Beiträge von Larry

    Noch mein Senf zur Serie gegen Fribourg:

    Fribourg hätte eben den ersten Platz in der Tabelle nicht mit zig Niederlagen gegen Ende Saison noch Zug überlassen sollen, dann wären sie jetzt im Final, denn Davos hätten sie besiegt! Und der ZSC und Zug hätten sich im Halbfinale schon getroffen.

    Hätte hätte Fahrradkette.....

    Fribourg war lange auf Augenhöhe aber halt nicht mehr. Berra nicht die Wand die ich eigentlich erwartet habe. Und unser Coach macht sich nichts aus Sprüchen wie "never change a winning team", er macht was er gerade für gut befindet. Bin sicher wir hätten auch mit Waeber im Tor gewonnen und er hätte noch einen Ausländer mehr bringen können aber he, es hat ja auch so funktioniert!

    Zug ist eine andere Nummer, aber ich denke wir werden ihnen auf Augenhöhe begegnen, Details werden entscheidend sein.

    Filipescu spielte wie im Garten, von Bergen verstand fast kein Wort – wie der FCZ 2006 nach langer Zeit wieder Meister wurde

    Vor 16 Jahren feierte der FC Zürich letztmals einen Meistertitel, der ähnlich überraschend war wie der Erfolg, der sich heute ankündet. Wie gut dieses Team gewesen war, zeigte sich erst in den Jahren danach.

    Benjamin Steffen (NZZ)


    Der erste Meistertitel nach 25 Jahren: Spieler und Staff des FC Zürich feiern am 14. Mai 2006 auf dem Balkon des Volkshauses mit einer Vielzahl von Fans.

    Der erste Meistertitel nach 25 Jahren: Spieler und Staff des FC Zürich feiern am 14. Mai 2006 auf dem Balkon des Volkshauses mit einer Vielzahl von Fans.

    Franco Bottini / NZZ

    Als Iulian Filipescu am 13. Mai 2006 dieses legendäre Goal für den FC Zürich erzielt hatte, das 2:1 gegen den FC Basel, in der 93. Minute – da rief der FCZ-Trainer Lucien Favre dem Sportchef Fredy Bickel zu: «Jetzt sind wir Meister.» Und Bickel sagte: «Spinnst du, jetzt kommt noch die Nachspielzeit.» Obschon sie schon fast fertig war. Aber für Bickel fühlte es sich an, als finde dieses Spiel nie ein Ende.

    Als Filipescu dieses Goal erzielte, dachte der FCZ-Captain Marc Schneider, die Welt stehe still. Im FCB-Stadion so etwas wie totale Ruhe, und in sich drin das Gefühl: «Doch noch geschafft – kann gar nicht wahr sein.»

    Für den einen stand die Zeit still. Für den anderen die Welt.

    Als Filipescu dieses Goal erzielte, fand sein Abwehrkollege Steve von Bergen, das Stadion sei plötzlich stumm. Er hatte Hühnerhaut, die FCZ-Spieler schrien vor Freude, aber ihm ist heute, als seien die Schreie im Nirgendwo verhallt.

    Als Filipescu dieses Goal erzielte, dachte er . . . nun ja. «So viele Leute und so viele Spieler sagen, dass sich solche Gefühle nicht beschreiben lassen. Aus diesem Grund ist Fussball ein derart erfolgreicher Sport – weil solche Dinge passieren.» So erzählt er es heute. Gelassen halt. Unbeschreiblich.

    Es dauert drei Minuten, bis Filipescu zurückschreibt auf die Anfrage, ob er Zeit habe, über den Meistertitel mit dem FCZ 2006 zu reden. Als sehe er es als seine Pflicht. Filipescu weiss, dass er mitgeholfen hat, einen Mythos zu begründen, vielleicht ist es sogar sein Mythos. Ausgerechnet Filipescu schoss das entscheidende Tor, dieser unbeschreibliche Verteidiger, cool, hart, zäh.

    Wer weiss schon, warum ausgerechnet Filipescu damals im gegnerischen Strafraum stand. Die Entscheidung im Basler St.-Jakob-Park: Iulian Filipescu (weisses Trikot, links) schiesst am 13. Mai 2006 das 2:1 und den FC Zürich zum Meistertitel. Pascal Zuberbühler, der Goalie des FC Basel, ist geschlagen.

    Die Entscheidung im Basler St.-Jakob-Park: Iulian Filipescu (weisses Trikot, links) schiesst am 13. Mai 2006 das 2:1 und den FC Zürich zum Meistertitel. Pascal Zuberbühler, der Goalie des FC Basel, ist geschlagen.

    Patrick B. Kraemer / Keystone

    Raffael vergisst bis heute nicht, wie nervös er war

    Jedenfalls sicherte Filipescu dem FCZ den ersten Meistertitel seit 25 Jahren, gegen den Dominator FCB. Der Titel kam in letzter Minute, aber er gleicht der Meisterschaft, die sich dieser Tage ankündet: Niemand rechnete vor der Saison mit dem FCZ, 2005 nicht und 2021 nicht. Und worin der damalige Sportchef Bickel eine Gemeinsamkeit sieht: im Zusammenhalt des Teams, im Willen, in der Harmonie. Er sei in letzter Zeit hin und wieder im Stadion gewesen, sagt Bickel, «man spürt es bis auf die Tribüne».

    Nicht alle waren beste Freunde im Meisterteam 2006, Filipescu war geschätzt, aber irgendwie auch gefürchtet. Doch spätestens wenn’s drauf ankam, hielten sie zusammen. Und einige taten es schon vorher.

    Auch Schneider verweist auf den Teamgeist: «Wir waren viele im ähnlichen Alter, die noch keinen Meistertitel gewonnen hatten.» Etwa die Ur-FCZler Alain Nef und Florian Stahel oder die Romands Xavier Margairaz und Steve von Bergen. Sie verbrachten viel Zeit miteinander – und der Neuenburger von Bergen lernte Schweizerdeutsch.

    Der Sportchef Bickel hatte von Bergen in einen Deutschkurs geschickt, aber nach zwei Besuchen sagte von Bergen: «Das bringt mir nicht viel.» Bickel sagte: «Aber du gehst» – und von Bergen entgegnete: «Ich muss nicht Sätze lernen wie: ‹Ich heisse Steve.›» Von Bergen sagte, er ziehe lieber mit den Deutschschweizern umher, da lerne er mehr. Es kam vor, dass er und Margairaz während eines Abendessens fast kein Wort verstanden; wenn die anderen lachten, grölten sie einfach mit. Schneider habe mit ihm manchmal so geduldig und langsam geredet, als spräche er mit einem Kleinkind. Und als Stahel einmal sagte: «Gömmer ga poschte», da meinte von Bergen, sie gingen gemeinsam zur Post. Aber sie lachten – und wuchsen zusammen.

