Beiträge von Larry

    ZSC-Niederlage in Langnau

    Simon Bodenmanns Pausen, die nicht enden wollten

    Lange fiel der ZSC-Stürmer mit einer Gehirnerschütterung aus. Kaum genesen, musste er zwei Mal in Quarantäne. Nun erlebte er in Langnau einen persönlichen Albtraum-Match.


    Kristian Kapp (TA)

    Es war so ein Spiel für Simon Bodenmann in Langnau, eines so richtig zum Vergessen. Eines, in dem eigentlich lange alles gar nicht so schlecht aussah, auch für seine Linie nicht. Bodenmann stürmt an der Seite Marcus Krügers und des Topskorers Denis Hollenstein, und das Trio tat auch das, was von ihm erwartet wird: Chancen kreieren. 14 Mal kam es an diesem Sonntagnachmittag zum Abschluss.


    Aber die Tore fielen immer nur auf der falschen Seite.

    «Das war bitter, unsere Linie war am Ende Minus-3, und es fühlte sich an, dass bei jedem Angriff gegen uns auch gleich ein Tor fiel», rekapitulierte Bodenmann das Geschehen in einem Spiel, das mit einer 3:5-Niederlage des Grossen gegen den Kleinen endete. Und dies, obwohl die ZSC Lions nach 26 Minuten noch standesgemäss 3:1 führten und am Ende auch in der Schussstatistik deutlich (48:25) vorne lagen.


    Eine Minus-3-Bilanz ist das eine. Doch Bodenmann erlebte auf dem Eis auch mit, wie ein slapstick-artiger Ausrutscher seines Verteidigers Patrick Geering am Ursprung des Langnauer 3:3 stand. Und weil es eben so ein Spiel zum Vergessen war, reichte das noch nicht. Bodenmann bereitete ungewollt den 4:3-Gamewinner des Gegners mit einem nicht minder komischen Zusammenstoss mit Langnaus Junior Patrick Petrini vor – halber Salto vorwärts inklusive.

    «Das zu akzeptieren war schwierig»

    Für Bodenmann gibt es derzeit aber auch andere Blickwinkel. Sorgen um seine Mannschaft macht er sich keine, auch wenn die Niederlage in Langnau nun die zweite hintereinander war. Denn zuvor hatten die Lions immer nur gewonnen: Acht Mal in der Meisterschaft, drei Mal im Cup. Und für ihn persönlich gilt derzeit vor allem auch dies: Froh sein, spielen zu können.

    Bodenmann spielte in Langnau erst zum achten Mal in dieser Saison, er ist immer noch mitten in seinem Comeback nach langer Pause. Acht Wochen lang konnte er zu Saisonbeginn nicht mittun, nachdem er sich in der Vorbereitung eine Gehirnerschütterung zugezogen hatte. Acht lange Wochen, nachdem er zunächst gedacht hätte, nach spätestens deren zwei wieder zurück zu sein. Weil diese Art der Verletzung aber die wohl unberechenbarste und vielleicht auch gefährlichste überhaupt ist, wurde das Warten länger und länger. «Zu akzeptieren, dass es mehr als diese ein oder zwei Wochen geht, war für den Kopf schwierig», sagt Bodenmann.

    Immerhin hatte sein Weg zurück Struktur. «Das Schlimmste wäre gewesen, wenn ich zuhause untätig hätte sein müssen. Weil du dann nur herum studierst und nicht einmal weisst, ob es dir überhaupt wieder besser geht», sagt Bodenmann. Er begab sich sofort in das Swiss Concussion Center in der Schulthess Klinik in Zürich. Es war für ihn ein bereits bekannter Weg: «Mir hilft das sehr, dorthin zu gehen, du erhältst einen Plan, du siehst die Fortschritte, das gibt dir Vertrauen und ein gutes Gefühl.»


