Beiträge von Larry

    Zurück zur 1000er-Grenze

    «­Dieser Entscheid ist eine Panikreaktion»

    Der Kanton Bern verbietet Grossanlässe mit über 1000 Zuschauern. Die Vertreter der betroffenen Sportclubs sind erstaunt und entrüstet.


    Adrian Ruch, Marco Oppliger, Philipp Rindlisbacher, Dominic Wuillemin (TA)

    Aus Erleichterung wurde ganz schnell grosser Frust. Kurz nachdem sich Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga an einer von SRF live übertragenen Pressekonferenz positiv über die Schutzkonzepte der Sportclubs geäussert hatte, verschickte der Kanton Bern eine Medienmitteilung, in der er ein Verbot von Grossveranstaltungen mit über 1000 Personen ab Montag ankündete. Wenig überraschend fallen die Reaktionen denn auch heftig aus.

    «Der Entscheid des Kantons Bern ist für uns ein ‹Chlapf zum Gring›», sagt Denis Vaucher. Der Eishockey-Ligadirektor hält fest, es gebe keinen einzigen nachgewiesenen Corona-Fall aus einem Stadion. «Daher verstehe ich das Vorpreschen der Berner Behörden nicht.»

    Damit geht es ihm genau gleich wie Marc Lüthi. «Wir haben eine halbe Million in unser Schutzkonzept investiert, und es funktioniert bisher tadellos. Das Ansteckungsrisiko im Stadion ist nicht null, aber es ist deutlich geringer als anderswo», sagt der CEO des SC Bern. Und ergänzt: Er habe an den SCB-Heimspielen leider nie einen Regierungsrat angetroffen, der sich ein Bild habe machen wollen.

    Lüthi betont, ihm sei bewusst, «dass die Volksgesundheit ein hohes wichtiges Gut ist». Ähnlich formulierte es Wanja Greuel, der bei den Young Boys die gleiche Funktion bekleidet wie Lüthi beim SCB. «Wir wurden vom Entscheid überrumpelt und sind schockiert. Wir steckten in den letzten Monaten sehr viel Arbeit und Geld in die Schutzkonzepte, dementsprechend frustriert sind wir», sagt Greuel.

    Die Grossclubs hatten in den letzten Wochen einen engen Austausch mit den Behörden gepflegt, daher sind sowohl Greuel als auch Lüthi irritiert, wurden die Clubvertreter erst fünf Minuten vor Veröffentlichung der Medienmitteilung über die Massnahme informiert.

    «Ein Alleingang kann keine Lösung sein»

    Lüthi ist bekannt als Mann der markigen Worte. Doch diesmal äussern sich andere noch dezidierter. «Für mich ist der Entscheid eine Panikreaktion, weil die Kantonsregierung völlig überfordert ist», sagt Daniel Villard, Geschäftsführer des EHC Biel.

    Peter Jakob, Verwaltungsratspräsident der SCL Tigers, spricht derweil von «einem falschen Schnellschuss. Ein Alleingang kann in dieser Sache keine Lösung sein. In einer nationalen Liga kann man so etwas nicht föderalistisch lösen.»

    Moderat reagieren die Entscheidungsträger des FC Thun. In einem Pressecommuniqué wird der Entscheid «bedauert» und die Überzeugung vertreten, «dass ein optimaler Schutz der Matchbesucherinnen und -besucher dank des vom Regierungsstatthalter abgenommenen Stadionschutzkonzepts auch mit einer höheren Besucherobergrenze möglich gewesen wäre».

    «Das wird gewaltig Ärger geben»

    Der Beschluss des Regierungsrats stellt die Vereine kurzfristig vor grosse organisatorische Probleme: Schon am Dienstag empfängt Biel den SCB zum Derby, Langnau Rapperswil-Jona und Thun Winterthur. «Wer darf kommen? Wer muss daheimbleiben, obwohl er schon eine Zusage für die Partie gegen Rapperswil erhalten hat?», nennt Jakob dringende Fragen.

    «Das wird gewaltig Ärger geben. Und in gastronomischer Hinsicht ist es auch ein Desaster: Vieles ist schon gebucht oder bestellt worden.» Bei YB gastiert am Donnerstag die AS Roma – es ist die attraktivste Affiche im Rahmen der laufenden Europacupkampagne. 8200 Saisonkartenbesitzer hatten sich mit Erfolg für die Tickets beworben.

    Doch gravierender sind die mittel- und langfristigen Folgen. «Wir sehen die Existenz des Schweizer Profifussballs in Gefahr, sollte es den Clubs erneut über einen längeren Zeitraum nicht möglich sein, Zuschauerinnen und Zuschauer in den Stadien zu begrüssen», steht in der Mitteilung von YB.