    Auch mit Filipescu. Der Rumäne hatte 1996 und 2000 an der EM teilgenommen, 1998 an der WM. Er war eine Figur, Raffael sagt heute, er habe Filipescu aus dem Fernsehen gekannt. Raffael war der beste FCZ-Stürmer damals, jung wie viele andere, geboren 1985 in Brasilien, eigentlich als Rafael, Rafael Caetano de Araujo. 2003 wechselte er zum FC Chiasso, und da beflockte jemand Rafaels Trikots mit dem Namen «Raffael», mit Doppel-F, und Rafael dachte: «Ist eigentlich auch noch schön.»

    Dabei blieb es, als Raffael kam Rafael weit in der Fussballwelt, er spielte elf Jahre in der Bundesliga, bei Hertha Berlin, Schalke und Mönchengladbach. Er hat viele grosse Spiele absolviert, aber er weiss bis heute, wie nervös er in den Tagen vor dem 13. Mai 2006 war; wie es sich anfühlte zu wissen: «Ich kann Meister werden.» Er schlief schlecht, er telefonierte viel mit dem Vater und dem Bruder. «Sie sagten mir einfach: Versuch, ruhig zu bleiben.»

    Big in Mönchengladbach: in Brasilien aufgebrochen, in Chiasso und Zürich aufgestiegen, in der Bundesliga gross geworden.

    Youtube.com

    Heute wohnt Raffael in einem Ort in der Nähe von Mönchengladbach, er pausiert, bis Ende 2021 spielte er noch in der höchsten slowakischen Liga, in einem Klub, der Loïc Favre gehört, dem Sohn des FCZ-Meistertrainers von 2006. Verbundenheit bis heute. Raffael hat vier Kinder, die Familie brauche ihn, sagt er; ob er so richtig zurücktritt, entscheidet er im Sommer. «Grüssen Sie Iulian», sagt Raffael.

    Er führt ein Leben, wie es Iulian Filipescu schon länger pflegt. Filipescu lebt in Oviedo und hat drei Kinder, 22, 18 und 15 Jahre alt, an diesem Mittwoch im April hat er gerade wieder Schul-Chauffeur gespielt. «Ich geniesse das Glück, Zeit zu haben und meine Kinder aufwachsen zu sehen», sagt Filipescu. Er erkundigt sich nach Raffael, nach Alain Nef, nach Davide Taini, dem damaligen Ersatzgoalie. Gestatten, Künstler Raffael! Oder Rafael? Rafael Caetano de Araujo, der Stürmer, der später lange in der Bundesliga spielte – und noch heute weiss, wie nervös er in den Tagen vor dem 13. Mai 2006 war.

    Gestatten, Künstler Raffael! Oder Rafael? Rafael Caetano de Araujo, der Stürmer, der später lange in der Bundesliga spielte – und noch heute weiss, wie nervös er in den Tagen vor dem 13. Mai 2006 war.

    Ulmer / Imago

    Auf die Frage, ob er sich damals bewusst gewesen sei, welch wichtige Rolle er habe, mit all dieser Erfahrung und diesen Erfolgen, vier Meistertitel in Rumänien, zwei in der Türkei – da sagt Filipescu: «I don’t think it’s about thinking. It’s just about doing what you do.» Schliesslich habe er in anderen Ligen gespielt, auf höherem Niveau – «ehrlich gesagt: Für mich war es nicht so schwierig, in der Schweiz zu spielen. Es gab zwei, drei wichtige Spiele auf höherem Level – aber die anderen: nicht so.»

    Filipescu sagt, er habe einfach gespielt, doing what you do, und den anderen zu helfen versucht, etwa dem Abwehrkollegen von Bergen, mit dem er auf dem Feld eine gute Beziehung gehabt habe, «er war jung, er lernte viel, denke ich». Was? «Kommunikation, Position, etwa: nicht auf den Ball zu schauen», er lacht, «sondern: sich zu überlegen, was die nächste Bewegung ist».

    Vermutlich war Filipescu deshalb im FCB-Strafraum in der 93. Minute: weil er sich überlegt hatte, was die nächste Bewegung ist.

    Assan Ceesay erinnert an Alhassane Keita

    Auch Steve von Bergen wusste, dass Filipescu eine Figur war. «Er war streng mit mir, und ich wollte unbedingt zeigen, dass ich mache, was er sagt – ich wollte auf seiner Höhe sein.» Filipescu und von Bergen unterhielten sich auf Englisch, und wenn Filipescu mit ihm Rumänisch redete, wusste von Bergen, dass er etwas gar nicht gut gemacht hatte. Von Bergen erzählt: «Er sagte mir immer: ‹Ich gehe in den Zweikampf – und wenn ich den Zweikampf verliere, bist du hinter mir. Du machst, was du willst. Aber der Platz zwischen dem Goalie und mir ist deine Arbeit. Du bist schnell, du bist jung, du musst laufen, Junge.›»

    Filipescu sagte von Bergen, was er besser machen müsse, immer wieder. Am Tag nach einem Spiel fragte er: «Hast du das Gegentor gesehen?» Von Bergen: «Eh, ja.» Filipescu: «Und, was denkst du?» Während eines solchen Austauschs habe Filipescu selten gelacht, er habe wirklich zeigen wollen, dass er unzufrieden war – aber wenn sie sich ausgesprochen hatten, lachte er, «kein Problem, ein guter Mensch. Auf dem Platz war er hart, daneben anständig.»

    «Auf dem Platz war er hart, daneben anständig» – wie im Mai 2016, als Iulian Filipescu, in der Abstiegssaison und zehn Jahre nach dem Meistertitel, den Letzigrund besuchte.

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    Von Bergen versteht, dass Filipescu sagt, es sei nicht so schwierig gewesen, in der Schweiz zu spielen – «manchmal kam es mir vor, er spiele mit ein paar Kollegen im Garten. Und als ich es einmal ähnlich versuchte, mit einem Dribbling oder so, fuhr er mich an und sagte: ‹You cannot do that. I do that – you run.›» Und von Bergen sagt noch: «Wissen Sie: Er war ein grossartiger Spieler.»

    Als drohe es vergessenzugehen im Kult um dieses Filipescu-Tor.

    Es brauchte diesen «grossartigen», routinierten Spieler, weil es viele andere mit weniger Erfahrung gab. Nicht nur Rafael/Raffael war aus der Challenge League verpflichtet worden, auch Alexandre Alphonse, vom FC La Chaux-de-Fonds. Margairaz und von Bergen waren als Youngsters von Xamax gekommen. Oder Gökhan Inler: Er hatte vor dem Wechsel zum FCZ auf der Ersatzbank des FC Aarau gesessen.