    «Jedes Spiel wird mir gut tun»

    Was Bodenmann noch nicht wusste: Die mental grössere Herausforderung stand ihm erst bevor. Nach acht Wochen war das Comeback zum Greifen nahe, die ersten beiden Trainings mit der Mannschaft hatten ihm Zuversicht verliehen. Doch dann hatten die Lions ihre ersten Coronafälle, die ganze Mannschaft, inklusive Bodenmann musste für zehn Tage in Quarantäne. Und kaum war diese überstanden, kam bereits Fall 2 – wieder hiess es, zehn Tage untätig zuhause sein zu müssen. «Das nervte mich eher noch mehr», sagt Bodenmann. «Aber es gehört diese Saison dazu, auch mit solchen Dingen umgehen zu können.»

    Und darum sagt Bodenmann nun: «Du musst froh sein, spielen zu dürfen.» Das Spiel in Langnau war der Auftakt in eine intensive Phase mit vielen, vielen Spielen für die Lions. Es gilt auch, das in zwei Quarantänen Verpasste wieder nachzuholen. «Noch produziere ich zu wenig, ich habe höhere Ansprüche an mich», sagt Bodenmann, dem bislang ein Tor und drei Assists gelangen. «Aber jedes dieser vielen Spiele wird mir nun gut tun.» Und für ihn gilt erst recht auch dies: «Mit meinem Kopf ist wieder alles gut. Und das ist das Wichtigste.»

    Backhand

    Als wären die Schweizer eine Bande von Hockey-Exoten

    Ohne NHL-Draftees wurde die U-20-WM zur Enttäuschung, die Schweiz war so schlecht wie schon lange nicht mehr. Die geplanten Reformen im Schweizer Eishockey werden kaum Besserung bringen.


    MEINUNG

    Kristian Kapp (TA)

    Es war schon fast eine Tradition für Schweizer Hockeyfans: das Mitfiebern mit der U-20 zu Jahresbeginn, die Träume vom Coup im WM-Viertelfinal. Doch daraus wurde 2021 nichts, erstmals seit 2016 scheiterten die Junioren in der Gruppenphase, wurden Letzte. In der schwächeren Gruppe, mit der Slowakei und Deutschland. Mit null Punkten. Mit 5:20 Toren. ­Wobei diese Bilanz mit vier späten, aber nutzlosen Toren im letzten Spiel massiv geschönt wurde.

    Nie seit dem Aufstieg in die A-Gruppe 2009 war die Schweiz so schlecht. Der Niveau-Unterschied zu den Topspielern der anderen Nationen war erschreckend gross. Der Vergleich ist einerseits unfair, aber die beiden besten deutschen Stürmer, J. J. Peterka (Zweitrunden-Draftee Buffalos 2020) und vor allem Tim Stützle (Nummer-3-Overall-Draftee von Ottawa 2020) liessen es teilweise aussehen, als spielten da Profis gegen Kinder.

    Mit nur einem einzigen Stammspieler

    Andererseits ist der Vergleich zulässig: Deutschland ist auf allen Stufen einer der direkten Konkurrenten der Schweiz im ewigen Kampf um die Ränge 7 und 8 in der Weltrangliste. Natürlich spielte bei der Schweiz ein schwächerer Jahrgang, mit einigen 17- und 18-Jährigen, die in einem Jahr wieder dabei und besser sein werden. Doch das ist nicht der Grund fürs Scheitern.

    Als einziges WM-Team hat die Schweiz überhaupt keine NHL-Draftees. Nur zwei ihrer Spieler werden in der National League eingesetzt. Und das in der «Corona-Saison», in der es keinen Absteiger, es nichts zu verlieren gibt.

    Besonders beschämend: Mit Simon Knak gibts gar nur einen einzigen 18-jährigen Stammspieler. Selbst das ist Zufall: Knak spielt in Davos, weil sein Junioren-Team in Kanada wegen Corona noch nicht ran darf. Kaum Zufall ist, dass Knak im auf WM-Niveau hin und wieder überfordert wirkenden Schweizer Team einer der wenigen Stürmer war, die der Herausforderung gewachsen zu sein schienen. All das tönt wie die Beschreibung der Zustände bei einem Eishockey-Exoten.