    Und Vaucher von der Eishockeyliga sagt: «Irgendwie muss es weitergehen, sonst gibt es uns bald nicht mehr. Dieser Entscheid gefährdet die Sportorganisationen und dadurch zahlreiche Arbeitsplätze sowie die Nachwuchsarbeit.»

    «Bezüglich Budget können wir alle Pläne wegwerfen»

    In der Tat geht es dem Profisport in der Schweiz ähnlich wie der Reisebranche: miserabel. Obwohl in diversen Clubs die Spieler markante Lohneinbussen in Kauf nehmen, erwarten fast alle Vereine rote Zahlen. Mit den neuen Vorgaben lassen sich die Kosten erst recht nicht mehr decken.

    «Bezüglich Budget können wir jetzt alle Pläne wegwerfen – das ist ein Blindflug», erzählt Jakob. Den Vereinen droht wegen des Entscheids des Kantons Bern, dass Abonnenten und Sponsoren Geld zurückfordern. Dies würde zu Liquiditätsengpässen führen und wäre letztlich existenzgefährdend. Villard spricht in Zusammenhang mit der 1000er-Regel von einem «finanziellen Brandbeschleuniger».

    Die Vereinsvertreter wollen mit den Regierungsräten das Gespräch suchen. Jakob glaubt freilich nicht an eine baldige Rückkehr zur bisherigen Regel. Lüthi hingegen sagt: «Die Kantonsregierung wird über die Bücher gehen müssen, davon bin ich überzeugt.»

    Mit YB trifft es einen finanziell robusten Club; anders sieht es beim nicht nur sportlich gebeutelten FC Thun aus. Und im Eishockey muss man sich die Sinnfrage stellen: Zwei Mannschaften befinden sich in Quarantäne, drei Klubs verlieren künftig mit jedem Heimspiel eine Stange Geld.

    «Wir müssen nun eine Analyse machen», sagt Vaucher. Unabhängig von den Resultaten hat die Führung des SC Bern entschieden, bis zum kurzen Meisterschaftsunterbruch Anfang November trotz ungeliebten Voraussetzungen zu spielen. Ist auch denkbar, die Saison mit maximal 1000 Zuschauern durchzuziehen? Lüthis Antwort ist kurz und klar: «Das können wir uns nicht leisten.»

    us em Blick:
    ....schildert Liga-Boss Vaucher. «Von Seiten des Bundesrats wurde uns attestiert, dass die Schutzkonzepte im Eishockey gut sind und die Umsetzung in der Praxis erfolgreich war. Wir hatten bisher noch keinen nachgewiesenen Fall einer Ansteckung in den Stadien.»

    So wettern Berner Sportvereine über den Kanton!

    Unglaublich was in der Schweiz wieder abgeht! Da kann ich nur den Kopf schütteln! Denke nicht das ich im Frühling ein PO Spiel im Stadion sehen werde!

    Macht je länger je mehr auch keinen grossen Sinn mehr hier etwas zu schreiben, es geht immer mehr in jedem Fred nur noch um Corona.

    Bern verbietet Grossveranstaltungen mit über 1‘000 Besuchern. Wie weiter mit der Hockeysaison?

    Zürich:

    So rasch wie in Bern geht das in Zürich aber nicht . Hier muss der Regierungsrat entscheiden. Und dieser will nun erstmal zusammen mit dem Sonderstab Covid-19 prüfen, «wie die bestehenden Massnahmen mit den neuen Vorgaben des Bundes justiert werden müssen», wie er am Sonntag mitteilte. Über das Resultat will der Regierungsrat in der kommenden Woche informieren.

    Mit Waeber hat SL wieder einen guten Griff gemacht. Flüeler braucht seit jeher Druck, nur dann bringt er seine beste Leistung. Ausserdem ist er verletzungsanfällig. Ich weine Schlegel keine Träne nach, in Bern hat es ja schon mal nicht geklappt. Ich mag ihm aber die paar guten Spiele in Lugano gönnen.

    Ungleicher Kampf der Giganten

    Weshalb der ZSC dem SCB davonzieht

    Vor dem Duell auf dem Eis am Freitagabend vergleichen wir die ZSC Lions und den SC Bern. Das Verdikt ist eindeutig – derzeit.

    Adrian Ruch, Reto Kirchhofer (TA)

    Der SC Bern und die ZSC Lions sind die Schwergewichte des Schweizer Eishockeys. Seit 2012 hiess der Meister mit einer Ausnahme SCB oder ZSC. Einzig 2015 ging der Meisterpokal nach Davos – und nach einem Missgeschick von Teamleiter Paul Berri noch vor der Garderobe in die Brüche.

    Mittlerweile ist die Dominanz der Berner weg. Während der ZSC in dieser Saison als erster Titelanwärter gilt, wird dem SCB in den Prognosen ein harter Kampf ums Playoff prognostiziert.