    Oder Alhassane Keita. «Verkauf ihn», habe es geheissen, als er als Sportchef zu arbeiten begann, sagt Fredy Bickel heute – Keita treffe keinen Lastwagen. Und vielleicht hätte ihn Bickel auch verkauft, wenn er einen Abnehmer gefunden hätte. Fand er nicht. Keita blieb, am 13. Mai 2006 schoss er das 1:0, die Saison beendete er als Torschützenkönig. Bickel sagt, Keita erinnere ihn manchmal an Assan Ceesay, der bis vor dieser Saison für den FCZ seit 2018 nur sechs Meisterschaftstore geschossen hatte, also keinen Lastwagen traf – und der in dieser sagenumwobenen FCZ-Spielzeit schon 14 Goals verbucht.

    Noch so eine Parallele zwischen damals und heute. Solche Geschichten braucht es für einen überraschenden Meistertitel. Zwei Romands in Zürich: Steve von Bergen (Nummer 4) und Xavier Margairaz (5). Daneben und dahinter von links nach rechts: der Trainer Lucien Favre, Alhassane Keita, Raffael, César und Iulian Filipescu.

    Zwei Romands in Zürich: Steve von Bergen (Nummer 4) und Xavier Margairaz (5). Daneben und dahinter von links nach rechts: der Trainer Lucien Favre, Alhassane Keita, Raffael, César und Iulian Filipescu.

    Imago

    Von Bergen erklärt Favre

    Nicht nur Raffael spielte danach lange Zeit im Ausland, von Bergen ebenso, Blerim Dzemaili sowieso, der spätere Nationalteam-Captain Gökhan Inler ist noch heute in der Türkei, Margairaz ging nach Spanien, und es gab César, der im FCZ so etwas wie der Papa gewesen war für den jungen Raffael – auch ihn holte Favre einst noch für ein halbes Jahr zu Hertha Berlin.

    «Wenn Lucien in einem Spieler etwas sah, brachte er ihn weiter, als es fast jedem anderen Trainer möglich gewesen wäre», sagt der Sportchef Bickel. Favre wusste zwar lange nicht, in wem er was sehen sollte; es heisst, er habe noch in allerletzte Verhandlungsrunden angerufen und gesagt, man möge diesen Spieler lieber doch nicht verpflichten, so auch im Fall von Bergens. Als von Bergen darauf angesprochen wird, sagt er, Favre habe doch bloss gezögert, weil er alles wissen wollte über einen Spieler, «sportlich und menschlich – er wollte Gewissheit haben, dass der Spieler wirklich etwas bringt».

    Als es um die Verpflichtung von Raffael ging, erwog der FCZ auch den Transfer eines anderen Brasilianers, von Gaspar. Bickel tendierte zu Gaspar, Favre aber fand, Raffael bringe er weiter. Und er brachte ihn so weit, dass sie später lange gemeinsam in Deutschland arbeiteten.

    Favre und Bickel kannten die Stärken des anderen. Favre war der Tüftler auf dem Feld; was Filipescu an von Bergen bemängelte, versuchte auch Favre zu korrigieren, you run, nicht auf den Ball schauen. Aber die Ansprachen vor dem Team, Einzelgespräche oder Zielvereinbarungen überliess Favre gerne Bickel.

    In die Rückrunde 2006 starteten die Zürcher mit acht Punkten Rückstand auf den FCB, aber sie sagten sich: Wenn ihnen die Basler eine Chance böten, wollten sie sie packen. Sie malten ein Plakat, und wenn Bickel davon erzählt, erfasst ihn Wehmut, weil er das Plakat nicht mehr hat. Eine Basler Fahne oder ein Basler Spieler sei darauf zu sehen gewesen, zudem ein Mutmacher-Slogan, Bickel kennt ihn nicht mehr genau. Egal – das Plakat begleitete den FCZ durch die Rückrunde, es kam an jedes Spiel mit, ausserhalb des Klubs bekam es niemand zu sehen, und der FCZ verlor kein Spiel.

    Marc Schneider ist heute selber Trainer, er arbeitete im FC Thun und zuletzt in Belgien, er sagt: «Als Trainer habe ich mich schon oft gefragt: Wie kamen wir damals mit dem FCZ in diesen Flow? Du kannst nicht einen Knopf drücken, und es funktioniert – wir spielten einfach, wir siegten und siegten und merkten, wie wir dem FCB immer näher kamen.»

    Bis die Zeit stillstand und sogar die Welt.

    Für andere brach sie zusammen, die Basler Fans provozierten nach der Niederlage schlimme Ausschreitungen, die den FCB vor jahrelange Identitätsfragen stellten.

    Beim FCZ war es so: Die Identität dieser Mannschaft zeigte sich erst später, mit all den Wegen, die die Spieler gingen. Der FCZ gewann auch noch 2007 und 2009 den Meistertitel und seither nie mehr – aber diese Mannschaft von 2006 war besonders wie keine sonst. Weil sich erst in den Jahren danach zeigte, wie gut sie eigentlich gewesen war. 2007 folgte der nächste Titel: wieder mit dem Trainer Lucien Favre, mit Blerim Dzemaili (Hand am Pokal), der auch heute wieder im Team ist, und mit dem späteren Nationalmannschafts-Captain Gökhan Inler.

    2007 folgte der nächste Titel: wieder mit dem Trainer Lucien Favre, mit Blerim Dzemaili (Hand am Pokal), der auch heute wieder im Team ist, und mit dem späteren Nationalmannschafts-Captain Gökhan Inler.

    Ansage der ZSC Lions

    Fertig Achterbahn – der Meisterexpress ist angerollt

    6 Siege in Serie, 4:0-Erfolg im Halbfinal gegen Fribourg – die ZSC Lions haben sich von ihrem Auf und Ab verabschiedet. Nun fordern sie Titelverteidiger Zug.

    Marco Keller
    Marco Keller
    Publiziert heute um 11:35 Uhr

    Klare Sache, grosser Jubel: Reto Schäppi und Kollegen feiern den 6:2-Sieg im vierten Halbfinal gegen Fribourg-Gottéron und den Finaleinzug.