    Nun muss natürlich die Frage auch umgekehrt gestellt werden: Sind die Jungen, die da nachrücken sollten, schlicht nicht gut genug, um sofort auf NL-Niveau ins kalte Wasser geworfen zu werden? Spricht man gerade mit Coaches aus dem skandinavischen Raum, die in der Schweiz arbeite(te)n, kommt, solange die Diskussion «off the records» bleibt, regelmässig dieselbe Analyse: Ja, die Schweizer Junioren haben teilweise wirklich sehr gute Einzelskills, sie sind in der Regel aber nicht gut genug ausgebildet fürs Männer-Eishockey, weder einzeltaktisch noch körperlich.

    Öffentlich steht natürlich keiner zu diesen Aussagen, man will ja kein schlechter Gast des Schweizer Eishockeys sein. Denn diese Kritik hört man bei uns nicht gerne. Auch Knak machte übrigens diese Erfahrung, als er 2019 zu Portland wechselte. Er musste zunächst sein Spiel in Spezialtrainings anpassen, bevor er in jene gute Rolle schlüpfte, die er am Ende der Saison innehatte. Am Mangel einzelner hervorragender Skills lag es auch bei ihm nicht, mehr an grundsätzlichen Angewohnheiten.

    Besserung ist nicht in Sicht

    Werden die NL-Teams in der Not nun aber dennoch vermehrt auf junge Spieler setzen? Wie in Schweden, wo schon 16- und 17-Jährige mittun (auch weil die rund 200 besten Schweden in anderen Ländern spielen), und wo das Niveau dennoch höher ist als in unserer NL, die wir, wohl aus reinen Spektakelgründen, ach so gerne zur drittbesten Liga weltweit hochfabulieren? Kaum.

    Geplant ist schliesslich eine Erhöhung der Ausländer, von vier auf zehn. Darum sollen bei den Junioren vereinzelt auch U-22-Spieler mittun dürfen. All das, um die Löhne der Profis zu senken. Mit Blick auf die U-20-WM wirkt das wie ein schlechter Witz. Einer, über den aber nur die anderen Hockey-Nationen lachen.

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    Mein Senf: Wie schon gesagt: Die geplante Reform ist scheisse aber der Schweizer Nachwuchs eben auch! Einfach Pfeifen aufstellen in der NLA geht eben auch nicht!

    Bevor die anderen Spiele beginnen haben die ersten vier alle 20 Spiele. Hätte man zwei Spiele mehr gewonnen wäre man mit Zug gleich. So ist man 6 Punkte hinter Zug und ein bzw. zwei Punkte hinter Fribourg und Lausanne. Platz 4 ist aber schon so was wie das Minimum das man mit dieser Truppe erreichen muss! Da muss mehr kommen die nächsten 20 Spiele!

    ausser es würde „grossflächig“ auf die untere Liga ausgewichen, was ich mir nicht so richtig vorstellen kann.

    "Rappi, Ambri, Kloten, Davos und Langnau sollten sich der Swissleague anschliessen und den Grossen den Finger zeigen. Ich wette die Swiss League wird der National League in ein paar Jahren eh den Rang ablaufen. "

    Ich lach mich Tod ab solchen Kommentaren! Es geht doch kein SCB Fan nun Olten gucken, er nimmt höchstens seine SK nicht mehr und auch das wird wohl nur die grosse Ausnahme sein.

    Rikard Grönborgs Kritik

    «Wir haben die Demut etwas verloren»

    Der ZSC-Trainer spricht nach dem letzten Spiel des Jahres über Konstanz, den Weckruf in Zug und Frustrationen im Covid-Jahr.

    Marco Keller (TA)

    Vor dem letzten Drittel führten die ZSC Lions gegen Biel 1:0, am Schluss stands 1:3. Was ist passiert?

