Zur Zukunft von Rikard Grönborg
«Ich will nicht nur mein Salär abholen, und niemand ist happy»
Der schwedische ZSC-Coach könnte bis zum 31. Dezember seine Ausstiegsklausel ziehen, sonst verlängert sich sein Vertrag bis 2023. Er sagt, was ihm durch den Kopf geht.

Simon Graf (TA)

Bleibt er? Bleibt er nicht? Rikard Grönborg muss sich bis zum 31. Dezember entscheiden.
Foto: Patrick Straub (freshfocus)
Der gedrängte Spielplan lässt den ZSC Lions dieser Tage kaum Zeit, um durchzuatmen. Der 3:2-Overtimesieg in Ambri vom Samstag war das vierte Spiel innert sechs Tagen, nächste Woche folgen drei weitere Partien, alle in der Fremde: am Dienstag das Wiederholungsspiel in Rapperswil-Jona, am Donnerstag und Freitag gastieren die Zürcher in Genf und Lausanne. Ihre Tendenz war zuletzt wieder positiv, mit drei Siegen in Serie, davon zweimal in der Überzeit.
Irgendwo in den Hinterköpfen schwebt aber eine wegweisende Entscheidung für den Club: Headcoach Rikard Grönborg könnte bis zum 31. Dezember seine NHL-Ausstiegsklausel ziehen, sonst würde sich sein Vertrag um eine weitere Saison bis 2023 verlängern. Dies vereinbarten Grönborg und Sportchef Sven Leuenberger im Sommer 2020 nach der ersten, überzeugenden Saison unter dem Schweden, die die Lions auf Rang 1 abschlossen, ehe das Playoff wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde. Leuenberger baute diese Klausel ein, um nicht im Sommer plötzlich ohne Coach dazustehen.
Es ist kein Geheimnis, dass die Begeisterung über Grönborg seitdem merklich abgenommen hat. Die vergangene Saison war eine verlorene, und nach Toptransfers (Malgin, Weber, Azevedo, Quenneville) als Titelfavorit in diesen Winter gestartet, sind die ZSC Lions bisher vieles schuldig geblieben. Dass Grönborg in den nächsten drei Wochen die Zusicherung eines NHL-Jobs für nächste Saison bekommt, ist unrealistisch. Aber darum geht es auch gar nicht. Er könnte seine Klausel auch ohne eine solche Vereinbarung ziehen – und seine Karriere nächste Saison ausserhalb der NHL fortsetzen.
Die Frage ist also: Sieht er sich, obschon in den letzten eineinhalb Jahren vieles nicht wunschgemäss lief, auch mittelfristig in Zürich? Die Klausel ist einseitig, der Ball, pardon Puck, liegt also beim 53-Jährigen. Er habe sich noch nicht definitiv entschieden, sagt Grönborg. Er wolle zuerst mit den Clubverantwortlichen reden, wie sie seine Arbeit beurteilten. Also primär mit Sportchef Sven Leuenberger.
«Ich will sichergehen, dass der Club das Gefühl hat, dass ich meinen Job mache», sagt Grönborg. «Dass das, was ich tue, das ist, was erwartet wird. Dass man bei den ZSC Lions mit der Entwicklung zufrieden ist. Ich will nicht nur einfach mein Salär abholen, und niemand ist happy mit mir. Ich will sichergehen, dass die ZSC Lions finden, dass ich ihr Mann bin. Ich würde mich gerne mit dem Management zusammensetzen und darüber diskutieren. Momentan ist aber der Spielplan zu gedrängt.»
Diese Diskussion dürfte in der Woche ab dem 13. Dezember stattfinden, wenn die Liga wegen des Heimturniers des Nationalteams in Visp pausiert. Aber was sagt Leuenberger zu Grönborgs Vorstoss? Ist er zufrieden mit dem Coach? Der Sportchef scheint etwas überrascht über die Worte des Schweden: «Für mich ist nach wie vor klar, dass Grönborg das Sagen hat in dieser Sache. Er hat eine Ausstiegsklausel, nicht wir. Wenn er sich unsicher ist, ist es sicher das Beste, wenn wir darüber reden. Aber das mache ich sicher nicht via Medien.»
Ein taktisches Manöver?
Fragt sich, ob Grönborgs Worte ein taktisches Manöver sind, oder ob er tatsächlich seine Klausel ziehen würde, falls die ZSC Lions das wünschen würden. Grönborg hat seine Karriere akribisch aufgebaut, Zürich war vorgesehen als der Zwischenschritt auf seinem Weg in die NHL. Bei den ZSC Lions sollte der zweifache Weltmeistertrainer Schwedens beweisen, dass er auch auf höchster Clubebene reüssieren kann. Ob ihm das gelingt, ist noch nicht abschliessend zu beurteilen.
Klar ist: Nicht erfüllt hat sich die Hoffnung, dass Grönborg ein Ausbildner ist, der die Jungen weiterbringt. Er coacht sehr erfolgsorientiert, setzt kompromisslos auf seine Topleute, lässt Junge kaum spielen. Das lässt sich mit der Philosophie der ZSC Lions nicht gut vereinbaren. Gleichzeitig wird in Zürich aber auch Erfolg erwartet.
Vermisst der Schwede vom Club denn den nötigen Support? Er verneint: «Ich habe bisher nur Unterstützung gespürt. Ich bin sehr happy hier, meine Familie auch. Ich arbeite sehr hart, um täglich zum Erfolg dieser Organisation beizutragen. Ich liebe die ZSC Lions, die Fans, die Stadt. Gleichzeitig will ich sichergehen, dass ich immer noch willkommen bin.»
Ein flammendes Statement für ihn dürfte Grönborg momentan kaum erhalten. Es würde aber überraschen, sollte er die Ausstiegsklausel ziehen. Damit würde er nicht nur seine Zukunft aufs Spiel setzen, sondern als «Auslaufsmodell» auch seine Autorität beim Team untergraben. Und so enttäuschend die Saison bisher war, die ZSC Lions können immer noch Meister werden.