    Klare Sache, grosser Jubel: Reto Schäppi und Kollegen feiern den 6:2-Sieg im vierten Halbfinal gegen Fribourg-Gottéron und den Finaleinzug. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

    Das ganze Stadion mit Ausnahme der Freiburger Supporter und Spieler ist in Feierlaune, als sich die beiden Teams zur Ehrung der besten Akteure und dem anschliessenden Shakehands aufstellen. Auch Patrick Geering freut sich über den 6:2-Erfolg, der das schnellstmögliche Ende der Halbfinal-Serie bedeutet. In den grossen Jubel mag er aber nicht einstimmen. Noch vor der Verkündung der Namen hat der ZSC-Captain an der blauen Linie eine Botschaft an seine Teamkollegen: «Ich habe ihnen gesagt, dass es nur ein weiterer Schritt ist in die Richtung, in die wir gehen wollen.» Auch Teamkollege Simon Bodenmann sieht schon wieder das grosse Bild: «Es war ein geiler Abend und er machte Lust auf mehr.»


    Die Serie gegen Fribourg-Gotéron war allerdings ein beeindruckender Schritt. Mit 4:0-Siegen schickten die Zürcher den Qualifikations-Zweiten in die Ferien, und auch wenn das Verdikt vielleicht etwas zu hoch ausgefallen ist, weil die drei ersten Siege via Verlängerung eingespielt wurden, so setzte sich doch zweifelsfrei die richtige Mannschaft durch. «So einseitig wie es aussieht, war es nicht, aber wir waren in der Overtime dreimal das bessere Team», fasst Bodenmann zusammen. Inklusive der beiden letzten Spiele im Viertelfinal gegen Biel sind die Lions nun schon sechs Spiele ungeschlagen.

    Am Donnerstag war für einmal bei den Supportern ab dem zweiten Drittel kein Nägelkauen mehr angesagt. Von Marcus Krügers 2:1 bis zu Bodenmanns 5:1 dauerte es knapp 14 Minuten, und in dieser Zeit verlor Gottéron auch noch Topskorer und Perpetuum mobile Chris DiDomenico mit einem Restausschluss nach einer gefährlichen Charge mit dem Knie gegen Geering. Obwohl erst vier Sekunden nach Ablauf der Strafe das 3:1 fiel, sei dies eine entscheidende Phase gewesen, denkt Geering: «Ihnen hat es die Luft genommen, uns mehr Schwung gegeben.»Heisssporn «DiDo», der künftig für den SCB stürmt, entschuldigte sich übrigens postwendend bei Geering für die Aktion und kehrte später zum Shakehands aufs Eis zurück. Der Startschuss zur Gala: ZSC-Vorkämpfer Chris Baltisberger bejubelt sein 1:0, die Freiburger Olympia-Teilnehmer Reto Berra und Raphael Diaz sind bedient. 


    Der Startschuss zur Gala: ZSC-Vorkämpfer Chris Baltisberger bejubelt sein 1:0, die Freiburger Olympia-Teilnehmer Reto Berra und Raphael Diaz sind bedient. KEYSTONE


    Keine Lust mehr auf die Achterbahn


    Seit dem 0:2-Rückstand im Viertelfinal gegen Biel haben die Lions praktisch mit jeder Partie noch mehr Schwung getankt - acht von neun Spielen gestalteten sie seither siegreich. Kein Vergleich mehr zur permanenten Achterbahnfahrt, auf welche sie ihren Anhang in den letzten Jahren fast immer mitgenommen hatten. «Wir wissen nun, dass bei uns jede Linie den Unterschied machen kann», sagt Geering, «alle können etwas zum Erfolg beitragen. Gerade im Playoff ist es enorm schwierig, wenn man nur auf eine oder zwei Linien setzt.»

    Allzu oft war bei den Lions der Erfolg von der offensiven Tagesform der Paradeformation mit Sven Andrighetto, Denis Malgin und Denis Hollenstein abhängig. Dass die Mannschaft im April 2022 nur mehr wenig zu tun hat mit derjenigen vor einem Monat beweist ein Blick aufs Matchblatt vom Donnerstag. 18 Skorerpunkte totalisierten die Spieler von Rikard Grönborg bei den insgesamt sechs Treffern - davon entfallen auf das Trio grande: null. Dafür liessen sich Defensivcenter Krüger, Bodenmann und Ergänzungsspieler Marc Aeschlimann je zwei Tore notieren. «Es ist sehr wichtig, dass alle Linien Tore erzielen können», sagt Bodenmann, «das gibt dem ganzen Team viel Selbstvertrauen.»

    EVZ-Trainer Dan Tangnes und sein Staff werden diesen Umstand auf der Heimfahrt aus Davos ebenfalls registriert haben. Die Zuger, die normalerweise mit grösserer Ausgeglichenheit punkten als ihre Widersacher, wissen jetzt, dass mittlerweile auch in Oerlikon die Verantwortung gleichmässig verteilt wird. Und dass ihnen ab Montag ein Team gegenübersteht, das diesen Namen ebenfalls hundertprozentig verdient. «Wir sind eine coole Truppe, jeder geht wirklich für den anderen», sagt Geering.


    Kovar vs Kovar, Malgin vs Hofmann, Grönborg vs Tangnes


    Und gemeinsam wollen die Zürcher nun auf dem richtigen Weg bleiben, und den letzten und grössten Schritt gehen. Den Titel gegen den EV Zug zu holen, der nunmehr saisonübegreifend in zwölf Playoff-Partien ungeschlagen ist - es ist die aktuell grösste Herausforderung im Schweizer Eishockey. «Zug ist sehr abgeklärt und spielt mit breiter Brust», sagt Geering, «aber wir haben für unsere acht Siege im Playoff sehr hart gearbeitet. Wir versuchen, sie so gut wie möglich herauszufordern. Wir können auch ein Wörtchen um den Titel mitreden und sind bereit dafür.» Sie jubeln so intensiv wie sie spielen: Die ZSC Lions feiern den Finaleinzug.


    Sie jubeln so intensiv wie sie spielen: Die ZSC Lions feiern den Finaleinzug. Foto: Ennio Leanza (Keystone).

    Zürich gegen Zug ist gegenwärtig nicht nur der Traumfinal für das Schweizer Eishockey schlechthin, es ist auch ein Vergleich mit vielen kleinen Vergleichen in sich. Das Bruderduell zwischen Goalie Jakub und Stürmer Jan Kovar etwa oder das Aufeinandertreffen der offensiven Tänzer Denis Malgin und Grégory Hofmann. Es stellt sich auch die Frage, wer von den Olympiareisenden die Enttäuschungen aus Peking besser verdaut hat. Die sechs Zürcher oder die sieben Zuger? Und welcher der beiden so unterschiedlichen skandinavischen Coaches Rikard Grönborg oder Dan Tangnes schafft es, noch ein paar Prozent mehr aus seinem hochkarätigen Kader herauszukitzeln?