    Wir haben in einem dummen Moment Strafen kassiert. Der Ausgleich fiel nach einer angezeigten Strafe und dann war das Momentum, das wir für den letzten Abschnitt kreieren wollten, weg, weil wir Strafen in der offensiven Zone nahmen, und das sollte natürlich nicht passieren. Biel hat das beste Powerplay der Liga, und ich bin wirklich überrascht, dass sie nicht besser klassiert sind, sie haben eine sehr gute Mannschaft. Ja, wir haben gegen ein sehr gutes Team verloren, wir sind ihnen aber auch ein wenig in die Falle gegangen.

    Es war aber auch die erste Niederlage nach über zwei Monaten. Eine lange Zeit trotz der vielen Unterbrüche und eine beeindruckende Serie.

    Das stimmt. Es ist aber blöd, dass sie ausgerechnet im letzten Spiel des Jahres zu Ende ging. Aber wir spielen in einer guten Liga und man kann nicht erwarten, dass man einfach durchläuft, erst recht nicht, wenn man solche Fehler macht, die wir eben angesprochen haben. Es kann aber auch eine heilsame Lektion für uns sein, sodass wir einsehen, dass wir nicht einfach rausgehen und spielen und immer drei Punkte holen können. Wir müssen auch die Arbeit machen und intelligenter spielen.

    Wie lange werden Sie sich mit dieser Niederlage beschäftigen?

    Für mich geht es um den Prozess. Ihr Journalisten schaut auf solche Serien, für mich ist aber der Prozess wichtiger. Wir haben elf Spiele in Serie gewonnen, drei im Cup, acht in der Meisterschaft, und dann waren da all diese Unterbrüche. Es ist schwierig, zu planen für einen Coach, aber das geht allen Teams so. Wir sind auf der Suche nach Konstanz, und für mich ist Konstanz der Effort und dass wir uns an unseren Gameplan halten.

    Blicken wir zwei Monate zurück. Was ist nach den zwei klaren Niederlagen gegen Zug und jener gegen Ambri passiert?

    Eine Saison verläuft ein wenig in Wellen, man muss einfach schauen, dass die Tiefen nicht zu lange andauern, dafür die Höhen länger. Wir hatten schon in der Vorbereitung neun Spiele gewonnen und gingen dann mit viel Selbstvertrauen zum Startspiel nach Lugano, wo wir dann verloren. Danach spielten wir ziemlich gut, haben dann aber etwas nachgelassen und speziell das eine Spiel in Zug war unser Tiefpunkt in diesem Jahr. Wenn man aber ein solches Spiel hat, muss man sich fragen: Was machen wir hier? Das ist eine Art Erinnerung, dass es eine gute Liga ist, mit anderen starken Teams und Spielern. Wir müssen demütig sein und zwar jedes Mal. Das ist uns oft sehr gut gelungen. Heute haben wir diese Demut ein wenig verloren.


    Die vielen langen Unterbrüche waren nervenzehrend. Was ist der Schlüssel, wieder bereit zu sein, wenn es endlich wieder einmal zählt?

    Ich weiss nicht, ob jemand den Schlüssel hat. Wir wollen einfach die Konstanz von unserer Seite her zeigen und den Fokus auf die Sachen lenken, die wir kontrollieren können, und nicht die ganze Zeit über Covid-19 reden. Wir schätzen uns glücklich, dass wir unseren Job immer noch ausüben können. Natürlich hätten wir sehr gerne unsere Fans hier im Hallenstadion, aber wir spielen auch für die Fans, die uns jetzt zu Hause zuschauen.

    Wie frustrierend war dieses Eishockeyjahr insgesamt?

    Wenn ich Frustration zulassen würde, wäre ich kein sehr guter Coach. Auch ich muss jeden Tag Konstanz zum Team bringen. Wir sind jeden Tag gerne miteinander zusammen, wir mögen das Umfeld, das wir schaffen. Wir verlangen viel von den Spielern, aber damit wir dies tun können, müssen auch wir vom Coachingstaff mit gutem Beispiel vorangehen. Bis jetzt ist uns dies ziemlich gut gelungen, aber wir klopfen uns jetzt nicht auf die Schulter. Im Moment werden keine Trophäen vergeben.

