ZSC-Niederlage in Langnau
Simon Bodenmanns Pausen, die nicht enden wollten
Lange fiel der ZSC-Stürmer mit einer Gehirnerschütterung aus. Kaum genesen, musste er zwei Mal in Quarantäne. Nun erlebte er in Langnau einen persönlichen Albtraum-Match.
Kristian Kapp (TA)
Es war so ein Spiel für Simon Bodenmann in Langnau, eines so richtig zum Vergessen. Eines, in dem eigentlich lange alles gar nicht so schlecht aussah, auch für seine Linie nicht. Bodenmann stürmt an der Seite Marcus Krügers und des Topskorers Denis Hollenstein, und das Trio tat auch das, was von ihm erwartet wird: Chancen kreieren. 14 Mal kam es an diesem Sonntagnachmittag zum Abschluss.
Aber die Tore fielen immer nur auf der falschen Seite.
«Das war bitter, unsere Linie war am Ende Minus-3, und es fühlte sich an, dass bei jedem Angriff gegen uns auch gleich ein Tor fiel», rekapitulierte Bodenmann das Geschehen in einem Spiel, das mit einer 3:5-Niederlage des Grossen gegen den Kleinen endete. Und dies, obwohl die ZSC Lions nach 26 Minuten noch standesgemäss 3:1 führten und am Ende auch in der Schussstatistik deutlich (48:25) vorne lagen.
Eine Minus-3-Bilanz ist das eine. Doch Bodenmann erlebte auf dem Eis auch mit, wie ein slapstick-artiger Ausrutscher seines Verteidigers Patrick Geering am Ursprung des Langnauer 3:3 stand. Und weil es eben so ein Spiel zum Vergessen war, reichte das noch nicht. Bodenmann bereitete ungewollt den 4:3-Gamewinner des Gegners mit einem nicht minder komischen Zusammenstoss mit Langnaus Junior Patrick Petrini vor – halber Salto vorwärts inklusive.
«Das zu akzeptieren war schwierig»
Für Bodenmann gibt es derzeit aber auch andere Blickwinkel. Sorgen um seine Mannschaft macht er sich keine, auch wenn die Niederlage in Langnau nun die zweite hintereinander war. Denn zuvor hatten die Lions immer nur gewonnen: Acht Mal in der Meisterschaft, drei Mal im Cup. Und für ihn persönlich gilt derzeit vor allem auch dies: Froh sein, spielen zu können.
Bodenmann spielte in Langnau erst zum achten Mal in dieser Saison, er ist immer noch mitten in seinem Comeback nach langer Pause. Acht Wochen lang konnte er zu Saisonbeginn nicht mittun, nachdem er sich in der Vorbereitung eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte. Acht lange Wochen, nachdem er zunächst gedacht hätte, nach spätestens deren zwei wieder zurück zu sein. Weil diese Art der Verletzung aber die wohl unberechenbarste und vielleicht auch gefährlichste überhaupt ist, wurde das Warten länger und länger. «Zu akzeptieren, dass es mehr als diese ein oder zwei Wochen geht, war für den Kopf schwierig», sagt Bodenmann.
Immerhin hatte sein Weg zurück Struktur. «Das Schlimmste wäre gewesen, wenn ich zuhause untätig hätte sein müssen. Weil du dann nur herum studierst und nicht einmal weisst, ob es dir überhaupt wieder besser geht», sagt Bodenmann. Er begab sich sofort in das Swiss Concussion Center in der Schulthess Klinik in Zürich. Es war für ihn ein bereits bekannter Weg: «Mir hilft das sehr, dorthin zu gehen, du erhältst einen Plan, du siehst die Fortschritte, das gibt dir Vertrauen und ein gutes Gefühl.»
«Jedes Spiel wird mir gut tun»
Was Bodenmann noch nicht wusste: Die mental grössere Herausforderung stand ihm erst bevor. Nach acht Wochen war das Comeback zum Greifen nahe, die ersten beiden Trainings mit der Mannschaft hatten ihm Zuversicht verliehen. Doch dann hatten die Lions ihre ersten Coronafälle, die ganze Mannschaft, inklusive Bodenmann musste für zehn Tage in Quarantäne. Und kaum war diese überstanden, kam bereits Fall 2 – wieder hiess es, zehn Tage untätig zuhause sein zu müssen. «Das nervte mich eher noch mehr», sagt Bodenmann. «Aber es gehört diese Saison dazu, auch mit solchen Dingen umgehen zu können.»
Und darum sagt Bodenmann nun: «Du musst froh sein, spielen zu dürfen.» Das Spiel in Langnau war der Auftakt in eine intensive Phase mit vielen, vielen Spielen für die Lions. Es gilt auch, das in zwei Quarantänen Verpasste wieder nachzuholen. «Noch produziere ich zu wenig, ich habe höhere Ansprüche an mich», sagt Bodenmann, dem bislang ein Tor und drei Assists gelangen. «Aber jedes dieser vielen Spiele wird mir nun gut tun.» Und für ihn gilt erst recht auch dies: «Mit meinem Kopf ist wieder alles gut. Und das ist das Wichtigste.»