    Auf Stufe Final gab es das Duell der beiden «Z» noch nie – was primär den Zugern zuzuschreiben ist, die erst in den letzten Jahren auf höchster Stufe kompetitiv wurden. Im bislang letzten Playoff-Duell setzten sich die Lions 2018 4:1 durch. Es war der Viertelfinal und der Beginn eines Steigerungslaufs, der im siebten Final in Lugano in den Gewinn des neunten und bisher letzten Meistertitels mündete. Patrick Geering war einer von sechs Zürchern, die damals schon im Team waren. Er kann sich nicht mehr an die Serie gegen den EVZ erinnern: «Ich weiss nur noch, dass es eng war. Im Playoff ist es wichtig, dass man ein kurzes Gedächtnis hat.»

    Die ZSC Lions haben den ihrigen im Hallenstadion weiter hinausschieben können. In ihrem letzten Playoff in der Mehrzweckarena erzwangen sie also nochmals einen Final: ihren zehnten. Und so stark der EV Zug erscheint, aus der Geschichte dürfen die Zürcher Hoffnung schöpfen: Sie gewannen all ihre sechs Finals gegen Teams, die nicht HC Davos hiessen. Die anderen drei verloren sie.

    Ein Blick in die Geschichtsbücher kann dem ZSC zusätzlichen Mut machen: Es war das erste Mal seit 22 Jahren, dass beide Halbfinalserien 4:0 endeten. Ans Jahr 2000 haben die Zürcher beste Erinnerungen: Im Final setzten sie sich mit 4:2 gegen Lugano durch, es war der erste Titel nach der Fusion.

    Die Geburt eines Teams

    Diese ZSC Lions können Meister werden

    Im Playoff sind die Zürcher zusammengewachsen, gemeinsam haben sie schwierige Momente überstanden. Nun ist ihnen im Final gegen den EV Zug alles zuzutrauen.

    Simon Graf
    MEINUNGSimon Graf
    Publiziert: 14.04.2022, 23:47

    Yeeeeees! Denis Hollenstein (vorne) schreit seine Freude über den Finaleinzug heraus.


    Yeeeeees! Denis Hollenstein (vorne) schreit seine Freude über den Finaleinzug heraus. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

    Es war Anfang Oktober, die ZSC Lions waren mässig in die Saison gestartet, als Coach Rikard Grönborg sagte, seine Spieler müssten sich als Gruppe zuerst noch finden. «Wenn das einmal klappt, werden wir nur noch schwer zu schlagen sein.»

    Sie haben sich ein bisschen Zeit gelassen, doch im Verlaufe des Playoff haben sich die Zürcher tatsächlich gefunden. Jeder arbeitet für den anderen, keiner schüttelt mehr den Kopf, wenn etwas nicht klappt, man bügelt den Fehler des Kollegen aus und sucht gemeinsam Lösungen. Keiner ist sich zu schade, die sogenannt kleinen Dinge zu erledigen. Einen Schuss zu blocken, auch wenn es weh tut. Den Puck an der Bande auszugraben oder aus dem eigenen Drittel zu bringen unter Druck. Und Grönborg versteht es immer besser, die Eiszeit und die Verantwortung zu verteilen.



    Sechs Siege in Serie


    In der Tat sind die ZSC Lions inzwischen nur noch schwer zu schlagen. Seit sie im Viertelfinal gegen den EHC Biel mit zwei Niederlagen gestartet sind, haben sie acht von neun Playoff-Spielen gewonnen. Davon die letzten sechs in Serie. Mit dem 4:0 über Fribourg zogen sie erstmals seit 2018 in den Final ein. Wir haben in den letzten zwei Wochen die Geburt eines Teams erlebt. Eines Meisterteams? Die Antwort auf diese Frage steht noch aus. Am Ostermontag beginnt der Final gegen den amtierenden Meister EV Zug.

    Es ist nicht das erste Mal, dass die ZSC Lions im Playoff zusammenwachsen. 2008 wurden sie von Rang 6 aus Meister, 2012 und zuletzt 2018 von Rang 7. Was diesmal anders ist: Noch nie waren die Erwartungen so hoch gewesen wie vor dieser Saison. «Jetzt gibt es keine Ausreden mehr!», titelte diese Zeitung, nachdem die Zürcher kurz vor Saisonstart auch noch Denis Malgin engagiert hatten.

    Doch lange lebten die Zürcher in dieser Saison primär von ihrer individuellen Klasse. Diese trug sie, trotz durchzogenen Leistungen, denn auch auf Rang 3 in der Regular Season. Was fehlte, war die Konstanz, die klare Linie im Spiel. Einmal brillant, dann wieder stümperhaft. Man wusste nie, was von den ZSC Lions zu erwarten war. Und so gewinnt man keine Playoff-Serien, bei aller spielerischen Qualität. Ein rauschender Abend im Hallenstadion: 11’200 feierten die Zürcher.


    Ein rauschender Abend im Hallenstadion: 11’200 feierten die Zürcher. Foto: Claudio Thomas (Freshfocus)

    Gerade rechtzeitig rissen sie das Steuer im Viertelfinal gegen den EHC Biel noch herum. Zweimal drohte ihnen das Saisonende. Im Halbfinal gegen Fribourg spielten sie nun das, was sie zu ihren besten Zeiten als ZSC-Hockey rühmten: temporeich und leidenschaftlich, als Team, mit vier Linien, die eine nach der anderen anrollt, Welle für Welle. Und obschon sie die ersten drei Spiele alle erst in Overtime entschieden, waren sie keine Zufallssieger. Sie waren im Finish jeweils frischer, in den Beinen wie im Kopf.

    In den Final gegen den EV Zug steigen die Zürcher als Aussenseiter. Der EVZ ist eine Maschine, hat saisonübergreifend seine letzten zwölf Playoff-Spiele gewonnen. Doch was, wenn die Zuger nun ausgerechnet im Final vom Weg abkommen? Wie stecken sie das weg? Man darf sich auf eine temporeiche, spektakuläre Serie freuen. Und jetzt, da die ZSC Lions (wieder) erblickt haben, worum es im Playoff geht, ist ihnen alles zuzutrauen.

    Zurück aus dder Halle:

    Fiiiiiiinaaaaaleeeee!

    Das haben wir das erste mal im März 2000 gesungen......verrückt!

    18 Uhr Venus Bar, dann Hallenstadion, soooooo viele Leute gesehen!

    Als die Fans jeweils Haaaaallenstaaaadion angestimmt haben ist es mir eiskalt den Rücken runter.....

    Noch bleiben 2-3 Spiele!

      

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    «Der Treffer zählte»: ZSC-Legende Meier.

    MITTAGESSEN MIT ...

    Ernst Meier



    Der ewige ZSC-Präsident blickt dem Abschied aus dem Zürcher Hallenstadion mit Wehmut entgegen – und wühlt mit Freude in seiner Anekdotensammlung.