    Wo möchten Sie weitere Fortschritte sehen?

    Man kann sich immer überall verbessern. Wichtig ist aber, dass man, wenn man nicht gut spielt, dennoch die Grundlage aufrechterhält und sich daran anlehnen kann. Das war ein grosser Faktor bei unseren bisherigen Erfolgen, und das wollen wir jedes Mal erreichen.

    Wenn alles optimal läuft, stehen bis zum Ende der Qualifikation in 80 Tagen 33 Spiele an. Sind die ZSC Lions bereit dafür?

    Ich denke, ja. So bereit, wie man sein kann. Lassen Sie mich Holz anfassen, wir brauchen natürlich auch etwas Glück mit Verletzungen und Erkrankungen. Aber auch das können wir nicht kontrollieren. Die Konstanz wird wieder entscheidend. Und wenn Sie mich oder die Spieler fragen: Wir spielen lieber, als dass wir trainieren.

    Was wünschen Sie sich für 2021?

    Für alle Leute auf diesem Planeten wünsche ich mir viel Widerstandsfähigkeit und die Rückkehr zur Normalität – oder zur neuen Normalität, wie diese auch immer aussieht.

    Thomas Roos:

    Die Rhetorik im Schweizer Eishockey hat sich vom schüchtern, bescheidenen «Understatement» hin zu grossmauligen «Quotes» verändert. Ein unaufgeregt selbstbewusster, sachlicher Mittelweg wäre angezeigt.

    Ich kann keine krassen Fehler feststellen, es wäre falsch, zum Beispiel dem Coachingstaff die Schuld für die Nichtresultate in die Schuhe zu schieben. Wir müssen ganz einfach eingestehen, dass die individuelle Klasse unserer Spieler nicht ausreicht, um auf diesem Niveau bestehen zu können.

    Wie sind die Aussichten für die nächste U20-WM? Nicht viel besser, wir durchlaufen aktuell tatsächlich nicht nur ein tristes Jahr, sondern eine triste Phase. Hoffentlich ist dies kein nachhaltiger Negativtrend. Um in die Sphäre der Tschechen – als erste Verfolger der Weltspitze – aufzuschliessen fehlt aktuell vieles.


    Alles gesagt!

    Er kommt durch seine Art schlechter weg als er wirklich ist und ich glaube wirklich dass er es mit dem FCZ gut meint.

    Fehler machen sie auch zuhauf bei YB oder aktuell beim FCB, aber mit denen dürfen wir uns nicht messen, sondern mit dem Rest.

    Sehe ich absolut NICHT so! 2006, 2007 und 2009 ist es auch gegangen bevor Canepa (!) nach der Saison 2010/11 in der man den Titel um einen Punkt verpasst hat den Geldhahn zugedreht hat! So geht es natürlich nicht! Entweder er lässt wieder sprudeln oder er soll Platz machen für jemand anderen. An einem "Ausbildungsverein" der hinter der Spitze dümpelt habe ich (und viele andere) kein Interesse, schon gar nicht auf dem Platz Zürich!

    Kann man vielleicht machen in einem Jahr wo es keinen Absteiger gibt, bei einem Team das eh nicht Meister wird, in Langnau oder Ambri, in Rappi. Aber bei anderen Teams stehen der Coach und der Sportchef unter Resultatdruck, einfach nur Junioren einbauen und dann irgendwo im unteren Mittelfeld herumgurken reicht dann halt nicht. Ganz so einfach ist das schon nicht!

    Hüt isch ja wieder mal Match!:lehrer:

    ZSC Lions – EHC Biel (30. Dezember): Trotz zwei Quarantäne-Unterbrüchen sind die ZSC Lions seit nunmehr elf Spielen in Folge ungeschlagen: acht Siege in der Meisterschaft und drei im Schweizer Cup. Im letzten Heimspiel des Jahres geht es also primär um die Frage, ob diese stolze Serie über den Silvester hinaus anhalten wird.

