernte ich viel, wurde ich selbstständiger und reifer.» Bald ging alles sehr schnell: Mit 17 debütierte er 2014 unter Marc Crawford in der ersten Mannschaft der ZSC Lions, mit 19 bei den Florida Panthers in der NHL. In vier Saisons bestritt er 192 Spiele (60 Punkte) in der weltbesten Liga, ehe er vor zwei Jahren bei Toronto in einer Sackgasse angelangt war und in die Schweiz zurückkehrte. Zuerst zu Lausanne, auf diese Saison hin zu den ZSC Lions.

    «Ich habe in diesen zwei Jahren nochmals einen Schritt gemacht», sagt Malgin. «Hier kann ich meine Stärken ausspielen, meine Kreativität, meine Spielintelligenz, den Puck führen und Verantwortung übernehmen.» Und mit Sven Andrighetto und Denis Hollenstein hat Grönborg nun auch die idealen Sturmpartner für ihn gefunden. Malgin und Andrighetto lieben es beide, etwas mit dem Puck anzustellen. Trotzdem würden sie gut zueinander passen, sagt Grönborg. «Weil sie beide einen hohen Hockey-IQ haben, das Spiel auf eine ähnliche Weise verstehen.»

    Es gab in diesem Winter Phasen, da verliessen sich die ZSC Lions zu sehr auf die Geistesblitze Malgins. Vielleicht war gerade sein Ausfall in der Biel-Serie in den Spielen 3 und 4 heilsam für die Zürcher. Sie sind seitdem als Team gewachsen, wobei Malgin immer noch Glanzpunkte setzt. «Geskort hat er immer», sagt Grönborg. «Aber was mich am Dienstag besonders freute, war, wie solide er auf dem ganzen Eisfeld spielte, wie er konsequent nach hinten arbeitete. Das ist auch ein Zeichen an die ganze Mannschaft.»


    Sturmtrio auf einer Mission


    Die letzten beiden ZSC-Meistertitel verpasste Malgin. 2014 war er noch nicht in der ersten Mannschaft, stiess erst danach dazu, 2018 war er bereits in der NHL. Man spürt, er möchte mit den Zürchern unbedingt etwas erreichen. Auch seine Linienkollegen Andrighetto und Hollenstein jagen noch ihren ersten Schweizer-Meister-Titel. Der erste ZSC-Sturm, der seit Spiel 6 des Viertelfinals gegen Biel gross aufspielt, ist auf einer Mission.

    Was bei Malgin dazukommt: Trotz seines Vertrags bis 2025 könnte er gemäss Agreement mit der NHL jeden Sommer nach Nordamerika zurückkehren. Ausgeträumt sei sein NHL-Traum noch nicht, sagt er. «Aber jetzt ist Playoff, jetzt denke ich keine Sekunde darüber nach.» Er weiss: Im Eishockey geht es nicht nur auf dem Eis rasant. Es gilt die Chance zu packen, wenn sie sich bietet. Man weiss nie, wann sie wiederkommt.

    Übrigens: Der vom Hock-Ei so hochgelobt DiDo machte gerade mal 27 Spiele in der NHL, er spielte vor seiner ersten Zeit in Langnau bei eher bescheidenen Clubs in der ECHL und in Italien. Dann der Versuch in der NHL, wieder Langnau und jetzt Fribourg und nächste Saison Bern. Für die NHL reicht es ihm hinten und vorne nicht!

    Absolut Deiner Meinung. Man öffnet damit in Zukunft die Schleusen für unakzeptables Verhalten von Seiten Staff auf allen Stufen bis zu den Junioren.

    In der NHL wäre die Strafe drakonisch! Und sowas wird noch in der Nati beschäftigt! Aber eben: Säuhäfeli, Säuteckeli....