    Thomas RenggliThomas Renggli


    Ernst Meier verkörpert den ZSC und das Stadtzürcher Eishockey wie kaum ein Zweiter. Und der Ort, an dem er zum Mittagessen einlädt, ist für Sportfreunde mit romantisch-historischem Flair an Attraktivität nicht zu überbieten: das Restaurant «Blume» in Schwamendingen, wo der Schlittschuh von Arno Del Curto, das Trikot von Ari Sulander, der Stock von Auston Matthews und eine original signierte Autogrammkarte von Wladimir Krutow zu bewundern sind. Am vergangenen Sonntag feierte Meier mit seiner Frau Susi im Kreis seiner besten Freunde den achtzigsten Geburtstag.

    In Meier macht sich in diesen Tagen auch leise Sentimentalität breit. Das letzte Saisonspiel des ZSC, der immer noch Schweizer Meister werden kann, hat in einer Beziehung wirklich ultimative Bedeutung. Es wird nach 71 Jahren die Dernière im Oerliker Hallenstadion sein – ab kommendem Herbst geht die Geschichte der ZSC Lions in der neuen Swiss Life Arena in Altstetten weiter: «Dann sind wir ein halber Aargauer Klub», sagt Meier lachend.

    In der «Blume» in Schwamendingen blickt er nochmals zurück – und allein die spontanen Erinnerungen an seine persönlichen Highlights sind von grossem Unterhaltungswert.

    _ «1959 spielte beim ZSC ein kanadischer Stürmer namens Dave Maguire. Er war einer der Ersten in der Schweiz, die die Kunst des slapshot perfektionierten. Als er von der blauen Linie wuchtig abzog und dem gegnerischen Torhüter keine Chance liess, durchschlug der Puck das Tornetz. Zunächst verweigerte der Schiedsrichter den Treffer. Doch als ich mit meinen Kollegen in der Nordkurve lautstark brüllte und protestierte, kontrollierte der Referee das Tornetz und fand prompt ein Loch. Der Treffer zählte.»

    _ «In der ersten Saison nach dem Zusammenschluss mit dem Grasshopper Club verfolgte ich im Winter 1998 ein Heimspiel gegen den SC Bern neben Walter Frey und dessen Frau Barbara. Plötzlich näherte sich ein SCB-Fan und wollte Frey ein Bier über den Kopf leeren. Ich wehrte ihn ab – mit dem Resultat, dass sich der Gerstensaft über meine Frau ergoss. Darauf packte ich den Rabauken am Wickel – und musste mich am nächsten Tag imBlickals ‹Würger vom Hallenstadion› bezeichnen lassen.»

    _ «Legendär war die Verpflichtung von Wladimir Krutow zu Beginn der 1990er Jahre. Dabei kommt mir nicht nur der Sieg gegen das ‹Grande Lugano› 1992 in den Sinn, sondern auch die verspätete Lohnzahlung. Mit dem damaligen Finanzchef Luzi Stamm hatte sich Krutow auf einen Lohn von ungefähr 120 000 Franken geeinigt – sowie einen Franken Bonus für jeden Zuschauer, der im Vergleich zur Vorsaison mehr kommen würde. Bei uns ging dieser Vertragspassus vergessen – nicht aber bei Krutows Frau Nina. Sie führte Buch – und kam im Nachhinein auf eine ausstehende Lohnsumme von 15 860 Franken. 2001 wollten wir Krutow anlässlich einer Benefizveranstaltung für die ZSC-Junioren einen Check in dieser Höhe übergeben. Doch der Russe winkte ab – und bestand auf Barzahlung. Grund: Zu Hause hätte er das Geld versteuern müssen. Also schickten wir den Finanzchef unserer Sponsorenvereinigung zur Bank und überreichten Krutow das Geld in einem Umschlag.»

    Ernst Meier lacht zufrieden, wenn er in seinen Erinnerungen schwelgt. Ab nächster Saison ist das Hallenstadion als Eishockeyarena Schnee von gestern. Meier aber wird seinem Herzensklub ewig treu bleiben – auch in Altstetten. Von Walter Frey hat er zwei Karten auf Lebzeiten erhalten.

    Übrigens: Der vom Hock-Ei so hochgelobt DiDo machte gerade mal 27 Spiele in der NHL, er spielte vor seiner ersten Zeit in Langnau bei eher bescheidenen Clubs in der ECHL und in Italien. Dann der Versuch in der NHL, wieder Langnau und jetzt Fribourg und nächste Saison Bern. Für die NHL reicht es ihm hinten und vorne nicht!

    Es ging mir nur darum aufzuzeigen wie die Karriere von DiDo bisher verlaufen ist, etwas was eigentlich Fanboy Hock-Ei machen sollte. Der schwärmt aber lieber wie ein Frischverliebter. Übrigens war es Malgin der die Serie bis jetzt prägte, nicht DiDo. Es steht 3:0 und nicht 0:3. Ist mir ein Rätsel das man so einen wie das Hock-Ei "abgeworben" hat, für mich ein Grund umzuschalten.

    ...und noch einen:

    Die Vendetta des Vergessenen: wie der ZSC-Goalie Ludovic Waeber gleich zwei Teams zeigt, dass es gefährlich ist, ihn zu unterschätzen

    Der Torhüter Ludovic Waeber war im ZSC im Schatten von Jakub Kovar schon in Vergessenheit geraten, doch nun brilliert er gegen seinen Ex-Klub Gottéron in den Play-offs. Das hat nicht zuletzt damit zu tun, dass er in seinem Kopf die Stimme seiner Mutter hört.

    Nicola Berger Plötzlich wieder die Nummer 1: Ludovic Waeber bei den ZSC Lions.

    Plötzlich wieder die Nummer 1: Ludovic Waeber bei den ZSC Lions.

    Jean-Christophe Bott / Keystone

    Gegentore lassen sich nicht gänzlich vermeiden, für Torhüter geht es darum, mit ihnen leben zu lernen. Und sich von ihnen nicht herunterziehen zu lassen. Ludovic Waeber, 25, hat diese Kunst auf besondere Weise perfektioniert: Wenn er einen Treffer kassiert, hört er im Kopf die Stimme seiner Mutter, die ihm gut zuredet.

    Waeber sagt: «Meine Mutter hat wirklich nicht viel Ahnung von Sport. Sie ist ein sehr positiver Mensch und will einfach, dass es mir gut geht, dass ich mich gut fühle.» Schon als Kind habe sie ihm nach Gegentoren immer zugerufen, dass das nichts mache und dass er den nächsten Puck halten werde. «Das habe ich verinnerlicht. Wenn ich heute ein Tor erhalte, dann höre ich, wie sie zu mir spricht. Es hilft mir, mich wieder aufzurichten.»