    Nun sind Prognosen wie Laternen für Betrunkene: Sie geben Halt, aber nicht immer Erleuchtung. Dennoch steht ausser Diskussion, dass die Giganten momentan nicht in derselben Gewichtsklasse spielen. Wir nennen sieben Faktoren.

    Corona und dessen Folgen

    Die Pandemie trifft alle professionellen Eishockeyclubs, doch die finanziellen Einbussen sind beim SC Bern am grössten. Mit der Gastronomie lassen sich derzeit keine Gewinne realisieren, mit denen die Sportabteilung alimentiert werden kann. Auch die Lions wirtschaften seriös, aber deren Geschäftsmodell basiert unter anderem auf den Finanzspritzen des Milliardärs Walter Frey. Diese Geldquelle dürfte weitersprudeln, zeigten die Beratungsgesellschaft PWC und die Grossbank UBS doch kürzlich mit einer Studie auf, dass die Vermögen der Superreichen seit Beginn der Corona-Krise im Durchschnitt noch zugenommen haben.

    Zudem verliert der SCB durch die Einschränkungen am meisten Matchbesucher. 19-mal in Folge waren die Mutzen der Zuschauerkrösus Europas, und jetzt sind sie nicht einmal mehr die Nummer 1 im Land. Diesen Platz nimmt nun der Rivale aus Zürich ein. Im Hallenstadion wurde die Kapazität von 11’200 auf 7762 Personen beschränkt. Der SCB darf statt 17’031 maximal noch 6750 Menschen beherbergen.

    Struktur und Perspektiven

    Der ZSC war in der Vergangenheit bei der Spielansetzung oft benachteiligt, weil im Hallenstadion andere Events durchgeführt wurden. Doch im August 2022 ziehen die Lions in die Swiss-Life-Arena um – in mehrhafter Hinsicht ein Quantensprung. Das neue Stadion wird 12’000 Besucher fassen, über ein zweites Eisfeld sowie eine 460 Quadratmeter grosse ZSC-Garderobe verfügen.

    Bern spielt zwar in der grössten Eishockeyarena des Landes, aber diese gehört bald zu den ältesten. SCB-Boss Marc Lüthi sieht den SCB deswegen nicht im Nachteil. Ja, mittelfristig müsse das Klimaproblem gelöst werden, aber die Seite mit dem Arena-Restaurant und dem VIP-Bereich sei topmodern, sagt er. Nach der Pandemie sollen Stehrampe und Gästesektor wieder geöffnet werden. «Das macht uns aus; für viele Fans ist unsere Halle nach wie vor der Tempel.»

    Das Geschäftsmodell des SCB war schon vor dem Auftauchen des Coronavirus an seine Grenzen gestossen. Trotzdem ist Lüthi nicht neidisch auf den ZSC, der über einen treuen Mäzen verfügt. «Wir müssen neue Wege finden, Geld zu verdienen. Die derzeitige Situation hat kurz und vielleicht mittelfristig Einfluss auf die Qualität der Mannschaft. Aber ich bin überzeugt, dass wir uns nach der Krise in einem Jahr oder in zwei Jahren erholen werden und dann wieder angreifen können.»

    Die Qualität im Kader

    So viel vorneweg: Es wäre ein Fehler, die Mannschaft des SCB abzuschreiben. Der Kern ist intakt. Etliche Akteure sind mehrfache Meisterspieler, zählen in ihren Rollen noch immer zu den Besten der Liga. Doch nach drei Titeln in vier Saisons hat Bern den Zenit überschritten. Es bedarf eines Umbruchs. Zudem geht der aktuellen Equipe das Skorerpotenzial ab.

    Das Kader des ZSC ist formidabel in Qualität und Quantität. Die Zürcher können es sich gar leisten, auf den temporären Rückkehrer Pius Suter zu verzichten (er spielt stattdessen im Farmteam GCK Lions) und sich so die Option offen zu lassen, gemäss neuer Regelung einen fünften Ausländer zu verpflichten und einzusetzen. Der SCB hingegen setzt aus Spargründen zurzeit nur auf zwei ausländische Feldspieler plus Goalie Tomi Karhunen.

    Und noch ein Vergleich: Der ZSC vereint im Kader die Erfahrung aus 749 NHL-Partien und 290 WM-Spielen – der SCB erreicht Werte von 195 respektive 212.