    Im Hallenstadion steht den Stadtzürchern mit dem EHC Biel eine Mannschaft gegenüber, die schwierig einzuschätzen ist. Die Seeländer verfügen über viel spielerische Klasse, sind aber in dieser turbulenten Saison wenig konstant. Mit bisher 1,33 gewonnenen Punkten pro Spiel ist die Ausbeute weniger reich als erhofft. Das hängt natürlich mit dem Rücktritt des Star-Goalies Jonas Hiller zusammen, der den Bielern Glanz und viele Punkte sicherte. Seine Nachfolger Joren van Pottelberghe und Elien Paupe konnten bisher die grossen Fussstapfen ihres Vorgängers noch nicht ausfüllen. Doch das ist nicht die ganze Geschichte: Im Powerplay ist der EHC Biel derzeit die statistisch beste Mannschaft der Liga, auch in Unterzahl gehört er zu den Besseren. Im ersten Direktvergleich der Saison Mitte Oktober gewannen die Zürcher auswärts 5:1. (pic.)

    Beliebte Bundesdarlehen

    Wieso der ZSC vom Bund mehrere Millionen will

    18 von 24 Clubs haben im Schweizer Eishockey die zinslosen Darlehen beantragt. Überraschend auch der ZSC, der zu den finanziell besser gestellten Teams gehört.


    Simon Graf, Roland Jauch (TA)

    Peter Zahner ist nicht Pfarrer, sondern CEO. Doch nach diesem ungewöhnlichen Jahr verfasste auch er eine Weihnachtsansprache. In schriftlicher Form wandte er sich an die Fans und Sponsoren und sinnierte über diese Zeiten zwischen Ohnmacht und Hoffnung, über die «Achterbahnfahrt der Gefühle».

    Es sei ihm auch ein Anliegen gewesen, sich zu bedanken für die Solidarität und einige Informationen zu geben, sagte Zahner. «Wenn ich zu normalen Zeiten ins Stadion komme, werde ich oft angesprochen. Dieser Kontakt fehlt jetzt gänzlich. Und wir stecken da ja alle gemeinsam drin.»

    Im sechsten Abschnitt erwähnte Zahner, dass die ZSC Lions und ihr Farmteam Bundesdarlehen beanspruchen würden: 25 Prozent des betrieblichen Aufwands der Saison 2018/19, rückzahlbar über zehn Jahre – rund 4,5 Millionen Franken für die ZSC Lions und knapp 700’000 für die GCK Lions.

    Erfolg für den Ligachef

    Bis zum 18. Dezember mussten die Darlehen beantragt werden. 18 von 24 Clubs aus der National und der Swiss League hätten ein Gesuch eingereicht, sagt Ligachef Denis Vaucher. Das ist für ihn und die Clubverantwortlichen, die die Konditionen nachverhandelt hatten, ein Erfolg. Wegen der strittigen Solidaritätsklausel, die entfernt wurde, hatte das Gros der Clubs im Sommer noch auf ein Darlehen verzichten wollen.

    Dass nun auch die ZSC Lions davon Gebrauch machen, überrascht etwas, da sie zu den finanziell bessergestellten Teams zählen. «Es ging für uns darum, die kurz- und mittelfristige Liquidität abzusichern», erklärt Zahner. Zumal man sich ja aktuell nicht nur im Überlebenskampf wegen Corona befinde, sondern gleichzeitig auch in einer Transformationsphase im Hinblick auf den Umzug ins eigene Stadion im Sommer 2022.


    Das Darlehen ist zinslos, wenn der Club den vereinbarten Rückzahlungsplan von zehn Jahren einhält. Wenn nicht, gilt für die fehlenden Raten ein Verzugszins von fünf Prozent. Wer die Gesamtsumme nicht innert dreier Jahre zurückbezahlt hat, verpflichtet sich, seine Lohnsumme ab dann um 20 Prozent zu reduzieren. «Unser Ziel ist, das Geld so lange wie möglich nicht zu benützen und innert dreier Jahre zurückzuerstatten», sagt Zahner. «In der Hoffnung, dass sich unser Geschäft so bald wie möglich wieder normalisiert.»