    Diese Unbeeindrucktheit und Coolness ist neben den technischen Fertigkeiten Waebers wichtigste Qualität. Und sie wird ihm gerade wieder zupass, in diesem Frühjahr, das für ihn düster begann. Im Dezember verpflichtete der ZSC den früheren tschechischen Nationaltorhüter Jakub Kovar. Das Engagement war gleichermassen eine Trainerstützungsmassnahme für den zu jenem Zeitpunkt arg wackelnden Rikard Grönborg wie auch eine Art Misstrauensvotum gegenüber den arrivierten Goalies Waeber und Lukas Flüeler.

    Kovar spielte sehr schnell sehr gut, und bald setzte der Coach fast ausschliesslich auf den Tschechen. In der knapp gewonnenen Play-off-Viertelfinalserie gegen Biel war Kovar neben dem Stürmer Denis Malgin der beste ZSC-Profi.

    Nur Genoni hat bessere Werte

    Fraglos hätte Grönborg auch im Halbfinal gegen Gottéron auf Kovar gesetzt, doch dieser musste krankheitsbedingt Forfait erklären. Wie aus dem Nichts schlägt nun deshalb doch wieder die Stunde Waebers, der nach fast einem Monat ohne Spielpraxis alle drei Partien gewonnen hat, stets mit 3:2 nach Verlängerung. Waeber parierte 94,6 Prozent aller Schüsse, nur der Zuger Play-off-Spezialist Leonardo Genoni weist eine noch bessere Statistik aus.

    Der ZSC-Sportchef Sven Leuenberger hatte Waeber 2020 eher für die zweite Reihe verpflichtet. Bei Gottéron hatte der junge Torhüter nur sporadisch gespielt und in seiner Entwicklung stagniert. In Zürich sollte er ein kostengünstiger Back-up sein, doch bald überflügelte er den verletzungsanfälligen Lukas Flüeler und war in den Play-offs die unbestrittene Nummer 1.

    Es war eine erstaunliche Transformation, die Stephan Siegfried, den erfahrenen ZSC-Goalie-Coach, allerdings nicht überraschte. Siegfried sagt: «Er ist ein sehr guter Goalie und eine sehr gute Person. Das heisst: Er hat nicht nur das Talent. Sondern auch die Lernbegierde.»

    Waebers Werte liegen über dem Liga-Durchschnitt – doch die Ansprüche in Zürich sind hoch

    Auch in dieser Saison waren die Darbietungen ansprechend, Waebers Werte lagen über dem Liga-Durchschnitt. Doch die Ansprüche in Zürich sind hoch. Und der ZSC kann selten widerstehen, wenn sich ein hochwertiges, namhaftes Upgrade auf dem Transfermarkt befindet.

    Auf die Kovar-Verpflichtung reagierte Waeber ähnlich gelassen wie auf Gegentreffer, er sagt: «Der Klub wollte sich absichern. Es ist doch besser, wenn man drei gute Goalies hat, die spielen können. Als wenn das Risiko besteht, niemanden zu haben.» Und er fügt an: «Kovar hat mehr gespielt, weil er besser war als ich. Das ist ein normaler Konkurrenzkampf. Mir nützt das eher, als dass es mir schadet. So muss ich einfach wieder mehr zeigen, es ist ein zusätzlicher Ansporn.»

    Über die Zukunft, sagt Waeber, habe er sich keine Gedanken gemacht. Obwohl er seinen Vertrag im Herbst um drei Jahre verlängert hat und er damit rechnen muss, dass der ZSC ihm für 2022/23 wieder einen ausländischen Goalie vor die Nase stellt, zumal dann ja sechs Lizenzen vergeben werden können. Er sagt: «Ich kann das nicht beeinflussen. Ich muss einfach besser sein als mein Konkurrent.»

    Goalies erinnerten ihn als Kind an Superhelden

    Waeber hat sich eine Pflegeleichtigkeit bewahrt, die nicht mehr selbstverständlich ist im modernen Sport. Womöglich hängt sie damit zusammen, dass er manchmal selber darüber staunt, dass das tatsächlich geklappt hat: Profi zu werden. Als Knirps begeisterte er sich für Superhelden; Power Rangers, Spiderman, Batman, Hulk.

    Und als ihn der Vater im Alter von fünf Jahren an ein Spiel in den Freiburger Eishockeytempel St. Léonard mitnahm, erinnerten ihn Goalies an diese Figuren mit ihrer Ausrüstung, ihren Masken. Waebers Wahrnehmung des damaligen Gottéron-Torhüters Gianluca Mona als Superheld dürfte weltexklusiv gewesen sein. Aber sie machte derart Eindruck, dass er den maskierten Helden der Rinks nachzueifern begann.

    Waeber entwickelte eine Obsession, die dazu führte, dass er in der Pubertät praktisch jede freie Minute auf der Eisbahn verbrachte. Er schaute sich alle Trainings an, von den Bambini-Junioren bis zur ersten Mannschaft. Er sagt: «In den ersten Jahren hatte ich keine Ahnung von Systemen oder davon, wie man das Spiel liest. Das musste ich erst alles lernen. Und die Trainingsbesuche halfen mir dabei sehr.»

    Inzwischen ist Waeber vom staunenden, mittelmässige Goalies bewundernden Bub zu jenem Mann geworden, der kurz davor ist, seinem Stammklub Gottéron eine neuerlich schmerzhafte Play-off-Schmach zuzufügen. In Freiburg war er einst ebenso verkannt worden wie jüngst in Zürich. Seine aktuellen Darbietungen sind so etwas wie die Vendetta eines Vergessenen.

    ZSC-Star Denis Malgin

    Der Hochbegabte, der goldene Eier legt

    Der 25-jährige Stürmer ist in der Halbfinalserie gegen Fribourg (3:0) die Schlüsselfigur. Die Zürcher sollten die Zeit mit ihm auskosten, denn sie könnte bald enden.

    Simon Graf
    Simon Graf
    Publiziert heute um 18:18 Uhr

    Der erste von zwei Streichen: Denis Malgin bejubelt sein spätes 2:2 in Spiel 3 in Freiburg.


    Der erste von zwei Streichen: Denis Malgin bejubelt sein spätes 2:2 in Spiel 3 in Freiburg. Foto: Pascal Muller (Freshfocus)

    Denis Malgin war 13, als er als hochbegabter Junior vom EHC Biel zu den ZSC Lions stiess. Sein damaliger Zürcher Coach Wiktor Ignatiew kann sich noch gut erinnern, wie er ihn erstmals auf dem Eis sah: «Mir fiel sofort auf: Er kann unglaublich gut Schlittschuh laufen. Wie er auf den ersten drei Schritten beschleunigt, so tief und schnell, für mich ist das ein Wunder. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das von klein auf Tag und Nacht trainiert hatte. Das war ihm einfach in die Wiege gelegt worden. Dazu seine Spielübersicht, es ist so schön, ihm zuzusehen.»

