Gottéron-Trainer Christian Dubé
Er erobert die Herzen mit Schirmmütze, Fliege und viel Mut
Er überzeugt modisch und mit seinem Coaching: Der 44-jährige Kanadier hat Fribourg zum Spitzenclub geformt. Im Playoff-Halbfinal fordert er die ZSC Lions.

Simon Graf
Publiziert heute um 16:43 Uhr

Farbtupfer an der Bande, aufregendes Hockey auf dem Eis: Christian Dubé überzeugt als Trainer von Fribourg-Gottéron.
Foto: Martin Meienberger (Freshfocus)
Stil hatte Christian Dubé schon immer. Wenn er auf dem Eis herumkurvte, meist mit gelbem Topskorer-Helm, sah das stets elegant aus. Und den Stil hat er sich als Coach bewahrt. Immer schick gekleidet, bringt er hinter der Bank Gottérons seine eigene Note ein. Mal im klassisch schwarzen Anzug, mal im gestreiften, mit auffälliger Schirmmütze, sogar mit Fliege, im olivgrünen Mantel oder vor den Festtagen im farbenfrohen Anzug mit Weihnachtsbäumen und Schneeflocken.
«So bin ich halt», sagt er schmunzelnd. «Ich liebe Mode, da bin ich wohl ein anderer Typ als viele andere. Ich liebte schon immer schöne Dinge, schöne Kleider. Das ist Teil von mir, und ich werde das nicht verändern.» Hilft ihm seine Frau bei der Kleiderauswahl? Er winkt ab. «Ich wähle alles selber aus.»

Christian Dubé fällt auch modisch auf. Sei es mit Mantel und Krawatte …
Foto: Pascal Müller (Freshfocus)
Dass Dubé keine Scheu hat, als Coach modisch aufzufallen, zeigt auch sein Selbstvertrauen. Ein Selbstvertrauen, das er brauchte, um praktisch aus dem Nichts seine Trainerkarriere zu starten. Im Oktober 2019 entliess er als Sportchef den ungeliebten Kanadier Mark French und übernahm interimistisch zusammen mit Juniorencoach Pavel Rosa.
«Es war eine Notfall-Situation», blickt Dubé zurück. «Wir wollten nur für zwei Wochen bleiben, bis wir einen neuen Coach gefunden hatten. Dann begannen wir zu gewinnen, und die Jungs fragten: ‹Wieso bleibst du nicht, und wir sehen, wie es läuft?› Drei Jahre später sind wir immer noch hier.»
Er wollte gar nicht Trainer werden
Wusste Dubé immer, dass er einmal Coach werden würde? Er lacht. «Ich wusste immer: Ich will nie Coach werden.» Wieso nicht? «Ich ahnte schon, dass es Spass machen könnte. Ich hatte es bei meinem Vater Normand ja schon mitbekommen. Die Strategie, das Coaching – ich hatte nie Zweifel, dass das zu mir passen würde. Aber meine Sorge war, dass ich ein sehr emotionaler Mensch bin. Ich fragte mich: Kann ich ruhig genug sein, um ein Coach zu sein?»
Wenn man den 44-Jährigen dieser Tage beobachtet hinter der Bank, meist ganz beherrscht, kann man seine Bedenken nicht recht nachvollziehen. «Gegen aussen ist er meist sehr ruhig», sagt Journalist Pierre Salinas, der für die Freiburger Zeitung «La Liberté» über Gottéron schreibt. «Er spricht auch mit sanfter Stimme. Aber in seinem Inneren ist er ein Vulkan.»
Dubé schmunzelt: «So ist es. Aber hinter der Bank bist du ein Vorbild für deine Spieler. Du kannst schon einmal deine Nerven verlieren und herumschreien, aber nicht zu oft. Ich wusste: Wenn ich in dieser Rolle bleiben will, muss ich mich beherrschen, entspannter werden. In der Garderobe rede ich viel, werde ich auch laut, aber hinter der Bank muss ich fokussiert sein und zeigen, dass ich weiss, was ich tue.»
Als sich Dubé damals im Oktober 2019 entschied, bis Ende Saison an der Bande zu bleiben, holte er den früheren Nationalcoach Sean Simpson als Berater ins Boot. «Sean war eine grosse Hilfe für uns», sagt er. «Pavel hatte die U-20 betreut, ich war ganz neu im Coaching. Sean brachte uns viel bei, half uns bei der Strategie, mit dem System, dem Defensivspiel, dem Forechecking.» Nach jener Saison hatte Dubé das Gefühl, genug gelernt zu haben, und versuchte es ohne Simpson. 2020/21 führte er Gottéron auf Rang 3, in diesem Winter sogar auf Rang 2 und fürs Erste in den Halbfinal gegen die ZSC Lions.
Zitat
«Es war eine gute Entscheidung, dass Christian an die Bande herabstieg. Er will die Dinge selber in die Hand nehmen.»
Assistenz-Sportchef Gerd Zenhäusern
Sportchef ist er geblieben, assistiert wird er dabei von Gerd Zenhäusern, der ihm die meiste Arbeit abnimmt. «Christian hat sich nicht verändert», sagt Zenhäusern. «Er sucht immer den Erfolg, egal ob als Spieler, Sportchef, Trainer. Es war eine gute Entscheidung, dass er an die Bande herabstieg. Sportchef zu sein und nicht direkt beeinflussen zu können, was auf dem Eis passiert, das entsprach ihm nicht. Er will die Dinge selber in die Hand nehmen.»
Er scheut das Risiko nicht
Dubé habe sich als Coach gefunden, sei proaktiv auf der Bank, urteilt Gottéron-Kenner Salinas. «Zwar lässt er seit zwei Monaten fast immer mit den gleichen Linien spielen. Aber während der Spiele verändert er einiges. Er liebt es, Dinge auszuprobieren und Risiken einzugehen.» Wie kurz vor Weihnachten, als er gegen Lugano in der Overtime den Goalie herausnahm, um mit vier gegen drei Feldspieler zu spielen. Sein Mut wurde belohnt, Kilian Mottet traf zum Sieg.
Abwartendes Eishockey würde nicht zu Dubé passen, sagt Zenhäusern. «Das wollen die Leute hier auch nicht sehen. Hier zählt nicht nur der Sieg, sondern auch die Art und Weise.» Dubé sagt: «Ich finde, wir spielen ein ziemlich aufregendes Eishockey, wenn ich die Spiele anschaue, die wir bisher hatten. In der Regular Season, aber auch im Playoff. Wenn wir den Puck haben, will ich, dass die Spieler etwas damit anstellen.» Im Viertelfinal gegen Lausanne schoss Gottéron in fünf Spielen 18 Tore.
Der Film zum Viertelfinal: Die Lions produzierten über das turbulente Duell gegen Biel einen 17-minütigen Kurzfilm. Zu sehen ist er auf der Plattform «MyLions».
Trailer: ZSC Lions
In Freiburg herrscht wieder einmal Hockey-Euphorie, alle online verfügbaren Tickets für die ersten zwei Heimspiele des Halbfinals waren am Dienstag innert drei Minuten ausverkauft. Vor der Patinoire bildeten sich lange Schlangen. Die Erwartungen sind gross. Geht das nicht auch mit Druck einher? Dubé winkt ab. «Druck ist, wenn du darum kämpfst, nicht abzusteigen. Wir haben keinen Druck, wir haben einfach Spass. Ich finde es wunderbar, dass wir die ganze Stadt hinter uns haben. Dass alle über Eishockey reden. Für solche Momente lebst du als Spieler und als Coach.»
Die Titelduelle mit den ZSC Lions
Als Dubé als Spieler 1999 mit 22 in die Schweiz kam, buhlten die ZSC Lions und Lugano um ihn. Der damalige Zürcher Coach Kent Ruhnke, der seinen Vater Normand gut kannte, wusste, dass er das Rennen verloren hatte, als der Topstürmer zum Barbecue bei ihm mit einem Teamauto Luganos aufkreuzte. «Ich liebte Zürich immer als Stadt», sagt Dubé. «Aber meiner Frau und mir gefiel es in Lugano noch etwas besser.»
Die beiden Clubs duellierten sich 2000 und 2001 jeweils im Playoff-Final, die ZSC Lions setzten sich in sechs respektive sieben Spielen durch. Dubé spielte gross auf, wurde zweimal Playoff-Topskorer und ging phasenweise kaum vom Eis. «Ich liebte es, im alten Hallenstadion zu spielen», schwelgt er. «Die Atmosphäre war fantastisch und die Rennbahn rund um diese Halle einzigartig.» Meister wurde er aber erst 2004 mit dem SC Bern, als er doch noch unter Ruhnke spielte.

Schon während seines Engagements beim SCB fiel Christian Dubé nicht nur auf dem Eis gern auf. Hier hoch über der Berner Altstadt.
Foto: Charles Ellena (arkive.ch)