    Lohndruck erwünscht

    Doch die Pflicht, die Löhne reduzieren zu müssen, käme einigen Clubs gar nicht so ungelegen. Denn man ist sich einig: Es kann, ja wird mit der Entwicklung der Spielersaläre nicht so weitergehen. Und weil es bisher mit Eigenverantwortung – eines der Unwörter des Jahres – so schlecht klappte, kann etwas Druck von oben gar nicht schaden.

    Was dies betrifft, dürften die Bedingungen der A-fonds-perdu-Beiträge für die Spiele ohne Publikum noch einschneidender sein: Der Durchschnitt aller Saläre inklusive Prämien, die 148’200 Franken übersteigen, muss um 20 Prozent gesenkt werden.

    Die Kleinen müssen bangen

    Was ähnlich klingt, ist weitaus gravierender, vor allem für kleinere Clubs. Denn wer eine günstigere Mannschaft hat mit vielen Spielern unter dieser Lohngrenze, muss bei den teureren trotzdem prozentual gleich viel einsparen. Deshalb wurde eine Härtefallklausel eingebaut: Wer mit seiner Gesamtlohnsumme 30 Prozent unter dem Ligadurchschnitt liegt, muss bei den teureren Spielern nur 10 Prozent reduzieren.

    Wie praktikabel das Ganze ist, muss sich weisen. Die Informationen wurden den Clubs am 24. Dezember zugestellt. Nun gelte es, alles zu studieren und zu berechnen, sagt Zahner. Die Clubs haben bis zum 31. Januar Zeit, A-fonds-perdu-Beiträge für die Periode vom 29. Oktober bis zum 31. Dezember zu beantragen – für alle Heimspiele, die sie ohne Publikum austragen mussten.

    Bis 150’000 Franken pro Spiel

    Auf Basis der Zuschauerzahlen von 2018/19 würden sie pro Geisterspiel zwei Drittel der entgangenen Ticketeinnahmen erhalten: konservativ geschätzt, jeweils rund 50’000 bis 150’000 Franken. In der Summe also bis zu drei Millionen Franken in diesem Winter, falls nicht mehr vor Publikum gespielt werden kann. Und danach sieht es momentan aus. Es wäre also erstaunlich, wenn es Clubs gäbe, die auf diesen Zustupf verzichten würden.


    «Die 44 Clubs aus den zwei höchsten Eishockey- und Fussballligen sind angewiesen auf die A-fonds-perdu-Beiträge», sagt denn auch Mike Schälchli, der Präsident des EHC Kloten. «Vielleicht kommen ein, zwei Fussballclubs und die Farmteams im Eishockey, die ohnehin kaum Zuschauer haben, ohne aus. Aber ich bin überzeugt, dass fast alle diese Beiträge beantragen werden.» Also auch der aufstiegswillige Swiss-League-Club.

    Kein Darlehen für Kloten

    Was das Darlehen betrifft, sind die Klotener aber eine Ausnahme: Sie verzichteten. «Uns in Schulden zu stürzen, wäre ein falsches Zeichen gewesen», sagt Schälchli.

    Die Darlehen sind also fast überall beantragt, nun ist Ligachef Vaucher daran, mit dem Bundesamt für Sport und den Clubs die noch ungewissen Auswirkungen der Lohnreduktionsklauseln bei den A-fonds-perdu-Beiträgen zu erörtern. Dabei ist es von Vorteil, hat der Anwalt über acht Jahre bei einer Bank gearbeitet. Mit den Spezialgebieten Sanierungen und Restrukturierungen.

    Denn wer dieser Tage im Schweizer Eishockey nicht mit Zahlen jonglieren kann, ist etwa so trittsicher wie mit Lackschuhen auf Glatteis.