    Ignatiew ist ein exzellenter Juniorentrainer und führte kürzlich die U-17 der Zürcher zum zweiten Meistertitel in Serie. Er kann die Jungen ganz schön schleifen, wenn es nötig ist. Bei Malgin sei es für ihn aber vor allem um eines gegangen: nichts zu zerstören. «Ich sagte zu ihm: ‹Denis, offensiv darfst du alles machen, was du möchtest.› Er ist ein Spieler im wahrsten Sinne des Wortes, er liebt es zu spielen. Ihn in ein System zu integrieren, war nicht so einfach. Aber wieso ihn in ein System pressen, wenn er dir goldene Eier legt?»

    Ausverkauftes Hallenstadion


    Goldene Eier legt Malgin dieser Tage auch für die ZSC Lions im Halbfinal gegen Gottéron. Die Spiele 1 und 3 entschied er mit seinen Toren in der Overtime. Eindrücklich, wie er am Freitag in der zweiten Verlängerung am Ende seines Einsatzes nochmals nach vorne stürmte und die Entscheidung erzwang. Am Dienstag stürzte er sich vor dem Freiburger Tor auf den Puck wie ein Raubtier auf seine Beute. Er habe auch zuerst das Video anschauen müssen, um zu verstehen, was bei seinem Siegtor genau passiert sei, sagt er schmunzelnd. Es war purer Instinkt.


    Wie ein Raubtier auf seine Beute stürzt sich Denis Malgin auf den Puck und entscheidet Spiel 3. Video: MySports

    Der 25-Jährige ist das Extra, das in dieser so ausgeglichenen Serie den Unterschied macht. Meist sind es die weniger prominenten Spieler und nicht die Stars, die in der Overtime die Tore schiessen. Malgin ist die Ausnahme, die diese Regel bestätigt. Das hat auch mit dem Coaching von Rikard Grönborg zu tun. Der Schwede versteht es immer besser, vor allem im Angriff seine Kräfte zu verteilen.

    Gottérons Christian Dubé presste in Spiel 3 aus Chris DiDomenico heraus, was er konnte, zuletzt war der Kanadier ausgelaugt. Malgin hingegen war im Finish noch frisch, auch gedanklich. Er hatte 24 Minuten Eiszeit, DiDomenico über 33 Minuten.

    Er habe bei Malgin schon mit 13 gewusst, dass er sein Geld einmal mit Eishockey verdienen würde, sagt Juniorencoach Ignatiew. Doch so spielerisch leicht ihm alles zu fallen scheint, auch Malgin musste sich seine Karriere hart verdienen. In seinen ersten ZSC-Jahren pendelte er für jedes Training von Olten nach Zürich, manchmal auch allein mit dem Zug. Als er 15 war, zog er mit seiner Mutter Nelja nach Oerlikon, derweil Vater Albert in Martigny lebte und coachte.


    Allein in Zürich


    «Ab und zu besuchte meine Mutter meinen Vater, und ich war in Zürich allein», erinnert sich Malgin. «In dieser Zeit lernte ich viel, wurde ich selbstständiger und reifer.» Bald ging alles sehr schnell: Mit 17 debütierte er 2014 unter Marc Crawford in der ersten Mannschaft der ZSC Lions, mit 19 bei den Florida Panthers in der NHL. In vier Saisons bestritt er 192 Spiele (60 Punkte) in der weltbesten Liga, ehe er vor zwei Jahren bei Toronto in einer Sackgasse angelangt war und in die Schweiz zurückkehrte. Zuerst zu Lausanne, auf diese Saison hin zu den ZSC Lions.

    «Ich habe in diesen zwei Jahren nochmals einen Schritt gemacht», sagt Malgin. «Hier kann ich meine Stärken ausspielen, meine Kreativität, meine Spielintelligenz, den Puck führen und Verantwortung übernehmen.» Und mit Sven Andrighetto und Denis Hollenstein hat Grönborg nun auch die idealen Sturmpartner für ihn gefunden. Malgin und Andrighetto lieben es beide, etwas mit dem Puck anzustellen. Trotzdem würden sie gut zueinander passen, sagt Grönborg. «Weil sie beide einen hohen Hockey-IQ haben, das Spiel auf eine ähnliche Weise verstehen.»

    Es gab in diesem Winter Phasen, da verliessen sich die ZSC Lions zu sehr auf die Geistesblitze Malgins. Vielleicht war gerade sein Ausfall in der Biel-Serie in den Spielen 3 und 4 heilsam für die Zürcher. Sie sind seitdem als Team gewachsen, wobei Malgin immer noch Glanzpunkte setzt. «Geskort hat er immer», sagt Grönborg. «Aber was mich am Dienstag besonders freute, war, wie solide er auf dem ganzen Eisfeld spielte, wie er konsequent nach hinten arbeitete. Das ist auch ein Zeichen an die ganze Mannschaft.»


    Sturmtrio auf einer Mission


    Die letzten beiden ZSC-Meistertitel verpasste Malgin. 2014 war er noch nicht in der ersten Mannschaft, stiess erst danach dazu, 2018 war er bereits in der NHL. Man spürt, er möchte mit den Zürchern unbedingt etwas erreichen. Auch seine Linienkollegen Andrighetto und Hollenstein jagen noch ihren ersten Schweizer-Meister-Titel. Der erste ZSC-Sturm, der seit Spiel 6 des Viertelfinals gegen Biel gross aufspielt, ist auf einer Mission.

    Was bei Malgin dazukommt: Trotz seines Vertrags bis 2025 könnte er gemäss Agreement mit der NHL jeden Sommer nach Nordamerika zurückkehren. Ausgeträumt sei sein NHL-Traum noch nicht, sagt er. «Aber jetzt ist Playoff, jetzt denke ich keine Sekunde darüber nach.» Er weiss: Im Eishockey geht es nicht nur auf dem Eis rasant. Es gilt die Chance zu packen, wenn sie sich bietet. Man weiss nie, wann sie wiederkommt.

    Übrigens: Der vom Hock-Ei so hochgelobt DiDo machte gerade mal 27 Spiele in der NHL, er spielte vor seiner ersten Zeit in Langnau bei eher bescheidenen Clubs in der ECHL und in Italien. Dann der Versuch in der NHL, wieder Langnau und jetzt Fribourg und nächste Saison Bern. Für die NHL reicht es ihm hinten und vorne nicht!