Beiträge von Larry

    Der Fluch des Erfolgs: Mehrere Stammspieler könnten den FC Zürich bald verlassen

    Die Identifikationsfigur Blerim Dzemaili dürfte dem FCZ im Sommer eine weitere Saison erhalten bleiben. Dem Verein droht aber ein Ausverkauf – zwei Leistungsträger könnten sogar ablösefrei gehen.

    Fabian Ruch (NZZ)


    Wie lange stürmen sie noch für den FC Zürich? Assan Ceesay (links), 28 Jahre alt, und Wilfried Gnonto, 18 Jahre alt, werden auf dem Transfermarkt heiss gehandelt.

    Wie lange stürmen sie noch für den FC Zürich? Assan Ceesay (links), 28 Jahre alt, und Wilfried Gnonto, 18 Jahre alt, werden auf dem Transfermarkt heiss gehandelt.

    Manuel Geisser / Imago

    Vor anderthalb Wochen sass André Breitenreiter im Medienraum des FCZ-Trainingsgeländes im Heerenschürli. Er war gut gelaunt und sprach auch von der Lust, die Planung der nächsten Saison mitzugestalten. Der Trainer des FC Zürich steuert mit seiner Mannschaft den Meistertitel an, daran ändert auch das magere 1:1 im Derby gegen den Aufsteiger GC nichts.

    Es ist jedoch keineswegs abwegig, dass der Deutsche im Sommer reizvolle Offerten aus der Bundesliga erhalten wird. Er sagt, damit beschäftige er sich nicht. Aber er sei kein Wappenküsser. Er gebe nicht heute ein Versprechen ab, das er in acht Wochen nicht halten könne.

    Marinko Jurendic interessiert sich als Sportchef des Vereins sehr dafür, was in acht Wochen und darüber hinaus sein wird. Er treibt die Kaderzusammenstellung voran, mehrere Stammkräfte könnten den Klub am Ende der Saison verlassen. Es ist der Fluch des Erfolgs, der im letzten Jahrzehnt auch Meisterteams aus Basel und Bern ereilte. «Wir sind nicht blauäugig», sagt Jurendic, «und wir sind dank unserem Scouting darauf vorbereitet, Abgänge zu ersetzen.» Es gehe darum, dass der FCZ auch in der nächsten Saison ein breites Kader von 29 Spielern inklusive Nachwuchskräften haben wolle.

    Immerhin: Blerim Dzemaili, der in einer Woche 36 Jahre alt wird, hat sich mit dem FCZ weitgehend darauf geeinigt, eine weitere Saison anzuhängen. Der Mittelfeldspieler hat sich nach Verletzungsproblemen noch einmal als Leistungsträger etabliert. Und es scheint realistisch, dass die FCZ-Identifikationsfigur ab 2023 in anderer Funktion im Klub bleiben wird.

    Mit Wilfried Gnonto soll sich sogar ein deutscher Bundesligist beschäftigen

    Mehrere andere Fussballer des FC Zürich stehen im Fokus ausländischer Vereine. Besonders umworben werden Becir Omeragic und Wilfried Gnonto. Die Verträge der beiden laufen 2023 aus, und eines darf aus FCZ-Sicht auf keinen Fall passieren: dass beide ablösefrei gehen werden – so wie Toni Domgjoni im letzten Jahr. Der FCZ steht in Gesprächen bezüglich einer Ausdehnung der Vertragslaufzeiten.

    Gelingt keine Einigung, könnte es im Sommer zu den Verkäufen von Omeragic und Gnonto kommen. Omeragic ist seit Jahren Stammspieler im FCZ, er wurde im Januar 20 Jahre alt und ist reif für einen Wechsel in eine grosse Liga. An Interessenten mangelt es nicht. Weil der vielseitige Verteidiger jedoch berechtigte Hoffnungen hegt, zum Schweizer WM-Kader zu gehören, könnte er eine Saison in der Super League anhängen, um als unbestrittener Stammspieler im Verein gute Karten im Nationalteam zu haben. Becir Omeragic (Mitte), hier am Samstag im Derby gegen GC im Zweikampf mit Kaly Sène.

    Becir Omeragic (Mitte), hier am Samstag im Derby gegen GC im Zweikampf mit Kaly Sène.

    Walter Bieri / Keystone

    Gnonto ist vor ein paar Monaten erst 18 geworden. Ihm würde ein weiteres Jahr in der Super League kaum schaden, doch der flinke Angreifer gilt – auch wegen überzeugender Vorstellungen in der italienischen U-19-Auswahl mit 5 Toren in 10 Einsätzen – längst als eines der grösseren Talente Europas. Nicht nur der Bundesligist Mönchengladbach soll sich mit Gnonto beschäftigen. «Willy wird seine Karriere nicht in Zürich beenden», sagt Jurendic, «doch wir sind überzeugt, dass wir auch ihm gute Perspektiven aufzeigen können, um den nächsten Schritt zum gestandenen Spieler zu machen.»

    Omeragic und Gnonto dürften dem FC Zürich respektable Millioneneinnahmen bescheren. Beide gelten als vernünftig und schlau beraten. Aber es gibt schwierig zu kontrollierende Einflüsse, die Dynamik ist unberechenbar. Und beim FCZ lockt nächste Saison womöglich das goldene Schaufenster Champions League.

    Doumbia und Ceesay sind begehrt – es heisst, auch Lugano und Sitten seien stark interessiert

    Ob das ein Argument dafür ist, Ousmane Doumbia und Assan Ceesay zu halten? Die beiden haben sich mit herausragenden Leistungen als begehrte Fussballer profiliert. Sie haben ihre auslaufenden Verträge noch nicht verlängert, und Kenner der Szene gehen davon aus, dass sich beide längst für einen anderen Verein entschieden haben. Lugano und Sitten seien stark interessiert, heisst es, zudem Klubs aus Griechenland, der Türkei sowie aus Katar. Jurendic sagt: «Uns wurde von beiden Parteien versichert, dass Stand heute alles offen sei.»

    Man kann den FCZ dafür kritisieren, dass er diese Situation zugelassen hat – und die Verträge von Doumbia und Ceesay nicht bereits verlängert hat. Allerdings waren diese Leistungsexplosionen nicht zu erwarten gewesen, insbesondere Ceesay genoss vor dieser Saison wenig Kredit. Mit 29 und 28 Jahren stehen Doumbia und Ceesay erstmals und wohl letztmals in ihrer Karriere vor der Möglichkeit, einen prächtig dotierten Vertrag zu unterschreiben. «Ich mag das den Jungs gönnen», hat Breitenreiter vor anderthalb Wochen gesagt. «Wir müssen sie mit Applaus verabschieden, sollten sie sich für einen Wechsel entscheiden.»

    Wochenlang wird der FCZ nicht mehr warten können, er benötigt Planungssicherheit. Jurendic sagt, Doumbia und Ceesay würden sich professionell verhalten und gut spielen, deshalb sei auch nie zur Debatte gestanden, sie unter Druck zu setzen. Und das Ziel des FCZ sei ohnehin, die Mannschaft qualitativ weiter zu verbessern. Das klingt nach einer grossen Herausforderung.

    "Dennoch gelang Grönborg der entscheidende Schachzug. Der Schwede, der die Kräfte seiner Stars forcierte, schickte Denis Hollenstein ab der 30. Minute aus der dritten Linie in die zweite Sturmlinie zu Sven Andrighetto und Denis Malgin. Hollenstein erzielte im neuen Block in der 54. und der 55. Minute innerhalb von 94 Sekunden die Goals vom 0:1 zum 2:1." (watson)

    Da hat der Gröni den ollen AT aber mächtig ausgecoacht! :twisted: 

    Schicksalsspiel der ZSC Lions

    Jetzt geht es um den Job von Trainer Grönborg

    Sollten die Zürcher gegen Biel scheitern, wäre ein Trainerwechsel unvermeidlich. Doch die Spieler sollte das nicht interessieren. Für sie gilt es nun, Stolz zu zeigen.

    Simon Graf
    Simon Graf

    Nachdenkliche Miene: Steht Rikard Grönborg am Samstag zum letzten Mal an der ZSC-Bande?


    Nachdenkliche Miene: Steht Rikard Grönborg am Samstag zum letzten Mal an der ZSC-Bande? Foto: Ennio Leanza (Keystone)

    Man kann Rikard Grönborg nicht vorwerfen, er hätte am Donnerstag in Spiel 5 nicht einiges versucht. Auf der Suche nach etwas Schwung coachte er im Stile eines Nordamerikaners. Munter mischte er die Linien durcheinander, Rückkehrer Denis Malgin bekam immer wieder neue Sturmpartner, doch alles nützte nichts. Die ZSC Lions verloren 1:3, und der 31. März 2022 könnte als das Datum in die Geschichte eingehen, an dem nach über 71 Jahren das letzte Hockeyspiel im Hallenstadion absolviert wurde.


    In der NHL, dem erklärten Ziel Grönborgs, ist aktives Coaching gefragt. Ob er jemals so weit kommt, wird sich weisen. Jedenfalls sieht es zurzeit so aus, als seien die ZSC Lions nicht das Sprungbrett für seine Karriere, das er sich erhofft hatte. Sollten die Zürcher im Viertelfinal gegen Biel ausscheiden – heute Samstag auswärts oder am Montag in einem Spiel 7 –, kann man davon ausgehen, dass es dies für den Schweden bei den ZSC Lions gewesen ist. Trotz eines Vertrags für eine weitere Saison. Und obschon das für die Zürcher teuer würde.


    Es braucht Aufbruchstimmung


    Die ZSC Lions ziehen im Herbst in ihr eigenes Heim in Altstetten ein, die Vorfreude wurde allerdings getrübt durch einen Materialfehler: Wegen defekter Schrauben werden sie erst Mitte November erstmals in der Swiss-Life-Arena spielen können, mit zweimonatiger Verzögerung. Ein guter Start in ihr neues Zuhause ist für diese Organisation, die viel in dieses Projekt investiert hat, von grosser Bedeutung. Es gilt, am neuen Standort eine Aufbruchstimmung zu kreieren. Mit Grönborg an der Bande wäre das schwierig. Es sei denn, es gelingt in diesem Playoff noch der spektakuläre Befreiungsschlag.


    Auch intern hat sich die Begeisterung über den wortgewandten Schweden in den letzten Monaten stark abgeschwächt. Das Versprechen, auch junge Spieler einzubauen und weiterzubringen, löste er nicht ein. Und er schaffte es nicht, den ZSC Lions ein Gesicht zu verpassen. In den vier Jahren unter Marc Crawford (2012 bis 2016) wusste man genau, wofür sie stehen: für temporeiches, angriffiges Eishockey. Unter Grönborg zeigen sie immer wieder andere Gesichter.

    War im ersten Jahr unter dem Schweden noch eine klare Linie zu erkennen, stand die hochtalentierte Mannschaft in dieser Saison primär für ihre zuweilen brillanten Einzelaktionen, ihre Undiszipliniertheiten und ihre Unstetheit. Eine Aktion konnte das ganze Team schon wieder in Panik stürzen. Und die Identität der Zürcher hat sich im Playoff nochmals verändert: War die Offensive lange ihre Stärke, lässt Grönborg ab Spiel 2 des Viertelfinals mit drei Ausländern in der Defensive spielen. In den letzten drei Spielen brachten sie so nur je ein Tor zustande. So kann man, trotz des überragenden Jakub Kovar im Tor, keine Playoff-Serie gewinnen.


    Die gute Nachricht


    Die gute Nachricht ist: Obschon die Zürcher gegen Biel ausser auf der Goalieposition in allen Belangen unterlegen waren, haben sie immer noch die Chance, die Serie zu drehen. Gern erinnert man sich an ihre heroischen Comebacks in den Finals 2001 gegen Lugano und 2012 gegen Bern nach 1:3-Rückständen. Damals mussten sie drei Spiele in Folge gewinnen, jetzt nur zwei. Dies gegen ein Team, das, Pardon!, nicht unantastbar scheint.

    Die ZSC Lions spielen am Samstag in Biel und allenfalls am Montag in Zürich um den Job ihres Trainers. Dessen dürften sich alle bewusst sein. Die Spieler sollte das aber nicht gross interessieren. An ihnen ist es, in dieser schwierigen Situation Stolz zu zeigen und sich Einsatz für Einsatz aus dem Loch herauszuarbeiten, in das sie sich gebracht haben. Mutig zu spielen, aber nicht kopflos wie am Donnerstag, als Garrett Roe sein Team mit einem desaströsen Querpass in der eigenen Zone ins Unglück stürzte.


    Erinnerungen an Samuelsson


    Vielleicht zaubert Grönborg im Spiel der letzten Chance ja einen neuen Spieler aus dem Hut. John Quenneville, lange der beste Torschütze der Zürcher, muss seit Spiel 1 zuschauen und könnte allenfalls für neuen Schwung sorgen. Wie Morgan Samuelsson, der 2001 im Final gegen Lugano bei 1:3 auf Drängen von Sportchef Simon Schenk ins Team zurückkehrte und die Wende orchestrierte.

    Die Situation ist für Waeber sicher nicht einfach aber halt Business as usual. Goalie ist eh ein scheiss Posten, entweder du bist die Nummer 1 oder hast geschissen. Auch als Nummer 1 ist es nicht immer glatt, siehe im Moment Davos oder Kloten......