    Die Transfers

    Es gab eine Zeit, da wurde dem SCB mit dem Begriff «Königstransfer» die Krone aufgesetzt: 2008 dank der Verpflichtung von Martin Plüss, im Oktober 2015 nach der Unterschrift Leonardo Genonis. Jüngst standen die Berner bei grossen Transfers auf der Verliererseite. Mit Genoni ging der beste Goalie, mit Mark Arcobello der konstanteste Ausländer der Liga. Die Arcobello-Lücke wurde nicht geschlossen: Dustin Jeffrey und Ted Brithén sind formidable Spielmacher, sie können den Amerikaner hinsichtlich der Skorerpunkte aber nicht ersetzen.

    Das Label des Königstransfers des Sommers trägt aber nicht Arcobello, sondern Sven Andrighetto. Der NHL-erprobte Flügel unterschrieb für fünf Saisons … bei den ZSC Lions.

    Die sportliche Führung

    ZSC-Coach Rikard Grönborg führte Schweden zweimal zum Weltmeistertitel. ZSC-Sportchef Sven Leuenberger ist Architekt mehrerer Meisterteams. Und in Bern? Steht mit Don Nachbaur ein Trainer in der Verantwortung, dessen Name bis vor wenigen Monaten im Schweizer Eishockey den wenigsten geläufig war – selbst wenn er unvergesslich scheint. Und Florence Schelling spricht im Zusammenhang mit ihrer Ernennung zur SCB-Sportchefin selbst von einem «unglaublich grossen Karriereschritt» und einer «komplett neuen Herausforderung». Zwar ist Erfahrung nicht immer gleich Kompetenz, aber die Diskrepanz ist augenfällig.

    Kommt hinzu, dass der SCB zurzeit weder einen zweiten Assistenten noch einen Videocoach beschäftigt. Was wenig zeitgemäss ist – Corona-Sparkurs hin oder her.

    Die jüngsten sportlichen Leistungen

    Quizfrage: Wer ist amtierender Meister? Genau: Bern, das im Frühling das Playoff verpasste. Nach dem Abbruch der Saison entschied die Ligaversammlung, keine Titel zu vergeben. SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi hatte vergeblich für den überzeugenden Qualifikationssieger ZSC als Meister votiert: «Nun bleiben wir amtierender Meister, und das haben wir nicht verdient.» Womit er richtig liegt.

    In dieser Saison haben beide Teams zweimal verloren, wobei der ZSC bereits fünf und Bern erst drei Partien bestritten hat. Die Favoritenrolle für den ersten Vergleich auf dem Eis in der Saison 2020/21 ist verteilt.

    Nachwuchs und Farmteam

    Der ZSC hat mit den GCK Lions in der Swiss League ein Farmteam, auf dessen Spieler er im Bedarfsfall zurückgreifen kann. Das kann sich Bern nicht leisten, doch die Zusammenarbeit mit dem Partnerteam aus Visp funktioniert gut. Dass der SCB über keine Frauenabteilung verfügt, fällt für die erste Mannschaft nicht ins Gewicht. Etwas anderes hingegen schon: Der Talentpool des ZSC ist deutlich grösser als jener der Mutzen. In der Nachwuchsabteilung der Lions spielen über 1000 Kinder und Jugendliche, beim SCB sind es rund viermal weniger.

    Während die Zürcher in jeder Altersklasse und innerhalb dieser auf jedem Niveau mit mindestens einem Team vertreten sind, setzen die Mutzen auf ein Pyramidensystem. Auf Stufe U-17 und U-20 hat der SCB nur noch je eine aus leistungsorientierten Spielern bestehende Equipe. U-20-Meister ist der SCB letztmals 2016 geworden, die GCK Lions holten ihren letzten Titel ein Jahr später. In der Qualifikation hatten die Mutzen zuletzt allerdings fast immer die Nase vorn. Entscheidend ist letztlich, wie viele der Talente den Sprung ins Fanionteam schaffen.

    Was denkst du? Kann der Joe noch was reissen?

    Er ist 41 und Gross, er wird noch langsamer aussehen als er ist! Aber er wird schon Einfluss haben, vor allem im PP. Der Start wird wohl harzig sein. Da er in einer speziellen Situation mit Davos ist kann man es nachvollziehen, ansonsten (da kaum Zuschauer zugegen) eher nicht.

    Meine Prognose:

    - Ab mitte nächster Woche werden nur noch Veranstaltungen bis 30 Personen erlaubt. Es hat sich zwar niemand an einem Hockeyspiel angesteckt, aber man muss ja etwas tun.

    Könnten Grossveranstaltungen schon am Wochenende verboten werden?

    Berset beantwortet diese Frage mit: «Ich würde sagen: Nein» Die Anlässe werden auf Gemeindeebene bewilligt. Er geht, wie eine heute bekanntgewordene Studie bekräftigt, davon aus, dass die Grossveranstaltungen dank ihrer Schutzkonzepte momentan kein Haupttreiber der Pandemie sind.

    PS: Scheisse, dacht ich sei im Hockey Fred! :blosswech: