Die ZSC-Baisse hält an, doch der Trainer Rikard Grönborg wird nicht abgelöst
Mit drei Niederlagen in Serie haben sich die serbelnden ZSC Lions in die Nationalmannschaftspause verabschiedet. Die Diskussionen um den Trainer Rikard Grönborg werden lauter – doch wenn der ZSC in den nächsten Tagen jemanden verpflichtet, dann ist das ein ausländischer Torhüter und kein Trainer.
Nicola Berger (NZZ)

Rikard Grönborg: Will er in Zürich bleiben? Oder liebäugelt er lieber mit seiner Klausel für einen Job in Nordamerika?
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«Ja», sagt Sven Leuenberger auf die Frage, ob der Trainer der ZSC Lions noch Rikard Grönborg heissen werde, wenn am Sonntag die Reise nach Davos ansteht. Es ist bemerkenswert, dass man sich in dieser Angelegenheit überhaupt erst vergewissern muss. Doch hinter dem ZSC liegt eine Woche voller Enttäuschungen mit Niederlagen in Rapperswil, Genf und Lausanne.
«Peinlich» nannte der kanadische Verteidiger Maxim Noreau den Auftritt beim 1:3 gegen Genf/Servette. In Lausanne war der ZSC am Freitag chancenlos, 2:5, wobei der Spielplan den Zürchern mit drei Partien in vier Tagen keinen Gefallen tat. Doch von den ersten 30 Spielen hat das Team nur 15 gewonnen und liegt auf Platz 6, es ist eine ungenügende Bilanz für dieses aufwendig hochgerüstete, teure Kader.
«Die Situation ist frustrierend. Für mich ist es manchmal auch schwierig, zu verstehen, weshalb wir uns so schwertun», sagt der Verteidiger Yannick Weber, der im Sommer aus der NHL zum ZSC wechselte – und erstaunt feststellen muss, wie diese Equipe in der Saison des Abschieds aus dem Hallenstadion bis anhin so sehr im biederen Mittelmass verharrt, dass eine Trainerdiskussion entstanden ist.
Sie wird nicht zuletzt davon genährt, dass Grönborg bis am 31. Dezember per Klausel aus seinem letzten Vertragsjahr, jenem für die Saison 2022/2023, aussteigen kann. Immer wieder hat er mit einem Wechsel in die NHL kokettiert, wo der Glanz seiner Goldmedaillen mit der schwedischen Nationalmannschaft schmähliche Niederlagen gegen Ambri-Piotta, Ajoie oder die SCL Tigers weit überstrahlt. Im Sommer 2021 hätten sich ihm dort Möglichkeiten geboten, bekannte der Coach jüngst öffentlich.
Die Deadline naht
Am Sonntag sagte Grönborg, er habe sich noch nicht entschieden, plane aber, demnächst das Gespräch mit dem Sportchef Sven Leuenberger zu suchen. Er wolle vor einer Entscheidung sicherstellen, dass man im Klub mit seiner Arbeit zufrieden sei. Und er sagt auch: «Jeder Trainer hat ein Start- und ein Ablaufdatum.» Haben die diffizilen letzten Wochen sein Denken, seine Perspektive verändert? «Nein», sagt der 53-Jährige, und sowieso: Er beschäftige sich in erster Linie damit, wie er dieses Team besser machen könne – «und wir müssen uns in vielen Bereichen steigern, im Boxplay zum Beispiel». Das Unterzahlspiel des ZSC ist das viertschwächste der Liga.
Aber es geht um grössere Fragen in den nächsten Wochen. Zunächst darum, wie Grönborg sich entscheidet – und dann, wie der ZSC handelt. Selbst wenn das Zürcher Management zu dem Entschluss kommt, dass ein Trainerwechsel notwendig ist, wäre es wirtschaftlich wenig sinnvoll, Grönborg vor Ende Dezember freizustellen und den Lohn anderthalb Jahre weiter zu bezahlen, wo sich der Schwede doch womöglich freiwillig verabschiedet. Zumal die sportliche Situation zwar unbefriedigend, aber nicht dramatisch ist. Platz 6, das ist kein Weltuntergang.
Und doch gehört der ZSC zu den grossen Enttäuschungen der bisherigen Saison. Mit diesem Kader müsste das Team Leader sein, darüber herrscht in der Branche Einigkeit. «Vielleicht wurde unsere Qualität überschätzt», mutmasst der Sportchef Leuenberger und fügt an: «Es ist eine Illusion, wenn man denkt, man könne jeden Abend den Gegner aus der Halle schiessen. Diese Zeiten sind vorbei, dafür ist die Liga zu ausgeglichen.» Und Grönborg sagt: «Ein Kader ist einfach ein Kader. Damit allein gewinnt man keine Spiele.»

Rikard Grönborg wirkte jüngst frustriert und nicht immer souverän.
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Der Coach wirkte jüngst frustriert und nicht immer souverän, gerade im Umgang mit den Schiedsrichtern. Er sagt: «Ich werde immer für mein Team einstehen und kämpfen. Ich weiss nicht, ob man das als Frustration bezeichnen kann. Und klar, wir hätten gerne bessere Resultate und mehr Siege. Aber es ist eine ausgeglichene, schwierige Liga. Und dann gibt es gewisse Umstände, welche die Lage erschweren. Die Medien kennen nicht die ganze Wahrheit.» Will der Trainer mit dieser verwirrend vagen Aussage darauf hinweisen, dass Schlüsselspieler nicht ganz fit sind? Er schweigt kurz und sagt dann: «Das könnte man so sagen.»
Der verlorene Zauber
Das würde diesen teilweise desillusionierenden Herbst zumindest ein bisschen erklären, die letzten Wochen, in denen praktisch kein Spieler sein Rendement erreicht hat. Der Teamleader Sven Andrighetto etwa wirkt im Vergleich zur brillanten Vorsaison fast wie ausgetauscht. «Es gibt momentan nicht viele, die ihr Potenzial ausreizen», sagt auch Leuenberger. Der Sportchef hat seine eigene Theorie, was die Baisse angeht, und sagt: «Wir sind gut gestartet, die ersten zehn Spiele waren sehr zufriedenstellend. Aber dann hiess es: Mit diesem Team müsste man doch schöner und deutlicher gewinnen, mehr Zauber versprühen. Das hat die Mannschaft dann versucht. Und ist dabei irgendwie vom Weg abgekommen.»
Den Versuch, wieder in die Spur zu kommen, wird sie womöglich mit einem ausländischen Torhüter unternehmen. Am Dienstag verletzte sich Lukas Flüeler, am Freitag Ludovic Waeber, und auch Jeffrey Meier, ab 2022/2023 die Nummer 2, ist unpässlich. Leuenberger sagt, es sei nicht abzusehen, wer in einer Woche einsatzfähig sei – die Situation bei Flüeler und Waeber werde täglich neu bewertet. Die Schwierigkeit: Der Markt ist ausgetrocknet, ein Torhüter vom Kaliber eines Joni Ortio, der den ZSC vor zwei Jahren stabilisierte, dürfte sich kaum finden lassen. Das Team muss andere Lösungen suchen – bis auf weiteres mit Rikard Grönborg.